Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Was auffällt 1

Für Männer bedeutet das Umrühren einer Tasse Tee oder Kaffee reine Zeitverschwendung, sie halten sich nicht lange damit auf, während eine Frau so ordentlich durchrührt, als hinge der weitere Lauf der Dinge davon ab. "Ihr Männer wisst doch gar nicht, wie entspannend das ist, still in seinem Tee zu rühren. Entspannend wie eine Massage." Während sie noch rührt, hat er den doppelten Espresso längst runtergestürzt, das beigelegte Plätzchen gefuttert, ihres nachgeschmissen und vorsichtig einen fahren lassen, weil es erst das dritte Date ist.

Der Gipfel war der Kerl, der seinen italienischen Creme-Caffé mit fünf gehäuften Löffeln Zucker süßte, aber nicht ein einziges Mal umrührte. Auf diese Art erreichte er den Zuckergehalt von ungefähr zwei Löffeln, ohne lästiges Umrühren. Lediglich den Satz, der übrigblieb, ein karamelisiertes Häuflein Zucker, liess er in der Tasse zurück.
"Sonst kotz ich."


*

In den letzten Tagen hab ich regelmäßig ein Hermelinchen in meinem Kaffeesatz. Ich mein, ein Hermelinchen! Ich weiss nicht mal genau, was das ist, ein HERMELINCHEN, geschweigedenn wie so ein Tier aussieht. Und dann sitzt es bei mir in der Kafeetasse.

Ein Hermelinchen!


*

"Technicolor ist ein schönes Wort", sag ich.
"Ist ein männliches Wort", sagt sie.
"Echt? Findest du?"
"Ja. Na ja, ein feminines Männerwort. Ein echtes Männerwort ist Dampfmaschine. Oder Baustoffhandel. Startguthaben. Überhaupt alles, was mit Start und Ziel zu tun hat, ist männlich."
"Dann sag mir mal ein weibliches Wort. Karamell?"
"Ja. Oder Tannennadeln. Kissen ist ein schönes Frauenwort."
"Küssen auch?"
"Küssen ist neutral. Luft ist feminin. Hase, Ferse. Gras ist auch weiblich, Wiese männlich."
etc. etc.


*
Worüber wir nicht verhandelten waren die Worte, die im Trend liegen und wo ich jedes Mal kotzen muss, wenn ich sie höre, so wie "internetaffin" oder, schlimmer, "generieren". Jeder Penner generiert ja zur Zeit irgendetwas und ist wahnsinnig stolz darauf, dieses Wort dafür zu benutzen. Die sollen langsam mal die Klappe halten. Sonst komm ich denen bubenhaft rüber mit Flitzebogen und Knallplättchen und düpiere sie aus dem Hinterhalt, aber hallo! mit Gift!mischung und dann ist schwer Essig mit generieren.

Die kacken sich doch selbst ins Sprachzentrum. Ist doch wahr.

Dass die sich nicht genieren.
1.10.11 07:33


9 Uhr Knall

Sie amüsiert sich über das botoxgespritzte, ebenso straffe wie verkniffen dreinblickende Hollywood in People-Zeitschriften wie Gala.

".. all diese künstlichen amerikanischen Zuschnittfressen. Aber am schlimmsten ist Berlusconi. Berlusconi hat eine Visage wie ein Schnittmuster aus dem Burda-Verlag. Dummerweise eines für Rollkragenpullover. Da hat der Chirurg gründlich was verbockt."


*
Alles, was irdisch ist, ist Natur, ganz und gar, ohne Ausnahme. Auch die Unterscheidung zwischen Urwald und von Menschenhand kultiviertem Wald führt in die Irre. Als wären Menschen und das, was sie mit ihren Händen und Gehirnen anstellen, keine Natur. Alles, was Menschen bauen, denken, erfinden ist Natur, weil der Mensch selbst Natur ist, genauso wie alles Natur ist, was Tiere und Pflanzen tun. Ein von Menschenhand geschaffenes Beton- und Stahlmonster wie New York ist Natur, Plastiktüten vom Supermarkt, Kernkraft, Lourdes - alles Natur. Von uns gemacht, auf der Erde gemacht. Wir stecken alle unter einer Decke. Es ist alles ein einziges großes Naturschauspiel, ihr ollen Buckelzirpen.

