Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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BEINE IM VERLAUF

Der Geschäftsführer ist ein bisschen übervorsichtig. Er kommt runter in die Bibliothek und drückt mir zwanzig Euro in die Hand, und ein Döschen Kaffeesahne. Da heute Mittag Instituts-Sitzung ist, bittet er mich zwei Gebäckmischungen zu holen, "und hier so Kaffeesahne, sagen wir.. dreissig Stück."

Schön, dass er einen Prototyp mitgebracht hat. Ich hätte sonst nicht gewusst, was das sein soll, Kaffeesahne. Vermutlich hat er eine unruhige Nacht hinter sich: ob ich den Glumm wohl Einkaufen schicken kann? Was macht der überhaupt hier? Wo treibt der sich immer rum?
Und was sind das für lauter 500beine im Internetverlauf?

Beim Gebäck soll ich aufpassen, sagt er. Wegen dem Geld. (Das sagt er nicht.)
Er sagt:
"Holen Sie ganz normales Gebäck, nicht so.. Bahlsen. Obwohl, Bahlsen ist ja ähm normal. Na ja, Sie wissen schon. Nicht so High End."

Der Supermarkt am Grünewald ist wie ein Mammut. So ein Riesenteil, wie es das in Frankreich seit Jahrtausenden gibt: Einkaufspfade wie Chausseen, und in den Regalen lauern die Sonderangebote wie Stoßzähne. ("Mama, schlitzen die einen auf, wenn man nichts kauft?" "Still, Kind..!")

Jetzt am Vormittag ist es ruhig.
Als ich zur Kasse gehe, steht da der Manfred.
"Hallo!" sag ich überrascht. "Lange nicht gesehen."
"Guten Tag", grüßt Manfred zurück.
Ein braver, kleiner Mann, der Toupet trägt.

Ich kenne ihn seit 1986, als ich mit Karlos am Kannenhof einzog. Da hatten wir noch Ofenheizung, und durch den Schornstein konnte man die Sterne sehen.
Nicht ganz so weit oben, in der Wohnung über uns, lebte Frau Fischer mit ihren roten Apfelkornbäckchen.
Eine schwere Asthmatikerin.

Schon am ersten Tag stellte sie uns Manfred vor.
"Das ist Manfred", sagte sie. "Mein Gärtner."
Ein schöner Gärtner war das. Nie im Garten zu sehen, aber jede Nacht in ihrem Bettchen, und montagmittags sahen wir ihn die leeren Apfelkornpullen zur Mülltonne bringen.
Er hatte ganz schön zu stopfen.
Manfred, der Liebhaber. Der Apfelkorngärtner.
Kein Gartengärtner.

Frau Fischer mochte uns nicht besonders, mich und Karlos. Erst glaubte sie wohl, wir wären zwei Homos, die dem tadellosen Apfelkornruf des Hauses schaden könnten, doch als die ersten Frauen bei uns ein-und ausgingen, änderte sie ihre Meinung und rief uns Hottentotten, weil wir im Sommer die nackten schmutzigen Füße zum Fenster raus baumeln liessen.
"WIE DIE HOTTENTOTTEN!" brüllte sie.

Ihre Stimme war Adrenalin auf die asthmatische Art, vor allem wenn sie nach dem Gärtner rief:
"MAMMMMMM FREEEED!!" hallte es durchs Haus.
Dann hörte man eiliges Getrappel.

Der kleine Mann guckt zu Boden. Er traut sich nicht mich anzugucken. Weil ich Teile seines Früher kenne? Ist doch egal, Mamfred.
Ich mustere sein Toupet. Es sitzt gut. Im Gegensatz zu früher, wenn er aus der Kneipe heimkehrte und den Schlüssel nicht in die Haustür kriegte.
Dabei bumste er gegen die Haustüre, bis die Gräfin, die mittlerweile an Karlos Stelle eingezogen war, es nicht mehr mitanhören konte.
"Jetzt geh doch mal nachsehen", sagte sie genervt. "Das schafft der nicht allein. Der ist viel zu blau."

Wenn ich dann rausging, um zu helfen, saß Manfred zusammengesunken auf dem Treppchen, zyanidblau angelaufen, das Toupet verrutscht, es hing ihm halb im Hemdkragen.
Er ähnelte einem beschädigten kleinen Rhinozeros.

"Tschühüss", flötet Manfred, als ich jetzt tschö sage, im Supermarkt.
Bis zum nächsten Mal.
Ich bringe die Gebäckmischungen ins Institut, und drei mal zehn Döschen Kaffeesahne.
1.2.07 06:10


DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERBLOGGER

Hilfe! Ein Kamerateam verfolgt mich auf Schritt und Tritt! Aber die haben die Kamera nicht an!!

2.2.07 09:43


DIE GRÄFIN IST NOCH IM BAU..

aber hier schon mal zum schnüffeln: 50 O-Beine, gemalt von der gräfin.
bitte auch den damenschuh betrachten.
oder das wunderbare bild abends.
UND, UNSCHLAGBAR: arno!

Und das ist Frau Moll.

Und das der legendäre Pudding.

3.2.07 15:03


BETTY

Wisst ihr, was ich früher nicht leiden konnte? Boxer und Windhunde. Windhunde, weil sie es fertigbringen, arrogant zu schlafen, und Boxer - nun ja. Das Sabbern.
Seit man ihnen die Schnauzensahne aber weitgehend weggezüchtet hat, komm ich mit ihnen klar. Ausserdem haben wir Betty kennengelernt, die Frau mit den zwei Boxern.

Betty hat eine knubbelige rote Clownsnase, die sich nicht wegschminken lässt, und ist in etwa so alt wie wir, sieht aber mindestens zwanzig Jahre älter aus. Damit hat sie nicht so viel Probleme, wie man meinen könnte.
Im Gegenteil.
Ist sie gut drauf, kokettiert sie mit ihrem Aussehen.
"Letztens sind mir im Bus die Augen zugefallen, und was macht der Fahrer? Hält am Friedhof an", kichert sie.

Heute hat Betty nur einen ihrer beiden Boxer dabei, Buddy, den jüngeren. Der ist ganz verrückt nach unserer Frau Moll, und die beiden machen sich sofort übereinander her und spielen das aufwühlende "Ich-bin-hier-der-Chef-Ich-steig-jetzt-auf-deinen-
Rücken-Halt-du-mal-besser-die-Schnauze!"-Spiel.

Betty ist gesprächig, in einem schläfrigen, gleichmäßigen Ton. Während sie redet, liegt man lächelnd auf einer Pritsche und sieht Engel.
"Ich hab eben einen Anruf bekommen. Unser Kassierer hat sich umgebracht. Zu Hause im Wohnzimmer. Ich begreif das nicht.."

Wenn man das so hört, denkt man ja gleich:
"Unterschlagung?" frag ich.
"Nee, keine Unterschlagung. Ist ja nur unser kleiner Boxer-Club, da lohnt keine Unterschlagung. Ausserdem - der Winni und Geld unterschlagen? Nee. Nie! Nicht unser Winni."

"Das denkt man immer", sag ich. "Weil die immer so brav aussehen und still das Geld zählen in der Ecke. Und hinterher stellt sich raus, es war doch der Buchhalter."
"Ach, nee. Der Winni ist.. der war eigentlich ein lustiger Kerl, ein richtig gemütlicher Kölner, bis vor einem halben Jahr. Bis zur Diagnose. Darmkrebs."
Sie spricht leiser.
"Voll die Arschkarte."
"Ach, der arme Kerl", sagt die Gräfin.
"Na, Moment. Jetzt kommts. Letzte Woche hat er erfahren, dass der Krebs gutartig war. Das müsst ihr euch mal vorstellen..! Der hatte gar keinen Grund sich zu erschiessen. Der wär ja wieder gesund geworden."

"Der hat sich erschossen?" frag ich.
Betti trägt heute ein fliederfarbenes Blouson, zerknittert. Darüber eine Felljacke.
"Ja. Und dann noch im Wohnzimmer. Das musste doch nun wirklich nicht sein."
Betti ist niemals aufgeregt. Immer cool. Selbst eine böses Gerücht klingt aus ihrem Mund wie ein mit Veilchen unterfüttertes Kompliment.
Eine patente Frau.
Die Gräfin und ich mögen sie sehr.

"Ich mein, da kommt die Rosi von der Arbeit nach Hause und da liegt ihr Mann im Sessel und hat sich erschossen. Ja, muss das sein? Hätte der nicht in den Wald gehn können? Oder vor eine Mauer fahren? Einen Unfall vortäuschen..? Dann hätte die Rosi wenigstens die Lebensversicherung ausbezahlt gekriegt, aber so.. bei einem Selbstmord. Das wird schon schwer genug, einen Pfarrer zu finden, der die Beerdigung macht. War ja Katholik, der Winni."

