Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Nun.. also, hüstel..

.. ich bin ja gar nicht so arg anders als der Durchschnitt, mit einer Ausnahme: Ich mag keinen Herdentrieb.

Wenn jeder Internetheinz glaubt, ohne Facebook-Account keine Daseinsberechtigung mehr zu haben, dann hab ich eben keine Daseinsberechtigung mehr, auch egal, jede Lizenz läuft mal ab, Facebook kriegt mich jedenfalls nicht.

Und wenn alle Welt losrennt und mobil telefoniert, bin ich unter Garantie der Letzte, der sich ein Handy in die Tasche stopft, um ja stets erreichbar zu sein und damit auch das allerletzte kleine Geheimnis einzubüßen, das Geheimnis, wo ich mich gerade aufhalte. (12 Grad minus am Morgen. Über mir sitzt ein Specht im Baum und spielt Kastagnetten.) Na logisch lässt sich so ein Handy auch ausschalten, doch das schürt sofort Mißtrauen und hat mit Geheimnis nichts zu tun.

Wenn 99 Prozent der Leute, die gerne fotografieren, ihre alten Apparate für schmales Geld verschleudern, um die nächste 100-Billionen-Pixel-Power-Digitalkamera anzukaufen, dann hol ich mir erst recht eine analoge Reflex und bunkere auf Vorrat eine Palette Silberfilm von Kodak.

Wenn die Deutschen sich mit einem Mal alle einen Schal um den Hals legen, weil es gerade Mode ist, muss ich an mich halten, dass ich nicht losbrülle vor Lachen und Wolle kotze.

Und wenn die TV-Zuschauer, weich gekocht von der xten Kochshow, endlich auf Wachteleier und blutigen Lungenpüree umsteigen, nasche ich dicke Kartoffeln aus der Erde.

Nur wenn die ganze Herde plötzlich anhält, um sich am Wasserloch frisch zu machen, bin ich mit dabei. Sogar ganz vorne. Und schon kommt das Schnappkrokodil.

Punkt 12 Uhr 22.
1.2.12 12:22


Belgisch Kongo

Der lange Horst, der zu Höchstform auflief, wenn er die ersten paar Bier intus hatte, hatte die ersten paar Bier intus und lief zu Höchstform auf. Er prophezeite seinem Nachbarn am Tresen, wie das so wird mit dem modernen Leben. Demnächst.

"Heute sind Großrechner so groß wie ganz Belgisch Kongo, aber pass nur auf, im Jahr 2000 sind die Dinger so klein und so flach, die passen in deine Westentasche. Es lebe die weisse Technikrasse!"

Er äugte nervös rüber zu dieser kleinen indischen Micky Maus, mit der er mal wieder Stress hatte. Nicht, dass sie wirklich ein Paar waren, es war mehr ein Techtelmechtel, das sich hielt. Die indische Micky Maus turnte seit vielen Jahren durch die Stadt, sah aber immer noch aus wie ein Teenie. Sie trug bunte indische Tücher und vorn am Hemd einen Sticker: "Nieder Mit Dem Männlichkeitswahn!" Ihre Mutter hatte noch "Nieder Mit Dem Imperialismus!" gebrüllt, als sie selbst Teenager gewesen war, jetzt war sie Mitglied im Katholischen Gebetskreis, während die Tochter abgeschnittene Schwänze sammelte.

"Ich sammle abgeschnittene Schwänze."
"Hast du also Spass an abgeschnittenen Schwänzen, du blöde Kuh?!" meckerte der lange Horst sie an.
"Du blöder Wichser!", sie wieder.
"Wer verliert, kriegt in die Fresse!" mischte sich Leon ein, aus vollem Hals lachend, er wohnte in Dresden mittlerweile und war zu Besuch in der alten Heimat.

Ich stand überm Notizbuch gebeugt und konnte mich nicht richtig konzentrieren, weil ich am liebsten jedes verdammte Komma behalten hätte, das die Leute setzten, aber ich war schon zu blau und behielt nur die einfachen Sachen, Sachen wie "Flamencotanzen auffem Gullydeckel!" (Leon) oder "Wasserbetten und Backfisch, obwohl roher Fisch gesünder ist." (Unbekannt und unvollständig.)

"In Afrika ham die Leute dauernd neunzig Fliegen in der Fresse", hörte ich jetzt wieder den langen Horst von links, ja, er war immer noch in Hochform, doch das würde sich nicht mehr lange halten, dann ging er den Bach runter, "und bei uns in Westeuropa? Da wird jede Fliege einzeln erschlagen."

"Ich mag keine Fliegen, also schlag ich sie platt", gab die kleine indische Micky Maus zurück. "Ich mag auch keine Ameisen. Ameisen ertrage ich nur als Haufen. Wenn ich Ameisen einzeln seh, kann ich sie nicht leiden."

