Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Jim Morrison - The Todestag

Meine Vernarrtheit in Jim Morrison und die Doors begann im Sommer 1971.

Ich war elf Jahre alt, hatte krumme Beine vom Kicken, krauses Haar und entdeckte die Magie der Popmusik.
"Riders on the storm" von den Doors hatte es mir besonders angetan.

Eine Single mit Gewitter drauf, und Regen.

Ich kaufte meine 45er bei Radio Palenschadt am Neumarkt. Die hatten schalldichte Einzelkabinen, da konnte man neue Singles probespielen.

Riders on the storm war meine zweite oder dritte Single. Ich hatte von Anfang an einen Tick: in einer unteren Ecke des Plattencovers notierte ich das Kaufdatum.

10. Juli 1971.

Riders on the storm klang düster und romantisch, wie auf schwarzen Wolken. Was man mit elf eben so braucht, um sich wie schmutzige zwölf zu fühlen.
Die B-Seite war auch okay. Changeling.

Was ich nicht wissen konnte: der Sänger der Doors, Jim Morrison, war zu diesem Zeitpunkt schon eine Woche tot. Er war am 3. Juli 1971 in Paris in einem Hotel ertrunken. In der Badewanne. Angeblich. Der herbeigerufene Arzt hatte auf dem Totenschein lediglich "Herzversagen" als Todesursache attestiert. Herzversagen. So was.

Dreissig Jahre später haben Zeugen dieser Nacht sowie der ehemalige Nachtclubmanager Sam Bernett ihr Schweigen gebrochen.

Demnach hat Morrison in der Nacht vom 2. Juli auf den 3. Juli 1971 auf dem Klo der Pariser Discotheque Rock'n Roll Circus eine Überdosis Heroin gesnieft. Das Zeugs war hochgradig rein, ausserdem war Morrison wie immer besoffen.

Als der Nachtclubmanager Bernett ihn auf dem Klo fand, lag er gekrümmt auf dem Boden, Schaum vorm Mund, Blut lief aus der Nase, er atmete nicht mehr.

Man schleppte ihn in Panik zum nahen Hotel, wo Pamela Morrison schon schlief, seine Frau, die drei Jahre darauf ebenfalls an Heroin starb, steckte ihn die Wanne, liess Wasser laufen und versuchte, ihn wieder auf die Beine zu kriegen.

Jeder Junkie kennt das. Kaltes Wasser, Ohrfeigen und Bewegung haben schon so manchen zurückgeholt. (Ich hab solch eine Aktion ein Mal miterlebt und weiß seither, welche Panik alle Anwesenden ergreift. Wohl dem, der jemanden dabei hat, der kühlen Kopf bewahrt.)

Es gibt Fotos, die ein paar Tage vor dem Tod von Jim Morrison aufgenommen wurden und einen aufgedunsenen Säufer auf der Terrasse eines Pariser Cafes zeigen. Wer die Bilder gesehen hat, ahnt: Jim Morrison hat sich totgetrunken, und ob da nun Monsieur Morphium mit in der Wanne gesessen hat oder nicht, spielt letztlich keine Rolle.


Zehn Jahre später, am 3. Juli 1981, wollte ich mit Karlos und Pepe, die genauso vernarrt waren in die Doors, zum Friedhof Pere Lachaise im Osten von Paris, wo Jim Morrison begraben liegt.

Eine Menge Prominenz hatte sich zum zehnten Todestag angesagt, da durften wir natürlich nicht fehlen.

Da Pepe arbeiten musste, nahm er am 3. Juli vormittags den Intercity von Köln nach Paris während Karlos und ich bereits am 1. Juli losgetrampt waren.

Zwei Jungs ohne viel Gepäck in zwei Tagen bis Paris, mein Gott, wir hatten schon längere Strecken in schnellerem Tempo hingekriegt, und das mit dicken Rucksäcken und Totenkopf-Flagge obendrauf.