"Vor eine Mauer fahren, ist auch nicht ungefährlich", werfe ich ein. "Womöglich bleibt man querschnittsgelähmt, und dann hat man die Kacke richtig am dampfen."
"Ach was, mit hundert vor die Mauer, da bleibt nicht viel übrig. Der fuhr doch so einen alten Ford, unser Winni. Das hätte schon geklappt. Aber so einfach im Wohnzimmersessel sitzen, die Zeitung lesen und sich erschiessen, nur weil der Krebs nicht bösartig ist, muss doch wirklich nicht sein. Oder?"
5.2.07 20:36


DU BIST SO KALT - 1995 (vorschau)

"DU BIST SO KALT!" schrie sie. "ICH BRING DICH UM!"
Unter Tränen machte sie kehrt und lief in die Küche. Ich hörte, wie die Besteckschublade aufgerissen wird und dachte noch, "Oh nein.. scheisse", schon kam sie in mein Zimmer zurückgerannt, auf nackten Füßen.
Ich lag kalt im Bett, und richtete mich auf.
Sie hatte das Brotmesser in der Hand, soviel konnte ich im Halbdunkel erkennen.
"Ich bring dich um!!" schluchzte sie und versuchte auf mich einzustechen.
"Bist du wahnsinnig!? HÖR AUF!!"
Ich wehrte die Stöße mit der Hand ab. Stöße, die zum Glück nur aus halbem Herzen kamen. Haßerfüllt, aber nicht mit dem Willen zum Töten.
"Hör auf!" rief ich.
Doch die Gräfin in Rage, das ist wie ein Feuer, das mit dem Wind hochlodert.
Erst muß der Wind nachlassen.
Irgendwie bekam ich das Messer zu packen und zog es an der Klinge aus ihrer Hand, während sie unablässig weiterschluchzte. Das Blut floss aus meiner rechten Hand. Ich ging ins Bad, machte Licht.
Ich machte Licht im Bad, in der Diele, überall Licht, und liess kaltes Wasser über die Hand laufen.
Sie blieb auf meinem Bett sitzen.
Sie blutete aus der anderen Hand, der linken, und schluchzte wütend.
"Du Arschloch.."
Die Bettwäsche war voller Blutflecken, das Messer lag auf dem Boden.

Später saßen wir uns gegenüber, in der engen Diele, ratlos.
So heftig war es selten gewesen.
Was zum Teufel war mit uns passiert?


*
Fortsetzung.
7.2.07 11:13


Dieses komische Geräusch,
wenn man sich zusammenreisst.

".. klingt wie ein langes, helles Ratschsch",
meint die Gräfin.

Hier sieht man sie übrigens um Mitternacht.
7.2.07 11:18


DAS GLÜCK IST MIT DEN SÜCHTIGEN

Gestern, ich dreh mit Frau Moll die Abendrunde durch den Park, komm ich an einer Bank vorbei, auf der ein paar Jugendliche sitzen, die im Dunkeln Marihuana rauchen.
"He, Müller", zischelt ein Mädchen, "halt mal die Lolle weg, da kommt einer."
Der Einer, der hat in seinem Leben 10.000 Joints gebastelt und geraucht, meist kurze, dicke Ofenrohre, und der hat Heroin geschnupft und geblowt in nicht haushaltsüblichen Mengen und Arbeiterkoks und Panamakokain und Trips hat der geworfen wie Smarties und von einer Yellow Sunshine wäre er beinahe nicht wiedergekehrt und.. ach, das geht mir so durch den Kopf, als ich die lecker riechende Bank passiere, in der Gestalt eines Erwachsenen, der abends seinen Hund ausführt. Ein Wunder eigentlich, dass ich noch lebe, denk ich, und Frau Moll lächelt mich an.
9.2.07 11:05


WUPPERSTRASSE

In den 90er Jahren gab es auf der Wupperstrasse nicht nur drei Bäckereien und drei Frisöre, sondern auch drei griechische Imbissbuden. Wir entschieden uns meist für den mittleren Griechen.
Einmal standen wir ratlos vor seiner Eingangstür. Wollten mal was anderes essen.
"Bockwurst?" schlug ich spaßeshalber vor.
Die Gräfin prustete in den Wupperwind.
"Bockwurst, jau! Wo der ganze Abfall reinkommt. Die toten Augen von London! Und Hufnägel.."

Unser Blick fiel auf eine handgeschriebene Tafel im Schaufenster, die uns nie zuvor aufgefallen war:
LAMMKOTLETT 6, 50.
MIT SALAT.
"Sollen wir mal probieren?"
"Warum nicht."

Der Grieche hatte kurze kräftige Arme, einen orthodoxen Schnauzbart und unglückliche Augen. Dass er im reichen Deutschland einmal Tag für Tag im Schaschlik stochern müsste, davon war keine Rede gewesen, dreissig Jahre zuvor, in seiner Heimat.

"Hallo", grüsste er matt, uns den Rücken zugewandt, "Zweimal Gyros, wie immer? Mit Pommes und Krautsal.."
"Moment mal, Chef. Wir nehmen das Lammkotlett", ich nickte zum Fenster hin.
"Hast du das da?"

Der Spielautomat blinkte Tüledüdü, und der Grieche wendete eine Reihe Bratwürstchen mit der Greifzange.
Er sagte keinen Ton.
Die Gräfin schaute mich fragend an.
Ich zuckte mit den Achseln.
"Ähem, Lammkotlett!" versuchte ich es lauter, "Hast du das hier? Zweimal. Mit Salat."

Der Grieche guckte zur Wupperstrasse hinaus, zwischen uns hindurch.
Es war Mittagszeit, wir waren die einzigen Gäste.
"Geschäfte nix gut im Moment", sagte er. "Scheise Schulferien. Alle in Urlaub. Was ich kann tun für euch?"
Er zuckte nervös mit den Augenbrauen, und wartete. Wartete auf die richtige Bestellung.
Die Zeit brutzelte, der Spielautomat.
Es war die Gräfin, die ein Einsehen hatte. Sie orderte zwei Gyrosteller.
"Wie immer."
11.2.07 20:22


neues von der gräfin: sein Glaube.
12.2.07 14:17


SIEBEN TAGE

Den ganzen Tag versuch ich sie zu erreichen. Abends steh ich wieder in der Telefonzelle, wähl die Nummer und endlich, sie ist zu Hause.
"Hallo Lena."
Sie sagt nichts. Nur das Radio läuft. Das Transistorradio.
"Wie gehts?" frag ich, so beiläufig wie möglich.
Schweigen.
Sonst sagt sie immer was.

"Sag mal, sind wir eigentlich noch zusammen?"
Ich höre, wie sie an einer Zigarette zieht.
"Ich glaube nicht."
"Was..? Du glaubst nicht.."
Ich starre auf ein Plakat. FUNKTAXI.
"Und warum..? Wegen einem anderen?"
Sie zögert.
"Ja."
"Ist er da?"
"Ja schon.. aber du kennst ihn nicht.."
"Gib ihn mir mal!"
"Was, jetzt?"
"Natürlich jetzt!"

Ich weiss selbst nicht, was ich von ihm will.
Draussen stürmen die Autos vorüber.
"Schreiber", meldet sich eine Stimme, so förmlich, als säße er im Büro.
"Hör zu, Junge. Lena ist seit fünf Jahren meine Freundin. Warst du schon mit ihr im Bett?"
"Spielt das ne Rolle?"
Ich werde wütend.
"HAST DU SIE GEFICKT ODER NICHT?"
"Spielt das ne Rolle?"
"Wenn es keine Rolle spielt", äffe ich ihn nach, "dann gebs doch zu! Feigling!"
Lena ist wieder am Apparat.
"He, bleib cool.."
"Cool bleiben!? Ich komm jetzt bei dir vorbei und wehe, du bist nicht da! Der Typ kann meinetwegen da bleiben.."
"Ja, komm vorbei", meint Lena beschwichtigend, "Aber soll der echt hier bleiben?"
"Er kann auch verschwinden."

Ich stürze aus der Telefonzelle in die nächstbeste Kneipe. Kölsch und Cognac auf ex. Videoclips auf dem Bildschirm. Madonna. Like a virgin.
Auf dem Weg zu Lena pocht es ununterbrochen in mir. Wieso macht sie Schluss? Wegen einem Anderen? Unvorstellbar. Von einem Tag auf den nächsten soll alles vorbei sein. Und ihre Stimme klang irgendwie.. entschlossen.
Gleich wird sie mir sagen, warum es aus ist, und ich werde ihr hilflos ausgeliefert sein.

Lena zittert mindestens genauso. Wir sitzen vor der Nachtstromheizung und schauen uns kaum in die Augen.
Was neues will sie. Nicht jedes Wochenende fernsehen, baden, bei meinen Eltern Mittagessen.
"Immer der gleiche Streifen."
Ihre Jugend habe sie mit mir verbracht. Jetzt sei dieser Hunger da. Dieser Lebenshunger. Es gebe keine Zukunft.
Alles, was sie sagt, reisst mich in Stücke, und nur die Klamotten halten mich beieinander.
"Was ist mit dem Typ?"
"Der ist nett."
"Bist du verliebt?"
"Ich glaub. Ja."

Sie will mich in die Arme nehmen, doch ich stosse sie weg. Renn aus der Wohnung. Wie oft bin ich aus der Wohnung gestürmt, wenn wir Streit hatten, immer ist Lena mir nachgerannt, sogar winternachts auf Strümpfen, auf Asphalt, jetzt kommt sie nicht.
Ich seh sie am Fenster stehen und stiefle los.

Stiefle durch die Winternacht. Zwanzig Grad unter Null. Vereiste Dächer. Die Schneehaufen türmen sich.
Dann steh ich vor meiner Tür. Ich sträube mich aufzuschliessen.
Die meiste Zeit haben wir hier verbracht. Wegen der Buntkiste, der Badewanne, ach, überhaupt.
Die Wohnung war unser Quartier.

Ich knall mich aufs Bett. Wünsch mir, dass alles nur ein böser Traum ist, doch Morgen, wenn ich wach werde.. ist es vorbei.. mit der Zeit.. in der wir zusammengehalten haben.. jetzt ist sie zwanzig.. und hat den Streifen satt.. hat lange genug.. Sonntag für Sonntag.. Gulasch gekaut.
Ich wälze mich von einer Seite auf die andere.
Immer wieder taucht Lena auf.
Ihr kleiner Busen. Ihre Schenkel, in die nun irgendein gesichtsloses Schwein eindringt. Ihre zärtlichen Worte.
Es schnürt mir die Kehle zu.