Und dann kam er, mittenrein, der Satz des Tages. Ich hab keine Ahnung, wer ihn produzierte, weil mir die Stimme nicht bekannt vorkam, und vom Notizbuch aufblicken ging auch nicht, sonst hätte ich es nicht notieren können.

Erst rief Leon: "Du musst dahin, wo dein Herz dich hinschlägt!", worauf jemand entgegnete, aus einer anderen Ecke des Mumms, "..und wenn es dich auf die linke Backe schlägt, halt ihm noch die rechte hin!" Und alles grölte. Später kam noch "Liften lassen und Abi machen" hinzu,"dann kann man nochmal anfangen mit dem Leben!"

So toll war die Ausbeute nun nicht, aber der ganze Tag war nicht toll, die ganze Beute, und dann schneite Karlos zur Tür rein, Karlos, dem neuerdings eine Narbe die Stirn runterlief, wie ein Canyon. Er hielt stracks auf mich zu und meinte: "Lass den blöden Kuli fallen, Glumm, wir trinken einen."

Mir doch scheissegal.
3.2.12 09:37


Ruhe im Bau

Ich rubbelte den Hund mit dem Handtuch ab.
"Bäh.. das stinkt wie die beiden Popohälften von King Kong", schimpfte ich.
Er hatte sich auf dieser alten Kuhwiese gewälzt, die nicht gerade für koschere Hinterlassenschaften bekannt ist.
Und später, als der Hund unterm Schreibtisch hervorgekrochen kam, fand ich diese dicke Zecke auf dem Teppichboden. Erst dachte ich, es wäre ein Steinchen, das Frau Moll aus dem Pelz gefallen war, doch es fühlte sich nicht an wie ein Steinchen, eher wie eine dicke Bohne, noch warm und ein bißchen taumelig, fast wie besoffen. Es war, als hätte ich einen Anruf gekriegt, "Ihre kleine Frau liegt stinkevoll unterm Tresen und streckt alle viere von sich", und nun war ich da, um sie einzusammeln. Na ja, so ähnlich. Ich nahm ein Taschentuch, wickelte das graue Insekt darin ein und schmiss es in den Mülleimer.

Abends erzählte ich der Gräfin davon, und ab da hatte sie keine ruhige Sekunde mehr. Nicht etwa, weil dem Hund eine Zecke aus dem Fell gefallen war, die Anti-Zecken-Lotion, mit der Frau Moll im Sommer eingerieben wird, arbeitet in der Regel zuverlässig, und nur gelegentlich kommt ein Exemplar durch, sondern weil ich die Zecke einfach in den Müll geworfen hatte, so mir nichts, dir nichts.

"Und wenn die da rauskrabbelt?"
"Wie soll die denn da rauskrabbeln? Die kann gar nicht mehr krabbeln, so pappsatt und kugelrund wie die war."
"Du weisst doch gar nicht, wozu Zecken alles fähig sind. Das sind Überlebenskünstler. Das sind Strategen. Die hängen zwanzig Jahre tot am Strauch, und dann kommt ein Hund mit nackigen Beinen daher und schwupp, schmeissen sie sich ran und haken sich im Fell fest."
"Ja, wenn die Zecken hungrig sind, klar. Aber die war so pappensatt, der müsste man erstmal Blut absaugen, bevor die wieder aktiv werden kann."
"Dafür findet die auch noch nen Kollegen, der das macht. Der ihr das Blut absaugt. Sogar im Mülleimer. Jede Wette. Das sind Kannibalen."

In diesem Moment wurde auch ich unsicher.
"Verflucht!"
Ich holte das Taschentuch aus dem Müll, in dem ich die Zecke eingewickelt hatte, ging vor die Tür und fackelte alles auf dem Pflaster ab. Es knisterte wie eine kleine Texaspfanne.

Dann war wieder Ruhe im Bau.
4.2.12 15:58


Ich hab mal ein Buch gelesen

Ich hab Anfang der 80er Jahre mal ein Buch mit nach Hause gebracht, es stand unter Neuerscheinungen. Ich weiss nicht mehr, wie es hiess, ich hab den Namen des Autors vergessen und ich weiss nicht mal mehr genau, worum es in dem Buch ging - ich weiss nur noch, es hatte ein himmelblaues Cover und spielte in Lateinamerika. In Uruguay, Montevideo. Ein Roman aus der Großstadt, eine verhängnisvolle Liebesbeziehung, das waren die Eckdaten. Einmal angefangen, legte ich das Buch nicht mehr weg, ich las die ganze Nacht durch bis zum Morgen und als ich den letzten Absatz erreichte, die letzte Zeile, das letzte Wort, nahm ich das Buch und pfefferte es zornig gegen die Zimmerwand, mit nassen Augen. Weil alles, wirklich alles so gekommen war, wie ich es befürchtet hatte, und weil der beschissene Tod den Roman, die Liebe besiegelte. Ein tolles Buch war das, und ich hab alles vergessen. Es hatte ein himmelblaues Cover. So wie der Himmel um den zehnten Mai rum.