Wir waren mit Pepe am Pere Lachaise verabredet, am 3. Juli, um die Mittagszeit herum.

Pepe war pünktlich am Grab in der 6. Division und hielt Ausschau nach uns, Tausende von Fans waren pünktlich am Grab, alle waren so verdammt pünktlich an diesem 3. Juli 1981 am Grab von Jim Morrison und stimmten a cappella "My wild love" an, und „Light my fire“.

Sogar die drei verbliebenen Doors waren eigens aus Los Angeles angereist, mit einem Filmteam: Organist Raymond Daniel Manzarek, Gitarrist Robbie Krieger, Drummer John Densmore.

Wer nicht da war? Klare Sache, Karlos und ich.

Zu diesem Zeitpunkt standen wir im strömenden Regen auf einer Kuhwiese irgendwo in Belgien und bauten unser winziges Zwei-Mann-Zelt auf.

Wir hatten Tramper-Pech auf ganzer Linie gehabt. Kaum ein Wagen hatte angehalten, und wenn sich doch einmal ein Fahrer erbarmte und uns mitnahm, dann nur ein paar Kilometer bis zur nächsten Autobahn-Abfahrt.
"Allez!" (Fußtritt.)

So vergingen sage und schreibe zwei Tage. Wir waren die lahmsten Doors-Freaks aller Zeiten und näherten uns Paris mit der Geschwindigkeit schlecht gelaunter Raupen.

Die Stimmung änderte sich erst, als klar wurde, dass es beim besten Willen nicht mehr zu schaffen sein würde. Und von da an entwickelte sich der 3. Juli 1981 noch zum schönsten 3. Juli aller Zeiten.

Karlos und ich auf dieser triefenden Weide abseits einer vielbefahrenen belgischen Autobahn, unter Dauerregen im Mini-Zelt gefangen, von furchteinflössend muskulösen weißen belgischen Kühen umgeben.

Diese Monster niemals aus den Augen lassend erhitzten wir auf unserem kleinen Campingkocher zwei Flaschen billigen Landwein, kippten Zucker dazu und rollten einen kleinen Joint vom letzten Rest Roten Libanesen.

Wir haben gelacht bis wir einschliefen, und noch in der Nacht, als ich wach wurde mit zerfranster Kehle, war ich am Lachen, während Karlos draußen mit den Kühen diskutierte: "Zum Mitnehmen, ja selbstverständlich, die Dame! Können Sie ruhig alles in eine Tasse packen! Ist nicht zu schwer, nein, die Dame! Ich bedanke mich! Ein schönes Fest ist das hier!"

Als wir am nächsten Tag endlich Pere Lachaise erreichten, der Friedhof war abgeschlossen, wir mussten übers Tor klettern, war ausser uns niemand anwesend.
Logisch, ich mein, welcher Penner besucht schon das Grab von Jim Morrison an einem 4. Juli.


Pepe starb Ende Juni 1987 auf dem Klo eines Cafes auf der Münchener Leopoldstrasse an einer Überdosis Heroin. Als er vom Wirt gefunden wurde, lag er gekrümmt auf dem Boden und atmete schwer.

Beigesetzt wurde er am 3. Juli 1987 in Hagen, im Grab seiner Großeltern.


"Das Echteste, was einem passieren kann, ist der Tod auf dem Lokus. Auf dem Lokus kommt es zur Sache. Da spricht dein Körper Tacheles. Der Lokus ist der ehrlichste Ort im Leben eines Menschen." (Die Gräfin)


Pere Lachaise (Virtuelle Tour)
28.6.08 14:13
 


bisher 21 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Taugenichts (28.6.08 14:28)
Naja am dritten Juli waren doch alle da. Am vierten ist man was besonderes. Ohne Kamerateams und Würstchenbuden.


minotaurus / Website (28.6.08 15:57)
Du hast meinen verregneten Ich-bin-ein-Versager-Tag sowas von gerettet. Danke.

