Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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DAS WASSER

Erst war die Gr?fin gl?cklich, wie das manchmal so ist, wenn man Durst hat und ein Glas kaltes Wasser rinnt einem die Kehle hinunter.
Nachdem das Glas aber zu zwei Dritteln leer war, wurde sie pl?tzlich ungl?cklich, von einer Sekunde zur n?chsten. Keine Ahnung, warum. Vielleicht hatte dieser letzte Schluck Wasser schlechtes Karma enthalten, vielleicht war ein Fisch darin verendet, in der Talsperre. Oder es lag an ihrem allgemein gespaltenen Verh?ltnis zu Wasser, schliesslich findet sie Waschen bl?d, lieber alles in die Bettdecke reiben, riecht besser. Aber vielleicht ist die Gr?fin beim Wassertrinken auch einfach traurig geworden.
2.10.05 12:23


GÖTTINNENGEFLÜSTER

Ich hab nachts ein neues Hobby.
Vlathan gucken. Den Hellseher auf PrimeTime TV mit seinem Expertenkarussell.
Dem Fresh-For-You-Kompetenz-Team.
"Wir sch?pfen aus einem Pool von 400 kompetenten Beratern. Wir sind das Licht-Team, wir sind eine grosse Familie."
"Sie sind sehr einf?hlsam, Herr Vlathan."
"Ja, danke, ich bin ja auch vom Expertenpool."

Vlathan hat putzige rote L?ckchen und ist Mitte Zwanzig. Auch ohne Geruchsfernsehen str?mt er ein mehliges Parf?m aus.
"Rufen Sie mich an, wenn Sie den Report aus Ihrer Zukunft h?ren wollen. Ich bin das Engelmedium. Ich bin Ihr Engelmedium! W?hlen Sie die 11869 f?r Deutschland, aus ?sterreich die 02609-56433 und aus der zauberhaften Schweiz die 06654-810067. Z?gern Sie nicht. Vielleicht sind Sie zur Zeit arbeitslos. Ich sage Ihnen mit meinen Karten, warum Sie arbeitslos sind. Warum Sie dauernd Absagen bekommen."

"Wen haben wir denn da am Apparat..? Ich tippe auf eine Frau."
"Hier ist die Elfriede.."
"Elfriede! Sehen Sie! Eine Frau! Elfriede.. Sie sind aber sehr leise."
"Ja."
"Was kann ich f?r Sie tun, Elfriede?"
"Wann werde ich.."
"Bitte, Elfriede. Sie m?ssen etwas lauter reden."
"Wann werde ich wieder einen Job bekommen, Herr Vlathan?"

Vlathan mischt die Karten.
"Elfriede, sagen Sie, finden Sie auch, dass ich ein weng flippig aussehe?"
"Was..?"
"Aber gute erfolgreiche Ersoterik braucht flippige Typen, nicht wahr, Elfriede. Sagen Sie Stop, wenn Sie meinen.."
"Stop."

"Ja, liebe Elfriede, ich sehe eine gute Nachricht. N?chstes Jahr in den Sommermonaten bekommen Sie eine 100%-Stelle."
"Ich m?cht aber nur eine 50%-Stelle."
"Das m?ssen Sie schon mit dem Arbeitgeber ausmachen, aber meine Karten zeigen eindeutig eine 100%-Stelle f?r Elfriede."
"Herr Vlathan, daf?r hab ich aber keine Zeit, f?r eine volle Stelle."

Vlathan g?nnt sich einen Schluck. Man h?rt seinen Kehlkopf rauschen.
"Das m?ssen Sie schon mit dem Arbeitgeber bereden, liebe Elfriede. Aber sagen Sie, ist das nicht eine wunderbare Nachricht!? Ein neuer Job. Was sehe ich noch? Ich sehe Sie im pflegerischen Bereich unterkommen."
"Ich arbeite im kaufm?nnischen Bereich."
"Ja, Elfriede, sehen Sie, darum ist das Bild, das die Karten mir zeigen, ein wenig verschwommen. Und, tzz, Elfriede, nun sehe ich mehr. Ich sehe eine heftige Erkrankung in den n?chsten neun bis zw?lf Monaten auf Sie zukommen, ich w?rde sagen eine Erk?ltung. Sie haben die Schnauze voll."
"Bitte..? Ich.."
"Du hast die Schnauze voll, Elfriede. Noch eine Frage? Gut. Elfriede, ich w?nsche eine angenehme Nacht."

Die Leitung ist gekappt.
Vlathan verbeugt sich.
"Liebe Zuschauer, Sie sehen, ich scheue mich nicht die Wahrheit zu sagen. Vertrauen Sie mir Ihre Probleme an und ich mache f?r Sie einen Klumpen Gold draus. Ich schicke Ihnen Liebe, ich schicke Ihnen Licht, ich schicke Ihnen Kraft. Knallen Sie mir die Leitungen voll, rufen Sie mich an. Oder m?chten Sie mit Frau Riccarda reden, unserer Fachkraft f?r G?ttinnengefl?ster? Oder mit Paul, unserem Karmaspezialisten? Trauen Sie sich. Gehen Sie ans Telefon. Sie haben bestimmt ein Telefon. Die 11869 f?r Deutschland, die 02069.."
Heut Nacht bin ich wieder dabei.
5.10.05 19:51


EIN SCHICKSAL ZUM MITNEHMEN

Oelze schlingert zum Zigarettenautomat. Der arbeitet vorm Laternchen. Das ist eine Wirtschaft und der Wirt ist ein Schluffen und h?lt das Laternchen nur auf, damit er nicht alleine vorm Fernseher sitzen muss.
Oelze stopft die M?nzen in den Schlitz. R?ttelt und titscht die Maschine bis sie endlich die Schachtel spuckt.
Zellophanabriss. Silberpapier kn?llen.
Eine anstecken.

Entlang der Baugrube, entlang der Heissmangel.
Matsch und Lenorschwaden.
Schlafanzug eine Mark, Sch?rze achzig Pfennig.
Am Ende der Strasse die Fetthalle.
"Ein Schicksal zum Mitnehmen."
"H?gel Kartoffeln dabei?"
"Sicher."

Oelze, am Ladenfenster, reguliert den Kopfverkehr.
Die Kartoffeln bullern in der Friteuse.
Computerspielsch?sse.
Kambani packt den Schaschlik ein und w?nscht "F?nf Maak f?nfzig un sch?n Abend noch Meister."
Oelze dampft heim.

Erdgeschoss links, die Fernbedienung.
Im Ersten eine Reportage ?ber den Mittagsdurst der deutschen Zecke, im Zweiten was nettes, im Dritten was nettes.
Er bleibt im Ersten und es schmeckt.
Danach auf die Strasse.
Den Hintern auf den Hydranten und warten. Warten auf Heesler. Den Heroindauerbrenner. Der mit dem Kantholz staubwischt. Der um die Ecke wohnt und jeden Moment von der Arbeit kommen m?sste.

Oelze beobachtet einen schlaksigen Penner, der gegen?ber im Abfallkorb w?hlt und eine Illustrierte herausfischt.
"Brauchste Literatur?" ruft Oelze.
"Nee, wat zu lesen."
"Ach so."
Ein Taxi f?hrt vor. Auf dem R?cksitz Heesler. Bezahlt den Fahrer und sch?lt sich aus dem Wagen.

Oelze ploppt vom Hydranten.
"Nichts zu schnappen, Alter?"
Heesler hats eilig. Sein Arm wartet auf das Feierabendloch.
Er nickt m?de.
"Komm, hierhin."
Sie dr?cken sich in einen Hauseingang.
"Taxifahren schafft mich", st?hnt Heeler, "ist immer so warm drin."
Sein Gesicht f?llt runter.

Eigentlich ist er ein charismatischer Bursche. L?uft selbst im Hochsommer nie ohne schwarzen Gestapo-Mantel durch die Gegend, und vor Jahren hat er ein Anarchomagazin vertrieben f?r Gest?rte.
Jetzt ballert er nur noch. Er b?ckt sich und zieht aus seinen Stiefeln eine Handvoll eingeschweisster Bubbles hervor.
"Arbeiterkoks hab ich auch da. Interesse?"
Oelze winkt ab und steckt ihm Geld zu.
"Gute Schore?"
"Geht so. Gibt fette Bl?schen beim Aufkochen."
Weg ist er, in seinen neuen Joggingschuhen. Sch?n anzusehen die weinroten Querstreifen f?r den sportiven Winzer.

Mit Aufkochen hat Oelze keinen Vertrag. Er hat noch nie eine Spritze in der Hand gehabt. Das ist ihm zu technisch. Er beisst die Folie um den Bubble auf und verstreut die braune Schore ?ber einen Handspiegel.
"Mist.."
Sieht nach Beschiss aus. Zu dunkel das Zeugs. Wie Kakao.
Na.. abwarten. Beim letzten Deal hat Heesler auch was von Brechnuss und zerstossenen Hufn?geln in der Schore gemurmelt, aber dann war das Material doch bombig gewesen.