Ich spring aus dem Bett, zieh mir den Parka über und laufe durch den Schnee zur Telefonzelle.
Margaretenstrasse.
Ich muss mit ihr reden. Ich brauche einen Hoffnungsschimmer. Es kann doch nicht einfach so vorbei sein! Knall und aus!
Ich werfe ein Markstück in den Schlitz.

Sie hat meinen Anruf erwartet. Befürchtet. Ich frage, ob es denn keine Möglichkeit mehr gebe für uns.
"Es gibt immer eine Möglichkeit."
Trotzdem jammere ich wie ein kleiner Junge, dem man sämtliches Spielzeug geraubt hat.
"Was soll ich denn machen ohne dich?!"
"Pack meine Sachen zusammen, oder stell ein paar Möbel um."
Wieder starrt mich so ein FUNKTAXI-Plakat an.
"Du musst stark sein. Du bist nicht so schwach, wie du jetzt glaubst. Und lass mir Zeit, ich blicke selbst nicht durch, was in meinem Kopf abläuft. Es ist so durcheinander.."

Ich schleiche nach Hause und leg mich hin. Bete, dass die Nacht bald ein Ende hat, doch als es endlich hell wird, spüre ich die Angst vor dem Sonntag.
Ohne Lena.
Ohne Liebe.
Ohne Film.

Sonntag. Der magische Sonntag. Im Tierpark.
Lena trug ihr braunes Indianerkleid und war gut gelaunt.
"Los, zu den Kamelen!"
Sie zog mich zum Freigehege. Ein Lama rekelte sich einsam in der Nachmittagssonne und malmte Gras.
"Beiss mich", flüsterte Lena, die einmal behauptet hat, ein Fußkettchen hätte ihr gesamtes Leben verändert. Ich lugte hinüber zu dem Lama und biss zu. Das Kettchen knirschte.
Auf Kieselsteinen weiter zum Exotenhaus. Javaneraffen turnten an einem nackten Stahlgerüst. Früher auf Bali waren sie heilig.
"Wir bleiben uns ewig heilig", schworen wir uns.
Weiter unten im Wildgatter, zwischen Mufflon und Rehkitz, fanden wir eine einsame, schattige Bank. Lena zog die Nylonstrümpfe aus und warf sie im hohen Bogen ins Gebüsch. Sie stieg auf meinen Schoß. Ich schmeckte ihren Hals. Küsse. Rote Flecken.
Papageienschreie.
Die Bank kippte im richtigen Moment.

Bis in den Nachmittag hinein bleibe ich im Bett. Ich bin wie gelähmt. Rauche tausend Marlboros. Dann bade ich, doch ich weiss nicht, wie oft wir Platznot hatten in dieser Wanne, jetzt ist sie riesig wie eine Arena und verschlingt mich.
Immerzu muss ich an sie denken.
An ihr Lachen. An ihr Gefühl zu mir.
Es schmerzt und macht wütend.

Lena ist natürlich fein aus dem Schneider. Hat einen neuen Kerl und demnächst zieht ihre beste Freundin Britta zu ihr. Nahtloses Timing. Wozu braucht sie mich noch?!
Ich bin überflüssig. Wie Gulasch. Gekaut. Verdaut. Abgezogen.
Mein Selbstbewusstsein liegt auf dem Klo und schielt zur Uhr.
Wenn das scheiss Mumms wenigstens schon geöffnet hätte..

Punkt 6 Uhr steh ich am Tresen und rufe vom Münztelefon aus Karlos an.
"Was ist?"
"Lena hat Schluss gemacht."
"Ach du Scheisse. Ich komme."

Wir saufen Bier und Tequila und ich blute aus frischer Wunde. Hab dieses aufputschende Gefühl, alles rauslassen zu müssen. Benzini stellt sich dazu. Er will gar nicht glauben, was er da hört.
"Versteh mich nicht falsch, aber du machst sonst so einen coolen und abgewichsten Eindruck, hätte ich dir gar nicht zugetraut, dass dich das so fertig macht mit Lena."
Cool und abgewichst.
Darauf versaufe ich mit Karlos die Nacht.

Als ich erwache, geht der Spuk weiter. Verkatert hock ich auf der Heizung und rauche.
Vielleicht hat sie ihren Entschluss schon bereut!
Ich peitsche zur Telefonzelle und rufe in der Praxis an.
"Ich muss mit dir sprechen. Können wir uns treffen?"
"Klar. Doch."
"Heut Abend im Mumms?"
Sie zögert einen Moment.
"Gut, ich bin da. Gegen fünf Uhr. Bist du traurig..?"
Welch eine Frage.
Ich geh in die Stadt. Such mir beim Amerikaner einen Fensterplatz und blättere im alten Notizbuch, in den Geschichten, die passiert sind..

..dieser Abend in der Pizzeria. Eine Karaffe Lambrusco und zwei Calzone mit mächtig scharfer Bolognesesauce. Nachher schoben wir unsere schweren Mägen Richtung Matratze, schliefen ein.
Mitten in der Nacht wurde ich wach, weil Lena immerzu "Durst" murmelte, "ich hab so einen Durst.."
Noch im Halbschlaf stellte ich mir vor, ich würde sie sanft aufwecken und eine Flasche Orangensaft an ihre Lippen führen, Marke HITCHCOCK.
Plötzlich richtete sie sich im Bett auf.
"Wir sind grade im Hubschrauber über eine Seenplatte geflogen, und du hast mir Orangensaft eingeflösst.. HITCHCOCK.."
Noch ganz verstrickt im Traum blickte sie mich an.
"Ich glaub, wir blättern zu oft in derselben Illustrierten", murrte ich und holte uns ein Glas Leitungswasser aus der Küche.

Ich packe das Notizbuch wieder weg. Kein Strom mehr. Zwei junge Frauen nehmen Platz an meinem Tisch. Ich kann ihnen nichts abgewinnen. Herzen aus Stahl.
Dann geh ich zur Jobvermittlung. Ich brauche Ablenkung. Muss irgendwas tun.
Die gute Frau Düstersiek ("Na, Sie As! Was macht Ihr Kumpel, wie heisst er noch gleich, das andere As?" "Karlos." „Ja, genau! Was ist Sache mit Karlos, Sie As?!“) hat kaum was im Angebot, rückt aber die Telefonnummer einer Türklinkenfirma heraus.

Ich ruf dort an und sage, dass ich auf der Stelle anfangen kann. Gut. Ich soll vorbeikommen.
Das wird Lena gefallen. Es hat sie immer gewurmt, dass sie früh raus musste und ich konnte durchratzen bis in die Puppen.
Ich kaufe einen Strauss Blumen, und klemm ihn an ihre Wohnungstür.
Mit einem Zettel.
Liebe dich mehr als alles andere auf der Welt.

In der Firma muss ich Türbeschläge montieren, Klinken polieren, Kartons falten. Meine Hände flattern. Von Ablenkung keine Spur. Was ich auch tue, ich hab nur Lena im Sinn.
Heut Abend im Mumms werd ich alles auf eine Karte setzen.
Ich hole sie mir zurück.
Endlich halb Fünf. Feierabend.
Mit dem Bus ins Mumms.

Lena ist schon da. Sie sitzt in der hintersten Ecke.
Sie sieht umwerfend aus.
"Ist wirklich Schluss?"
Ängstlich schaut sie mich an.
Nickt.
Ich reisse mich zusammen. Bestehe darauf, dass ich eines schon kapiert habe, in den letzten äh vierundzwanzig Stunden: ohne gemeinsame Zukunft keine Beziehung.
"Ich werde für dich arbeiten gehen und ein Buch schreiben."
Sie ist überrascht.
"Du sollst es nicht für mich, sondern für dich tun."
"Für uns! Ich möchte mit dir meinen Weg gehen, mit dir glücklich sein."
Ich spüre, dass sie nachgibt. Damit hat sie nicht gerechnet.
"Und wenn wir wollen, schaffen wir das auch. Wir gehören doch zusammen.."

Wir blicken einander in die Augen.
Dieses Bauchgefühl.
Dann sagt sie es. Ganz leise. Fast unhörbar. Gehaucht.
"Ja."
Ich fliege ihr um den Hals. Vergrabe ihren Kopf an meiner Brust.
"Hast du wirklich ja gesagt?!"
"Von dir Wahnsinnigem komm ich ja sowieso nicht los."

Ich drifte zum Tresen. Bestelle Tequila.
Wir lachen. Wir küssen uns.
"Ich bin stolz darauf, dass ich auch ohne dich klarkomme. Und ich möchte, dass du das auch kannst, damit wir nicht mehr wie an einer Nabelschnur zusammenhängen", stellt Lena klar.
"Ja", sag ich, immer wieder ja. Ich würde ihr einen Megaseller versprechen, wenn sie es nur ernst meint.
"Wann machst du mit dem Typ Schluss?`"
"Ich werd.. es ihm gleich sagen."
Wir verabreden uns für morgen Nachmittag um Fünf, bei mir.
Ich bleib im Mumms und besauf mich tierisch, und Karlos kommt rein und warnt mich, "Freu dich nicht zu früh", aber ich freu mich.

