Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
  Startseite
  Über...
  Datenschutz
  Impressum
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   
   Wer war 500beine
   Glumm auf Wordpress
   Susanne Eggerts Citronenbusen
   Blogroll
   Twitter 500beine

kostenloser Counter



https://myblog.de/500beine

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Meins, wie es sinkt und zusammenkracht

Ich bin früh aus dem Haus gegangen und umgefallen.
„Hilfe.. Hilfe..“
Es war, als wäre der Mann, der in mir wohnt, eine Wendeltreppe runtergelaufen, und als er unten ankam, bohrte sich die Treppe weiter in den Erdboden, er taumelte.
Er stürzte.

Ich saß da, auf dem Hintern. Unter mir die vom Dauerregen der letzten Tage aufgeweichte Wiese. Der Hund wedelte entsetzt mit dem Schwanz, kam aber nicht näher.
Blieb stehen, wo er war.

"Wenn ein Mann hinfällt", hat die Gräfin mal gesagt, "sind alle Umstehenden unangenehm berührt. Wenn der sich schon nicht mehr auf den Beinen halten kann, was ist dann mit meinem mickrigen Dasein?"

Ich versuchte aufzustehen, und fiel wieder um. Kolossaler Rechtsdrall. Ich saß auf der Wiese, alles nass unter mir.
Zwei Schulmädchen kamen die Strasse hoch, unterhielten sich im Zwielicht.
„Hilfe..“, sagte ich leise, beinah wie eine Frage.
Die Beiden blieben stehen.
„Könnt ihr.. mir helfen?“
„Was?“

Da saß ein Mann im Morgengrauen auf seinem Hosenboden, im Vorgarten.
Neben ihm ein Hund.
Es war fast noch dunkel.
„Ich weiss nicht, was mit mir los ist“, sagte der Mann.

Das nasse Gras, eine Wendeltreppe. An der Wand: eine gespenstisch schnelle Dia-Show. Er sah den Notarztwagen, die weiße Ambulanz im Krankenhaus. Er sah einen Schlaganfall, einen epileptischen Anfall, er sah sich nackt auf dem OP-Tisch. Menetekel, und er sah die Gräfin, seine Gefährtin.
Sie lag im Bett und schlief und wusste von nichts.

Die Mädchen, vielleicht 13, 14 Jahre alt, standen auf der nassen Strasse.
Ein Auto fuhr los.
Da war auch Wind, mit einem Mal. Er fegte den Berg hoch. Nahm Splitter mit.

Ich sah zum Hauseingang, das Flurlicht brannte noch.

Ich hatte dem Hund das Halsband umgelegt, ich hatte mir die Schuhe zugebunden, ich hatte mich zweimal gebückt auf zwei große Espressos und zwei Zigaretten auf nüchternen Magen.
Ich hatte.. es war wie immer gewesen. Nach einer Nacht ohne viel Schlaf.

„Könnt ihr.. da reingehen und Bescheid sagen..?“
Meine Stimme war schwach. Ein Rinnsal.
„Bescheid sagen..? Wo?“
„Da.. drin.“

Ich zog die Beine an und schloß die Augen. Der Kreislauf, dachte ich. Das ist der Kreislauf. Der heftige Rechtsdrall. Das Stürzen ins Nichts. Ich saß auf der Wendeltreppe, auf dem unteren Abatz.

„Schon gut“, stammelte ich, „..schon gut.“

Ich stand auf und ging, vom Hund begleitet, vorsichtig die paar Meter zum Hauseingang. Schritt für Schritt. Auf Wolldecken, barfuß.

Die Türe. Sie war nicht ins Schloß gefallen, es reichte, sie aufzudrücken.
„Komm“, sagte ich zum Hund.

Im Flur setzte ich mich auf die Holztreppe, und das Flurlicht erlosch. Ich saß im Dunkeln.
Die Türe war zu.
Ich atmete.
31.1.08 11:39
 
s



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung