Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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12.11. 10 - Schinant

Ein schönes Wort, das ist schinant. Es taucht zwar nicht im Duden auf, wird aber überall in Deutschland verstanden. Ist es dem Solinger beispielsweise peinlich, mit der Urinprobe durchs vollbesetzte Wartezimmer zu schwappen, flüstert er der Schwester zu, Frollein, da bin ich aber schinant. Kann ich das Tässchen nicht einfach auf dem Klo stehenlassen und Sie holen es ab?

Problem dagegen ist ein Wort, das in jedem Duden zu finden ist. Aber es ist kein schönes Wort, nicht so schön wie schinant. Es ist schwer beladen. Man mag es kaum benutzen. Jawohl, dieses Wort hat ein Problem. Mit einer Ausnahme. Wenn es Nachmittag ist, ein Tässchen Kaffee dampft auf dem Tisch und das Wort kommt aus dem Mund meiner Mutter. Dann klingt es wie Proplem, mit einem harten p im Wortkern. Das macht es klarer und härter, es funkelt beinah.

Mir selbst ist das übrigens nie aufgefallen. Es war die Gräfin, die mich darauf hinwies, als wir zu meinen Eltern unterwegs waren, zum Kaffeetrinken.

"Ist dir schon mal aufgefallen, dass deine Mutter immer Proplem sagt statt Problem?"

Kaum saßen wir an der Kaffeetafel, ging es los.

"Valentinstag ist doch nur eine Erfindung der holländischen Blumen-Mafia", schnatterte sie aufgeregt, "das ist doch das Proplem!"

Die Gräfin und ich mussten an uns halten.

"Was ist los?" wollte Mutter wissen, leicht verunsichert. Und dennoch lächelte sie. Ich meine, man kennt sich schließlich.

Eigentlich kann ich mich nur an eine Situation erinnern, wo ich mich für meine Mutter geschämt habe. Da war ich dreizehn und wir gingen gemeinsam durch die Stadt, ein Geburtstagsgeschenk kaufen. Sie trug diesen unmöglichen grünen Lodenmantel, in dem sie aussah wie eine Eule. Ich bewegte mich von Hausecke zu Hausecke, um jederzeit untertauchen zu können, falls Freunde oder Mitschüler aufgetaucht wären.

Das Wort Proplem beschäftigte uns noch auf dem Nachhauseweg, nachdem die Kaffeetafel bei meinen Eltern für beendet erklärt worden war.

"Weisst du, was das eigentliche Proplem ist? Die Leute wollen ihre Propleme immer apstellen, wie einen Staupsauger", alberte ich. "Apstellen? Apstellen geht nicht. Aber Propleme leiser stellen müsste funktionieren", dachte die Gräfin weiter, eine Spezialität von ihr. "So leise, bis sie nur noch Hintergrundgeräusch sind."

Gute Idee. Kommen Leute zu Besuch. "Sagt mal.. was faucht hier so komisch?" "Och, das sind nur unsere Propleme. Nichts besonderes. Wollt ihr mal hören? Sollen wir lauter stellen?" "UmHimmels Willen!! Nein!"

 

Heut Abend ist Party. Meine große Schwester feiert Geburtstag. Die Gräfin weiß nicht, wie sie ihr Haar tragen soll - offen oder gebändigt.

"Guck mal. So?"

Das ist ein Dutt.

"Aber das wirkt zu angepasst, oder? Was meinst du?"

Ich sage gar nichts, weil es letztlich sowieso egal ist, was ich dazu sage, also murmle ich einfach irgendwas.

"Schä rerff zu mol!"

"Hm, ich glaube, ja, da hast du Recht."

Trägt sie das Haar also lieber offen: Wilde Locken, halben Meter lang.

"Aber das sieht wiederum so aus, als würde ich eine Rebellenfahne hinter mir her ziehen. Verflucht."

Auch die Kleiderfrage bleibt zunächst ungelöst.

"Nie hab ich was schickes zum Anziehen", klagt sie.

Sie probiert ihren Kleiderschrank durch, wieder und wieder, und ich muss als Publikum herhalten. Am Ende läuft sie ganz schlicht im schwarzen Fummel auf.

"Ach nee", urteilt sie selbst vorm Spiegel, "da sieht man ja alles.. Ich mein, da sind doch viele Fremde. Dazu bin ich heute zu schinant.."

"Ach Quatsch! Das sieht scharf aus!" rufe ich, damit das mit dem Catwalk hier endlich ein Ende hat. "Andererseits, mit diesem Fummel gibt's garantiert Trouble auf der Party."

"Trouble..? Au ja! Das wär doch mal ein gelungener Abend! Ich tanze die Nacht durch bis in den Morgen und du haust fremden Männern auf die Fresse!"

Meinetwegen. Solange sie nur keinen Lodenmantel aus dem Schrank zaubert.

 

*

Review: Das Weib des Lyrikers auf Glumm

12.11.10 10:49
 
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