Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Es brennt

Unsere 3-Zimmer-Wohnung ist eine Art Dauercamping. Immerzu müssen wir improvisieren, weil irgendetwas nicht so funktioniert, wie es das sollte.

Der Bruder vom dicken Hansen, der lange in Havanna gelebt hat, besucht uns immer dann, wenn ihn das Heimweh nach Kuba packt.

Und als kürzlich der älteste der drei Rockettas auf einen Sprung vorbeikam, staunte er beim Anblick unserer alten Wandfliesen im Badezimmer, "Jessas! So was hab ich das letzte Mal 1980 in Moskau gesehen!"

Und er war noch nie in Moskau.

Oder die zwanzig Jahre alte Jalousie vor meinem Fenster. Sie schließt nicht mehr richtig. Wenn ab Mittag die Sonne hoch am Himmel steht, muss ich schon ein Schatten spendendes Geschirrtuch zwischen die Lamellen klemmen, um auf meinem Schreibtisch noch lesen zu können, was mein Mittelfinger so alles in die Tasten hackt.

(Wobei das Tuch alle zwanzig Minuten ein Stück weiter durch die verstaubte Jalousie wandert, von ganz links nach ganz rechts, bis sie endlich untergegangen ist, die Glut, hinter den Dächern des Kannenhof.)

Das Dauercamping hat weniger mit fehlenden finanziellen Mitteln zu tun, als mit einer gewissen Hingabe zur Improvisation und dem Wunsch, die Dinge so zu belassen, wie man sie vorfindet, nicht einzugreifen.
Was manchmal fatal enden kann. Sagen wir, fast.
Fast fatal.

Donnerstagabend. Gegen halb sechs komm ich aus dem Institut und sitz gemütlich auf dem Klo, als die Gräfin, die in meinem Zimmer das Abendbrot vorbereitet, aufgeregt nach mir ruft.

Erst bin ich nicht sonderlich beunruhigt, sie ruft meinen Namen öfter mal. Etwa wenn sie das Gefühl hat, die Welt drehe sich JETZT GERADE einen winzigen Moment zu schnell, DAS solle ich mir schleunigst mal angucken, am Fenster. Das Drehmoment. "Wie das flitzt!"

Doch schon der zweite Ruf, "MACH SCHNELL!" ist Panik pur.
Es geht anscheinend um Sekunden.

Ich zieh die Hose hoch, öffne die Badezimmertür und noch bevor ich einen Schritt in mein Zimmer mache, haben wir den Salat: Das rote Puschelzeugs, das mal ein Grabgesteck war und aus dem die Gräfin vor Jahren einen provisorischen Lampenschirm gefertigt hat, steht lichterloh in Flammen, über dem Abendbrottisch!

"MACH DOCH WAS!" ruft sie.

Ich steh im Flur, "Ach, du Scheiße..!" und hab keine Ahnung, was zu tun ist. Es lodert fast bis zur Decke hinauf, und unter den Puscheln verborgen die Energiesparbirne. Die ist zwar nicht an, doch Elektrizität ist Elektrizität, oder?!

"TU DOCH WAS! HOL WAS!"
"WAS DENN, VERDAMMT? WAS?!!"

Ich mein, hinter jeder richtig getroffenen Entscheidung, etwas zu tun oder zu unterlassen, lauern bekanntlich sechzig falsche Entscheidungen, die nur darauf warten, zum Einsatz zu kommen. Die nur darauf brennen, sozusagen.
Und bevor ich was falsches tue, tue ich gar nichts und guck mir das Feuerchen an.

Die Gräfin scheint ähnlich zu denken. Zwei strammen Existentialisten gleich stehen wir um das brennende Bouquet aus roter Holzwolle herum, es knistert, es knuspert, "das stinkt nach Heu!" ruft sie, auch ich fühl mich an ein Kartoffelfeuer im Oktober erinnert.

"WIE IST DAS ÜBERHAUPT PASSIERT?"
"IST DOCH EGAL! MIT NER KERZE! ICH HAB NE KERZE ANGEMACHT UND NICHT AUFGEPASST!! HOL EIN HANDTUCH!"
"EIN HANDTUCH??"
"JA! EIN HANDTUCH!"

Währenddessen läuft sie um den Tisch herum, um die Funken von der Butter zu pusten, PFFF! PFFF! PFFF!!, und ich renne in die Küche.
Ist ja nicht weit.
Durch die Diele, dann links.
Und steh ratlos vor den Abtrockentüchern, die nebeneinander aufgereiht vor mir hängen.

"WAS FÜR EIN HANDTUCH?! EIN DICKES HANDTUCH? ODER REICHT EIN ABTROCKENTUCH?"
Fast bin ich empört von mir selbst. Dass ich so planlos bin. Kein Feuerwehrmann.
"IST DOCH EGAL! MACH HIN! SCHEISSE!"

Wer noch nie ein Feuer erlebt hat: es sind ja keine wirklichen Gedanken, die einem dabei durch den Kopf wirbeln, es sind eher beleuchtete Werbetafeln, die nacheinander im Hirn aufblenden, wie bei einer Autobahnfahrt in der Nacht.

Wasser übers Feuer kippen? Da ist elektrisches Licht drunter! Decke drüber werfen, um die Flammen zu ersticken, wie ich mir das ausgemalt hatte, sollte ich jemals einen Wohnungsbrand bekämpfen müssen?? Na klar, aber wie zum Teufel soll man eine Decke über einen brennenden Lampenschirm werfen? Die hängt in der Luft, die Lampe!

Und die ganze Zeit lodern die Puscheln. Flocken und tanzen über dem Abendbrottisch, landen als verrußte Fetzen in der offenen Butterdose, auf den Bio-Tomaten, in Vierteln geschnitten, in der Zuckerdose, dem kleinen Milchpöttchen und der Remoulade.

(Sie schmiert ihr Brot neuerdings mit würziger Remoulade statt mit Butter. Überhaupt, Gewürze. Sie ist überzeugt davon, Gott habe einen ganz besonders guten Tag gehabt, damals, als er die Gewürze erfand.
"Heute erfinde ich mal was, was ich noch nie erfunden hab! Was ganz besonderes..!"
Und das erste Gewürz, so die Gräfin?
Ta, Ta!
"Kümmel!")

Und plötzlich - ist der Spuk zu Ende. Das war's. Das umgebaute rote Grabgesteck, das immerhin vier Jahre jeder Kerze getrotzt hat, heruntergebrannt bis auf das nackte, noch glühende Drahtgeflecht.
Selbst die ummantelten Kabelstränge, angeschmort.

Ich will den Lichtschalter anknipsen, um zu prüfen, ob die Birne noch funktioniert, doch das findet die Gräfin nicht so gut.

"KEIN LICHT! MACH NICHT AN!"
"WIESO?"
"IST DOCH ELEKTRISCH!"

Frau Moll, die sich während des Feuers davongeschlichen hat, kommt vorsichtig schnuppernd zurück und läßt sich seufzend unterm Tisch nieder. Können wir langsam mal zu Abend futtern?

Und just in den Moment, als sich so etwas wie Ruhe breitmacht, springen die beiden neu installierten Feuermelder an, ein mächtiger, hysterischer Alarm.

"Typisch", meint die Gräfin, nachdem wir die Schreihälse unter der Zimmerdecke mit dem Besenstiel still geklopft haben. "Da stolpert man sein ganzes Leben voran wie ein Kind mit schlecht sitzenden Einlegesohlen und nichts passiert. Man fällt nicht hin, alles ist in Ordnung, trotz aller Widrigkeiten. Doch kaum hängen zwei Feuermelder in der Bude, braucht man nur darauf zu warten und man fällt lichterloh aufs Maul!"

Sieht aus, als hätte sie Recht, wie immer.
5.2.09 15:00


Der kleine Lacherfolg

Nachtdienst im Turmhotel. Da in Düsseldorf Herren-Woche ist, sind alle 44 Zimmer belegt und ich hab jede Menge zu tun. Den Frühstücksraum eindecken, das Buffet aufbauen, die Fensterfront abwandern.

Verdammt dicker Nebel da draußen, heut Nacht. Hier vom 11. Stock läßt sich kaum die Strasse erkennen. Nur die Zivilbullen in ihren Passats sind gut zu sehen.
Nebelnacht ist Bullennacht.

Das Telefon klingelt. Der Bruder von Karlos ist dran, ein Kirchenorganist. Er ist aus dem Urlaub zurück, aus Bayern, wo er als Betreuer einer evangelischen Kindergruppe unterwegs war. Die Blagen waren zwischen acht und zwölf Jahre alt und haben ihn ausgekitzelt und mit Limonade übergossen und Liebesbriefe geschrieben.
"Ich hab drei Wochen lang nur gebrüllt, lass das! Runter da! Spinnst du?!"

Später sitz ich im Drehstuhl meinen Kugelschreiber krumm. Er steckt in meinem Notizbuch, das wiederum in meiner Gesäßtasche steckt. Der Kuli läuft aus und ergießt sich ins Notizbuch. Die Kleckse erinnern an ein wegrennendes Schwein, auf einem sehr langen blauen Bein.

Eine Dame vom Flughafen Köln/Bonn ruft an, im Auftrag der AVIS-Autovermietung. Es geht um sieben Herren vom Schweizer Fensehen, die bei uns gebucht haben, Herr Santini und Kollegen.

"Die Herren sind gerade gelandet, das möchte ich Ihnen nur mitteilen, die kommen gleich", sagt die Dame.
"Okay", sag ich. "Kommen die aus der französischen Schweiz?
Ich spreche nämlich kein französisch", sag ich, einfach nur so, mir gefällt ihre Stimme.

Namen kann ich mir nicht merken, Gesichter auch nicht, Gesichter sind Schall & Rauch, aber Stimmen, Stimmen merke ich mir.
Stimmen sind die Vorarbeiter der Erotik, und Klappern gehört zum Mundwerk.

"Bitte was?!" Sie lacht verdutzt. "Ja, äh, also, dann wollte ich noch fragen, wie man zu Ihnen kommt, über die Autobahn.. nach Solingen."

Verdammt. Da bin ich in der Bredouille. Woher soll ich wissen, wie man zu uns kommt über die Autobahn! Aus Frankfurt! Ich arbeite doch erst viereinhalb Jahre in dieser Klitsche! Ich wohne doch erst seit 1960 hier!

"Mh, schwierig.. Ich fahre nämlich kein Auto, müssen Sie wissen, ich habe keinen Lappen und da.."
"Über die A3", lässt sie sich nicht beirren, "aber welche Ausfahrt?"
"Langenfeld?" tipp ich mal.
"Lan-gen-feld..". Sie notiert. "Und weiter?"
"Tja, von da aus ist beschildert, Richtung Innenstadt."
"Ja, und in Solingen-Innenstadt? Wie geht's da weiter bis zum.. Turmhotel?"
"Das Turmhotel ist mitten in der City, das höchste Haus am Platze, kann man gar nicht verfehlen. Sieht aus wie ein riesiges Einwegfeuerzeug."
"Ein-weg-feu-er-zeug..", wiederholt sie langsam.

Gegen Mitternacht stehen sieben Schweizer Fernsehmenschen im Neonlicht der Rezeption. Nachdem ich die Zimmerschlüssel verteilt habe, fragt der Wortführer, ein kleiner Mann mit energischen Knorpeln, wo andere Leute Ohren haben, "kann ich für morgen früh einen Weckruf haben?"

"Sicher", sag ich und halte den krumm gesessenen Kugelschreiber schon parat. "Für wieviel Uhr?"
"Tja, wann.. gute Frage. Lassen Sie mich kurz überlegen.. Duschen, rasieren, hm.. sagen wir.. 6 Uhr 15? Ja, das ist eine gute Zeit. Viertel nach sechs, notieren Sie das bitte."
"Welche Zimmernummer ist das noch mal?"
"36. Zimmernummer 36, zwölfter Stock. Santini."

Die Weckliste ist proppenvoll, wie immer zu Messezeiten. Namen interessieren da nicht. Was ich brauche sind Nummern, Zimmernummern.
Messenacht ist Nummernnacht.

"Mich auch bitte eintragen, aber für 6 Uhr!" meldet sich eine Stimme aus der zweiten Reihe. Der Mann klimpert lässig mit seinem Zimmerschlüssel. Er ist ein ziemlicher Lulatsch und trägt eine dicke Heino-Brille.
"Die Nummer 41 im drei.."
"..zehnten Stock", fahre ich fort und trage die 41 als fetten blauen Klecks in die 6-Uhr-Spalte ein, als der Anführer mit den Knorpeln erneut das Wort an sich reißt: "Ist doch logisch, dass der Jürgen eine Viertelstunde früher aufsteht, der ist ja auch 15 Zentimeter grösser als ich!"

"Haha.."
"Ahahaaaa.."
"Haammaaaa..!!"

Nachdem sich die Gruppe auf die Etagen verdrückt hat, kehre ich den klitzekleinen Lacherfolg mit dem Blech vom Boden auf und entsorge ihn in den Müllschacht. Der führt gut fünfzig Meter in die Tiefe, nicht mal ein Kiekser ist zu hören, als er unten auftitscht.
9.2.09 18:29


Bumsen in der Badewanne (The Doors)

Heiligabend 1976 schenkte mir der langhaarige Freund meiner Schwester, mit dem sie heute noch verheiratet ist, auch wenn er lieber ein Zugvogel geworden wäre, "weil die sich immer so schön im gleichen Rhythmus bewegen", ein Doppel-Album der Doors, Weird Scenes Inside the Goldmine, eine Art Best of, und von da an war ich süchtig nach der Band.

Zwar war Jim Morrison bereits seit 1971 tot, angeblich ertrunken in der Badewanne, doch das förderte den Kult nur. Meinen Ledertornister zierten fortan mächtige I.N.R.I.-Kreuze, das Anarcho-Zeichen und THE DOORS in verschiedenen Schriftzügen.

Ich begann, Textzeilen von Jim Morrison in die Schulbank einzuritzen. "Break on through to the other side" stand da, "There will never be another one like you". Selbst in der großen Pause blieb ich im Klassenzimmer, schwermütig. This is the end, beautiful friend.

Wenn die Beatles, die es auch längst nicht mehr gab, Petting waren, und die Stones waren Sex und Led Zeppelin Fellatio, dann waren die Doors Bumsen in der Badewanne mit anschließendem Selbstmord, ein großartiger Spaß.

Ich ließ mir die Locken über die Schultern wachsen und mopste den schwarzen Persianer meiner Mutter vom Speicher, ich begann, Schweinereien und düstere Gedichte in ein Notizbuch zu schreiben.



Und weil die Gedichte mir gefielen, ritzte ich sie ebenfalls in die Schulbank. Eines endete mit der Zeile: "Gestern erlag die Utopie ihren inneren Blutungen". Bisschen steif, bisschen verschwurbelt, bisschen sechzehn Jahre alt. Aber einprägsam. In Klammern ritzte ich meinen Namen: Andreas Glumm. Damit auch jeder wusste, mit wem er es zu tun hatte, verdammt!

Ein anderes Gedicht ging "Du bist mein Schatz, du bist mein Stern, auch wenn du stinkst und wichst und säufst, ich hab dich gern", ein neu arrangiertes Traditional, und nicht mal von mir selbst neu arrangiert, sondern von Lena, meiner ersten Freundin, die mir richtig in die Hose ging.

Prompt wurde ich beim Einritzen von Rasemann erwischt, unserem Deutschlehrer, den alle nur Sausi nannten. Sausi war ein gerechter, aber strenger älterer Herr, der einen sonnengelben Mercedes fuhr und es nicht gerne sah, wenn Schüler Eigentum der Schule beschädigten.

"Wieso hat die Utopie Blähungen? Was soll der Blödsinn, Glumm!?" stauchte er mich vor der versammelten Untertertia zusammen.

"Blutungen", verbesserte ich ihn. "Die Utopie erliegt ihren inneren Blutungen."

"Na schön. Und warum Blutungen? Was soll der Blödsinn?"

Sausi gab ja nicht nur Deutsch, sondern auch Philosophie, und als mir auf seine Frage keine plausible Antwort einfiel, brach ihm der Schweiß aus und er schrie, was er immer schrie, wenn er nicht mehr weiterwusste: "Glumm! Nimmst du etwa Kokain?!!" Und das nur, weil ich irgendwas von Utopie und Tod geschrieben hatte, was mir selbst ein Rätsel war.

Das andere kleine Gedicht dagegen, ".. auch wenn du stinkst und wichst und säufst, ich hab dich gern", schien Sausi weniger zu beeindrucken. Er verlor kein Wort darüber. Auch mein hymnisches Feiern von Jim Morrison und den Doors übersah er geflissentlich. Doch diese kurze und schwer sechzehnjährige Abhandlung über das Wesen der Utopie war zuviel für ihn.
"Das ist Anarchie, Glumm! Du nimmst Kokain! Glumm! NIMMST DU KOKAIN??!"

Als Strafe brummte er mir auf, das Schreibpult wieder in seinen tadellosen Ur-Zustand zu versetzen.
"Wie du das hinkriegst, ist deine Sache, Glumm! Aber besser ist, du kriegst es hin!"

Nun betrieb der Vater eines Klassenkameraden eine Schreinerei, wo ich mir an zwei heißen Sommernachmittagen einen Wolf schmirgelte, bis die Holzoberfläche des Pults endlich wieder so blank war "wie ein Kinderpopo", wie der Vater meines Klassenkameraden immer wieder brüllte, wenn er mir in der Werkstatt über die Schulter blickte, "wie ein Kinderpopo so blank!"

Das hörte ich an den beiden Nachmittagen in der Schreinerei so oft, dass ich mich nicht die Bohne wunderte, als mein Klassenkamerad mir Wochen später bedrückt erzählte, bei seinem Vater habe man eine Erbse im Gehirn entdeckt, die operativ nicht zu entfernen war.

Noch heute ist das Wort Kinderpopo ein rotes Tuch für mich. Begegnet es mir irgendwo, sehe ich sofort einen dicken Packen Schmirgelpapier vor mir und einen alten Schreiner, der mir zornig über die Schultern glotzt, mit einer Erbse im Kopf.

Insgesamt war die ganze Geschichte eine traumatische Erfahrung für mich: Texte bringen nur Scherereien, eigene ganz besonders. Jedenfalls wenn man sie ins Holz ritzt. Ich versuchte es bald darauf mit dem Tippen auf Papier, mit einer Maschine. Das war schon besser. Da wurde man nicht so schnell erwischt. Jedenfalls wenn man seinen Namen wegliess. Doch das fiel mir sehr, sehr schwer.

11.2.09 11:27


Hat sie alles?

Wenn wir gemeinsam das Haus verlassen, erkundigt sie sich gelegentlich, ob ich alles dabei habe. Den Haustürschlüssel, Tabak, Obst...? Mit Obst meint sie mein Notizbuch. Obst ist ein Kürzel, aus den 90ern herübergerettet, als mein Vater mich noch mit Notizbüchern versorgte, Werbegeschenken vom Großhändler.
Die Notizbücher von Maschinen Brüne aus Remscheid hatten es der Gräfin besonders angetan. Sie waren knallorange. Wie Rechtecke sahen sie aus, aus saftigen Apfelsinen gestanzt.
"Hast du dein Obst eingesteckt?"

Für mich ist das Notizbuch eher wie das Spray für den Asthmatiker, der penibel darauf achtet, nicht ohne seinen Turbo-Haler aus dem Haus zu gehen, für den Notfall.

Es könnte ja sein, dass man unterwegs was Schönes hört, oder ich schnapp was Kräftiges, Schräges auf. Was großes Schwarzes.
Ich gebe zu: ja, ich bin ganz schön scharf auf Aufgeschnapptes. Ich inhaliere euch.

Oder ich überrasche einen Gedanken: in meinem eigenen
Kopf. Wie ein Dieb in der Nacht steigt er über den Balkon, und wenn ich ihn auf frischer Tat stelle, wird er per Handschlag begrüßt: "He! Du da! Noch'n Kompagnon dabei? Steht jemand Schmiere da draußen?!"

Es kann schließlich gar nicht genug Gesindel eindringen, wenn man schreibt.
Ich liebe den kriminellen Hintergrund.
Das wäre das Höchste: Immer so schreiben, als wäre es verboten.

Als würde man sich ständig glücklich übergeben.
Das wäre wohl das allerhöchste.
Total verboten.

Über die Jahre hat sich ne Menge angesammelt. Notizbücher türmen sich auf dem Schreibtisch, liegen kreuz und quer auf der grünen Jugendstil-Kommode verteilt. Manchmal steh ich davor und greife einfach rein, nur so zum Spaß. Mal sehen, was Käptn Zufall zu Tage fördert. Der alte Kumpel.

Blaues Notizbuch, Juni 08. Relativ frisches Obst.
Ich schlage es in der Mitte auf.
"Schade, dass man im Sitzen nicht gehen kann", lese ich laut vor, "ich wäre nur unterwegs."

"Na, der ist von dir", tippt die Gräfin. Sie steht im Flur und macht sich parat zum Weggehen, mit dem Auto. "Ein typischer Glumm."
"Mh", murmle ich nur, und lese eine Zeile drunter:

"Das Geheule von heute
ist das Gelächter von
morgen".

"Jaa, das ist schön", schwärmt die Gräfin. "Von wem? Doch nicht von dir, oder?"
"Na, von wem wohl", sag ich. In Klammern steht das S. Ihr Zeichen. "Von dir natürlich."
"Wow! Bin ich toll!" Sie knöpft ihren Admiralsmantel zu und legt den Schal um. "So. Hab ich alles?"
12.2.09 15:27


Dieser kühle Moment

Dieser kühle Moment im Wald
gegen die untergehende Sonne
als sie plötzlich ruft
BLEIB STEHEN!
weil ein Schatten hinter mir
her
huscht
ein rötlich Flirren
wie von der Wärmebildkamera verknipst
bleib ich in der Pose hängen
in meinem Zwischen-Schritt
der unvermutet
weil zugerufen
aus dem eigenen Bein heraustritt
und fast schmerzt
EXTRA ORBITANT, ruft sie
DAS UNIVERSUM IST PURE GEWALT
ODER GLAUBST DU AUF DER MILCHSTRASSE
WIRD GEKUSCHELT!?
Nee
natürlich
hienieden ist alles Gewalt
selbst der Flieder riecht streng
und hinter ihren Worten
höre ich ihr Herz
klopfen.
13.2.09 10:16


30 Polaroids

Nicht ein einziges Foto ist geblieben. Alle dreißig Polaroids sind verschwunden. Aufgenommen im Winter 79, als wir zu viert im Sauerland waren, in diesem kleinen Kaff nahe Winterberg, wo die Großmutter vom dicken Hansen ein Backsteinhäuschen besaß.

Das Erdgeschoss war an ein einheimisches Ehepaar vermietet, aber die kleine Wohnung darüber stand leer, also fuhren wir auf ein Wochenende hin.
Es waren Weihnachtsferien und Pepe hatte einen fetten Brösel besorgt.
Wir, das waren Pepe, Karlos, der dicke Hansen und ich.

Während das Dorf langsam im Schnee versank, blieben wir im ersten Obergeschoß, das zum Teil möbliert war und einen schönen großen Kamin besaß. Das Dope war ein Roter Libanese. Ein kräftiger wärmender Stoff, der prima Lach-Flashs zündete. Manchmal saßen wir auch nur cool um den Tisch herum und hörten Platten.

Wir waren neunzehn und liebten lässige amerikanische Okie-Musik. Easy come, easy go, anyway the wind blow.
J.J. Cale eben. J. J. Cale war der Kitt, der uns zusammenhielt. Der dicke Hansen, der Klavierunterricht gab und eine original Hammond ersteigert hatte, stand auf Jazz & Funk, Karlos und ich waren Fans von den Doors und Jonathan Richman, Pepe verehrte Bob Marley und brasilianische Cariocas - J.J. Cale aber, den mochten wir alle.
Er war der stoppelbärtige Tramp, der im offenen Viehwaggon durchs Land reiste, auf einem Grashalm pfeifend.

Cale hatte kurz zuvor "5" herausgebracht, das Album, dessen Cover einer Briefmarke nachgebildet war. Der Opener, den wir immer wieder spielten, hieß "Thirteen Days". Ein Blues wie ein Schlaghammer, eindreschend auf Meterware Blech, eine "sch-sch-Nummer", wie wir damals sagten, schön-schleppend.

"Thirteen Days", nonstop auf Hansens futuristischer WEGA 2000-Stereoanlage, die er extra mitgebracht hatte, das war der erste Tag an diesem Wochenende im Sauerland. Und die Polaroids, natürlich.
Dreißig Fotos, die Pepe nach und nach knipste und die wir mit Untertiteln versahen und die noch Jahre später die Runde machten.

"War das an dem Wochenende, an dem ihr auf die Fresse gekriegt habt?" hieß es, wenn die Bilder durch die Hände gingen, auf irgendeiner Party.
"Na ja", antworteten wir stolz, "glaub schon, ja, das war das Wochenende", und mit jedem Erzählen bekamen wir mehr Dresche, hatte Karlos mehr Finger gebrochen, fehlte Pepe noch ein Zahn mehr, tat mir immer noch der Schädel weh, verdammt.

30 Polaroids vom Winter 79, die von einer versunkenen Zeit künden, von einer Zeit, die es vielleicht so nie gegeben hat, wer weiß, es fehlen Beweise, dreißig Polaroids, sie sind verschwunden.
Niemand weiß, wo sie abgeblieben sind.
Sie sind weg.

Für die Gräfin, die Pepe niemals begegnet ist, obwohl er noch ein gutes halbes Jahr zu leben hatte, als wir uns 1987 kennenlernten, ist Pepe bis heute das Phantom, dessen nobler grauer Hut an unserer Garderobe hängt, an prominenter Stelle.

Der Hut ist alles, was von ihm geblieben ist, bis auf zwei verkratzte LP'S von Iggy Pop und Bob Marley, auf denen sein Name verewigt ist, rechts oben in der Ecke, Pepe.

Einmal wagten wir uns mitten in der Nacht auf die Felder. Wir versanken bis zu den Knien im Schnee, kamen kaum voran, es tobte und heulte ein heftiger Sturm. Da gingen wir wieder rein, ein Dreiblatt bauen.

Tags drauf wurde uns von dem Ehepaar, das die Wohnung im Erdgeschoss bewohnte, ein Bauernfrühstück serviert, eine reine Gefälligkeit Hansens Großmutter gegenüber.
"Ich hab kein Auge zugetan heut Nacht", klagte das Weib, denn eine Musikanlage ist eine laute Maschine. Ihr Mann sagte keinen Ton. Nur sein Blick verriet: das Dorf hatte uns schon auf dem Kieker.

Nach Speck und Bratkartoffeln und einer Kanne Kaffee stiegen wir wieder hoch ins erste Obergeschoß, die fünfzig Gramm, geerntet im Libanon, waren noch nicht weggeraucht. Es fehlten noch einige Tüten, Pfeifen und Bongs, der Rest wurde pur von der Nadel geraucht.

Vorsichtshalber hatte der dicke Hansen gleich nach unserer Ankunft die Ritze unter der Etagentür mit Tüchern abgedichtet. Er kannte die Leute auf dem Dorf und ihre Vorurteile gegen "die aus der Stadt". Hippies, Taugenichtse. Haschgetüme.

Das Desaster begann mit einer heftigen kurzen Auseinandersetzung zwischen dem dicken Hansen und uns anderen drei.

Der Anlass war nichtig. Karlos, Pepe und ich hatten keine Lust, vor der Abfahrt die Wohnung auf Vordermann zu bringen, wir stellten uns stur, also drohte Hansen damit, ohne uns nach zu Hause zu fahren, worauf wir noch bockiger wurden und uns weigerten, den Saustall aufzuräumen. Wutentbrannt machte Hansen Ernst und dampfte ab, die WEGA 2000 unterm Arm. Dumm auch, dass der Datsun Cherry ihm gehörte, mit dem wir hergekommen waren.

Wir saßen im Sauerland fest, am Arsch der Welt, Pepe, Karlos und ich. Ohne Auto, ohne Knete. Was blieb uns übrig. Wir würden den Daumen raushalten müssen und die 200 Kilometer bis nach Hause trampen.
"Zur Not zeig ich am Straßenrand meinen Arsch", meinte Pepe siegesgewiss. Er hatte einen perfekt geformten, wunderbar weichen Frauenarsch, wie ein Schwämmchenverkäufer.

Ein paar Jahre zuvor, als wir noch im Haus der Jugend herumhingen, musste sein Hintern schon mal für eine kleine Wichs-Session herhalten. Nicht dass Pepe beleidigt gewesen wäre, dass sein Arsch bei den Kumpels so gefragt war, im Gegenteil, er wichste mit uns um die Wette. Nur mit dem Kommen hatte er Probleme, so geil fand er seinen eigenen Hintern dann doch nicht.

Es dämmerte schon, als wir zu Fuß aufbrachen. Wir bemerkten die Blicke der Einheimischen nicht, wie sie hinter den Gardinen standen und uns aus dem Ort hinausbegleiteten.

Übermütig warfen wir mit Schneebällen um uns. Einer traf eine Hauswand. Oder ein Fenster. Vielleicht haben wir auch nur zu laut gelacht. Oder in den Schnee gerotzt. Zu rotzig durchs Dorf geguckt.

Eine Haustür wurde aufgerissen. Im Eingang standen ein Vater und seine drei Söhne. Kräftige Söhne, mit aufgepumpten Fäusten, dahinter die Mutter. Mütter von idiotischen Söhnen wissen in der Regel, dass sie idiotische Söhne zur Welt gebracht haben. Sie keifte. Sie waren zu fünft. Zu fünft ein Heimspiel gegen drei schmale Jungs aus der Stadt, bis zum Kragen voll mit Pot.

Es dauerte keine halbe Minute, da lagen alle meine Schallplatten im Schnee verstreut, der Schädel klopfte, als hätte man mir Betonwürfelchen ins Auge gedrückt, Karlos hatte einen Finger angebrochen und ging stiften, am ärgsten aber erwischte es Pepe: seine Brille war zersplittert. Er spuckte Blut. Ein Schneidezahn war weg.

Natürlich, es gab dauernd Schlägereien damals. "Sollen wir vor die Tür gehen, Alter!?", "Ja, gehen wir vor die Tür, Alter!", und dann ging man vor die Tür und markierte den großen Mann, wirklich auf die Nase gab es eher selten.

Die Sache im Sauerland aber war anders, kam kurz und bündig wie eine Eilmeldung: Knokk. Knokk. Lasst euch hier nie wieder blicken. Knokk.

Auf der Polizeiwache im nächst größeren Ort, ein Fremder hatte uns an der Landstraße aufgelesen, ließ man uns auf der Bank schmoren, beschimpfte uns hinter der Hand als "Drogensüchtige", die das schon verdient hätten, die kleine Abreibung.
"Und jetzt blutet uns hier nicht die Bude voll, ihr Säue."

Erst als Pepes Vater, ein vermögender Mann mit strengem Gesicht, der sein Geld mit Jeans-Stores gemacht hatte, am späten Abend vorfuhr, im einschüchternd dicken Benz, bequemte man sich, einen Arzt zu rufen und eine Strafanzeige aufzunehmen. Die im Sande verlief. Wir haben nie wieder von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft gehört, in dieser Sache.

Wir waren heilfroh, als wir endlich im Mercedes saßen und Pepes Vater kutschierte uns heim, streng durch die Nacht. Es roch nach Leder. Im Radio lief Burt Bacharach. Oder James Last.
14.2.09 09:33


Neuschnee und Gerechtigkeit

Eines Tages kommt es heraus. Solingen war eine Fata Morgana. Dieses Kaff hat es nie gegeben. Doch bis dahin: Acht Zentimeter Neuschnee über Nacht.

Anwohner räumen die Bürgersteige, Autos rollen mit ausgeschaltetem Motor den steilen Kannenhof runter. Wenn jetzt schlittenziehende Kinder überfahren werden, ist nichts davon zu hören. Feine Sache.

Wir spazieren mit dem Hund durchs neue Industriegebiet am Gleisdreieck. Galvanotechnik, hauptsächlich.
"Was für schmucke Betriebe", begeistert sich ein älteres Ehepaar, das sich schühchenweise und gedämpft vorwärts bewegt, wie eine Geisha.

Während vor den Hallen türkische Mitarbeiter Neuschnee schippen, stehen die Tore weit offen, die Maschinen sollen ausatmen.
Es riecht nach Gummi und nach Schlauch.
Die Hallen haben keine richtigen Fenster. Es sind eher Einsparungen in den Wänden, in denen das einfallende Winterlicht seine Notdurft verrichtet.

"Das muss auch reichen", meint die Gräfin. Sie trägt heute Hut. Den Hut von Pepe. Die Krempe hängt durch, vom Schnee, der zusehends nasser wird, beim Fallen. "Da passt der Hut endlich mal."

Als wir unten am Klauberg sind, wo das Bergische Land beginnt, werden wir überholt, von einem Angeber mit vier Huskies, die seinen Polarschlitten ziehen.
"Ho!!"

Keine zweihundert Meter weiter, eine kleine Parkbucht. Da hat er seinen Pick-Up geparkt, der steckt im Schnee fest. Er kommt nicht raus. Die Reifen drehen durch.

Der Wind kommt scharf von der Seite, wie ein Hai, als die Gräfin und ich anschieben helfen. Früher hätte man gesagt, die haben ihren sozialen Tag. Das sind Pfadfinder. Die wollen Punkte sammeln. Was man heute sagt, weiß ich nicht. Ich finde das nicht gut. Wer fädelt so etwas ein?

Vier Huskies, vom Herrchen unterdessen an einen Pflock angebunden, mit Dörrfleisch ruhig gestellt. Weil wir helfen, kriegt auch Frau Moll etwas ab. Trotzdem wimmert sie wütend, weil sie mehr Dörrfleisch will, was die angeleinten Huskies, allesamt Rüden, zu noch wütenderen Antwortattacken animiert. Der ganze Klauberg vibriert im Hundelärm, die Wagenräder des Pick-Ups drehen durch.

Meine Nerven auch.
"Haltet die Schnauze!" brülle ich die Hunde an. Hunde kann man anbrüllen, die nehmen das nicht krumm. Die sind froh, wenn einer der Chef ist, der seine Sache gut macht. Und ihr Chef ist ein Trottel.

Er begreift einfach nicht, dass unter dem Schnee eine Eisschicht lauert, oder er kann kein Autofahren. Ich kann auch kein Autofahren, aber ich fahre auch kein Auto. Er dagegen fährt Auto, bugsiert die Räder aber nur noch tiefer in den Schlamassel und zerfetzt die beiden Gummimatten, die wir unter die Hinterreifen gelegt haben, damit sie Haftung kriegen.

Wieso er trotzdem Vollgas gibt?
"Ho!!" schreit?
"Trottel", stöhne ich.

Das weiß doch jedes Kind: Motor langsam kommen lassen und dann - meinetwegen- Ho! Stattdessen tritt er das Gaspedal durch und macht alles noch verfahrener, schlimmer noch: Mir fährt beim nächsten Anschieben, ich steh genau hinterm Auspuff, ein Stich ins Kreuz, so heftig, dass ich im ersten Moment denke, Hexenschuss! Scheiße! Und das nur wegen der Hilfsbereitschaft!

Der Blödmann hat nicht mal gefragt, ob wir anschieben können! Wir haben einfach angepackt! Eine vertrottelte, nach Diesel stinkende Initiativ-Bewerbung!

Der Boden ist so seifig, die Gräfin hat das Gefühl, "ich steh hier auf weichgekochten Schuhen rum." Sagt sie und lacht. Ich nicht. Ich hab nichts zu lachen. Ich fühl mich ausgenutzt, von Neuschnee und Hilfsbereitschaft beschmutzt.

Endlich steigt der Möchtegernkanadier aus. Er hat sich seit zwölf Wochen nicht rasiert. So macht man das in Vancouver.
"Ich geh zur Tankstelle hoch und kauf mir Schneeketten. Das ist wohl das Beste."
Ja genau. Die Tölen bleiben derweil angepflockt. Und ich bin stinksauer.
"Pass auf", sag ich zur Gräfin, "jetzt hab ich das ganze Wochenende den Rücken im Eimer, und warum? Nur weil wir so gutmütig sind!"

Unterschwellig mach ich sie dafür verantwortlich, dass wir den Wagen angeschoben haben.
"Ach, jetzt steigere dich nicht immer so rein", meint sie gelassen, aber ich grummle weiter.

Erst als ich mich daran erinnere, wie sehr ich früher meinen geliebten Vater gehasst habe, wenn er meiner Mutter mal wieder die Schuld gab für irgendetwas, für das sie gar nichts konnte, wenn er also ungerecht wurde, da halte ich mein Maul und rolle schweigend den steilen Kannenhof runter. Mit ausgeschaltetem Motor, quasi. Heim. Schneeschippen.

Neuschnee.
16.2.09 13:52


Letzens, ich guck in mein Portmanee, ist die Milliarde weg!

Es schneit und schneit, es hört nicht auf. Ob es wohl einen großen Statistiker gibt, der die fallenden Schneeflocken registriert, der alles mal durchzählt? Der auf die Flocke genau weiß, wieviel täglich zu Boden geht, aus inkontinenten Wolkenverbänden?

Das Schneetreiben wird so dicht, Frau Moll rennt mit weit aufgerissener Schnauze vor mir her und futtert die Flocken aus der Luft. Ein verfressenes Hündchen, in das passgenau ihr Appetit reinpasst, sonst: nicht sehr viel.

Plötzlich kriegt sie eine Flocke in den falschen Hals, sie verschluckt sich und bleibt entrüstet stehen. Sie hustet und hustet, als habe sie Flusen in der Kehle, eine knifflige Angelegenheit, die erst aufhört, als ich ihr ein Halsbonbon anbiete. Was nicht stimmt. Ich hab kein Halsbonbon dabei, aber die Luftnummer beruhigt den Hund, wir können weiter.

Es schneit winzige weiße Go-Go-Boys, eine flockige Milliarde, garantiert.

Ob es wohl einen Gott gibt, der all die Trilliarden und Abertrilliarden fallender Flocken markiert und durchzählt? Der aufs Kristall genau errechnet, wieviel täglich zu Boden geht? Ist Gott ein Mathematiker?

Ein Schneefarmer?
17.2.09 17:05


Liebe



Die Ausstellung von Sanne Eggert "Dieses Leben, es ist ideal!", 44 Bilder und Zeichnungen in der Stadt-Bibliothek Solingen, ist wegen des großen Erfolgs um 10 Tage verlängert worden, bis zum 25. Februar.

"Das hab ich in den 8 Jahren, seit ich hier bin, noch nicht erlebt", meint die für Ausstellungen verantwortliche Dame, "dass einzelne Bilder geradezu begehrt sind."



*
"Du bist ein Springer", sagt sie. "Jahrelang machst du gar nichts und liegst Amok im Bett, du verknöcherst, du kriegst Atemnot vor lauter Nichtstun, doch plötzlich - innerhalb von 14 Tagen - krempelst du dein ganzes Leben um. Sa-gen-haft."

(Jeder ist seine eigene Klinik.)
21.2.09 16:14


Die schicke Ladendiebin

27.2.09 18:09


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