"Aber ja! Natürlich!"


*
Nur wenige Nachrichten schaffen es überhaupt bis in den Bereich, der einen berührt. Das meiste rauscht vorüber, bleibt fremd, für mich persönlich uninteressant, wie die Gesichter einer Großstadt, die elfte Ameise links. Anfang des Jahres aber geisterte eine bedrohliche kleine Meldung durch die Presse, wonach in Teilen der USA und in Schweden Tausende von Vögeln vom Himmel gefallen waren und tot in den Strassen lagen. Ein beinahe biblisches Bild, eine Ur-Vision vom nahenden Ende. Selbst Ornithologen waren ratlos, konnten nicht erklären, was in die Tiere gefahren war. Unbekannte Viren? Stress? Bakterienstämme im Navi? Und: Wenn schon Vögeln die Flügel versagten, was sollte dann erst dem Mensch widerfahren mit seinen knochenschweren Beinen? (Vögel sind ein bißchen wie wir Menschen. Kommen in Massen und schnattern wild durcheinander.)

Ein dreiviertel Jahr später lese ich zufällig von einem Wildlife Center in Wisconsin, USA, das sich auf die Aufklärung von rätselhaften Todesursachen unter Wildtieren spezialisiert hat. Die Pathologen sezierten auch den Tod der amerikanischen Singvögel. Dabei stellte sich heraus, dass alle untersuchten Stärlinge zunächst gegen Türen und Hauswände geprallt waren, bevor sie den Tod fanden. Die nachtblinden Tiere, so folgerte man, waren von Silvesterböllern aufgeschreckt in Panik durch die Dunkelheit geflohen. Eigentlich naheliegend, der Zusammenhang. Hätte man sich irgendwie denken können, oder nicht. Fast ein Schnäppchen unter den Schlussfolgerungen. Vögel, die tot vom Himmmel fallen, ein Raketenfeuerwerk, und in unmittelbarer Nähe jedes Opfers eine Mauer, eine Wand, eine Tür. Also, ich weiss nicht. Alter Schwede. Was ist los.


*
Am Sonntag paar Bier getrunken, zwei Gläser Wein, schon befinde ich mich tags drauf am Rande eines Katers: Der Wasserkessel pfeift wie ein verzerrtes Old School Heavy Metal-Gitarrenriff. Ich meine, einen Klassiker von Black Sabbath herauszuhören, bin mir aber unsicher, bis ich den Kessel leicht paranoid vom Herd schiebe.


*
Tag der Einheit. Sie legt im Badezimmer ein Gelöbnis ab: Sie will sich erst dann wieder das Haar kämmen, wenn.. es soweit ist.
"Das kriegen wir hin", murmle ich.


*
"Wir brauchen unbedingt einen neuen Urknall", endet sie eine längere Litanei zum Zustand der Erde.
Ich stehe am Fenster. Es ist laut am Fenster.
"Ein Neun Uhr-Knall? Was ist das denn?"


*
Dieser dicke dämliche Bratarsch von einer Hundebesitzerin, den ich schon von weitem höre, wie er mit einem anderen dicken dämlichen Bratarsch von einer Hundebesitzerin zusammensteht und jeden zweiten Satz mit "Mein Mann.." beginnt oder "Mein damaliger Mann..", und natürlich, ja, der Klassiker: "Bei meiner Schwägerin in Italien, das hab ich ja erzählt, da ist die zweite Brust jetzt auch weg."


*
"Du bist unheimlich abhängig davon, dass alles so ist wie immer, Wahnsinn."

- Die Gräfin -


*
Immer, wenn mir Ben Jakubeck, genannt Jack, der Junkie, Mitte Vierzig, über den Weg läuft, nimmt er sich ein bißchen Zeit und haut eine kleine Anekdote heraus. Eine, die in fünf Minuten reinpasst.

Nach der letzten Überdosis, "insgesamt fünf, und jedes Mal wurde es enger", gelang es ihm noch so eben, über Handy den Notruf zu wählen, dann brach er zusammen. Im Rettungswagen kam er kurz zu sich, und als er das zittrige Blaulicht durch die Scheiben sah, wähnte er sich in einem riesigen Flipper gefangen.

Im Krankenhaus schossen sie ihm Adrenalin ins Herz. ("An der Einstichstelle hatte ich wochenlang einen riesig blauen Fleck, Alter.") Am frühen Abend wachte er auf. Das Krankenbett hatte man aus Platzgründen in den Gang der Station geschoben. Neben ihm stand zufällig ein mobiler OP-Tisch, auf dem eine bereits aufgezogene Spritze mit der Aufschrift "Diazepam" auf einen Patienten wartete, der einen Downer brauchte. Jack handelte instinktiv: Er öffnete einen der beiden Schläuche, die ihm die Notfallmediziner als Zugang unten am Hals gelegt hatten, und drückte sich das starke Beruhigungsmittel. Dann verschloss er den Zugang wieder und floh aus der Klinik.

"Ich sah aus wie ein Alien, Alter, wie aus der Vogue für Junkies. Kannst du dir nicht vorstellen, wie mich die Leute im Bus anstarrten, links und rechts die Schläuche aus dem Hals, untenrum schwappte der halbvolle Urinbeutel. Ich hörte noch, wie der Fahrer über Funk die Bullen rief, aber da waren wir schon in der Stadt und ich stieg mit Anderen aus."

Auf der Platte besorgte er sich einen Bubble und lieh sich ein Rad, auf dem er unterwegs einschlief. Er schaffte es zu Fuß nach Hause, kochte sich die Schore auf, setzte sich einen Schuss in die Leiste und bekam es gerade noch gebacken, den Notruf zu wählen. Im Krankenhaus verweigerte man die Aufnahme, weil er Gift entwendet und auf eigene Faust das Klinikum verlassen hatte. Nach einigem Hin und Her, von dem Jack nichts mehr mitbekam, "ich war zurück in meinem Flipper", wurde er in die nahe Landesklinik eingewiesen, wo ihm für die Dauer von sechs Wochen ein staatlicher Betreuer zur Seite gestellt wurde.

"So. Ich muss weiter, Alter."


*
"Ein Blog ist ein riesiger Freiraum, ein Luxusgut."
Glumm im Interview mit Krzysztof Wrath vom Undergroundblatt AntiEverything Returns, zu lesen hier. -
5.10.11 02:19


Bergisch Garn

Müsste ich sie beschreiben, ich würde sagen: Butzi ist die einzige Frau in der Nachbarschaft, die sich morgens im siruproten Schlafanzug auf die Strasse traut. Und mit ihrer neuen Brille ähnelt sie ein bißchen dem alternden Robert Redford. Ich sagte, ein bißchen.
(Einmal war ich zufällig Zeuge, wie sie sich mit einer türkischen Nachbarin in die Haare geriet. "Wo du hast Deutsch gelernt?" rief Butzi, die aus Kroatien stammt, der Türkin wütend hinterher. "Bei Schäferhund??!")
Gestern morgen steckt sie vorsichtig das Näschen aus der Haustüre. Es regnet ununterbrochen, seit zwei Tagen. Das, was man gemeinhin Bindfäden nennt. Es regnet Bindfäden. Das gibt überhaupt keinen Sinn. Auch Butzi blickt verächtlich in den Himmel. Sie trägt Regenkleidung.
"Musst du einen großen Schirm mitnehmen", schlage ich vor. Ich steh gegenüber unterm Dachvorsprung und rauche.
"Ja, ich weiss", sagt sie.
"Musst du zur Arbeit?" frag ich.
"Nee, wollt ich Schuhe kaufen. Hab ich genug Schuhe, aber kann ich nicht laufen."
Hm. Sie schliesst die Haustür, und ich höre sie nebenan die Kellertreppe runterklappern. Ich schnippe die Kippe in den Regen und geh wieder rein. Bindfäden. Dass ich nicht lache.
14.10.11 15:28


Arbeit war ein fremdes Wort

Arbeit? Tz. Ich verbrachte die Zeit lieber mit Einladungen zum Sektfrühstück und traf mich mit Damen der Gesellschaft. Eine war gerade aus der Haft entlassen worden, sie war spitz wie Nachbars Lumpi. Dagegen war an sich nichts einzuwenden. Das Problem: Sie hatte eindeutig zu viel Speck auf den Hüften und trug diese große eckige Brille, die mich an meinen alten Physiklehrer erinnerte, der mich ständig an die Tafel gerufen hatte, obwohl er nur zu genau wusste, wie ahnungslos ich war. Das machte mich skeptisch, aber es gibt ein altbewährtes Mittel gegen Skepsis: trinken. Sie stand am Tresen, sie war gut drauf, sie kam mit zu mir.

Ich wohnte damals auf der Schillerstrasse. Die Bude, in der den ganzen Sommer über das Fenster offenstand und die Freunde nach Lust und Laune reingeklettert kamen.

"Moment noch", sagte ich zum Taxifahrer. "Ich muss eben rein, Geld holen."
"Lass mal, ich mach das schon", meinte sie.

Auch drinnen machten wir nicht viel Federlesen. Wir liessen den ganzen Kram sein, vonwegen möchtest du was trinken, wo ist das Scheißhaus, und legten sofort los. Es war nicht mal übel. Es war absolut okay. Nach 24 Monaten Gefängnis ohne Entlassung auf zwei Drittel war sie ausgehungert und bestrebt, all ihre Phantasien umzusetzen, die in der kargen Einzelzelle aufgelaufen waren. Ich fühlte mich fast ein bißchen benutzt. Aber auch nur fast, und nicht mal ein bißchen. Jedenfalls, ich kann mich nicht erinnern, jemals so pompös einen geblasen gekriegt zu haben, mit allem Pipapo.

"Ich könnte dir stundenlang zugucken", sagte ich, und sie grinste wissend.

Am nächsten Abend stand sie wieder am Tresen. Erst war mir das überhaupt nicht recht, ich grüßte sie nur mit einem Kopfnicken. Ich hatte keine Lust auf eine Laison mit jemand, der mich an meinen verhassten Physiklehrer erinnerte, doch als um drei Sperrstunde war, stolperten wir gemeinsam rüber zum Taxistand. Diesmal löhnte ich.

Nach dieser zweiten Nacht dauerte es zehn Jahre, bis sie mir wieder über den Weg lief. Ich war unterwegs zum Nachtdienst im Hotel. Erst erkannte ich sie kaum, wie sie da die Kölner Strasse überquerte, so sehr hatte sie sich verändert. Sie hatte enorm abgenommen, trug todschicke Lederstiefel und einen Blazer, dazu eine Designersonnenbrille, die ihr gut stand. Sie sah zehn Jahre jünger aus als zehn Jahre zuvor. Das machte insgesamt zwanzig Jahre. Wir grinsten verlegen. Die Bilder von früher stiegen auf, wie Dämpfe aus der Mangelstube. Niemand sagte ein Wort. Ach doch. Ich.

Ich sagte: Na?
24.10.11 16:04


Müller

Man wundert sich ja, wie oft der Name eines Menschen zu seinem Wesen passt. Woher Eltern eigentlich schon bei der Geburt wissen, dass ihr Sohn Axel stets um die Wahrheit bemüht sein wird, dass Andrea linientreu ist und Marvin auf rothaarige Jungs steht, dass Lucy stets klein und bissig bleiben wird und partyresistentes Haargel bevorzugt, dass Robin sich für Meteoritenschauer interessiert, dass Lou langsam ist, Julio wortkarg, Robert steif und behäbig, Julia blond.

"Woher Eltern das wissen? Na, schau mal, Andreas", meint die Gräfin. "Eine Mutter hat neun Monate Zeit, um zu erfühlen, was da für ein Früchtchen in ihrem Bauch heranwächst. Da ist es doch nur logisch, dass sie den richtigen Namen wählt. Arm dran sind die Mütter, denen nach der Tragezeit klar wird, dass sie ihren Sohn Hans-Olaf taufen müssen, und dass daran kein Weg vorbei führt. Oder, schlimmer noch, Benedikt-Lance. Aber weissst du, wer am allerschlimmsten dran ist? Väter, denen beim Anblick des aus der Scheide tretenden Hinterkopfes sofort bewusst ist, dass ihr Sohn sein Leben lang beim Nachnamen gerufen wird: Müller."


*
Glumm zeigt Jetzt kommt das Auge, Glumm!
25.10.11 11:49


s



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