"Wenn du Zugriff auf meine Synapsen hättest, müsstest du nicht andauernd stehenbleiben und notieren, was ich gesagt habe. Das wäre bequemer, für alle Beteiligten."
* "Ich hab in meinem Leben so viele Filme gesehen. Zu viele Filme. Kein Wunder, dass ich dauernd vom Leben enttäuscht bin."
* "Zuweilen hab ich zu weinen."
- Die Gräfin (alle) -
* Eigentlich wollte ich mir über die Festtage einen schönen Sherifffilm ansehen, in Cinemascope: "Was wir in Rio City brauchen, ist eine starke Hand, Ma'am", aber er kam nicht.
* Im Januar blogge ich seit 7 Jahren. Ich existiere in 7-Jahres-Blöcken. Alle sieben Jahre beginnt eine neue Ära. Also so ungefähr. Mal sind es 6, mal auch 8. Aber im Schnitt: Sieben. Bei der Gräfin sind es vier.
"Da kannst du ein Ei drauf lassen, alle 4 Jahre muss was Neues her. Ich habe Luft für vier Jahre."
* "Falls jemand anruft: Ich bin wieder in der Pubertät."
- Sie -
* Gerade 18 geworden und den Führerschein bestanden, kaufte sie sich einen alten Mercedes, beigefarben. Auf dem Rücksitz lag immer ein Kopfkissen und eine Gitarre.
* Manchmal hab ich einfach keine Lust aufs Schutzgebiet, besonders jetzt im Winter, wo die Bäume kahl sind und der Wald sein Geheimnis verliert, da drehe ich mit dem Hund lieber ein oder zwei Runden durch den Park.
Oder wir überqueren die Strasse und gehen ins kleine Industriegebiet am Gleisdreieck, wo es ein schönes Brachgelände gibt, auf dem Frau Moll und ich ein Spielchen ausgeheckt haben, auf das sie ganz versessen ist.
Ein einfaches Suchspiel. Ich nehme ein Steinchen in die Hand, etwa so groß wie eine Walnuß, und spucke drauf. Weil der Hund weiss, was jetzt kommt, ist er kaum zu bändigen. Er kläfft in hohen Tönen und macht Männchen wie ein Huskie, der es kaum abwarten kann, bis die Expedition startet. "HEPP!" Ich pfeffere den Stein, lecker eingespeichelt mit des Herrchens Mundwasser, über die Sträucher, über die Wiese.
"Such!"
Das kann man mit dem Hund eine dreiviertel Stunde lang machen, immer und immer wieder, ohne dass er die Lust verliert, bis irgendwann seine Konzentration nachlässt, die Nase stumpf wird. Frau Moll wäre ein perfekter Rauschgifthund, hätte ich sie nicht auf Steinchen gedrillt, sondern auf Heroin in grenznahen Unterhöschen.
Gleich neben dem Brachgelände, das intern nur Die Steinchenwiese heisst, liegt das Finanzamt für Konzernbetriebsprüfung Bergisches Land. Nach Feierabend streife ich die Fensterreihe im Erdgeschoss ab. In den meisten Büroräumen lässt sich problemlos ein Blick auf die Schreibtische werfen.
Da sind die EILT!-Kladden, die auf dem Umschlag vom jeweiligen Sachbearbeiter gegengezeichnet werden müssen, beim Umlauf durchs Haus. Da liegen Steuerbescheide, gegen die Einspruch erhoben wurde und die nun neu bearbeitet werden müssen. Alles schön säuberlich zu lesen, auch die Anschriften. Es ist dunkel, der Wind pfeift um die Ecken. Die Stadt ist still. Mutter ist seit einem Jahr tot.