Schon als Welpe war sie vom Temperament her wie dunkler schwerer Wein, eine Traube aus dem Alten Testament. Eine späte Mädchentraube. Und so begab es sich, dass wir sie Maria tauften, Maria Moll, Frau Maria Moll. Zudem zeichnete sich im dichten schwarzen Fell am Brustkorb ein imposantes weißes Kreuz ab, das schon früh verfilzte: Jessas, Maria schien gesegnet.

Und dass sie wahrhaftig erleuchtet ist, stellten wir eines Abends im April 2005 fest. Sie begann zu junkern, gegen 21 Uhr. An sich nichts besonderes. Frau Moll junkert, wenn Rinderpansen aus dem 10 Kilo-Vorratsbeutel in den Napf rauscht, sie junkert, wenn es ENDLICH vor die Tür geht, sie junkert, wenn sie nach dem Essen ihr Köpfchen in meinen Schoß bohrt, um sich ordentlich kraulen und durchkneten zu lassen, sie junkert, wenn sie heiß ist und die Umgebung mit Kontaktanzeigen markiert: BERGISCHE KLIPPENWÖLFIN, TOP IN FORM, SUCHT BIG BOY.
An diesem Abend aber im April 05 war es anders. Das Junkern. Nicht so forsch. Eher kleinlaut.
Ein Wimmern fast.
"Was ist denn mit der los?" fragte ich die Gräfin, als ob die das gewusst hätte.
"Keine Ahnung."
Wusst ich's doch.
Es ging auf 21 Uhr 30 zu, da änderte Maria Moll die Taktik. Zwar junkerte sie weiterhin, nun aber in kurzen Stößen und mit einer leisen Dringlichkeit, die nichts Gutes vermuten ließ.
"Meinst du, die muß kotzen?"
"Mh. Kann sein."
Ich öffnete die Haustür und ließ sie in den Garten hinterm Haus. Doch anstatt zu kotzen, oder sich wenigstens über die Wiese zu wälzen, wie sie es sonst gerne tat, durch irgendwelches Aas, spazierte die Hündin still umher, beinahe sittsam, das Köpfchen in Würde erhoben.
"Und? Ist sie am kotzen?" rief die Gräfin, die vorm Fernseher lag, es war Sonntagabend.
"Nee. Unsere Hochwohlgeborene flaniert im Dunkeln."
Es war exakt 21 Uhr 37. Um 21 Uhr 40 erschien auf dem TV-Bildschirm ein Laufband mit einer brandaktuellen Sondermeldung: Papst Johannes Paul II. war soeben von uns gegangen. Wir hörten einen schweren katholischen Seufzer, aus dem Hinterhof.
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