Die Maloche am nächsten Tag nervt. Pausenlos muss ich an Türklinken herumdoktern und meine Schweissausbrüche unter Kontrolle halten.
Der Alkohol setzt mir zu.
Aber ich liebe Lena und habe sie wieder. Das ist die Hauptsache.

Punkt fünf Uhr bin ich zu Hause.
Vielleicht wartet Lena schon vor der Tür. Tut sie nicht.
Ich rauche und höre Radio. Mach ein Bier auf. Viertel nach Fünf, halb Sechs.
Ich werde unruhig.
Wenn sie wirklich mit mir zusammenbleiben will, müsste sie doch pünktlich sein. Überpünktlich.
Vielleicht ist was mit Britta dazwischen gekommen. Ihrer besten Freundin. Wäre nicht das erste Mal.

Ich steh am Fenster und warte.
Watching and waiting. Sechs Uhr, halb Sieben.
Autos fahren vorüber, Autos halten. Türen schlagen zu.
Nur die Strasse zählt.
Um sieben Uhr ist Lena immer noch nicht da.
Ich tiger von einem Zimmer ins andere und wieder zurück, ich gerate in Panik.
Schreie "Lena, was machst du mit mir?!" Raufe mir die Haare und schleuder mich gegen die Wand.
Bleib liegen. Steh auf. Kann es einfach nicht fassen, wie ich verarscht werde.
Knall mich gegen den Türpfosten.
Es schellt. Nicht ihr Schellen. Es ist der lange Eli, mein Nachbar von gegenüber.
Ich zerre Poster von der Wand, trete Tassen durch die Küche.
Sie zersplittern unter dem Spülstein.
Eli begreift gar nichts.
"Du kommst wegen Lena so drauf? Ich dachte, die wäre total in dich verknallt!"

Ich lass ihn stehen und renne zur Margaretenstrasse.
Telefonzelle. 441638.
Britta hebt ab.
"Ist Lena da?!"
"Die ist schon lange weg."
"Hat sie nichts gesagt? Dass sie zu mir kommen wollte?"
"Lena hat gar nichts gesagt. Keine Ahnung, wo sie hin ist."
Ich hetze durch die Strassen. Guck in die vorübersausenden Autos, ob Lena irgendwo drinsitzt.

Auch im Mumms ist sie nicht. Natürlich nicht. Das ist mein Wohnzimmer.
Cobra hockt am Tresen.
"Hallo."
Sie wollte mich mal anmachen, nicht lange her, da hab ich abgewunken. Zu gefährliche Augen. Zu grosse Titten.
Jetzt bin ich froh, dass sie da ist. Frage, wie es ihr geht und so. Spendiere Bier und Schnaps.
Klaus und seine neue Braut kommen rein, trinken einen mit.
Dauert nicht lange, und wir beschliessen, aus dem Mumms zu verduften. Mit dem Taxi zur Tankstelle, zwei Flaschen Ouzo gekauft, dann zu Klaus nach Hause.

Wir versinken in den Ledersesseln. Klaus erzählt von seiner zerstreuten Tante, die ihm innerhalb eines Jahres dreimal zum Geburtstag gratuliert hat, jedes Mal mit einem neuen Geschenk.
"Das sind die Tanten, die wir brauchen!" wiehert Cobra. Sie und Klaus verstehen sich prächtig. Das gefällt mir nicht. Muss ich mich notgedrungen mit seiner Freundin befassen. Eine seltsame Person. Ihre Nase ist zu gross, schief und spanisch, wie eine vergeigte Steinmetzarbeit.
So ist sie ja ganz nett. Wir reden über Musik. Im Radio laufen Bronski Beat. It ain't necessarily so.
Muss doch alles nicht sein.
"Geht doch um nix!" brüllt Klaus.

Irgendwann in der Nacht liegen wir zu viert im grossen Ex-Ehebett, doch zwei Frauen sind zuviel für mich. Ich bin sturzbetrunken und hab Lenas Körper im Kopf.
Cobra und Klaus verschwinden ins Wohnzimmer.
Während sie auf dem Eichentisch vögeln, hantiere ich an seiner Braut herum.
Die Musik scheppert. Irgendein amerikanischer Heckmeck.
Cobra kommt wieder ins Schlafzimmer.
"Na, gut abgespritzt?!"
Ich sag gar nichts und penn ein.

Ich werd erschrocken wach, als der Morgen dämmert. Mein Herz schlägt wie verrückt.
Ich steh auf und such das Telefon. Cobra folgt mir mit den Augen.
"Vergiss es", sagt sie, "das Telefon ist gesperrt."
Scheisse. Ich zieh mich an und mach mich auf die Suche nach einer funktionierenden Telefonzelle.
Lena, pocht es in meinem Bauch, sei bitte zu Hause und habe eine Ausrede. Sag nicht das, was ich weiss.

Es ist arschkalt. Pisse im Schnee. Hundepisse überall. Ich friere.
Endlich eine Zelle. Ich wähle die Nummer.
Lena meldet sich verschlafen.
"Wo warst du gestern?! Du wolltest doch zu mir kommen..!"
"Es ging nicht."
"WIESO GING ES DENN NICHT?"
"Weil ich aus der Beziehung raus will! ICH WILL NICHT MEHR!"
Meine Stimme schnappt über.
"IST DER TYP DA?"
"Ja", sagt sie. "Er ist hier."
"Du hast es mir doch versprochen, dass wir es noch mal versuchen! DU HAST ES MIR DOCH VERSPROCHEN!!"
Lena seufzt.
"Ich weiss. Aber ich kann nicht."
"WIESO HAST DU ES DANN GESAGT?!"
"Weil du mich so gequält hast.."
Ich raste aus. Erkenn mich selbst nicht wieder. Beschimpfe sie.
Sie legt auf.
Ich stapfe zurück durch den Schnee. Cobra macht mir die Tür auf.
"Ich muss mit dir reden", sag ich.
Wir holen Bier am Kiosk und fahren mit dem Bus zu mir.
Wir verstehen uns plötzlich. Gleiche Wellenlänge. Ich spiele ihr sogar Jonathan Richman vor.
Sie muss lachen.
"Was ist das denn für einer?"
"Der sitzt am Rand vom Sandkasten und sucht sein Förmchen."
Er gefällt ihr. Ich interessiere sie. Schade, dass ihre Titten so gross sind.

Am nächsten Mittag geht Cobra nach Hause und ich ins Mumms. Karlos ist auch da und legt den Leuten die Karten. Hat er gestern erfunden. Mir prophezeit er, dass ich immer Checkerei haben werde mit der Herz Dame. Na so was.
Abends ist Cobra wieder da. Die Karo Dame.
"Flüchtige Liebschaft", flüstert sie.
"Du hast mich verwirrt", sagt sie.
Karlos ordert Tequila und entwickelt das Kartenlegen weiter.
"Kreuz As und Pik As gibt Mofaführerschein."
Cobra erzählt, dass sie schon mal fünf Seiten lang ICH BIN STARK geschrieben habe. Danach sei sie zusammengeklappt.
Pik Sieben ist die geheime Triebkarte. Die paraintuitive Kraft.
"Liebe ist nicht alles", tröstet mich Cobra.

Ich bin geknickt. Geschlaucht. Die ganze Sauferei. Und immer wieder Lena.
Cobra schleppt Tequila an. Tequila baut auf.
"Liebe ist nur Spinnerei im Kopf", sagt sie.
Zitronenscheiben rutschen unter den Tisch.
Kreuz Zehn bedeutet: Entziehungskur. Folgt darauf die Herz Zehn, wird man: rückfällig.
"Heut bin ich in dich verknallt", summt Cobra in mein Ohr, "und morgen ist alles wieder vorbei. Lass uns noch was trinken."
Der nächste Tequila. Endzeithunger. Mad dog days.

Zwei dunkelhäutige Frauen setzen sich an unseren Tisch. Eine sieht aus wie eine adelige Brasilianerin.
"Du hast schöne Augen", sagt sie zu mir.
Karlos legt ihr die Zukunft. Verlegen stehe ich daneben und überlege, wie ich sie anbaggern könnte, doch andauernd drängelt sich ihre Freundin dazwischen und funkelt mich böse an.
"Mein Zug ist abgefahren", schreibt Cobra in mein Notizbuch, das offen auf dem Tisch liegt. Ich hol das nächste Tablett Bier und wende mich Karlos zu.
"Ich weiss überhaupt nicht mehr was Trumpf ist.."
Sturzbesoffen redet er auf mich ein.
"Ich hab lang nicht mehr so an dich geglaubt wie jetzt. Du hast soviel Möglichkeiten, du wirst es schaffen. Du musst nur schreiben.. dann wirst du es schaffen."
Was schaffen? Ich hänge an seinen Lippen.

Samstagmorgen werd ich früh wach.
Detonierter Bauch.
Vollrauschnerven.
Das Klingeln des Telefons aus der Nachbarwohnung bohrt sich in meinem Gehörgang fest.
Ich hol mir einen runter.
Zünde mir eine Marlboro an. Die erste von den nächsten Tausend.
Draussen regnet es. Tauwetter.
13.2.07 17:50


ZEDERNWEG (bevor 500beine über alle berge in so ne art pause geht)

Samstagmittag. Wir sind auf dem Weg zum Biobauern. Die Gräfin benötigt 120 Gramm Feldsalat und 2-3 Möhren.
"Hoffentlich hat der noch auf."
"Wenn nicht, sind wir dann angeschissen?"
"Nö. Dann gibts Fisch."

