1
"Ruhe ist das Schlimmste, was ich nicht finde."
(Die Gräfin)
2
Natürlich kann man mit vier Beinen doppelt so viel Schuhe anziehen wie normale Leute. Und hätten wir an jeder Hand 10 Finger, man könnte die Klaviere kleiner bauen und einhändig bespielen.
Sie verstehen.
3
"Mir tut das Knie weh. Mal was neues. Lenkt ab von den Rückenschmerzen. Herrlich."
4
"DAS SIND KEINE HAARE, DAS SIND STRENG VERKNOTETE STROHBALLEN! DAS SIND ALL DIE WIDRIGKEITEN DES LEBENS, DIE SICH IN MEIN HAAR VERKRALLT HABEN!"
(Sie, morgens vorm Badezimmerspiegel)
5
Es gibt so kleine Widerlinge, eklige Männer, die leben von Angeberworten wie "sukzessive" und lispeln dabei auch noch das "s".
6
Dürfen kleine Herren, die Salz verstreuen, nuttig aussehen?
7
Früher wünschte ich mir eine Kamera auf der Stirn, die alles aufzeichnete, alles dokumentierte, was mir unter die Augen kam. Damit dieses häßliche, alles verfälschende Erinnern endlich aufhörte, dieses vergebliche Monstrum. Damit ich endlich Beweise sammeln konnte, was für ein unzumutbares Dasein ich führte. Pro Drehtag rechnete ich mit 16 Spielfilmen á 90 Minuten, die live ins Kino gespült würden. Überall in den Metropolen dieser Welt würde es eigene Glumm-Kinosäle geben, die das neueste aus meinem erschreckend dürftigen Leben zeigten, Monate im voraus ausverkauft. Es würde in Zukunft Milliarden solcher Kinosäle geben.
Ich wußte auch nicht, warum.
8
Wenn ich tot bin, gehöre ich endlich mir.
9
"Stell dir vor, du wärst ne Spinne und könntest Seile scheißen, auf denen du dann abzischeln kannst. Genial, oder? Oder kommen die Seile aus dem Mund? Egal. Man wäre nie wieder auf feste Wege angewiesen."
(Die Gräfin)
10
"Hör mal, du Arsch, mit dir kann man sich Samstagabends nicht gerade gepflegt über Hunde-Menstruation unterhalten, oder über Mississippi in England."
(Sie)
11
Sie ist an einem Mittwoch geboren. Ist es da ein Wunder, dass sie mittwochs immer müde ist und schon morgens zurück ins Bett will.

Inneres Selbstportrait, Susanne Eggert, 2009
12
"Nichts ist so sehr auf der Strecke geblieben wie die Poesie", klagt sie. "Dazu gehört auch, dass Jungs und Mädchen im Regen stehen und knutschen. Sieht man auch nicht mehr."
13
"Es gibt viele Leute, wenn ich wüsste, ich wäre so wie die, ich würde mich umbringen, bei aller Liebe."
14
Einer Steinmetzin kann man ruhig Steine in den Weg legen.
"Ich bitte darum!"
15
Der Elefantenpark hieß Elefantenpark, weil da ein großes Klettergerüst in Form eines Elefanten stand, mit Stoßzähnen und einem langen Schwanz zum Entlanghangeln.
Von den drei Stadtparks war der Elefantenpark der kleinste, von Dickicht und hohen Bäumen umgeben taugte er perfekt zum Kiffen. Und wenn mal nichts zu Kiffen da war und alle Mann pleite, suchten wir die Kifferbänke nach achtlos weggeworfenen Jointstummeln ab, oder wir gruben die Büsche um.
Jahre zuvor hatte ich nämlich, wenn auch an anderer Stelle, eine Haschischpfeife samt Inhalt vergraben, sauber verpackt in Haushaltsfolie. Seither war ich fest davon überzeugt, dass auch andere Jungs an irgendwelchen Stellen vollgestopfte Haschischpfeifen vergruben, um eventuellen Fragen aus dem Weg zu gehen, sei es von den Eltern oder den Bullen.
An einem Abend buddelten wir uns von einer der Kifferbänke bis unter den Elefanten, ein richtiger Stollen wurde daraus. Alle Mann vertrauten mir, mir und meiner Intuition. Tja. Pech.
16
Stellt man dem Leben keinerlei Fragen, kommen die fettesten Antworten.
17
Man muss gar nicht unbedingt gegen den Strom schwimmen. Es reicht vollkommen aus, stehen zu bleiben und nicht mitzuschwimmen. Das ist gar nicht so schwer. Man muss nur ein bißchen robust sein, 98 Kilo wiegen, eine Bleiweste tragen. Und wenn der Mainstream dann vorüberzieht: lässig winken.
Tückisch wird es nur, wenn man vor lauter Standhaftigkeit im Schlamm des Flußbetts versinkt und zu ersaufen droht.
18
"HERR DOKTOR! HILFE! ICH BRAUCHE LICHT-TABLETTEN!"
"Hm?"
"ICH BRAUCHE LICHT IM GEHIRN!"
19
Heroinsüchtige sind Showstars, die ihre Bühne knallhart nach innen zimmern.
Kokser sind keine Stars. Die wollen bloß welche sein.
20
"Manchmal guckst du wie ein Baby, das schon zuviel gesehen hat."
(Die Gräfin)

21
"Gekochter Fenchel quietscht wie ein Bett im Mund."
(Sie)
222
"Der oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court..", beginnt die Tagesschau.
"Och, die Supremes!" ruft sie. "Find ich gut, wenn eine staatliche Institution wie eine taffe Soulband aus den 60ern heißt! Das geht mal in Ordnung!"
23
Wir waren der letzte reine Jungen-Jahrgang auf dem Gymnasium, wir waren ein Auslaufmodell und wir ließen es nochmal richtig krachen. Manche Lehrer taten mir regelrecht leid, nicht erst im Nachhinein, auch mittendrin, während ich zur Tat schritt.
Da in naturwissenschaftlichen Fächern Lehrermangel herrschte, wurde auch Quereinsteiger beschäftigt, aus Industrie und Wirtschaft. Theoretisch mochten sie was auf dem Kasten haben, im Umgang mit Schülern hatten sie meist keinen blassen Schimmer.
Der schwammige Physiklehrer ließ uns Schulfernsehen gucken, wenn er nicht mehr weiter wusste. Wir pokerten um Geld im Unterricht, wir maßen unsere erigierten Schwänze mit dem Lineal, es gab Wettbewerbe im Langsamfurzen.
Der Physiksaal war wie ein Hörsaal in der Uni, mit aufsteigenden Sitzbänken und Pulten. Oben, unterm Dach, saßen die Honoratioren der Klasse. Der lange Hütter, der Mitsubishi Boy, Porno-Roger, der dicke Hansen, Karlos, ich.
Zu Unterrichtsbeginn wurden die elektronisch gesteuerten Vorhänge zugezogen, bis es finster war und nur noch der TV-Apparat leuchtete. Das war der Startschuß. Wir stürmten, meist zu zweit oder zu dritt, nach vorne und trieben den schwammigen Lehrer vor uns her, begleitet von Geheul und Tumulten, bis einer den Pauker zu fassen bekam und ihm einen Tritt in den Arsch verpasste. Er bekam es mit der Angst, konnte aber in der Dunkelheit niemanden identifizieren, und wir machten uns dünne. Wenn das Licht anging, saßen wir längst in unseren Bank und wetteten, wer den dickeren Pimmel hat, der lange Hütter oder Porno-Roger.
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Man könnte manchmal meinen, 500beine und John Sugar hätten irgendwas miteinander zu schaffen:
1972, Mittagszeit