Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Die Gräfin über die Ferres, ich über Military Benz, wir über Chancen

Veronika Ferres? Also ich weiß nicht. Da hat ja ne Kuh mehr Mimik beim Wiederkäuen.

*

Walnussöl und Himbeeressig diktierte sie den Einkaufszettel für den Bioladen. Ungeniert und schwerfällig verstand ich mit halbem Ohr.

(Aus der Reihe: Beinah kaum falsch)

*

Gleich auf Seite 2 eine dicke doppelseitige Anzeige für den neuen Mercedes CLS 63 AMG Shooting Brake. SHOOTING BRAKE. Jagdwagen. Nun bewegen sich die Menschen zunehmend in der Öffentlichkeit, als wären sie in Feindesland unterwegs, da kann man ein neues Modell ruhig Jagdwagen taufen, Schusskiste, keine Thematik, dafür ist der neue Benz wie gemacht. Ein Wagen, mit dem man in den Krieg zieht. Die Fensterscheiben Sehschlitze, nach vorn gebürstete Silhouette, auf Sternrädern unterwegs: Es ist, als steige man in einen Bunker der Effizienzklasse F. Als drohe jederzeit ein Luftangriff, und da zieht man es vor, schnittig in die Schlacht zu ziehen. Die niedrige Dachlinie hilft, dem Feind wenig Angriffsfläche zu bieten.

Fazit: Insgesamt handelt es sich beim Mercedes Shooting Brake um ein fahrbares Versteck, um den Military Benz, den Bunkermercedes.

Bleibt die Frage, ob nur bei Sondermodellen der Wagenboden stahlverstärkt ist gegen ferngezündete, in der Strasse verbuddelte Taliban-Sprengsätze, oder ob man da besser einfach Gas gibt wie Hulk bei Grün.

*

Du ziehst den Löffel Honig aus dem Glas wie ein langes blondes Haar. Wie lecker.

 - Die Gräfin -

*

Es passiert schon mal, dass sie früh um vier, halb fünf auf dem Weg zum Klo Frau Moll begegnet, unserer 9jährigen Mischlingshündin. Das ist ungefähr so, als würde man mitten in der Nacht auf eine einsame Spaziergängerin treffen, sagst du. Man beäugt sich einen Moment in der Dunkelheit, und dann geht jeder wieder seines Weges. Der Hund rotiert zum nächsten seiner drei verschiedenen Schlafplätze, die Gräfin zurück ins Bett.

 *

Jetzt wusste ich auch, warum sich alle Männer, die mir entgegen kamen, so klein machten. So schmal, dass jede Menge Platz blieb auf dem Trottoir, für mich. Es lag nicht nur daran, dass ich meinen morgendlich ausgeruhten Keep looking out for Number One-Gang aufgelegt hatte, ich trug zudem mein militärgrünes Blouson, darunter die Kapuzenjacke, was mich reichlich aufgepumpt wirken liess, die Muskeln gehisst. Obwohl da eigentlich nur Luft drin war, ne Mange Stoff, Polsterung.

Wichtiger war, das hatte ich im Laufe meines Daseins als Mann gelernt, der Gang. Um als Mann in dieser Welt bestehen zu können, musst du an deinem Gang feilen. Es reicht bei weitem nicht, einfach nur zu gehen. Zu gehen, wenn ich das schon höre. Als wäre gehen ein Tuwort wie jedes andere auch, ein xbeliebiges Verb. GANG muss es heissen! Spreche von einem GANG, wenn du deine Beine meinst, nicht vom Gehen. Gang, das geht!

BANGG!!

Befindest du dich als Mann in einem fremden Viertel, Ratingen West, kommt es ganz und gar auf die Beine an. Ob du direkt vermöbelt wirst oder ob du erst mal eine Chance kriegst. Eine Chance. "Die Chancen sind so oder so in der Welt. Wenn du sie nicht nutzt, nutzt sie ein Anderer", lautet eine Weisheit der Gräfin. Also nutze sie. Geh ordentlich, lass knukkern den Fuß. Zeige einen Gang von Welt, und du wirst ernst genommen.

Natürlich, zu derb auf dicke Hose machen ist auch schlecht, wie es überhaupt in diesem ganzen Testosterontowuwabohu darauf ankommt, im richtigen Moment seinen Gang zurückzuschalten bzw. im anderen richtigen Moment: die Schultern breit aussingen zu lassen. Ein kurzer Sololauf, was prägnantes, pam pam pimpanello, so breit müssen Schultern singen. Gesang ist auch ein Gang. Ist doch logisch: Weil Schultern keine Füße haben, müssen sie singen.

An manchen Tagen hab ich einen Gang drauf, als marschiere ich durch tiefen Morast, wobei ich die Schuhe nach hinten wegwerfe, als wolle ich mit nichts auf der Welt noch irgendetwas zu tun haben. Als wolle ich alles, wirklich alles, hinter mir lassen. Und die Brücken, die ich hinter mir abreisse, sollen brennen und mikrofein in den Himmel stauben. Ich mein ja nur. Das gibts eben auch, so Tage. So komische Gangtage.

Als wäre ich meine eigene kleine Gang.

*

Die Chancen sind so oder so in der Welt. Wenn du sie nicht nutzt, nutzt sie ein Anderer.

- Die Gräfin -

19.3.13 12:40
 
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