Mit einer Rasierklinge pulverisiert Oelze die k?rnige Schore, formt zwei Linien auf dem Spiegel und rollt einen Geldschein.
Snieft. Das brennt. Das l?uft..die Kehle runter. Das ist..jedenfalls kein Kakaopulver. Eher Strychnin.
Oelze legt eine Platte auf und l?sst sich eine Wanne einlaufen. Dauert noch eine Viertelstunde, zwanzig Minuten bis das Heroin, der Solinger Inkak?nig, die Wupperprinzessin, den Pfad durch sein Blut antritt. Bis alles weit wird, weit und warm zum Hierbleiben.
6.10.05 12:12


ALABAMA

In der Nachbarschaft wohnt ein Ehepaar, das m?gen wir nicht.
Das m?gen wir ganz und gar nicht.
Er hat einen grossen kahlen Sch?del, in dem sich der Hass eingenistet hat, pfundweise, sein Weib ist befallen von Missgunst (ein Unzen).
Prestige bezieht das Ehepaar aus dem Wohnmobil vor ihrer Haust?re, es ist immerzu gewienert, es heisst Alabama.
Und im Sommer, wenn zus?tzlich die 1000er Kawasaki neben Alabama steht, kommt der kahle Knochen alle paar Minuten mit Bienenwachs und Glanzt?chlein um die Ecke.
Der Sommer ist seine grosse Zeit.

Vor Jahren haben wir den Drecksack dabei erwischt, wie er in unserem Garten Gr?nschnitt verbrannt hat, Gr?nschnitt aus seinem Garten, weil er glaubte wir w?ren nicht daheim.
Unsere Parzelle, rasant verwildert, war nicht wenigen Nachbarn ein Dorn im Auge, was weh tut, aber gut: nicht unsere Sache.

Das Verbrennen an sich war halb so schlimm, wie er nun aber dastand, neben der Rauchs?ule, den Fuss l?ssig auf dem Spaten ruhend..
Triumph schrie aus dieser Geste.
Schrie: Ich zeig es diesen Asozialen, die ihren Garten nicht pflegen. Den Rasen nicht saugen. Die B?ume nicht sch?tteln.

Allerdings hatte er die Rechnung ohne die Gr?fin gemacht.
Wie eine Furie st?rmte sie zur Kellert?r raus und hat ihn niedergemacht. Was er sich erlaube. Warum er den Mist nicht in seinem eigenen Garten abfackele. Ob er vielleicht keinen mehr hochkriege. Ob seine Frau auch so eine frigide Mistkuh sei wie er selbst.
Die ganze Nachbarschaft lauschte mit klopfenden Skandalherzen hinter den Fenstern.

Zwei Jahre sp?ter legten wir uns wieder einen Hund zu, endlich. Eine geschlagene Dekade hatten wir f?r diesen Schritt gebraucht, nachdem unser erster Hund, die Niete, vergiftet wurde. Mutmasslich vergiftet. In der Nachbarschaft.
Nierenversagen.
Wir konnten nichts beweisen.

Den neuen Hund riefen wir Mollie, woraus rasch Frau Moll wurde. Ein wuscheliger Mischling, ein schwarzes warmes Paket, das sich nicht gern von Fremden anfassen liess, ganz im Gegensatz zur Niete, die wie ein offener Mantel war, der auf jeden Menschen zuweht.
Frau Moll war eher misstrauisch und ?ngstlich.
"So ein grosser Hund und soviel Angst.." sagten die Leute oft, worauf mein Bruder einmal entgegnete, dass in einen grossen Hund auch mehr Angst reingeht.

Mit der Zeit wurde Frau Moll mutiger. Wollte was sehen von der Welt.
Morgens ?ffnete ich die Haust?r und liess sie in den Garten, Pipi machen und eine Runde toben. Zehn Minuten. Nicht l?nger.
Nat?rlich fiel dabei schon mal etwas aus ihrem Hintern raus, also durchforsteten wir regelm?ssig den Garten und sammelten die Haufen ein.

Eines Tages schellte es.
Im Hauseingang stand Hase, der unterm Dach wohnt.
"Guck mal..", sagte er einigerma?en fassungslos.
Vor der Haust?r lagen h?bsch aufgereiht zehn, zw?lf Kackw?rste. Lange Exemplare, dicke Dinger, K?ttel, alle Formate eben, die ein Hundedarm so hergibt.
"Was soll der Scheiss?!" guckte ich Hase an.
Dann d?mmerte mir: jemand aus der Nachbarschaft hatte hier den Nachlass von Frau Moll pr?sentiert.
Ich musste auflachen.
Das konnte nur die Glatze gewesen sein. Wahrscheinlich hatte Frau Moll auch seinen Garten besucht, am Morgen. In diesem Fall musste ich ihm nat?rlich Recht geben. Wenn sie schon in den Garten macht, dann in unseren.

Mittlerweile ist Frau Moll im Rockeralter. Sie hat soviel Kraft und Elan, dass sie umherspringt wie ein K?nguru.
Zudem sie ist ein gelehriges M?dchen.
Hat schnell begriffen: Alabama liegt links in der Parkbucht: den Hintern hoch und losgeschissen.
6.10.05 19:25


DIE BALLADE VON OELZE UND BABSI ASBECK

Oelze zieht an der Metallpfeife. Tief h?lt er den Rauch in der Lunge fest, und pumpt ihn in einem Strahl heraus. Er lehnt sich zur?ck.
Was kann man denn machen? Was kann man denn blo? mal machen?!
Er r?ckt zum Fenster hin, greift zum Fernglas.
Draussen scheint Sommer zu sein. Die Kinder l?rmen. ?Schlagzeug m??te man haben?, schwirrt es Oelze durch den Kopf, ?sch?n draufrumk?ppern.? Warum auch nicht.
Er macht sich auf in die City.

Viertel vor sechs. Gleich Feierabend. Babsi Asbeck hat Hunger. Den ganzen Tag hat sie mit leerem Magen neben dem Behandlungs-Stuhl gestanden. Sie r?umt den Sterilisator aus und wartet, bis der Doktor den letzten Patienten abgefertigt hat. Geld abholen will sie, und dann was essen gehen. Sie beeilt sich, um noch rechtzeitig in der Bank zu sein.

Die Trommel ist ihm nicht laut genug. Oelze bedankt sich, verl?sst den Erlebnis-Fachmarkt. Treibt den Schaufenstern entlang. Irgendwo mu? doch eine Trommel aufzutreiben sein. Vielleicht im Karstadt. Beim Spielzeug.

Babsi Asbeck schafft es auf den letzten Dr?cker. Steht vor dem Bankschalter und sucht in ihrer Handtasche nach dem Scheck. Da f?llt es ihr siedend heiss ein! Sie hat ihn liegen lassen, heut morgen. In der Hektik! Fluchend klappert sie zur Dreht?r hinaus...

..w?hrend Oelze sich im Kaufhaus verlaufen hat und bei den Topfpflanzen gelandet ist. Die letzte, die man ihm hier angedreht hat, stand ein halbes Jahr neben seinem Bett, bekam kein Licht, kein Wasser und bl?hte dennoch wie keine andere.
?Kann doch nicht sein?, hatte Oelze gemeint und war ausgiebig mit der Gie?kanne dr?bergegangen.
Drei Tage sp?ter war sie abgesoffen.

Babsi Asbeck st?hnt. Wieso ist sie auch so vergesslich. In ihrer Tasche klimpern ein paar lose M?nzen. Sie z?hlt nach. Siebzig Cents. Sie geht ins Karstadt. In die S?sswaren-Abteilung.

Oelze w?hlt eine Yucca-Palme. Die Verk?uferin wickelt sie in lila Glanzpapier ein.

Vor dem Regal mit den Schokoriegeln bleibt Babsi Asbeck stehen. All die kleinen Anmacher, die immer l?nger, immer gr??er werden. Sie greift nach einer Karamell-Schnitte.

Oelze stakst auf die Rolltreppe zu. Kommt sich irgendwie bl?d vor, mit der Palme unterm Arm. Das sieht so nach Wem-schenkste-die-denn aus. Piefig eben.

Heisshungrig steigt Babsi eine Stufe hinter ihm zu.
Im Neonlicht rollen sie der HiFi-Abteilung entgegen. Musik n?hert sich.
?..du Depp, du Depp, du..?
Oelze erkennt es auf Anhieb. Haindling! Der so hei?t wie das Dorf, aus dem er kommt.
?..du depperter Depp du..?
Oelze mu? grinsen. Da schaukelt er hier mit einer Primel durchs Kaufhaus und Haindling liefert den Soundtrack dazu. Das ist doch was. Das kann man machen!
Gen??lich sch?lt Babsi Asbeck die Karamell-Schnitte aus der Verpackung.
Ihre Augen knuspern.
?..Depp du..?
Oelze ist voll ein seinem Video. Rudert im Takt mit.
?..schau die doch o..?
Dreht sich ruckartig um und schl?gt Babsi Asbeck den Riegel aus der Hand. Die schreit auf!
"Nein!"
Wie gel?hmt guckt sie hinunter auf die Treppe, die unerbittlich weiterrollt. Als sie sich b?ckt, ger?t Oelze ins Straucheln und tritt genau auf die Schnitte, quack!
?..depperter..?
Als sie oben ankommen, stiefelt Oelze ahnungslos und auf Karamellschritten davon.
7.10.05 13:45


VISIONEN (1)

Ich denke, das wird kommen. So wie die Tabakkonzerne "Rauchen macht impotent"-Warnungen auf ihren Zigarettenenschachteln anbringen m?ssen, werden in Zukunft die Produzenten von Kochschinken gezwungen sein, ihre Verpackungen mit akustischen Warn-Sensoren auszustatten, die beim Aufreissen der Packung den Todeskampf von Zuchtschweinen im Schlachthaus imitieren.
"Quiek. Quiiek! Quieeeek!!!"

So h?rt man auch immer, was es in der Nachbarschaft zu Essen gibt.
"Was ist denn da oben los! Veranstalten die ein Springreiten oder was!?"
"W?lfischatz, bei denen gibts Fohlengulasch aus der Dose, weisst du doch.."


