Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Ruhig Blut, Glumm

Noch in ihren mittleren Vierzigern freut sie sich diebisch darüber, dass sie nun erwachsen ist. Dass sie Dinge tun kann, die früher streng untersagt waren.
Abends nach dem Zähneputzen etwa, wenn man gemütlich den Spätkrimi verfolgt, noch einen doppelten Kirschlutscher rotieren zu lassen, "grandios!"

Wie tief im Wald, sagt sie, sei das. Wo einen die Vorschriftn nicht mehr erreichen. Wo ein Gefühl von Freiheit herrscht, und selbst gewählter Karies.

Eifersucht ist ein anderer Wesenszug der Gräfin. Es ist zwar nicht mehr so schlimm wie früher, aber an manchen Tagen reicht schon der geringste Anlass, um die Maschinerie anrollen zu lassen.

Neun Uhr. Ich sitz in der Bibliothek vorm Rechner und erfasse gerade eine Einführung in die Theorie endlicher Automaten, als das Telefon klingelt. Auf dem Display baut sich eine Nummer auf. Die von zu Hause.

"Ja, hallo", sag ich.
"Ich kann nicht bis heut Mittag warten", eröffnet sie mit ernster Stimme.
"Hm..? Heut Mittag? Was ist heut Mittag?"
"Bis du nach Hause kommst."
Ich versteh überhaupt nichts.
"Worum geht's? Was ist los?"
"Wer ist Lotta Peters?" fragt sie.
"Lotta wer?"
"Lotta Peters. Tu doch nicht so."
"Wie, tu doch nicht so..! Wer soll das sein?"
"Weiss ich doch nicht. Das frag ich dich."
"Ich kenn keine Lotta Peters. Ich kenne überhaupt keine Lotta."
"Ah ja? Und wieso ist dann ihre Nummer bei uns gespeichert?"
"Wie, ihre Nummer?"
"13320."
"Nie gehört, die Nummer.."
"Und wer bitteschön hat die dann gewählt?! Der Heilige Geist vielleicht, ja!??"
"Keine Ahnung. Ja, vielleicht der Heilige Geist. Ich jedenfalls nicht. 13320 kenn ich nicht. Hab ich nicht gewählt.."
"Die Nummer ist aber als letzte hier gespeichert. Die speichert sich ja wohl nicht von allein."

Nur eins ist schlimmer als Mißtrauen, nämlich, wenn das Mißtrauen grundlos ist. Ich hab seit Jahren nichts mehr mit einer Anderen gehabt. Ausser wenn ich träume. Da popp ich alles.

"Wer zum Teufel ist Lotta Peters!?" sag ich, fast wütend.
"Schrei mich nicht an.. Ich kann nichts dafür. Ich hab die Nummer nicht gewählt."
"Ich auch nicht! Ich kenne keine verfluchte Lotte Peter!!"
"Lotta Peters!"
"Hä?!"
"LOTTA PETERS heiss die blöde Kuh! NICHT LOTTE PETER!"

Sie seufzt.
"Ich hab die Nummer eben gewählt. Daher weiss ich ja überhaupt ihren Namen. Ich wollt wissen, wer das ist. Wer dran geht. War aber nur die Mailbox. Ne träge Frauenstimme. Unser Alter. Also, erzähl schon. Ich.."
"ES GIBT NICHTS ZU ERZÄHLEN!"

Das Fenster zum Hof steht offen, ich seh den Chef vorfahren in seinem Mercedes aus den 80ern. Das hat noch gefehlt. Wenn der jetzt hier aufmarschiert und Guten Tag sagt, wie isses, kommen Sie gut voran, was haben wir denn hier schönes, eine Einführung in die Theorie endlicher Automaten, ja haha, was es alles gibt, nicht wahr..!? Muss nicht sein.

Ich fahr einen Gang runter. Versuche die Sache männlich anzugehen. Logisch.