*
Auf Glumm: Es war ein Ritual geworden
13.2.12 12:10


Von Philosophen und echter Philosophie

 500beine trödeln heim. Sieben Meilen sind genug.

 

 Ladendieb, Susanne Eggert

 

*

 

"Oh, jetzt hab ich mich doch glatt selbst bespuckt. Am Fuß wurde es plötzlich so kalt."

- Die Gräfin -

*

Sachen, die ich nicht mag: in Diskussionsrunden dieses selbstgefällige Grinsen von Philosophen, dieses: ICH weiß, was los ist in der Welt, und darum lächle ich jetzt mal still und plakativ in mich hinein, damit es auch ja jeder sieht.

 

*

"Das Wort Land finde ich echt schön. Ein schönes Wort. Land in Sicht!"

 

*

"Wenn Frauen traurig sind und auf die Waage steigen, wiegen sie am meisten. Das sind all die ungeweinten Tränen."

- Die Gräfin -

*

Leute, ob prominent oder nicht, die ihr Gesicht zum Schönheitschirurgen tragen, wirken hernach alle merkwürdig verzerrt, geradezu verfratzt. Wangenknochen stehen hervor wie Erker an der falschen Stelle, ex-Krähenfüße hinterlassen ein gestrafftes Grab.

"Das ist wie bei Bulimiekranken. Die denken auch immer, sie seien dick, obwohl sie keine fünfzig Kilo wiegen", meint die Gräfin. "Und Gebotoxte glauben, sie sähen jung aus, dabei wirken sie bloß gehetzt und verzweifelt."

Das neueste Opfer: Wladimir Putin.

"Der sieht aus wie ne olle Tussi. Bringen Sie mich über die Strasse, Herr Merkel?"

Aber es geht nichts über das trotzig reparierte "Ich kann soviel in den Sandkasten kacken, wie ich will!"-Gesicht von Silvio Berlusconi.


*

"Es wird Zeit, dass wir uns wirklich eine Seele anlachen, und nicht bloß Maßnahmen, die uns all das weiter aushalten lassen."

 

- Die Gräfin -

*

Keiner hat was gesagt, aber alle wussten Bescheid, so ungefähr funktionierte unser deutsches Land, es war perfekt ausbalanciert. Vorbei. Heute springen wir von Thema zu Thema, ohne bei einem zu bleiben, wir quasseln uns um Kopf und Kragen und fügen zur Sicherheit "Bruder, ich schwöre!" an, die Krone der Neuen Aufrichtigkeit. 

 

 

 

23.2.12 11:15


Mehr geht schnell..

"Mehr kann jeder, mehr ist kein Problem. Ins Weniger muss man erst reinwachsen."

 

 "Zum Frühstück Erdnussbutter, und du hast direkt ein kleines Lagerfeuer unter der Zunge."

 

"Malen und baden heilt."

 

"Die Musik von Nirvana war verhangen und mysteriös, ein dunkler Raum, den man Angst hatte zu betreten."

 

"Ich plädiere für Heckenschützen. Schön abknallen, die Wichser. Denen zeigt doch niemand mehr die Grenzen auf. Am besten noch in die Füße schiessen, wo es schön weh tut. Nicht töten. Die Wichser. Ich hab die ganze Weltbevölkerung hinter mir, die verstecken mich. Ja, du lachst. Für dich ist das Humor. Für mich ist das Ernst. Ich brauch ein Gewehr. Eine Knarre. Muss ich nur den Waffenschein machen. Ach was, brauch ich nicht. Die halten mich doch für ein adrettes Bio-Muttchen. Kein Problem. Schön in die Füße. Die Wichser."

(Sie redet sich in Rage, während der Bankenkrise)

 

 "Bevor unsere Mütter sterben, sollten wir uns hinknien, das Ohr an ihren Bäuchen, und den gleichmäßigen Atemzügen lauschen. Es gibt nichts beruhigenderes als Bäuche. Da kommen wir her. Das ist unsere Heimat."

 

 - Die Gräfin -

24.2.12 12:48


Mangelernährt in einer überfressenen Gesellschaft

Wenn man sich das mal überlegt, dass es das einzige Leben ist, das wir zur Verfügung haben, da wundert es schon, dass so wenige Menschen Stopp sagen und aussteigen. Stattdessen machen wir lieber, was alle anderen auch machen, und werden krank dabei: mangelernährt in einer überfressenen Gesellschaft. Das muss man erstmal hinkriegen. Hut ab.

 

- Die Gräfin -

 

28.2.12 14:24


s



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