Der Biobauer trägt Dreadlocks und ist Mitte dreissig. Als wir ankommen, baut er seinen kleinen Verkaufsstand gerade ab, den er dreimal die Woche für Eingeweihte wie uns aufstellt. Und für Spaziergänger, die zufällig des Weges kommen und einen Batzen Dill brauchen.

Dummerweise ist Feldsalat schon weg.
"Nehmt doch ein paar Möhren", schlägt er vor.
Gute Idee.
Zum Glück hat er noch Grünkohl.
"Den hatten wir diesen Winter noch nicht", meint auch die Gräfin. Wir nehmen ein Kilo. Ein Riesenteil ist das. In die Zellophantüte gequetscht sieht der Grünkohl aus wie Gemüse vom Angeberplaneten.

Die Gräfin drückt mir das Monster in die Hand, und wir ziehen weiter, zurück nach Hause. War ja nichts Großes geplant. Nur ein kleiner Einkaufsbummel. Frau Moll murrt enttäuscht. Logisch.
Milady hat heute noch keinen Stock in der Fresse gehabt.

Als wir in den Zedernweg einbiegen, stoppt die Gräfin abrupt ab.
"Da sind sie!"
"Da ist wer?"
Sie nickt zur Strasse hin.
"Ordnungsamt."

In hundert Meter Entfernung parkt ein silberner Kombi, mit der Schnauze zur Strasse. Damit er jeden Moment losbrausen kann. Die Verfolgung aufnehmen. Wir haben mittlerweile ein Näschen für die Brüder. Da macht uns keiner mehr was vor.
"Die sind überall", sagt die Gräfin.
"Und jetzt kommen sie sogar schon samstags", sag ich.

Wir verstecken uns hinter der Streukiste an der Zufahrt zum Naturfreundehaus und halten Kriegsrat. Frau Moll ist nicht angemeldet beim Ordnungsamt und versichert ist sie auch nicht. Da hocken wir nun, mit unserem dicken Angebergrünkohl und einem nicht angemeldeten und unzufriedenen Hund und überlegen hin und her, was wir machen sollen. Das Risiko eingehen und den Zedernweg einfach weiterlatschen in der Hoffnung, dass wir falschliegen, dass es gar nicht das Ordnungsamt ist? Oder doch lieber den Umweg nach Hause einschlagen? Dazu müssten wir allerdings umkehren.

Verdammt! Wir sind unschlüssig. Die Minuten verrinnen, es beginnt zu nieseln. Der Regen pixelt unsere Haut.
"Sitzt da überhaupt einer im Wagen?" frag ich. "Kannst du das erkennen?"
"Nicht genau. Weiss nicht. Ja, doch. Zwei Leute sind das, glaub ich."
Gut. Wir nehmen den Umweg.

Zwanzig Minuten später. Wir haben den Raum grosszügig umgangen und befinden uns gut zweihundert Meter vor dem Kombi. Als wir uns umdrehen, gibt er Gas.
"Scheisse!"
"Jetzt haben sie uns am Arsch."
Bußgeld. Anzeige. Wesenstest.

Flüchten hat keinen Sinn. Wir ergeben uns, und bleiben stehen. Der Wagen kommt näher, und fährt im Schritttempo an uns vorüber. Darin zwei Kerle, die uns keines Blickes würdigen. Der Beifahrer zählt lässig sein Geld. Kleine Scheine.
"Zwei Schwule!" ruft die Gräfin erleichtert. "Die haben sich einen geblasen!"
Puh.. Noch mal gut gegangen.
19.2.07 11:08


DER SNOB

1
Juni 86.
Lena seh ich nicht mehr oft. Sie kellnert im Nordpol und hat eine Affäre mit ihrem Chef, während ich die meiste Zeit mit Karlos und den anderen Jungs im Mumms hänge.
Es ist Juni, die Frauen holen die kurzen Röcke raus und High Heels.
"Wenn ich ne Alte auf Stöckelschuhen seh, werd ich zur Sau", meint Karlos. "Egal, ob da drauf ne Oma rumstöckelt oder ne Supertöle."

Schnaat, der sein Geld mit dem Bedienen elektrischer Gitarren verdient, meint eines Tages am Tresen zu mir, ob ich nicht Lust hätte, ein paar von meinen Texten zu vertonen. So richtig mit Band. Genug Leute, die ein Instrument spielen, sind da. Schwarte (The King of Absturz) kann Bass, Ralle Schlagzeug und der dicke Py Hammond.
Rote Gitarre und Kopf der ganzen Geschichte: Schnaat.

Wir proben dreimal die Woche und da die Geschichten zum Singen nicht richtig geeignet sind, versuch ich es mit einer Art Sprechgesang. Bei einigen Nummern klappt das ganz gut, vorallem ARNHEIM, DER BLUES, ein Art Mini-Dramolette, schafft Spannung, und DIE DICKE TANTE WALTRAUD ist der Knüller, mit dem wir uns jedes Mal in Rage spielen.

Als Zugabe rocken wir STRASSE DER SEHNSUCHT, eine Hochgeschwindigkeits-Version des schnulzigen Peter-Kraus-Klassikers. Der Rest taugt nicht viel, aber die Stunden im Proberaum machen Spass und lenken mich ab.

Einmal bringt Ralle einen Projektor und einen Pornofilm mit. Wir werfen ihn an die Wand. Den Film jetzt. Darin gibt es eine Szene, wo es jemand mit einem Schwein treibt. Ich seh den Geigenbogen noch vor mir, mit dem die arme Sau penetriert wird, und so schnell kann ich gar nicht weggucken, dass mich der Anblick nicht wochenlang und bis in die Träume hinein verfolgt.
Dieser scheiss Geigenbogen.

Im Juli ist Auftritt in der Liederkiste am Stöckerberg. Vielleicht hundert Leute kommen, darunter auch ein schwuler kleiner Kellner, der für mich tanzt. Selbst Lena nimmt sich den Abend frei. Als ich ARNHEIM raushaue und das Licht wegdimmt, suche ich ihre Augen, finde sie aber nicht.


2
Seit ich mein Telefon wieder angemeldet hat, ruft Lena gelegentlich an und wir verabreden uns, zum Schwimmen oder so. In der Regel kommt natürlich irgendwas dazwischen und es gibt Streit.
So auch an dem Tag, als die Sonne auf die Dächer brennt und sie mich um zehn Uhr abholen will.
Kurz vor zehn geht das Telefon.

"Können wir das Schwimmen nicht verschieben, ein oder zwei Tage?" fragt sie. "Ich hab heute die Gelegenheit, tausend Mark zu verdienen."
Es geht um einen kleinen Versicherungsbetrug. Sie soll mit ihrem Alfasud, den sie eigentlich schon abgemeldet hat, in den Wagen eines Bekannten reindonnern und kassiert dafür einen Teil der Versicherungssumme.
Ich werde sofort stinksauer.
"Vergiss es! Entweder wir gehen heute Schwimmen, oder gar nicht!"

Natürlich sind tausend Mark verlockender, woraufhin ich mir irgendeine Gemeinheit überlege, die ich ihr reindrücken könnte.
Eine Spezialität von mir.
Mir fällt ein, dass ich eine frühere Freundin von Lena in der Libelle getroffen hab, einer Disco am Stadtrand.
"Weisst du was sie gesagt hat? Lena ist ja wohl voll auf dem absteigenden Ast, seit sie im Nordpol arbeitet, das hat sie gesagt!"
"Was..?! Das hat Sabine gesagt?"
"Genau. Du wärst ja voll in die Popper-Szene eingestiegen, und dein neuer Freund wär ja ein Hohlkopf und deine neue Freundin Britta noch hohler.."

Natürlich vergesse ich nicht zu erwähnen, dass ich ihr das nicht etwa erzähle, um ihr einen reinzudrücken, nein!, natürlich nicht, ich möchte damit nur deutlich machen, was auch andere Leute mittlerweile von ihr halten.
Lena, zunächst getroffen, fängt sich rasch.
"Zugegeben, das ist blöd, dass ich so wenig Zeit hab, aber was soll ich machen. Ich brauche den Job, und der stresst mich, klar, aber irgendwie brauche ich den Stress beim Kellnern auch, aber das kannst du wohl gar nicht mehr nachvollziehen, wo du seit drei Jahren deinen Arsch nicht mehr bewegst!"

"Ich beweg meinen Arsch nicht? Baby, du bist nicht auf dem Laufenden!" entgegne ich und erzähle ihr von meinem neuen Job. Ich trag Koffer im Turmhotel, mindestens zweimal die Woche, wenn eine amerikanische Reisegruppe in Solingen übernachtet, auf ihrer Heart of Europe-Tour.
"Na toll! Riesenjob! Was verdienst du denn da?"
"Einen Dollar fünfzig pro Koffer!"
"Ach. Und wieviel Koffer sind das?"
"So fünfzig, sechzig jedes Mal", übertreib ich ein bisschen.
Ich höre sie rechnen.
Dann wechselt sie das Thema.

In zwei Wochen will sie mit ihrem Chef nach Berlin fliegen, auf ein paar Tage. Die Tickets sind schon gebucht. Es ist mir schleierhaft, was sie von dem klapprigen alten Gaul will. Er sieht scheisse aus, er ist todkrank. Irgendwas an der Lunge.
"Bist du etwa eifersüchtig?" fragt Lena.
Ich bin baff. Na, was denn wohl sonst? Blöde Kuh.
Ich frage, ob sie ihrem Chef die letzten Tage versüßen will, oder wie.
"Arschloch!"

Ich glaube, dass niemand auf der Welt mehr Spass am Leben hat als das Schicksal. Den ganzen Tag macht es "Ah!" und "Ooh!" und "Hähä!", wenn es sich das angerichtete Treiben auf der Erde ansieht.
Was soll man tun?