"Du hast doch mit Claudia telefoniert", sag ich, "gestern Abend, als ich schon im Bett lag.."
"Ja, und?"
"Und danach?"
"Nichts. Ich hab nur noch den Anruf von Paco abgehört. Aber ich hab keine Lotta angerufen von der Zeppelinstrasse!"
"Zeppelinstrasse?"
"Ich hab im Telefonbuch nachgeschaut."
"Und wo ist die Zeppelinstrasse?"
"Keine Ahnung. Hab ich nicht gefunden im Stadtplan."
"Im Stadtplan hast du auch nachgekuckt!?"
"Ich will schließlich wissen, wo deine kleinen Nutten wohnen."

Allmählich werd ich selbst mißtrauisch. Schleich ich jetzt nachts schon zum Telefonapparat und ruf wildfremde Frauen an, die auf der Zeppelinstrasse wohnen?! Verdammt.

Ruhig Blut, Glumm. Du löst den Fall. Oder auch nicht.

"Du hast also zuletzt den Anruf von Paco abgehört", sag ich.
"Ja."
Paco, das ist der langhaarige Zimmermann, der in der neuen Werkstatt der Gräfin und ihrer Kollegin Claudia eine Tür einbauen soll. (Mach ich, klar. Ist doch ne Lachpille. Ne Tür einbauen. Logo.)
"Und danach?"
"Bin ich ins Bett gegangen."
"Siehst du. Ich lag doch schon im Bett. Und heut Morgen sind wir zur gleichen Zeit aufgestanden. Wann soll ich denn die Dame angerufen haben deiner Meinung nach, bitteschön!?"
"Heut Nacht! Wann denn sonst!"
"ICH RUF DOCH NACHTS KEINE FRAU AN, DIE ICH ÜBERHAUPT NICHT KENNE!"

Wir stecken fest.
"Ich weiss auch nicht..", flüstert sie.
Mir fällt auch nichts ein.

Sollte ein Weltmeistergeizkragen in unsere Wohnung eingestiegen sein, um mitten in der Nacht eine lokale Festnetznummer zu wählen und 12 Cent einzusparen?

Immerhin, der Chef scheint gleich in den Aufzug gestiegen zu sein, hoch in den zweiten Stock, ins Institut.
In der Bibliothek lümelt er jedenfalls nicht herum.

Plötzlich stöhnt die Gräfin auf.
"Moment mal.. Nein..! Das gibt's doch nicht!"
Ich höre ein Geräusch, wie von einer flachen Hand, die heftig auf eine Stirn einklatscht.
"13320.. das ist doch die 1 und unsere Geheimzahl..! Das gibt's doch nicht!"
Ihre Stimme scheint mit einem Mal von sämtlichen Ballast befreit.

"Ich.. als ich aufgelegt hab, nach dem Gespräch mit Claudia, klingelte doch direkt das Telefon, das war die Benachrichtigung, dass in der Zwischenzeit ein Anruf gekommen ist. Von Paco. Und um den Anruf abzuhören.."
"..muss man die 1 drücken.."
"..und die Geheimzahl wählen!"
Und unsere Geheimzahl ist: 33 20.

1-33 20!

Ich breche in schallendes Gelächter aus. Die Gräfin kann es nicht fassen, Frau Moll kläfft im Hintergrund.
Was ein Lärm, um zehn nach neun.

"Lotta Peters, die kleine Nutte ruf ich gleich mal an!" sag ich, froh, dass die Sache aus der Welt ist.
"Untersteh dich!"
"Und dann schreib ich darüber!"
"Untersteh dich doppelt!"

(Hähä.)

Keine drei Minuten später, wieder das Telefon. Wieder unsere Nummer auf dem Display.
Wieder die Gräfin.
"Dass ich immer noch so eifersüchtig bin, nach all den Jahren, Mann, Mann, kannst du mal sehen. Eins hab ich dabei aber ganz vergessen.."
"Was denn?"
"April, April."

Ach so.
1.4.08 15:27


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