Andreas Glumm: Vom räudigen Leben, der Wucht und dem Nimbus
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Ruhe im Bau

Ich rubbelte den Hund mit dem Handtuch ab.
"Bäh.. das stinkt wie die beiden Popohälften von King Kong", schimpfte ich.
Er hatte sich auf dieser alten Kuhwiese gewälzt, die nicht gerade für koschere Hinterlassenschaften bekannt ist.
Und später, als der Hund unterm Schreibtisch hervorgekrochen kam, fand ich diese dicke Zecke auf dem Teppichboden. Erst dachte ich, es wäre ein Steinchen, das Frau Moll aus dem Pelz gefallen war, doch es fühlte sich nicht an wie ein Steinchen, eher wie eine dicke Bohne, noch warm und ein bißchen taumelig, fast wie besoffen. Es war, als hätte ich einen Anruf gekriegt, "Ihre kleine Frau liegt stinkevoll unterm Tresen und streckt alle viere von sich", und nun war ich da, um sie einzusammeln. Na ja, so ähnlich. Ich nahm ein Taschentuch, wickelte das graue Insekt darin ein und schmiss es in den Mülleimer.

Abends erzählte ich der Gräfin davon, und ab da hatte sie keine ruhige Sekunde mehr. Nicht etwa, weil dem Hund eine Zecke aus dem Fell gefallen war, die Anti-Zecken-Lotion, mit der Frau Moll im Sommer eingerieben wird, arbeitet in der Regel zuverlässig, und nur gelegentlich kommt ein Exemplar durch, sondern weil ich die Zecke einfach in den Müll geworfen hatte, so mir nichts, dir nichts.

"Und wenn die da rauskrabbelt?"
"Wie soll die denn da rauskrabbeln? Die kann gar nicht mehr krabbeln, so pappsatt und kugelrund wie die war."
"Du weisst doch gar nicht, wozu Zecken alles fähig sind. Das sind Überlebenskünstler. Das sind Strategen. Die hängen zwanzig Jahre tot am Strauch, und dann kommt ein Hund mit nackigen Beinen daher und schwupp, schmeissen sie sich ran und haken sich im Fell fest."
"Ja, wenn die Zecken hungrig sind, klar. Aber die war so pappensatt, der müsste man erstmal Blut absaugen, bevor die wieder aktiv werden kann."
"Dafür findet die auch noch nen Kollegen, der das macht. Der ihr das Blut absaugt. Sogar im Mülleimer. Jede Wette. Das sind Kannibalen."

In diesem Moment wurde auch ich unsicher.
"Verflucht!"
Ich holte das Taschentuch aus dem Müll, in dem ich die Zecke eingewickelt hatte, ging vor die Tür und fackelte alles auf dem Pflaster ab. Es knisterte wie eine kleine Texaspfanne.

Dann war wieder Ruhe im Bau.
4.2.12 15:58
 



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