9.10.05 18:02


SCHUBKRAFT

Als ich wach wurde, um Mitternacht herum, beugte sich die Gr?fin gerade zu mir her?ber und k?sste mich.
Dann l?schte sie den Fernseher.
"Nacht."

Ich mag diesen letzten Kuss des Tages. Er ist wie eine Idee. Eine kleine Eingebung.
Eine Spielerei im Kopf.
"Die Kirche..", murmelte ich, " m?ssen wir..zur?ck ins Dorf schieben.."
Sie gluckste.
"Bleib liegen.. Ich mach das schon. Ich muss sowieso aufs Klo."
Ich st?tze mich auf, beduselt noch vom ersten Schlaf.

Weil ich mir nichts behalten konnte, lagen ?berall in der Wohnung Hefte herum, Bl?cke, Notizb?cher. F?r die Spielereien. Die kleinen Ideen. F?r "wollen wir die Kirche mal durch den Vorgarten schleppen" anstatt sie im Dorf zu lassen.
F?r das "rote Gesicht des Mannes, so rot wie ein Feuerwehrmann, der in seinem Leben zuviel Feuer eingeatmet hatte."
F?r viele andere solcher Eingebungen, die sonst verpufft w?ren, verdampft ins grosse Niegewesen.

"Lass mal, ich muss auch", sagte ich, "ist schon okay."
"Nein, schlaf weiter..ich schreibs auf."
Und so kam es, dass wir beide nachts im hellerleuchteten Badezimmer sa?en, die Notizb?cher auf den Knien und gemeinsam die Kirche zur?ck ins Dorf schoben.
10.10.05 21:06


DIE GELIEBTE

Als Nachtportier hatte ich eine Handvoll Stammg?ste, die waren ganz okay und nicht so knauserig mit Trinkgeld.
Am liebsten war mir der Droese.

Der Droese, ein dicker Haushaltswarenvertreter, kam meist Samstagnacht gegen drei, vier Uhr, im Arm seine pferdescheue Geliebte.
"Morgen Meister!" dr?hnte er und rempelte mit seiner Plauze gegen die Rezeption. "Geht was?!"

Ohne eine Antwort abzuwarten, ob ?berhaupt noch was frei ist, legte er gleich nach.
"Das beste Zimmer, und nich so ne Bumsbude!!"
Das Turmhotel hatte knapp f?nfzig Zimmer, in Gr?sse und Ausstattung genormt, bis auf die Eckzimmer, die waren etwas ger?umiger und hatten zwei grosse Fenster.

"F?r Sie, Herr Droese", sagt ich dann verschw?rerisch, "nur f?r Sie.." und nahm den Schl?ssel vom Haken.
Droese freute sich wie ein Ganove, dem ein unerwarteter Coup gelungen war, auf seine alten Tage.
"Immer nur das beste f?r den dicken Droese!" loderten seine blutunterlaufenen Augen, worauf die Geliebte, die ansonsten nur still dabeistand, strahlte: "..und nicht so eine Bumsbude."
11.10.05 19:00


DAS BEIN

Anfang der 80er. Zivildienst im Krankenhaus. Ich hatte mich f?r den Job im Operationssaal gemeldet. Ausser mir wollte das niemand machen, trotz geregelter F?nf-Tage-Woche und hundert Mark Zulage.
"Trauen Sie sich das auch zu, Herr Glumm?"
"Na aber sicher!"

"Muttih!"
Am ersten Arbeitstag wollte ich nur eines: so schnell wie m?glich heim.
Der ganze OP war voller Knochen und Fleisch, selbst unterm Kittel der An?sthesistin wurde ich f?ndig, und Blut, ?berall Blut, dicke Glasp?tte voll, beim Operieren abgesaugt, musste ich zum Ausguss rollen und auskippen, und wer so etwas Stunde um Stunde tut, der ertappt sich beim Sekundenschlaf schon mal dabei, wie er rote Teppiche ausl?ffelt, mit massig Speck drauf.

Eines Tages, es war Karneval, wurde ein grosser alter Mann in den OP-Saal geschoben, der trotz Vollnarkose leise vor sich hin stammelte.
B?se Sache, Raucherbein.
Sie s?gten unerm?dlich, die beiden Chirugen, denen ich immer wieder den Schweiss von der Stirn wischen musste. Ich konnte ihnen kaum zugucken bei der Arbeit, musste aber das verzweifelte "Lot stonn.." des alten Solingers ertragen, und
den aasigen Gestank habe ich heut noch in der Nase, dick wie Bodennebel waberte er durch den Raum.
Als zwei P?tte randvoll waren mit Blut und das Bein endlich ab, wurde es in Zellpapier gewickelt und mir ?bergeben.
"Bring das mal ins Krematorium."

Da marschierte ich nun am Rosenmontag durch die Katakomben des st?dtischen Krankenhauses, mit einem warmen Bein im Arm, das niemanden mehr geh?rte, und traf Schnaat, einen guten Kumpel von mir, der auch Zivildienst leistete, allerdings im Hals,- Nasen,-Ohren-Bereich.
"Eh, Glumm, wohin?!"
"B?ttenmarsch", sagte ich. "Hier, halt mal."

W?hrend Schnaat das Bein hielt, drehte ich mir eine Zigarette und er begleitete mich zur Verbrennungsanlage.
Wir setzten uns auf ein M?uerchen und rauchten eine.
Plauderten ?ber Pappnasen, einbeinige Polonese und all das Holz, aus dem die Menschen geschnitzt sind. Holz, in dem p?tteweise Blut steckt, wenn man es aufschneidet.
Oder ab.
12.10.05 15:36


DER NAGEL

"Kleine Männer stinken beim Ficken!!"
Das war der blöde Spruch, mit dem ich den kleinen Twing immerzu aufziehen wollte, wenn wir nebeneinander am Tresen standen, aber Twing hat nur krachend laut gelacht.
"Hau ab, du Lutscher!" schrie er, wenn ich nach dem zwanzigsten Kölsch rüberkam mit dem blöden Spruch.

Der kleine Twing war Dachdecker. Einmal hat er Pech gehabt, während der Arbeit. Ist in einen rostigen Nagel getreten, in seinen billigen Dachdeckerschuhen, die nichts aushielten. Der Nagel ging glatt durch, sieben Zentimeter in den Fuss rein, und guckte oben wieder raus, aus dem Spann.
"Zuerst hab ich kaum was gemerkt. War ein Gefühl, als hätte ich auf eine Katze getreten, die nicht wegläuft."

Im städtischen Krankenhaus haben sie dann ambulanten Murks gemacht. Keine Röntgen-Aufnahmen, dumme Blicke, wieder nach Hause geschickt.
Nach ein paar Tagen wurden die Schmerzen unerträglich, trotz der Pillen für Krebskranke, die Twing sich auf der Platte besorgt hatte, beim dicken Methadonhändler.
Twing also zurück ins Krankenhaus.
Die Wunde rund um das Loch hatte sich böse entzündet. Vorschlag des Chefarztes: Amputation des Fußes, damit die Entzündung nicht noch mehr Schaden anrichtet und womöglich das ganze Bein ab muss.

Am selben Abend erreichte Twing auf dem Zimmertelefon der Anruf eines Pflegers.
"Such dir eine andere Klinik, Mann. Die schneiden hier zu schnell. Die sind unheimlich messergeil."

Am nächsten Vormittag war Chefvisite.
Der kleine Twing teilte den versammelten Metzgern mit, dass er verlegt werden möchte, um von anderen Spezialisten eine zweite Meinung einzuholen.
"Zwei Stunden später wurde ich rausgeschmissen!"
"Rausgeschmissen?!"
"Rausgeflogen, mit dem Blaulicht-Hubschrauber nach Bocholt, in eine Spezialkinlik."

Der Fuß konnte gerettet werden. Doch bevor man das Loch, breit wie ein Daumen mittlerweile, mit Plastik auffüllen konnte, musste die Wunde noch zwei Tage lang offen bleiben.
Das Bein wurde auf einem Kissen hochgelegt, dass der kleine Twing, der so wunderbar ansteckend lachen konnte, in einer bestimmten Liegeposition durch das Loch im Fuß genau auf den Bildschirm des Münzfernsehers gucken konnte.
Ganz bequem.
Die Schwestern auf der Station konnten es kaum fassen.
"Was um Himmels Willen machen Sie da??!"
"Na, wie sieht das denn aus!? Ich guck Sportschau!"
12.10.05 20:14


NACHMITTAGS

In den achtziger Jahren wohnte ich auf der Schillerstrasse in einer Bude im Erdgeschoss. Das Fenster stand im Sommer meist offen und die Kumpel kamen nach Lust und Laune reingeklettert. Die Nachbarn murrten, waren empört, doch was sollten sie machen - schliesslich ist es nicht verboten, die Wohnung seines Freundes durchs Fenster zu betreten.
An einem Nachmittag im September war die Bude mal wieder rappelvoll, oder um mit Karlos zu sprechen: da war Schlagabtausch im Ballungsraum.
In Ordnung.
Wer war alles da?

Der Karlos natürlich, mit seinem Gesicht wie eine Spanplatte sechzehn Milimeter versank er in der roten Couchgarnitur und war verantwortlich für die Joints. Zwischendurch schnatterte er irgendein belangloses Zeugs in die Runde, Hauptsache laut und cholerisch.
So Sachen wie: "Scheiss aufs Geld! Spass will ich auch nicht haben! Aber irgendwas schon, verdammt!!"

Neben ihm saß der dicke Bonsen.
"Wie fändet ihr das, wenn ich mir so ne Tellerlippe wachsen liesse?"
Mit Daumen und Zeigefinger zog er die Unterlippe bis aufs Grübchen runter, wo er es hinein zu friemeln versuchte.
"Zu spät!" meinte Karlos, "Da musste schon als Kind mit anfangen."
Der dicke Bonsen liess nicht locker.
"Und wenn ich mir da einen Mercedes-Stern einarbeiten lasse? Müsste doch funktionieren, mit so nem stabilen Stern."

Während ein einzelner Schneiderwipphopp über den Teppichboden wehte wie der Rauch einer glimmenden Gauloises, drehte ich die neue Schallplatte von Jonathan Richman um.
"Halts Maul, Bonsen", lallte der Mitsubishi Boy. Der hatte sich eine Stunde zuvor von hinten herangepirscht und mir die Augen zugehalten, wie ein Lausbub mit fettigen Gambafingerchen.
"Wer bin ich??!"
"Na, wer wohl. Blödmann."
Jetzt sass er sturzbetrunken zwischen Karlos und dem dicken Bonsen, hatte nur einen Schuh an und den anderen Schuh zum Fenster rausgeworfen. Da lag er nun im Vorgarten rum, der grüne Schuh.
"Irgendjemand würd den gleich schon mitbringen. Irgendein.. Schuhschwein, ha, hahahahaa!"

Mein späterer Hausarzt saß in der Ecke und beobachtete alles. Ein Jahr seiner Jugend hatte er im Rollstuhl verbracht, obwohl er gar nicht behindert war.
Einfach so, aus Verarsche.
Das muss man erst einmal hinkriegen.
Einmal hab ich ihn in Köln auf einem Frank Zappa Konzert getroffen, da lief er als Pan Tau verkleidet durch die Reihen und sorgte für immenses Aufsehen. Ausserdem hatte er die Eintrittskarte gefälscht, nur mit Buntstiften, es war unglaublich, es war perfekt gewesen.
An diesem Nachmittag 1983 wirkte er wie ein russischer Filmarzt, mit seinen grossen widerspenstigen Ohren und dem exakt gestutzten Kinnbart. Er sagte kein Wort an diesem Tag. Sass nur da in der Ecke am Fenster und guckte sich alles an.

"Tu mal die schwermütige Pampe da runter! Das ist doch Musik für lange Unterhosen!" rief der dicke Bonsen. Der war wirklich dick, nicht so wie der dicke Py, der gar nicht dick war. Nicht besonders dick jedenfalls. Eher so halbdick.
Der dicke Bonsen war ein Bundeswehrsoldat, der sich für zehn Jahre verpflichtet hatte und nun nicht mehr wusste, wie er aus der Nummer herauskommen sollte.
Es war jedes Wochenende das gleiche.
Nachdem er sich unter Schwierigkeiten durchs Fenster hereingewälzt hatte, (keine Frage, Hansi wäre lieber durch die Tür gekommen, wollte sich aber keine Blöße geben), saß er Stunde um Stunde im Sessel und jammerte.
"Was soll ich denn machen?"
Er wurde immer fetter, der Sessel ächzte immer bedrohlicher.
"Mir tun die Füsse weh von den scheiss Nachtmärschen!"

"In diesem Scheisskaff hier müsste mittendrin ein Riesentelefon stehen, das alle fünf Minuten läutet, damit ich nich einpenn!" gab
der Mitsubishi Boy ein Lebenszeichen von sich, während Karlos in eine Grundsatzdiskussion vertieft war, mit Denis Hahn.
"Ich find Sucht sehr positiv", meinte Karlos. "Wie soll ich sagen. Die Neigung zur Sucht ist ja sehr normal. Nee. Nee. Ja, klar. Ich wollte das nur mal als Gedanke so reinbringen."

Denis Hahn, der Tatort-Schauspieler, hatte drei blonde, sehr deutsche Lufthansa-Stewardessen mitgebracht, die mit offenem Mund dabeisassen. Nicht weil es hier so furchtbar irre zuging, sondern weil es sich mit geschlossenem Mund schlecht saufen, kiffen und lachen liess.
"Meine Freundin ist eine Schlagersängerin, die nur deswegen nicht berühmt ist, weil sie lieber für sich alleine berühmt bleiben will", legte der Mitsubishi Boy einen nach. Das kam bei den Mädels definitiv besser an als seine Gedanken zur Suchtproblematik.
Die Mädels waren auf den ersten Blick Tussen, hochnäsiges Pack, aber wenn man sich mit ihnen unterhielt, entpuppten sie sich als einfache nette Mädels aus der Luft.
Wie Drillinge.

Denis Hahn kannte sie vom Set in Bochum, wo sie am Morgen zusammen gedreht hatten. Eine Szene für den Tatort. Denis war gut im Geschäft. Er hatte dieses Gesicht, für das jede Schwiegermutter ihr Häuschen hergegeben hätte.
"Ihr scheiss Gartenhäuschen", grunzte Karlos.
"Was?!" fragte Denis Hahn, ein eitler Fratz, aber ich mochte ihn, irgendwie.

"Herr Glumm?!"
Im ersten Moment wunderte ich mich zwar, wer so nach mir rief in meiner eigenen Wohnung, so dienstlich, dennoch antwortete ich automatisch mit "Hier!"
Alle guckten mich an.
Die Stimme kam aus Richtung offenes Fenster. Hinter der Gardine bewegte sich grün eine Mütze.
Der dicke Bonsen wurde panisch.
"Du Scheisse!" flüsterte er, "Die Bullen!"
Gesistesgegenwärtig warf er seine Jacke über die Tabakmischung mit Haschisch, die auf dem kleinen Cocktailtisch auf ihren Einsatz wartete für die nächste Tüte.
"He, aufgemerkt!" maulte Karlos, "Fliegt doch alles weg hier!"

"HERR GLUMM!?"
"Jaa!" sagte ich, "Einen Moment."
Ich ging zum Fenster. Ein Polizist stand im Vorgarten und guckte zu mir hoch, während ein weiterer Uniformierter auf der Treppe zur Haustür stand und Sturm klingelte.
"Moment", sagte ich. Ging zur Anlage und drehte leiser.
Bonsen rutschte tief in seinen Sessel. Er sah aus, als hätte er innerhalb von einer Minute zehn Kilo zugenommen.
"Das sind alles nur Sorgen, Herr Wachtmeister, das ganze neue Fett hier!"

"Man hat uns informiert, hier wäre eingebrochen worden!" rief der Polizist im Vorgarten.
"Was, hier? Bei mir?!"
"Ja, bei Glumm. Da sind mehrere Männer beobachtet worden, wie sie durchs Fenster geklettert sind.."
Hinter mir machte sich Erleichterung breit, im Raum.
"Nee, Herr Wachtmeister", sagte ich, "Das hat schon alles seine Ordnung", und klärte den Sachverhalt auf.
Die Polizisten, zunächst noch misstrauisch, liessen sich überzeugen.
"Und was ist hiermit? Gehört der Ihnen?"
Der Polizist reichte mir einen Schuh.
"Äh..ach so, ja. Danke."
Sie zogen ab.
"Wer hat denn angerufen?" rief ich nach.
"Ein Nachbar."
"Welcher?"
"Das wissen wir nicht."

Der Mitsubishi Boy schlug die Augen auf, als ich ihm seinen Schuh zuwarf.
Er landete punktgenau in seinem Schoß.
"Och", gähnte er nur, "na also."
14.10.05 08:04


TALK TO MY CHIEF

22 Uhr.
"Ah, der Herr Kollege..!"
Der Chef sitzt mit seinem stoppeligen L?cheln vor der Kasse und z?hlt das M?nzgeld.
"Wie gehts denn?"
"Super", murmel ich und h?ng die Jacke weg.
"Und selbst? Gut erholt?"
"War sch?n ja, aber bullig heiss, 48 Grad und so Kl?pse. Das konntest du mittags nicht aushalten da. Den Weibern ist das ja egal, die waren am br?ten in der prallen Sonne, da kennen die ja nix. Naja, ich hab mich mittags immer verabschiedet, haha."

Braungebrannt, dazu das granatenweisse Hemd und die Goldkette um den Hals - der Chef sieht aus wie der letzte deutsche Puffpianist.
"Aber sonst war sch?n. Was ich da alles weggesoffen hab, glaubt man ja nicht. Bestimmt sechs, sieben so Limonaden am Tag."
"Was, Liter?"
"Nee, Flaschen. Sechs Flaschen. Oder sieben. Und dann noch Sprudel. Bin ich aus dem Saufen gar nicht mehr rausgekommen. Aber sonst war sch?n."
W?hrend er plaudert tippt er die Kassenbetr?ge in die kleine Rechenmaschine ein.
"Nur die Vegetation war was wenig. Nur Ger?ll und kein Obst. Also keine Plantagen, will ich mal so sagen.."

Irgendwann guck ich nur noch auf seinen Mund und lass ihn schnattern.
"Richtig!" werf ich einmal ein, als ich glaube, dass er mich was gefragt hat.
"So, Herr Glump, jetzt bin ich aber weg. Bis morgen dann. Tsch?h??."
"Jo, bis morgen."
Obwohl ich schon seit drei Jahren hier jobbe, h?ngt er mir unerm?dlich ein p an. Herr Glump! Als w?r ich ein Klumpen. Na egal. Hauptsache, er ist vom Acker.

Im Hotel herrscht Flaute, den ganzen Sp?tsommer schon. Auch heut Nacht verklump ich die Zeit gr?sstenteils im Chefsessel vorm Kabelfernseher, die H?nde abwechselnd am Sack und an der Fernbedienung.
Hin und wieder schellt es, so auch gegen Mitternacht.
Auf dem Monitor erkenn ich eine Frau, die unten auf Parkdeck Rot vor dem Gitter steht.
"Ja?" frag ich durch die Gegensprechanlage.
"Do you speak english?"
"Yes."
"We have a reservation."

Ach so. Richtig. Auf dem Belegungsplan ist noch ein Doppelzimmer eingetragen, f?r ein Paar aus den USA.
"Okay", sag ich und ?ffne per Summer das vergitterte Tor.
Um von Parkdeck Rot zu den Aufz?gen zu gelangen, muss man zun?chst f?nfzig Meter durch das schummrige Parkhaus zur?cklegen, dann an einer weiteren Zwischent?re klingeln.
Ich verfolge ihren Gang auf dem grobk?rnigen Monitorbild. Ein flottes Wesen.
Es schellt, ich dr?ck die zweite T?re auf.

W?hrend sie mit dem Aufzug in den elften Stock unterwegs ist, zieh ich mir die Schlappen vom Chef an und versuch seine Sauklaue auf dem Belegungsplan zu entziffern.
Wie soll das Paar heissen? Tuesday?
Der Lift h?lt an.
"Good evening, Sir. We have a reservation."
Klein, drahtig und mit dunklen Locken kommt die Frau auf die Rezeption zugeschnellt, als w?re der Aufzug hinter ihr ein Katapult.
"I'm not sure this is the right hotel. Is that Kolner Strasse Ninety-Nine?"
"Yes", sag ich, "99."
"Fine. We have a reservation."
What you not say, denk ich.
"Your name is..Tuesday..?"
"No. Digoya."
"Ah.. a double-room, right?"
"For three nights, right. My friend is down in the garage by the bags. Can I see the room? Do we have our own bathroom?"
"Sure."

Ich reich ihr den Schl?ssel von Zimmer 16, gleich hier im elften Stock.
"To the right", zeig ich ihr.
Mit fixen US-Augen inspiziert sie die 16, ein ger?umiges Eckzimmer, f?r Turmhotel-Verh?ltnisse: die Suite.
"Nice", meint sie, als sie wieder vor der Rezeption steht, "but very cold."
Ob ich die Heizung anmachen k?nne w?hrend sie ihren Boy aus dem Parkhaus hochlotse.
"Sure", sag ich, ganz der alte Old Surehand. Der Klumpen. Der In-die-Schlappen-Vom-Chef-Steiger.

Als sie mit dem Lift weg ist, setz ich mich vor den Monitor. Beobachte ihren Freund, der mittlerweile vor dem Gitter auf Parkdeck Rot nerv?s hin-und hertigert, umgeben von Koffern und Gep?cktaschen.
"He Mister, she comes down!" ruf ich durch die Gegensprechanlage.
Er duckt sich erschrocken als w?rde ein Tiefflieger durchs Parkhaus jagen.

Ausser Atem kommen die beiden ein paar Minuten sp?ter mit dem ganzen Gep?ck zur Rezeption.
Es entwickelt sich ein Disput um den Zimmerpreis.
Der Mann, er sieht aus wie US-Amerikaner s?deurop?ischer Abstammung, findet 148 Deutschmark f?r ein Doppelzimmer zu teuer.
"..more than one hundred US-Dollars..", wirft er mehrmals ein, mit m?rrischem Nachdruck.
Er fordert einen Discount, weil sie gesch?ftlich unterwegs seien und ausserdem mehrere N?chte bleiben wollen.
"I can't decide it", sag ich, da m?sse er sich schon an den Chef wenden, morgen fr?h.
"What?!"
"You must talk to my chief!" wiederhol ich in feinstem Hotelenglisch.

"Okay, okay.."
Die kleine Frau macht dem Hin und Her schliesslich ein Ende, mit ihrem Rennl?cheln. Sie f?llt eilig den Meldevordruck aus, mit einer Adresse aus New York City, Montgomery Ave.
Der Typ glotzt derweil missmutig auf das Brusthaar, das aus meinem gerippten Unterhemd quillt, mir ist n?mlich warm und ich hab das Sweatshirt ausgezogen.
Ich nehm den ausgef?llten Vordruck in die Hand.
"You come directly from New York?" frag ich, aber frag mich nicht warum ich das frage, wenn jemand Pusemuckel eintr?gt frag ich ihn ja auch nicht "You come directly from Pusemuckel?"
"No, we come from Rome."
Na immerhin.

Nachdem sie das Gep?ck auf ihr Zimmer gebracht haben, ich bin ihnen gefolgt, um die Heizk?rper aufzudrehen, hat der Kerl Hunger und fragt nach einem Restaurant, das um diese Zeit noch ge?ffnet habe.
"Solingen is a bad place for eating in the night", sag ich, aber um die beiden loszuwerden, empfehle ich ihnen den Italiener um die Ecke, der hat garantiert geschlossen, Ruhetag.
"Good luck!" w?nsch ich noch, doch da schliesst sich schon die Aufzugst?re und das Paar ist unterwegs ins Erdgeschoss, zum Ausgang.

Ich nehm mir den Generalschl?ssel vom Haken und schliesse Zimmer 16 auf. Aus Langeweile guck ich mir ein bisschen das Handgep?ck an. Was da so drin ist. Da lernt man eine Menge ?ber die Leute. Ausserdem bin ich neugierig ohne Ende. Ich tu zwar immer cool, m?chte aber alles wissen. Ich finde einen Schreibblock, Mappen, ein Wirtschaftsmagazin, Rasierpinsel.
Es gibt N?chte, da ist meine Neugier so rasch befriedigt wie sie aufgeflammt ist.

Zur?ck ins B?ro, vor den Fernseher. Der US-Spielfilm mit Mickey Rourke ist noch langweiliger als der Inhalt des Handgep?cks eines US-amerikanischen P?rchens auf Europa-Tour.
Meine Gedanken schweifen ab..
Ich stell mir vor, wie die beiden gleich zur?ckkommen, hungrig, frustriert. Dann werde ich ihnen eine deutsche Stulle anbieten. Mit dick Butter drauf. Leberwurst. Grob! Bah!

Und wie mir der Kerl eben aufs Brusthaar geglotzt hat, ? la: f?r die Klitsche hier soll ich ?ber 100 Dollar die Nacht hinlegen, mit einem Penner als Portier..!?
Und wieviel Sterne unser Hotel ?berhaupt habe, wollte er noch wissen. Drei oder vier..?
"THREE, DU TREE!"

Halbe Stunde sp?ter.
Das Paar tappert ausgemergelt an der Rezeption vor?ber. Ich steh schon parat.
"Nothing?" frage ich.
"Nothing.."
Ich nehm den Weckauftrag entgegen, f?r Six thirty, und beim Weggehen dreht sich der Mann noch mal um und fragt etwas, was irgendwie nach Sandwich klingt.
"No, we have no Sandwich", bedauere ich. "But I can make you a wonderful german bread.."
"No!" unterbricht er mich w?tend. "I asked for CNN, the News Channel on the TV!"
"Ah, CNN.. Yes, it's on the TV."
Schade. Dem h?tt ich zu gerne die dickste deutsche Stulle der Nachkriegszeit geschmiert. Pech gehabt.
Ich verklump die Nacht vorm Fernseher.
15.10.05 14:23


WENN EIN TEENAGER SCHÖNE GRÜSSE AUSRICHTET

"Mama, ich soll dich gr?ssen."
"Ja? Von wem denn?"
"Von.. so nem Mann."
"Mann..? Was f?r ein Mann?"
"Na, ein Mann eben.. "
"Was hat er denn gesagt? Der Mann?"
"Der hat gesagt, gr?ss sch?n deine Mutter."
"Gut.. aber kennst du den Mann?"
"Ja, ich glaub, das war so.. ein Mann..von fr?her."
"So ein Mann von fr?her?"
"Ja, ein.. Nachbar eben! Von fr?her!"
"Fr?her.. Kann ja jeder sein. Na gut. Hast du schon gegessen?"
"Ja eben."
"Wo denn? Bei der Oma?"
"Ja."
"Und? Was gabs?"
"Fleisch."
"Wie, nur Fleisch?"
"Nein, da waren noch..so Bl?tter.. drumrum."
"Bl?tter?! Was f?r Bl?tter?"
"Na Bl?tter eben! Kennst du keine Bl?tter?!"
"Nat?rlich kenn ich.. Bl?tter! Du meinst Salat?"
"Nein. Das war so..eingewickelt..das Fleisch, in Bl?tter.."
"Du meinst Kohlrouladen?"
"Ja. Kann sein. Ich bin dann mal weg."
"Wo gehste denn hin?"
"Treff mich. Mit Joe."
"Joe? Wer ist das denn?!"
"MAMA! DU MACHST MICH WAHNSINNIG!!"
16.10.05 14:19


LATEIN-MASTERS

"Sieht das scheisse aus. Viel zu hektisch die Bewegungen, wie so scheiss Computerpuppen."
Sonntags im Zweiten Deutschen Fernsehen h?ngengeblieben, die Gr?fin guckt Standard-und Latein-Masters in Karlsruhe. Sie hasst Turniertanzen, kann aber die Augen nicht davonlassen.
"Das ist doch kein Tanzen mehr! W?rd mich nicht wundern, wenn sich eines Tage rausstellt, dass Profit?nzer die ersten Aliens sind."
Ich seh Funken von Hass im schneidigen Oktoberlicht.
"Die zerhacken doch alles mit ihren Beinen. Und wie dick die Tanztussi da Schminke im Gesicht tr?gt, nur damit man all die Dr?hte nicht sieht dahinter..!"
Beifall brandet auf in Karlsruhe.
Die Paare verneigen sich vorm Publikum.
"Vorm Publikum..? Die buckeln vor den Preisrichtern! Und wie die zappeln obwohl die Musik schon aus ist..! Wahrscheinlich kriegen die kein Ritalin mehr verschrieben, und jetzt m?ssen sie tanzen bis sie tot umfallen. Oder meinst du, die haben Jetlag. Kann auch sein. Mann!"
Einer der Preisrichter guckt streng in unser Zimmer.
Ein Bossa Nova jetzt.
"Da! Guck mal die Tussi! Die sieht doch aus wie eine geschminkte Gnocci! Und der Typ erst, dieser Discohopplerzippler! Der macht Gehacktes aus dem Tanzflur!"
Sie zappt genervt durch. Drei Programme weiter landet sie bei einer Naturreportage ?ber W?lfe und Karibus, die gemeinsam durchs Eis ziehen.
"Das sieht wenigstens nat?rlich aus, nach dem Krampf gerade. Aber schon komisch, wie dicht nebeneinander alles passiert auf diesem Miniplaneten. Das geht nicht mehr lange gut. Wir sind einfach zu.. unnat?rlich geworden. Demn?chst holen wir Fische aus dem Wasser, ziehen ihnen J?ckchen an und werfen sie zur?ck. Soweit kommt das noch!"
"Was..? Warum?" werf ich ein.
"Warum?! Weiss nicht. Aber soweit kommt das noch."
17.10.05 09:05


PEPSI

**++*
Anfang der 70er. Party im Kinderzimmer. Palette Pepsi-Cola.
R?ucherst?bchen.
Ich bin neun oder zehn Jahre alt und meine Schwester hat Geburtstag, sie wird 15 oder 16.
Ihre Clique tr?gt enge Cordhosen und Boots, der Dualplattenspieler scheppert.
Alle hocken auf dem gr?nen Teppichboden.

"Der ist so dankbar", schw?rmt meine Mutter im Wohnzimmer und schneidet den Marmorkuchen an. "Hab ich ?berhaupt keine Arbeit mit Flecken."
Tante Sonja, texasgebr?unt, s?ffelt ihren Mocca.
"Das ?ndert sich noch, Inge, pass nur auf."
Womit sie recht haben wird.
Wenn ich 15 oder 16 bin, plirren hier die Bierflaschen und Haschischbongs herum, Nacht f?r Nacht, und Mutter wird ihr Schrubbtuch einen Brauereilappen schimpfen.
Aber davon ahnt sie jetzt noch nichts.

Der gammelnde Handballer platzt rein und ?berrascht meine Schwester mit einem Hamsterseitfallwurf!
"Hepp!"
Sie verfehlt den Nager, er landet auf dem Boden und wetzt von einem zum anderen.
Dann verkr?melt er sich unter dem Heizk?rper.
Die Verbrennungen sind leichter Natur.
Wir taufen ihn Pepsi.

Er hat von Anfang an schlechte Karten.
Niemand hat Zeit f?r ihn.
Die Eltern haben genug mit ihrem Gesch?ft zu tun, meine Schwester ist schwer in den Gammler verknallt und mein kleiner Bruder ist meist draussen und f?llt vom Baum.
Die Verantwortung wird somit mir ?bertragen.
Das Problem: ich kann mit Tieren nicht viel anfangen.

Die meisten Tiere sind gemein und gef?hrlich, uind wenn sie nicht gemein und gef?hrlich sind, dann wimmeln sie nervt?tend durch die Gegend wie die Waldameisen am Gardasee, von denen ich jeden Sommer ganze Garnisonen dem Erdboden gleich mache, mit Vaters Vollgummihammer, in der Mittagshitze auf dem
Campingplatz.
Und wenn abends die Sonne untergeht und die Flederm?use ihre Runden drehen, immer haarscharf am Kopf vorbei, steh ich mit dem Flitzebogen hinterm Zelt parat.

Was also tun mit Pepsi?
Zun?chst bugsiere ich den K?fig auf die Gefriertruhe in der K?che und steck einen Strohhalm durchs Gitter.
Der Hamster kommt n?her, schnuppert, und verschlingt das Plastik. Das geht mir entschieden zu schnell.
Ich zieh den Strohhalm wieder heraus, unter M?hen, der Kerl japst ganz j?mmerlich, ich lass ihn aufs neue zupacken, er schlingt, ja, wie bl?d ist der eigentlich, ich krieg schon Schiss, dass er mir erstickt und bereite dem Spielchen ein Ende.

Ansonsten kann er mich mal am Arsch lecken und schon mahnt Mutter, ich solle ihn doch endlich mal frei laufen lassen.
Kann er haben.
Mit einem Kehrblech heb ich ihn aus seinem K?fig, wobei ein Haufen K?rner zu Boden geht, das passt Mutter auch nicht.
Dabei mag ich Pepsi einfach nicht anfassen.
Es wabbelt mir alles zu sehr.

Pepsi geht fr?h in Rente.
Lungert den ganzen Tag herum, unter Stroh begraben, das Laufrad ist eingerostet, nur die Gefriertruhe vibriert.
Selbst in der Nacht, wenn andere Nager aktiv sind, schlurft er nur schwerm?tig zum Salatnapf.
Schliesslich geht er ein, sang-und klanglos, vermutlich Fettleber, und wird im Baumhof meiner Grosseltern beigesetzt.

Jahre sp?ter, im Bio-Unterricht, prahle ich mit der Geschichte, mein Hamster sei mir so auf die N?sse gegangen, dass ich ihn kurzerhand mit einem selbstgebauten Fallschirm auf die letzte Reise geschickt h?tte, aus dem vierten Stock.
Siewers, der Bio-Pauker, verpasste mir daraufhin ein Ungen?gend wegen "Ausgepr?gter Ahnungslosigkeit" und ich musste das Schuljahr wiederholen.

Mitte der 80er Jahre, die Fortsetzung des Rachefeldzugs.
Ich jobbte notgedrungen als Verk?ufer in einem Obi-Markt. F?r mich war es die H?lle, weil ich keinen Plan hatte von Bohrfutter und Breitpaneele, so bekam ich schon Panik, wenn das n?chste Heimwerkerm?nnchen auf mich zugeierte, mit irgendeinem Problem, ich versuchte mich unsichtbar zu machen und senkte rasch den Blick.
Doch was glotzte mich da an? Von der Brusttasche meines orangefarbenen Kittels?
Genau, ein Nagetier! Wie es mich auslachte,
frech wie Dreck!
Bin nur mal gespannt, wie sich die Ameisen und Flederm?use in Zukunft verhalten werden. Am Gardasee lass ich mich jedenfalls nicht mehr blicken.
18.10.05 13:16


TOP TWENTY SHOW

Ich bin die fleischgewordene Rangliste.
Tabellen, Charts - in alles, was nur irgendwie nach aktueller
Hierarchie riecht, steck ich meine Nase rein und nehm einen tiefen Zug.

Als Teenager hab ich meine eigene Hitparade gef?hrt.
Daf?r hatte ich ein Heft angelegt, auf dem dick FRISUREN UND IHRE WIRTSCHAFTLICHEN ZUSAMMENH?NGE geschrieben stand, damit meine Geschwister ihre unegalen Finger davon liessen.

Ich achtete streng darauf, meine Hit-Parade nur am Wochenende aufzustellen, wie in der Popbranche auch, und so konnte ich es kaum erwarten, dass endlich Samstagnachmittag, 15 Uhr ist und ich meinen brandneuen Spitzenreiter pr?sentieren darf, und zwar mir selbst!

Die Top Twenty setzte sich aus den St?cken zusammen, die ich die Woche ?ber am Radio mitgeschnitten hatte, von Sendungen auf WDR 2 oder BFBS, dem britischen Soldatensender.
Der Kassetten-Rekorder war ein silbriger Hitachi, voller Fingerabdr?cke und ausgestattet mit dem langsamsten R?cklauf der Weltgeschichte - war das Band endlich zur?ckgespult, kam der olle Goebbels um die Ecke und bl?kte: "Wenn das die deutsche Volksmusik der Zukunft ist, will ich Alice Cooper heissen!"

Es war die grosse ?ra der Glamour-Rocker.
Hatten T. Rex eine neue Single auf dem Markt, (WHATEVER
HAPPENED TO THE) TEENAGE DREAM, st?rmte sie bei mir automatisch von Null auf Eins, Slade mochte ich auch, und Suzi Quatro nat?rlich: TOO BIG! (HONEY, I NEVER LOSE!)
Auch John Lennon war mal ganz oben, mit der Wiederver?ffentlichung von GIVE PEACE A CHANCE, weil der Rhythmus wie eine Schlaghose stampfte.

Ein einziges Mal schaffte es mit STRANGE MAGIC eine Engtanznummer an die Hitparadenspitze, von Electric Light Orchestra, und das auch nur, weil ich tags zuvor mit Tina sch?n gefummelt und geschraubt hatte und dabei auf BFBS diese Ballade im Hintergrund mitgelaufen war.
H?re ich diesen Oldie heute irgendwo, denk ich gleich an Tina
und an den Verh?tungsschaum, Junge, was hat mir der Pimmel gebrannt, obwohl ?berhaupt nichts richtig geklappt hat, da
drin.

Ich h?rte von einem Klub, in dem sich Leute zusammengeschlossen hatten, die ebenfalls ihre eigene Charts aufstellten.
Der Klub hatte etwa dreissig Mitglieder in ganz Deutschland, der Chef hiess J?rgen.
J?rgen, wohl der einzige, der schon ?lter war als zwanzig, vielleicht dreissig, schickte seine Kassette mit der aktuellen Klub-Hitparade los, und diese Kassette wurde dann wie eine Art Kettenbrief von einem Mitglied zum anderen weitergeschickt, wobei einjeder seine neue Liste hinzuf?gen musste, per Mikrofon aufs Band gesprochen.

War die Runde durch, schickte der letzte das Tape zur?ck an J?rgen, der dann die neue TOP TWENTY erstellte.
So flitzten immerzu C-90-B?nder durch die Republik, sehr erm?dend, das ganze.

J?rgen wohnte in Osnabr?ck, war aber beruflich viel unterwegs, wie er einem st?ndig mitteilte. Eines Tages, er hatte hier in der Gegend zu tun, stand er vor unserer T?r, ohne Ank?ndigung.
Meine Mutter ?ffnete.
"Guten Tag, ich bin der J?rgen", stellte er sich vor, den Fu? schon halb in der Wohnung.
"Kann ich mal den Andy sprechen?"
Meine Mutter f?hrte ihn auf den Balkon.

Es war August und ich lag gerade faul in der prallen Sonne, auf der Campingliege, einge?lt mit Tiroler Nuss?l, das sich allm?hlich vermischt hatte mit meinem Schweiss, ich gl?nzte wie ein t?rkischer Ringer.
J?rgen schien perplex.
Er hatte mich ja nie zuvor gesehen.
Und ich ihn auch nicht.

Da stand er nun.
Ein Pharma-Vertreter mit l?cherlichem Schnauzbart, im Anzug trotz der hohen Temperaturen, darunter ein buntes Hawaii-Hemd als w?rde er gleich ein Honululu-Referat halten, und ich gut zehn Jahre j?nger, ein Sch?ler mit wilden Locken, am ?len.
Wir hielten es 3:40 Minuten miteinander aus, in der Hitze unterm Dach, exakt eine Dave-Edmunds-Single lang, aber nur die A-Seite!

Ich hab nie wieder von seinem Klub geh?rt, auch seine idiotischen Rausche-Kassetten, die immer mit "Tsch?ssikowski, ihr Lieben!" endeten, hab ich nicht mehr weitergesendet, und eine halbe Stunde sp?ter klingelte Tina in ihrem leuchtenden Indianerkleidchen.
Ich war mittlerweile frisch geduscht, meine Eltern in Urlaub, die Bude sturmfrei.
Auch den Schaum liessen wir fortan weg.
18.10.05 13:16


WENN BLAUES BLUT MECKER MACHT

Die Gr?fin sitzt abends im Bett, ein Kissen im R?cken.
Der Fernseher l?uft.
"Ich hab das Gef?hl, ich w?r eben erst aufgestanden und jetzt sitz ich schon wieder hier", mosert sie, nachdem wir ein heisses Gedicht gekocht haben, aus Milch.
"Wir f?hren ein Leben wie im Altenwohnheim. Wobei die gar keine andere Wahl haben, die m?ssen so leben. Aber wir.."
Sie nimmt den Teel?ffel aus der Tasse und trommelt damit POPCORN, den Instrumentalhit aus den 70ern, auf ihrer aufgepumpten Backe.
"Hast dus erkannt?"
"Popcorn", sag ich.
"Meinst du, das kann ich mir patentieren lassen?"
Sie r?ckt die W?rmflasche zu ihren F?ssen zurecht und schaltet um.
Auf RTL bekommen die S?hne aus Mannheim gerade einen Preis ?berreicht.
"Jetzt guck ich mir sogar die Jesusfratze auf RTL an! Das gibts ?berhaupt nicht! Mach aus!"
Der Fernseher bleibt die ganze Nacht an.
Erst als ihr am n?chsten Mittag beim Anmachen eines M?hrensalats ein Gummiring vom Gew?rzbord in die Salatsch?ssel f?llt und sie dabei lauthals "Gummi im Salat!" singt, "U-hu-hu, Gummi im Salat!" kriegt sie die Kurve, und es kann weitergehen.
18.10.05 13:16


AMEISEN, NICKT OPA

Heut schnapp ich mir den Hund, wir machen einen sch?nen
Ausflug zur M?ngstener Br?cke, der h?chsten Eisenbahnbr?cke in Deutschland, 107 Meter hoch.
"Siehste", sag ich zu Frau Moll, als wir ankommen, "von da oben springen die Lebensm?den runter..", mit dem Finger zeige ich weiter zu den Andenkenst?nden, "..und hier unten krachen sie dann rein."
"Was erz?hlt der Mann da seinem Hund f?r komische Sachen?" fragt die Tochter.
"Komm jetzt", zischelt die Mutter und zieht sie fort.

"Mach sch?n Platz", sag ich zu Frau Moll.
Ich sitz im Gartenlokal, die Wupper glitzert im Sonnenschein und fliesst gem?chlich vor?ber.
Am Nebentisch sitzt eine Mulattin, die einen knappen, schwarzen Rock tr?gt und ihre Fritten einzeln aus der hohlen Hand
knabbert.

Neben ihr drei Motorradfahrer, laut Kennzeichen aus Mettmann, einer fordert lautstark sein altes Pr?miensystem zur?ck.
Die beiden Kumpel juckt das wenig. Mit grossen Augen verfolgen sie die Mulattin, wie sie am Strohhalm saugt, der aus einer gr?nen Sprite-Dose herausragt.

In der Ecke, unter dem schattenspendenden Sch?ller-Eiskrem-
Schirm, sitzt ein Musikant. Er spielt eine elektrisch verst?rkte Zither.
Er tr?gt Lederhose, Sandalen und einen Tirolerhut, edelweissbestickt, als w?ren wir auf dem Oktoberfest.
Die Mulattin g?hnt.

Zwei Jungs kommen angefahren und stellen ihre R?der ab.
"Warst du eigentlich schon mal wandern?" fragt der Dicke.
Er beisst ins mitgebrachte Br?tchen. Fleischwurst lappt ?ber.
Weil sein Kumpel nichts sagt, f?hrt er fort:
"Ich war einmal wandern, im Urlaub in ?sterreich, sechzig Kilometer sind wir gewandert, mir taten vielleicht die Quanten weh."
Sein Freund beobachtet fasziniert die kraushaarige Mulattin, bei ihrem Job an der Spritedose.

Als die Jungs wieder aufbrechen ("Guck mal, der dicke L?ffel hier, den kann man auch als Spiegel benutzen!"), setzt sich ein junges Paar zu mir.
Die Frau outet sich als Absolventin der Polizeischule und hadert schon jetzt mit ihrem k?nftigen Beruf, weil sie es nicht ?bers Herz bringt, einen Freund zu verpfeifen, auch wenn der ihr sonst was angetan hat.

"Sonst h?tt ich den Dieter l?ngst verraten m?ssen.. Letztens mach ich den Kleiderschrank auf, sind da mindestens zehn Gitarren drin, original verpackt..! Ich sag zum Dieter: ist das jetzt ein Gitarrenschrank oder was??! Und letzte Woche setzt er mir eine nagelneue Mikrowelle in die K?che. Ich sag: Dieter, was soll das, sagt er: ich liebe dich doch.. Ja scheisse, der liebt mich solange bis er sein ganzes Zeugs losgeworden ist."

Zwei Tische weiter, der Wind steht g?nstig f?r das Auffangen
von Gespr?chsfetzen, unterh?lt sich ein Gast mit der d?rren Kellnerin.
"Ich komm ja nur einmal die Woche."
"Da hab ich Sie aber noch nie gesehen", wundert sich die Kellnerin.
"Manchmal komm ich auch drei, viermal die Woche!"
"Dann hab ich Sie aber schon mal gesehen!"

Der Zitherspieler legt eine Pause ein, was von allen Anwesenden wohlwollend registriert wird.
Ich schnapp mir eine ausliegende Tageszeitung.
Im internationalen Teil les ich die Meldung, dass in Nordrhein-Westfalen mehr Autos zugelassen sind als in ganz Afrika zusammen.
Das ist ja mal interessant!
K?nnte man doch bei der n?chsten Hungersnot s?mtliche Wagen aus NRW nach Afrika ?berf?hren und an die dortige Bev?lkerung verf?ttern.
Die w?re satt und hier die Strasse leer.

?ber die M?ngstener Br?cke rattert der Regionalexpress nach Remscheid.
Frau Moll kl?fft mit, im strengen Takt der Gleise.
"Fein", lobe ich, "machst du das."

Ein Junge, der am vollbesetzten Nachbarstisch sitzt, pustet den Puderzucker von seiner Waffel, der zu Boden sinkt.
"Na, tu das nicht!" tadelt die Mutter.
"Doch, dann kommen die Ameisen von ?berall!"
Er will aufstehen, wird aber niedergedr?ckt.
Dabei will er nur einen Stock suchen, um die Ameisen wieder zu verjagen.
Als er anf?ngt, mit dem Taschenmesser in den Tisch zu ritzen, bricht die kleine Familie auf, zumal auch der Zitherspieler wieder einsetzt.

