Andreas Glumm: Vom räudigen Leben, der Wucht und dem Nimbus
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Schlangenbrut

Schlangen waren mir von klein auf suspekt. Keine Arme, keine Beine. Nicht mal ein Hintern. Glitschig. An der Hasseldelle gab es eine Wiese, die niemals gemäht wurde, die Schlangenwiese. Hohes Gras. Kein Baum. Abschüssig. Einmal spielten wir Verstecken, obwohl die Schlangenwiese tabu war für Spiele. An diesem Tag nicht. Viele fremde Kinder waren da. Ostern.

..neun, zehn! Ich komme!

Keinen halben Meter von mir entfernt, plötzlich ein Zischeln. Es raschelte.
"Eine Schlange!" schrie Patrizia, die Sommerkleidchen trug und immer die Knie auf hatte. Alles flüchtete. Rannte um sein Leben. Durchs Schlangengras. Kroch etwas. Durchs hohe Gras. In kurzen Lederhosen rempelte ich jemanden an, am Boden eine hechelnde Bewegung, ein Hinschnappen. Ein Züngeln! Störrische Halme knickten beim Laufen, Gräser rissen, Schürfwunden - Nattergetrappel.

Ich war der erste, der die Strasse erreichte.
26.1.12 14:58
 



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