Ich versuch es mit Gedichte schreiben. Eins für Lena, das Gedicht von der kleinen Beerenweinkellnerin. Ich schick es ihr auf einer Postkarte, aber da die Post ihren dicken Sonder-Stempel über die Zeilen setzt, kann sie es nicht entziffern und so trage ich ihr den Text freihändig am Telefon vor:


DAS GEDICHT VON DER BEERENWEINKELLNERIN

Kleine Kellnerin
im pampelmusengelben Sonnenkleid,
immerzu bist du im Dienst
für die Säfte, den Wein,
das Wechselgeld

musst flitzen hin und her
und raus in den Biergarten,
wo Spitzbuben mit Steinchen nach dir schnippen,
wehe dem, den ich dabei erwische,
aber ich erwisch keinen

und jetzt, wo du die Treppe runtersteigst,
guck ich dir unter den Rock,
mit links,
damit seh ich dich besser,
kleine Beerennweinkellnerin,
komm und setz dich zu mir,
verschnauf ein wenig,
und nach Feierabend hol ich dich ab
und wir düsen im Benz
auf heissen Kufen
ins Licht hinein

Ja, kleine Kellnerin
im paprikaroten Bodystock,
das würde ich für dich tun
und noch viel mehr,
doch immerzu bist du im Dienst
für die Säfte, den Wein,
das Wechselgeld,

musst flitzen hin und her
und raus in den Biergarten,
wo ich stumm unterm Schirm
sitze, stumm wie ein beschissener
Krug.


Na ja. Ein Gedicht ist die eine Sache. Die andere ist die Wirklichkeit. Wenn ich nämlich ehrlich bin, dann will ich mit Lena gar nicht mehr zusammen sein. Wir haben alles erledigt, was es zwischen einem Mann und einer Frau zu erledigen gibt. Und wir sind noch zu jung, um in Ruhe den Abstieg in Angriff zu nehmen. Eigentlich müsste ich Lena dankbar sein, für ihren Mut, sich von mir zu trennen.
Stattdessen bin ich nur verletzt.

Das ist ungefähr der Stand der Dinge, als mir Martina über den Weg läuft, die süße Zahnarzthelferin. Sie ist blond und zurückhaltend und charmant und genau das Gegenteil der dunkelhaarigen, impulsiven Lena.
Dummerweise bin ich auch nicht gerade der Draufgänger, und so kommt die Sache nur schwer in Gang mit uns.


3
"Du hast noch was gut bei mir", sagt Martina samstagmittags im Mumms zu mir und lädt mich zu einem Teller Tortellini ein. "Sagen wir, heut Abend um acht bei mir?"

Mir ist zwar unklar, was ich bei ihr gut haben könnte, aber ich sag natürlich zu und dann ist sie verschwunden und jetzt ist schon Nachmittag und ich bin nervös, weil ich vermute, dass ich noch nervöser werde.
Wann zum Teufel hat mich das letzte Mal ein Mädchen, ein neues Mädchen, zum Essen eingeladen?

Ich trink Bier und geh auf ein, zwei Stickies mit Karlos in die Vorspeler Anlagen. Er hat goldenes Ghana-Gras aufgetrieben und wir sitzen auf den Treppenstufen mit Blick auf den Kinderspielplatz, gucken den Blagen beim Schaukeln zu und rauchen.
"Den Kindern geht's gut", sagt Karlos. "Die lieben die Erde."
Was ist denn mit dem los?

Wieder ins Mumms. Harry steht am Tresen. Ob ich nicht Lust hätte, ihn in seine alte Wohnung zu begleiten, er müsse die Schlüssel an den Nachmieter abgeben.
Eigentlich hab ich keine Lust, aber da Karlos sowieso weg muss und ich nicht nach Hause will, fahr ich eben mit Harry nach Schlicken, scheiss drauf.

Paar Bier müssen natürlich dabei sein. Wir sitzen in der kahlen Bude und trinken und erst später wird mir die Symbolik klar. Schliesslich war Martina Harry's erste grosse Liebe. Das ist zwar schon Jahre her und gerade erst hat Harry frisch geheiratet, aus einer Laune heraus, aber heute ist SCHLÜSSELÜBERGABE AN DEN NACHMIETER angesagt, und zwar exakt in der Wohnung, in der Harry und Martina lange Zeit zusammengelebt haben. Und ich hab heut Abend ein Date mit Martina, wovon Harry zwar nichts weiss, aber wohl noch erfahren wird..

Nach der Übergabe gehen wir in die griechische Pommesbude um die Ecke.
Ich knall mir vier untertassengrosse Reibekuchen rein, die rheinische Variante mit Pils und kurzen Schnäpsen.
Als wir um halb Sieben wieder im Mumms sind, bin ich schon reichlich besoffen.
Ich hab keinen Nerv mehr zu warten, ich geh eine Stunde früher zu Martina. Ist ja nicht weit vom Mumms. Zwei Minuten zur Florastrasse.

Natürlich hab ich kaum noch Hunger und stochere in den Tortellini herum.
Es sind tiefgefrorene von Iglo.
Ich bin ein bisschen enttäuscht. Ich dachte, sie wollte mich zum Essen einladen. Sind tiefgefrorene Tortellini in Sahnesauce eine Einladung zum Essen?
"Besser kann man die selber auch nicht machen", sagt Martina, als ob sie meine Gedanken lesen könnte.

Sie ist eine hübsche Frau. Ach was, eine Schönheit. Ein Gemälde. Ich weiss gar nicht, ob man das anfassen darf, oder ob dann womöglich die Farbe verläuft. Die Haut Falten wirft. Und das Bild dann im Eimer ist.
Schwierig.
Wir trinken Rotwein und reden.
Wenn ich nur wüsste, worüber.
Ich hab echt einen im Kahn.
Sie hat einen breiten, lustigen Mund, aber ihre Wohnung ist so still.
Dennoch verheissungsvoll.

"Heute ist das Eröffnungsspiel", sag ich endlich, "in Mexiko."
Ich erinnere mich kaum an Einzelheiten, seh mich nur noch auf der Couch hängen, sie einen Meter entfernt auf Sicherheitsabstand.
Nach dem Schlusspfiff schalten wir den Fernseher gleich wieder aus.

Sie legt Platten auf. Wir hören Marlene on the wall und die Doors. Sie hat gehört, dass ich früher ein grosser Doors-Fan war und schenkt mir ein selbst gemaltes Portrait von Jim Morrison. Einen Bleistift-Jim Morrison. Yeah! denk ich. Pretty girl.
Aber auch nur, weil Jim Morrison das gedacht hätte.

Wir pflücken Weintrauben aus der Obstschale und küssen uns nicht. Ich weiss nicht, warum ich sie mir nicht packe und die Zunge reinhänge, aber da ist etwas zwischen uns, etwas Unüberwindbares. Ich komme nicht ran, auch wenn sie nur darauf wartet, dass ich sie küsse, sie ist es so gewohnt.
Ich muss an Harry denken. Der hat sie sich garantiert einfach geschnappt.
Ich bin nicht Harry.

Um elf gehen wir ins Mumms, Martina ist mit einer Freundin verabredet, ich sowieso. Ich mein, ich hab mit dem Mumms ein Dauerdate. Der Laden ist unglücklich ohne meine Anwesenheit. Wenn ich reinkomme, seufzen die Wände und das Holz am Tresen.

Wir trinken zwei Tequila und beim Trinken fällt mir ihr abgespreizter kleiner Finger auf. Ich trinke Tequila auch mit abgespreiztem kleinen Finger.
"Solche Leute sind schwierig", sagt Martina.
"Und ich dachte immer, das wären Snobs", sag ich.
"Das bist du doch auch", sagt sie, "ein Snob, oder?"

Wir überlegen, was wir anstellen sollen mit dem angebrochenen Abend, dem angebrochenen Leben, ihre Freundin ist schon wieder weg.
Sie wollte nicht stören.
Sollen wir einen Spaziergang machen durch die Sommernacht? Was idyllisches?
Scheisse, wir fahren mit dem Taxi nach Gräfrath. Gehen auf einen Sprung in die Libelle, trinken noch was und dann, es ist drei Uhr mittlerweile, gehen wir, gehen wir.. wir gehen tatsächlich spazieren.
Vielleicht ist es auch schon vier Uhr.

Durch die nachtfeuchten Strassen. Wir ziehen Kaugummis und Stickers am Automaten, kein Stern ist am Himmel, und wir verlassen die Strassen und stolpern durch den Busch, durch die Nacht. Über Wiesen und Äcker, davon zwanzig Schritte Hand in Hand.
"Noch zwanzig Minuten", sag ich, "dann zwitschern die Vögel."
Die Landschaft der aufgehenden Sonne erinnert an Wales, aber es ist Untenketzberg.

Unterwegs verliere ich meinen letzten Zehner, so dass ich mal wieder blank bin. Normalzustand. Nicht weiter besorgniserregend.
"Wie heisst die Hauptstadt von Untenketzberg?" frag ich Martina, doch sie versteht nicht, sie kichert bloß, der Nebel steht im Tal, es wird kühl und die Deponie Bärenloch gehen wir von hinten an.
Wir steigen über rostige Radkappen, Dashtrommeln und Stacheldraht, und wo wir schon mal in der Nähe sind, lade ich sie auf eine Tasse Tee ein, zu mir.
Wenn sie Lust hat.

Sie hat Lust und wir trinken Tee und rauchen eine letzte Zigarette und reden noch was. Sie sagt, sie habe Angst vor mir, Angst, sich zu verlieren. Die Vögel zwitschern, und dann begleite ich sie zur Tür, ein Küsschen.
"Willst du den Rest der Nacht unbedingt allein verbringen?" frag ich.
"Nein, nicht.. unbedingt."

Wir landen auf meinem Bett, ganz schnell plötzlich. Zu schnell. Ich geh kurz unter die Dusche, weil ich so Schweissfüße hab. Ich lauf seit Wochen in den gleichen Turnschuhen rum, die mit den weinroten Querstreifen..
"..für den sportiven Winzer", murmle ich im Bad und stell die Turnschuhe vors Fenster und werfe die miefenden Socken in den Hof hinaus.
Weg damit.

Ich leg mich zu ihr. Sie ist zart, langsam. Ihre Bewegungen. Die Küsse offen. Eine kultivierte Frau, irgendwie. Erhaben.
Sie kann gut mit Eiern. Trotzdem vergeht mir die Lust, kaum dass ich in ihr drin bin.
Ich weiss nicht, was los ist.
"Mach ich was falsch?" fragt sie.

Wir frühstücken gegen Mittag. Um 2 Uhr geht das Telefon. Sokolov vom Turmhotel ist dran. Ob ich die Reisegruppe vergessen hätte.
Ich soll sofort kommen.
"48 Koffer", bellt er. "Mach hin!"
23.2.07 06:47


968

Hier sieht man Frau Moll, das kleine Stinkmodell, vor unserer Haustür. Der Wind hat ihr Fell geglättet. Normalerweise ist sie so wuschelig, man weiss kaum, wo ist hinten, wo ist vorne. Vorallem im Dunkeln kann man Pech haben. Da will man ihr Köpfchen streicheln zur guten Nacht und hat einen dicken haarigen Hintern in der Hand.

*
In unserer Siedlung wohnt ein altes Männchen. Es hat ein grobes Sackleinengesicht. Meist steht es eine Zigarette rauchend vorm Haus und schaut den frech den Kannenhof runtersausenden rothaarigen Jungs zu, Jungs, die niemals zu schlafen scheinen und Klingelmännchen machen ohne ein einziges Mal vom Skateboard zu steigen. Das Männchen verschwindet langsam im Hauseingang.

*
Da schleicht er an der Mauer entlang, der Schnittert, neidisch auf ein Bubblegum.

*
Hinter jedem richtig gewählten Zeitpunkt stehen mindestens sechzig falsche, die ihr letztes Hemd dafür geben würden, um noch zum Einsatz zu kommen.

*
Neuerdings dringen jede Nacht dumpfe Geräusche aus der Wohnung von Gus, dem Altpunk von oben drüber. Es ist nicht so laut, dass ich nicht mehr einschlafen könnte, aber bedrohlich wie ein fernes Gewittergrollen. Als würden Krankenhausbetten verschoben oder Gefangene die Nacht im dunklen Schnellkochtopf absitzen.
Man weiss nie, was die Nachbarn planen.
24.2.07 12:21


VALENTINSTAG

In der Nachbarschaft liegt Remscheid, eine Stadt wie ein Montag im Februar. Steile Nebenstrassen gibt es zuhauf und ein Röntgen-Museum, der Herr Röntgen ist nämlich in Remscheid geboren.

Ich geh durch die Fußgängerzone. Auf dem knatschroten Plakat, das für die Erotik-Messe in Wuppertal wirbt, hat jemand ein ausgelutschtes Kaugummi geklebt, punktgenau in den Schritt der Dessous-Lady.
Vor der Stellwand steht ein warm vermummter, zehnjähriger Junge, der sich das Ganze anguckt und selbstvergessen in der Nase bohrt. Als seine Mutter aus dem Supermarkt kommt, bepackt wie ein Sherpa des Kapitalismus, ruft sie ihren Sohn zur Ordnung: "YANNICK!"
Und als das nicht fruchtet: "YANNICK-EBERHARD!"

Schön. Ich hab Interesse an einer Tasse Kaffee und betrete eine italienische Eisdiele. Der Fensterplatz bietet einen Rundumblick auf die verschneite steile Fußgängerzone.
Gemütliches kleines Cafe.
Mir gegenüber sitzt eine große alte Frau.
Sie trägt eine Bommel-Mütze und einen stabilen blauen Mantel, und nickt mir zu.
"Mein Bruder Valentin hatte am Valentinstag Geburtstag. Aber der ist längst tot, mein Bruder Valentin."

Sie nimmt zwei Bistro-Tische in Anspruch. Den rechten Arm hat sie auf den rechten Tisch gestützt, den linken Arm auf den linken Tisch, und ihr restlicher Körper thront dazwischen auf der gepolsterten Sitzbank.
Sie sieht aus wie eine Mumie.
"Ich hab ja gar nicht gewusst, dass Valentinstag ist. Guck ich eben in ein Blumengeschäft in die Auslage, weisst du, liegen da lauter rote Herzen rum. Eine ganze Wiese voll. Mein lieber Mann!"

Mit wem spricht die eigentlich?
Meint die mich?
Die Serviererin bringt den Kaffee.

"Der ist schon lange tot, der gute Valentin", schnauft die große alte Frau und zündet sich eine Zigarette an.
"Was soll ich denn zuhause, junger Mann? Ich hab gespült und aufgeräumt und alles, was soll ich da. Hör mal, ich rauch seit 1936, und dann kam der Krieg. Nee, hör auf, Rauchen hab ich noch nie Schwierigkeiten mit gehabt, da gewöhnst du dich dran. Ich hab immer gearbeitet und immer geraucht. Aber ich paff ja bloß. Keine Lungenzüge. Seit 1936, weisst du."

Außer mir sind nur ein paar Italiener anwesend, in modischen Westen.
Sie starren angestrengt auf die Fussgängerzone.
Sie rauchen nicht mal.

"Hier läuft wenigstens schöne Musik. Nicht so wie dahinten, bei den.. Türken."
Die grosse alte Frau legt die Zigarette im Aschenbecher ab und holt einen kleinen Schminkspiegel aus ihrer Handtasche, in der sie flink zwei Zuckerstückchen verschwinden lässt.
"Die Türken da mit ihrem Kasatschokk. Frollein!"

Die Servierein kommt.
"Hier", sagt die Frau und drückt ihr den Spiegel in die Hand. "Den schenk ich dir. Weisst du, woher ich den hab? Den hab ich aus dem Theater in Paris. Musste nur sauber machen. Dann ist der wie neu."
Die Serviererin lächelt unverbindlich, nimmt den Spiegel, und verzieht sich hinter die Theke.

Eine Weile ist Stille.
Keine Musik, kein Geschnatter.
Die Remscheider Italiener flüstern, aber nur einen einzigen Satz.
Dann herrscht wieder Ruhe.

Ich trink meinen Kaffee und lausche glücklich dem Nichts, bis die Espressomaschine einsetzt, mit einem explosiven Zischen.
Geschirrklappern.
Jemand klopft an die Fensterscheibe.
Draussen steht eine riesige Frau, sie trägt einen platten gelben Hut.
Sie winkt wild.
"Hallooo, Edith..!!"

Schon ist die Spiegelei-Matrone zur Tür rein, mit einem Wusch kalter Schneeluft.
"Warst du einkaufen? Mein lieber Mann, was hast du denn alles eingekauft!?!"
Die Neue setzt sich dazu, mit Unmengen Tüten und Täschchen.
"Luise kommt auch gleich."
Eine der Einkaufstüten ist so prall gefüllt, oben guckt eine Packung gefrorenes Kirsch-Eis heraus.
"Luise auch?"
"Woll, die Luise. Hat sich neue Handschuhe gekauft. So Asbest-Handschuhe. Brauchte man ja früher nicht, aber seit die Haschbrüder alle AIDS haben."

Ich leg das Geld auf den Tisch und steure am dichten Wortschwall vorbei die zwei, drei Meter zum Ausgang.
Draussen fallen Flocken steil nach unten.
24.2.07 12:21


TOBI

Als die Gräfin noch Obst und Gemüse auslieferte für einen Bio-Hof, kam sie regelmäßig an dieser Wiese vorbei, auf der stand Tobi, das Kaltblut.
Tobi hatte die Wiese ganz für sich alleine, am Rande der Stadt.
Er war alt.
Seine Zähne waren schlecht.
Meist stand er einfach herum und stierte ins Gnadenbrot.
Ein trauriger Anblick.
Es wehte einem das Herz an.

Musste die Gräfin während ihrer Tour ("Mami, die Biofrau ist dahaa!") aufs Klo, dann tat sie das nicht beim Kunden, nein, sie stoppte an der Pferdewiese und stieg aus.
Tobi wusste schon Bescheid.
Freudig dampfend kam er zum Gatter getrabt. Seine Freundin war da. Endlich.
Ob sie wohl ein Leckerchen dabei hatte? Eine Möhre? Einen Apfel?

Mit seinem grossen kräftigen Schädel stupste er ihren Nacken, es wurde eng am Zaun.
"Schön aufpassen, Tobi, dass kein Fremder kommt und zuguckt, wenn ich Pipi mache", flüsterte die Gräfin.
Tobi blähte erregt die Nüstern und schnaubte sein leises, aber männliches "Möhhööhff!", als er mit den Lippen durch ihr langes Haar knabberte, das die Gräfin am Morgen extra für ihn gewaschen hatte, mit Bio-Rosen-Shampoo.
"Der hat bestimmt gedacht, ich wär eine Blume."
Das war die Sache mit Tobi.
Keine große Sache.
26.2.07 06:23


RODEO

Es war an meinem sechsundzwanzigsten Geburtstag, als es morgens Sturm klingelte. Ich lag mit einem fiesen Bierschädel im Bett, was damals Usus war, jedenfalls um diese Uhrzeit, und drehte mich fluchend um, doch wer auch immer da draussen stand und rein wollte, er liess nicht locker.
Er stand auf der Schelle.

Dann tauchte schemenhaft das Datum auf, durch meinem Schleier, fünfzehnter September.. Junge, du hast Geburtstag..! Da draussen ist jemand, der gratulieren möchte, den kannst du nicht einfach stehen lassen.
Verdammt!

"JAA SCHON GUT!! MOMENT..!!"
Per Summer drückte ich die Haustüre auf.
Ich hörte Stimmen, Gelächter, ein Poltern von Gerätschaften, und warf einen Blick durch den Spion: Schnaat vorneweg, mit blitzenden roten Bäckchen vor Erregung, dahinter Karlos und Ralle, der Bruder vom dicken Py, grinsend!

Ich stand immer noch vor dem Spion.
Schnaat bollerte gegen die Tür.
"AUFMACHEN, SACKFRESSE!"
"Ich darf niemanden reinlassen", wimmerte ich, "das hat meine Mutti verboten."
"Wir sind nur drei Onkel! Das geht schon in Ordnung. Fremden Onkel dürfen kleine Buben die Tür aufmachen!"
"Das müssen kleine Buben sogar!" wies Ralle auf die Rechtslage hin.
"Wir haben Schokolade dabei!" rief Karlos. "Dicke Tafeln!"
Getuschel.
"Mit Eierlikör!"
Die Sau. Ich mochte Schokolade mit Eirerlikör. Ich war süchtig danach.
Das wusste der ganz genau.
"SACKFRESSE! AUFMACHEN!"

Als ich öffnete, schoben die Kameraden mich einfach beiseite, dicke Staubsauger vor sich herkarrend.
Die hatte ich durch den Spion glatt übersehen.
"Steckdosen!" krähte Schnaat. Er trug seinen schweren dunkelblauen Admiralsmantel.

Jeder der drei hatte von Zuhause seinen Sauger mitgebracht, und jetzt wurde die kleine Flotte in die Küche getrieben, wo sie betriebsbereit auf die Start-Flagge wartete: das Einstöpseln. "LOS!"

Die Wände erzitterten unter dem Gegröhle der Vakuum-Cleaner, übertönt nur von gelegentlichen "YEE-HAA!"-Anfeuerungsrufen von Schnaat, auf dessen Mist die bekloppte Aktion gewachsen war, garantiert.
Er war besessen von Staubsaugern, besessener noch als ich von Eierlikörschokolade.
Gut.

Die Jungs wollten es nicht anders. Ich holte das Monster aus dem Tiefschlaf. Einen original britischen Hoover-Klopfsauger, dessen Sound-Ingenieure sich 1974 am Lärm eines Proberaums orientiert hatten, angemietet von The Slade:
CUM ON FEEL THE NOIZE.

Die putzige Parade dauerte keine fünf Minuten, dann verschwand die Dreier-Bande so schnell wie sie eingefallen war, ohne grosse Begründung, ohne irgendwelchen Glückwunschmüll.
"Fahren wir ins Mumms?" hörte ich Schnaat noch Karlos fragen, als er draussen den Kofferraum öffnete, und Ralle kicherte bekifft im Hintergrund.
Ich legte mich wieder hin, mit Staubsauger-Nachhall im Schädel, und schlief bis in den Mittag.
26.2.07 06:53


FRITZ MACHT DEN SOUND

Es fängt nach Mitternacht an und endet selten vor fünf, sechs Uhr am Morgen, und das seit anderthalb Wochen: Ein dumpfes Grollen aus der Wohnung von Gus, dem Altpunk.
Es ist nicht so laut, dass ich nicht einschlafen könnte, aber bin ich einmal wach, dann lieg ich da und überlege fieberhaft, was für ein Geräusch das sein könnte und kann deshalb nicht mehr einschlafen.

Es kommt in Intervallen und erinnert an ein fernes Gewitter, oder als würden Schweissausbrüche von einer Ecke in die andere geschoben, auf Stützrädern.
Und wenn das Geräusch heftiger wird, seh ich Gefangene im Zimmer über mir die Nacht in dumpf brodelnden Kochtöpfen absitzen.
Schnellkochtöpfen.

Manchmal herrscht für zehn, zwanzig Sekunden Stille, dann geht es wieder los.
Ich weiss nicht, was es ist.
Ich weiss nur, irgendwas Unheimliches geht da oben vor sich.
Man weiss nie, was Nachbarn planen. Nachbarn und alternde Punks.

Gestern reicht es mir.
"Vielleicht druckt der da da oben Falschgeld", sag ich zur Gräfin. "Dann soll er was abgeben, der Schweinehund. Schweigegeld. Rollgeld."
Was mir schleierhaft ist: Wieso dieses Grollen nur in der Nacht zu hören ist.
Tagsüber ist das Zimmer über mir das reinste Sanatorium.
Ich werde Gus zur Rede stellen.

"He!" ruft die Gräfin mir nach. "Bleib ruhig. Lass dich nicht provozieren."
Wir haben uns schon mal gegenseitig am Schlaffittchen gehabt, im Hausflur, weil er und sein Kumpel Sprotte die Sham 69-Punkoldies so rotzelaut gespielt hatten, dass die Gräfin und ich eine Etage tiefer glaubten, wir würden in einer Grossraumdisco zelten.

Ich steh im Treppenhaus und zieh mir schwarze Cloggs an, Cloggs machen grösser.
Dabei bin ich sowieso grösser als Gus.
Dafür ist er breiter.
1:1.
Und es hat noch gar nicht angefangen.

Die Treppe hoch, CLOGG CLOGG CLOGG.
Ist ja nicht weit. 18 Stufen. Vielleicht 15.
Ich klingel.
Drinnen läuft Musik.
Da drinnen läuft immer Musik.
Punk ist das allerdings nicht. Eher so Singer/Songwriter-Zeugs, das plötzlich wieder Konjunktur hat.

Gus macht die Tür auf.
Er kaut auf irgendwas rum, und macht erstaunte Augen.
"Stinkstiefel", zischle ich, "schalte diese scheiss Maschine ab, nachts."
"Hä?!"
Das Kauen ist so laut in seinem Kopf, er versteht mich nicht.
"Hallo Gus", sag ich.
"Ja. Hallo. Ist was?"

Er legt den Kopf um eine Nuance zurück, nach hinten, da wo die Musik spielt. Als würde er andeuten wollen: Du willst doch nicht etwa behaupten, die Mukke wäre zu laut.
"Gus, habt ihr irgendeine neue Maschine gekauft? Eine, die nur nachts arbeitet?"
Seine Augen ziehen sich zusammen, zu Schlitzen.
"Maschine? Was meinst du?"
Er stellt sogar das Kauen ein.
"Na, weiss nicht. Irgendwas, was ihr nur in der Nacht anmacht. Das über den Boden schlirrt. Schabt. Scheppert. Was weiss ich."
"Maschine?"

Er blickt kurz nach rechts, in das bewusste Zimmer, in dem eigentlich sein halbstarkes Töchterchen lebt, Greta. Die Jung-Punkerin ist neuerdings nicht mehr Punk und auch dieses Zimmer bewohnt sie nicht mehr. Sie hat sich die kleine Kammer unterm Dach unter den Nagel gerissen. Da kann sie in Ruhe bumsen, mit ihrem neuen Freund, und muss nicht jederzeit damit rechnen, ihren Vater im Zimmer nebenan mit langen Ohren zu überraschen.
Schweinehund.
"Wir haben keine neue Maschine."
"Und woher kommen dann jede Nacht diese verfluchten Geräusche?"

"Geräusche..?"
Plötzlich erhellt sich seine Miene, die sonst ein Tümpel ist, an dem sich düstere Frösche treffen.
"Ach, du meinst.. Jetzt weiss ich, was du meinst! NATÜRLICH!"
Er gluckst.
"Greta hat sich einen Goldhamster gekauft. Fritz. Der läuft jede Nacht im Rad wie ein Bekloppter. Klar! Fritz macht den Sound!"
Ich guck ihn an.
"Hamster?"
"Na klar. Ich bin die ersten Tage auch nachts wach geworden und hab gedacht, was ist das fürn Poltern nebenan? Hat einer die Spülmaschine angelassen? Aber das ist der Hamster, Mann!"

Er kaut fröhlich sein Baguette weiter.
Auch ich bin erleichtert.
"Ich dachte schon, du würdest hier oben heimlich Gefangene machen und abkochen."
Er versteht nicht.
"Hä?"
"Schon gut."

Wir einigen uns darauf, dass er den Hamsterkäfig künftig unterfüttert, mit einer Schaumstoffunterlage.
"Oder weisst du was? Ich hab noch ne dicke blaue Turnmatte im Keller. Kennst du auch, wo wir früher Flick-Flack drauf üben mussten und Rolle rückwärts, so ein Zeug. Was meinst du, was die Matte alles abdämpft. Darauf kannst du eine Elefantenkuh knallen, das hört ihr da unten nicht."
"In Ordnung", sag ich. "Schüss."
"Ja, schö."
Auf die Fresse hauen können wir uns immer noch, demnächst.
27.2.07 12:21


die gräfin
hat
eine rote nase. gemalt.

27.2.07 17:23


s



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