(Dass Du mir nicht gerade Mut gemacht hast, wie geplant Anfang Juli nach Paris zu trampen, steht einfach mal auf einem anderen Blatt.)


XX (28.6.08 16:08)


Danke, schon laufen wieder die Türen im Kreis und unterhalten mich.... der Regen prasselt, der Donner dröhnt...


...und eine Reise über den Père Lachaise muss man in aller Stille machen

Grüße
vom Wolf


Manniac / Website (29.6.08 10:17)
R.I.P. Jim und Pepe


Peter / Website (29.6.08 11:14)
Ich wünschte diese Seite hätte einen großen roten Erzähl-mir-mehr-Knopf.


Zeigefinger / Website (29.6.08 14:29)
Ich bin grade wieder in Gedanken beim Kinofilm und "The end.." Unglaublich schön.


Blauglut / Website (29.6.08 15:23)
when the music's over...
Trampen kommt wieder schwer in Mode, aber umsonst wird man nicht mitgenommen


Katiza / Website (30.6.08 15:16)
Ach Herr Glumm, da haben wir ja noch eine große Liebe gemeinsam- ich hab den ersten Hacker von einem Joint damals stilgerecht am Pere Lachaise abbekommen...das hat das Wunder Morrison noch ein wenig kompletter gemacht - No one here get's out alive!


Herr Jeh / Website (1.7.08 07:57)
From Los Angeles, CA ... The Doors ... gut.

Aber: Auf Klos ohne Türen stirbt es sich schlecht.


Donna (1.7.08 08:37)
kauzig, echt, GLUMM!!


lava. (1.7.08 08:58)
Da hat Peter eine gute idee:, der erzähl-mir-mehr-Button auf 500 Beine, das wär's.


herbert / Website (1.7.08 11:43)
Mir ist grad ganz anders. Find ich echt heftig diesen Beitrag.


c.rissie II (1.7.08 13:54)
500 Ge-Beine SIND heftig.


Cara / Website (1.7.08 20:54)
Ok, Meister - Du hast den 03. Juli vorweggenommen.
Ich nehm's Dir nicht übel.
Power!


jim (2.7.08 08:59)
YOUR BALLROOM DAYS ARE OVER, BABYY,

NIGHT IS DRAWING

NEAR!!


Jupp Derwall / Website (2.7.08 12:28)
Mir wird nicht langweilig das zu sagen: Wun_der_bar, 500. Schön, dass Du das hier Alles machst - was wären die Tage ohen Deine Geschichten!?!


7 / Website (3.7.08 12:37)
Es ist schon spannend wie manche Geschichten im Leben sich überschneiden. Gewisse Tage, Daten, Leute. Karlos und du, ihr habts doch gepackt, oder?
Ich mein, ihr wart auch langsamer im sterben.
Du lebst ja noch.


astralgiker / Website (6.7.08 18:03)
Eine Geschichte, die das Bild um das Grab von Jim Morrison vollkommener macht.

Kreise schließen sich irgendwie. Um 1987 und später begann für andere Generationen ein kultureller Trip, der auch auf die schamanischen Spuren von Jim Morrison (Doors-Film) führte. Grabbesuche in Paris mit eingeschlossen. Lokales Zentrum dieses Trips war in München die Leopoldstraße und der Englische Garten. Das Ganze mündete Später weitestgehend in Techno und GenerationX.


Birgit / Website (31.10.09 23:04)
Wenn ich sowas lese, dann wird mir immer komplet anders. Trotzdem nette Geschichte von dir.


Chris / Website (21.11.09 22:25)
Toller Beitrag. Sehr informativ. Hier hab ich einige Dinge gelesen, die ich vorher noch nicht gewusst habe.


Camsex / Website (26.7.10 21:01)
Der Beitrag geht mir unter die Haut. So etwas lese ich nicht gerne, aber manchmal gehört es dazu.

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