Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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FLEISCHDENKERIN

Als ich von der Arbeit komme, lümmelt die Gräfin in der Stutenmilchwanne.
Es riecht lecker.
"Hast du keine Lust mit Frau Moll rauszugehen? Die kackt uns sonst die Bude voll."
Was soll man darauf sagen? Etwa nein?

Ich schlender mit Frau Moll bis in die Malteser Gründe, wo ich sie beim Abseilen eines dicken Haufens beobachte, und da ich schon mal in der Nähe bin, mach ich einen Schlenker bei Lotta vorbei, die sich mit einer Kombination aus Sushi-und Suppen-Bar selbständig gemacht hat.
Eine Solinger Erfindung.

Es ist drei Uhr am Nachmittag, tote Hose in der Fischklitsche. Suppe will auch niemand.
Lotta ist verblüfft, mich zu sehen, und mies drauf. Sie war ein energischer kleiner Punk, bis vor ein, zwei Jahren, doch dann ist ein unzufriedenes, allein erziehendes Mütterchen aus ihr geworden, zehn Kilo zuviel drauf. Sagen wir, fuffzehn.

"Sieht der hässlich aus", meint Lotta.
"Wer?"
"Na, hier. Dein Hund."
Frau Moll und hässlich?
Ist das ihr Ernst?
"Mit der Meinung stehst du aber ziemlich allein da."
"Hässlich.. und struppig."
Missgünstig blickt Lotta auf Frau Moll nieder, die sich am Fuße des blitzblanken Tresens hingehauen hat.
"Und viel zu schlapp für ihr Alter."

Viertelstunde später bin ich mit dem Hund auf dem Heimweg und grüble, was Lotta damit bezweckt haben mag, von wegen Frau Moll sei hässlich.
"Das ist Blödsinn. Du bist nicht hässlich. Du bist nicht schlapp."
Gut.
Vielleicht wird man später einmal sagen, Frau Moll war ein Hund mit einem kleinen Köpfchen, in das passgenau ihr Appetit reinpasste.
Das kann schon sein.
Die kleine Fleischdenkerin.
Unser emsiges Bodenpersonal.

Zu Hause steigt die Gräfin mit Hochfrisur aus dem Dampfbad.
Sie sieht aus wie Nofretete.
"Ich fühle mich leicht und schwer zugleich", seufzt sie entspannt, "als hätten sich alle meine Muskeln auf den Boden gelegt."

Ich erzähl von meiner spannenden Stunde in Park und Stadt.
Was ich alles gesehen hab. Man müsste mit Photoshop durch die Strassen laufen und all das Unglück und die Langeweile und die Borniertheit aus den Gesichtern wegretuschieren, denk ich manchmal.
Andererseits: Wenn man einmal mit dem Retuschieren anfängt, was bleibt dann noch übrig?
Entleerte Trottoirs.
Viel Hals, kaum Kopf.

"Zum Schluss war ich auf einen Sprung bei Lotta im Laden. Sie macht nächsten Monat dicht. Hat sich nicht mehr rentiert."
"Nicht mehr rentiert, pff. Das war von Anfang an eine Totgeburt", meint die Gräfin. "Eine Sushi-Bar in Solingen, wie soll das funktionieren."
Sie steht vor dem Spiegelschrank und flämt ihre Lippen.
"Und wie gehts ihr sonst?"
"Mh. Nicht gut. Dick ist sie geworden."

Und da geht mir auf, wen Lotta eben gemeint hat, mit hässlichem Hund: Sich selber natürlich! Sie sieht ja mittlerweile so grotesk aus wie ihre Mutter.
"Die wiegt hundertfünfzig Kilo und kann kaum noch gehen", hatte Lotta mit schiefem Mund erzählt. "Die humpelt nur noch. Und wenn sie morgens wach wird, gehts direkt vor den Fernseher. Gerichtsshows, du weisst schon.."

Möglicherweise hab ich Lotta auch noch einen winzigen Moment zu lange auf den Schmerbauch gestiert.
Frauen sind hochempfindlich.
"Du hast aber einen hässlichen Hund!"
"Frau Moll ist doch nicht hässlich", sag ich zur Gräfin. "Das ist normale internationale Härte. Oder?!"
"Sicher. Hat sie geschissen?"
8.3.07 10:39
 
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