Die Kellnerin, lila Kleid, St?ckelschuhe, verbreitet beim Tischabr?umen einen unangenehmen Schweissgeruch, wie ein dicker Fluss, der Leberwurst f?hrt.
Eine Oma und ein Opa setzen sich zu mir.
"Sieh mal", die Oma guckt zu Boden.
"Ameisen", nickt Opa.
18.10.05 13:16


DIE NEUE WOHNUNG

Fr?h am Morgen, es ist noch d?ster, steh ich vorm Kiosk am M?hlenplatz, wo ich nicht gerade Stammkunde bin, und kauf die Zeitung und ein P?ckchen Tabak.

"Ist schon wieder einer tot", sagt die B?dchentante.
Ich versteh nicht richtig, der M?hlenplatz ist umgeben von Strassenverkehr.
Ich beuge mich ein St?ck vor in ihren warmen, hellen Kiosk.
"Wer.. ist tot?"
"Ist wieder einer tot. Schlimm ist das. Dabei sah der gar nicht so aus."

Im ersten Moment denk ich, Moment, woher weiss die denn, dass der Kling tot ist? Der Dichter, am letzten Freitag gestorben, aber dann schaltet mein Gehirn um und ich nicke zum Kaufhof hin, wo die Junkies und Punks tags?ber herumh?ngen mit ihren Zahnl?cken.
"Sie meinen einer von denen..?!"

"Nein, keiner von denen. Der hatte ein Zuhause. Der sah gar nicht so aus, als w?rde er Drogen nehmen."
Ihre Augen klimpern.
"Komisch, das sieht man den Leuten gar nicht mehr an. Fr?her wusste man immer genau, wer Hasch nimmt und wer spritzt. Aber heutzutage.."
Die B?dchentante ist eine kleine Person mit schiefem Mund, der merkw?rdig unbeteiligt bleibt w?hrend sie redet.

"Und woher wissen Sie das?" frag ich.
"Na, ich wohn doch da, am Gr?newald. Um halb drei heut nacht haben sie ihn gefunden. Er hatte auch wieder Arbeit als Masseur und war so froh, dass er die kleine Wohnung gekriegt hat."
Am Gr?newald..?! In mir arbeitet es fieberhaft, welchen Junkie ich kenne, der in dieser Gegend wohnt, aber mir f?llt keiner ein.
Jedenfalls kein Junkie.
"Da denkt man immer, die Stadt hier w?r so harmlos", f?hrt die Frau fort, "und jetzt ist schon wieder einer tot. Dabei sah der gar nicht so aus.."

"War der noch jung?"
Sie nickt.
"Zwanzig, zweiundzwanzig. Tut mir richtig leid um den Jung. Letztens hat er noch bei mir geklingelt, ob ich vielleicht Kopfschmerzen f?r ihn hab."
Tabletten meint sie, ist aber auch egal. Wenn der Kerl so jung gestorben ist, kannte ich ihn sowieso nicht. Einer der n?chsten Generation.

Die Frau sagt nichts mehr. Sie starrt an mir vorbei, auf einen fernen, unbestimmten Punkt im Fr?hverkehr, wo Lastwagen wummern Richtung Wuppertal, wo ein Taxi hupt, und so bleiben wir beide stehen, vielleicht eine halbe Schweigeminute lang, bevor ich unbeholfen "Tja.." sage und "Tsch?" und gehe.
Ich kannte ihn nicht.
18.10.05 13:16


FAHRT ZUR EINHEIT

Tag der Einheit. Feiertag. Verregnet.
Das Telefon klingelt dumpf hinterm Wäschekorb.
"Ich bin nicht da.." murrt die Gräfin und liest ungerührt ihren russischen Kriminalroman weiter während ich den Apparat ans Tageslicht zerre.
Mein Bruder ist dran.
"Was machste heut Nachmittag? Schon was vor?"
"Wann heut Nachmittag?"
"Na.. gleich."

Halbe Stunde später. Zu dritt stechen wir in Lesters grasgrünem Kadett durch den Regen, als eine Art mobiles Einsatzkommando.
Ich sitz hinten, genau zwischen den Boxen.
Lester hört Speed Metal.
"Hast du keine andere Musik?" frag ich.
Lester trägt eine Riesenmatte auf dem Kopf und drei Reihen Zähne im Gesicht.
"Was?!"
"OB DU KEINE ANDERE MUSIK HAST!?"
"Ist nicht gut?! Ist doch gut gemixt!"

Mein Bruder grinst sich einen auf dem Beifahrersitz. Vermute ich mal. Kann ich von hier hinten nicht erkennen. Hier hinten nervt. Hier hinten ist es so laut, ich kann kaum was erkennen.
"Kannst du nich wenigstens was.."
"WAS?!"
"..WAS LEISER MACHEN??!"!
Wir halten vor einer Ampel.
Lester wischt die von innen beschlagene Windschutzscheibe durch.
"Könntest dir auch mal nen neuen Schwamm kaufen", sagt mein Bruder.
"WAS SAGST DU??!"
"JETZT MACH DOCH MAL LEISER!!" brüllen wir beide Lester an.
Der ist beleidigt. Statt leiser zu machen macht er die Musik ganz aus.
Mir auch recht.
"Mensch, Lester, der Schwamm ist doch versifft wie ne Eierkohle", meint mein Bruder. "Damit kriegst du die Scheibe doch niemals sauber!"
"Halt die Fresse!" meint Lester.
Wir müssen loslachen, alle drei, während hinter uns ein Hupkonzert einsetzt, die Ampel ist nämlich längst auf grün umgesprungen.

An einer Tankstelle tankt Lester den Wagen auf und ich geb meinem Bruder Geld für zwei Flaschen Bier.
Normalerweise krieg ich Geld von meinem Bruder, wie es sich gehört, der jüngere Bruder unterstützt den älteren. Klare Sache, eigentlich. Aber an einem Feiertag wollen wir den lieben Gott mal einen guten Mann sein lassen.
"Red nich so einen Scheiss", meint mein Bruder. "Pils oder Kölsch?"
"Kölsch."
Er kommt mit Pils wieder.
"Hatten die kein Kölsch?"
Er stöhnt.

Wir fahren durch die Stadt, aufmerksam Bier trinkend, mein Bruder und ich.
Der Regen ist wie ein flirrender Vorhang.
"Ich seh nirgendwo einen Nazi", murmelt Lester hinterm Lenkrad. "Hier ist überhaupt keiner von den Pennern."

"Woran erkennen wir die eigentlich?" hat eben auch eine Frau ganz richtig gefragt, auf dem vorangegangenen Treffen in der türkischen Teestube. "Ich mein, die werden ja wohl kaum ihre Reichkriegs-Flagge raushängen haben, wenn die nach Solingen reingefahren kommen!"
Darauf wusste auch von der Solinger Antifa keiner eine Antwort.
"Da müsst ihr eben auf ein Autokorso achten, vollbesetzte Autos und so."
"Fremde Kennzeichen.."
"Braune Opels!" rief ich.
Die Köpfe flogen nur so herum.

Zum Tag der deutschen Einheit haben sich Rechtsradikale aus ganz Deutschland in Solingen angekündigt.
Solingen kommt gut an bei den Nazis, seit am Pfingstwochenende 1993 ein von Türken bewohntes Haus angesteckt wurde. Es gab Tote und Schwerverletzte und Live-Reportagen im Fernsehen.
Gegen 15 Uhr soll der Korso am Schlagbaum sein, genau da, wo nach dem Brandanschlag tausende von jungen Türken und Autonomen auf der Strasse waren und demonstriert haben.
Zum Schluss haben die Schaufensterscheiben der ganzen Innenstadt geklirrt.
"Unser schönes Solingen!" haben die Einwohner gejammert.
Von den toten Kindern hat niemand mehr geredet.

Während die Zufahrten nach Solingen unter Beobachtung stehen, fungieren wir drei im Kadett als mobile Einheit. Unsere Aufgabe: Rumfahren! Die Augen offenhalten! Verdächtiges sofort der Zentrale in der türkischen Teestube melden!
"Hier sind keine Nazis", mault Lester.
"Hol doch noch ein Bier", sag ich zu meinem Bruder, als wir an einem Kiosk vorüberfahren.
Diesmal holt er gleich eine ganze Tüte voll.
"Tu mir auch mal einen Schluck!" erdreistet sich Lester.
"Du sollst fahren! Nicht saufen!"
Ich hab meinen grossen roten Regenschirm dabei.
"Damit putz ich jede verschissene NPD von der Platte", fuchtel ich auf dem Rücksitz herum.
"Sicher", gähnt mein Bruder.
"He!" ruft Lester plötzlich, "Bullen!"
An einer Kreuzung nimmt eine Streifenwagenbesatzung einen Auffahr-Unfall auf. Kleiner Blechschaden. Das wars schon.
Kein Hitler weit und breit. Um 17 Uhr wird die Aktion abgebrochen.

Als ich nach Hause komm, hängt die Gräfin am Telefon. Am Klang ihrer Stimme erkenn ich, dass sie mit ihrer Schwester spricht.
"Das waren noch Zeiten, als wir Bröckchen gehustet haben vor lauter Lachen!"
Ich nehm die Schatulle vom Küchentisch, in dem das frische Marihuana deponiert ist.
Die Oktober-Ernte.
"Momentchen", sagt die Gräfin zu ihrer Schwester, und zu mir:
"In der Purpfeife ist noch ein Rest drin, rauch das zuerst weg."
Tadellos. Ich verzieh mich in mein Zimmer und zieh den Rest weg. Danach sitz ich eine Stunde lang im Skysessel.
Der Regen lässt allmählich nach. Die Gräfin lacht.
Gutes Gras.
18.10.05 13:17


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