Andreas Glumm: Vom räudigen Leben, der Wucht und dem Nimbus
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Ist ja genug Zeit

Es gibt Gesichtsausdrücke, wenn man damit zum Intelligenztest erscheint, ist direkt schlecht. Und es gibt Torhüter, da kannst du zwischen die Beine donnern, passiert nichts. Was ich sagen will: 500beine.

*
Ich bin kein großer Schläfer, ab und zu lege ich einen Schlaftag ein und schlaf mich richtig aus, das muß reichen.

Nach dem Frühstück bis halb zwölf gepennt, dann nach dem Mittagessen noch mal hingelegt, von halb drei bis halb fünf. Um sechs weckt mich die Gräfin, weil ich wieder eingenickt bin.

Ich geh mit dem Hund Richtung Kolonialwarenladen Penny-Markt (ex-PLUS), paar Sachen einholen. Auf dem Weg dorthin mache ich im alten Botanischen Garten erstmal ein Päuschen, auf der schattigen Parkbank. Mehr als fünf, sechs Minuten Sonne am Tag ist ja nicht gesund, schon mal gar nicht mit fast fünfzig, wo man froh sein kann, wenn man am Abend ohne große Blessuren ins Gehöft kommt.

Der katholische Sound der Kirchenglocken weht rüber, die Spanier feiern Messe. Es ist Samstag. Oder die Portugiesen. Altenstift Maria. Zwei pubertierende Jungs, schwarzes Shirt, schwarze Baggypants, lassen sich im Gras nieder, (im Schneidersitz der eine), sie saufen so Vodka aus Pappbechern. ("Alter, hömma, weißt du, was ich zu der Alten sage? Leck mein Arsch, hömma, sag ich zu der Alten, Alter, hömma!")

Auf der gegenüberliegenden Parkseite klappern Vater und Sohn die Bänke ab. Sie suchen was sauberes. "Ist auch ne Schmuddelbank", stöhnt der Vater, und sie ziehen weiter. Ich guck mir die Bank an, auf der ich mit dem Hintern sitze. Ne saubere Papibank. Hm, willst du pachten, Meister? Mit nem schönen Zwanni bist du am Start. "Nein. Der Papi möchte das nicht, Chris."

Und dann hat er doch was gefunden. "Hier ist ein schönes Bänkchen, Christopher." Weiter unten, wo die Bänke im Halbkreis zusammenstehen und wo normalerweise Glasscherben noch jeden Sitzspaß ruinieren. Na dann. Kann. Ich ja auch langsam mal hoch zum Penny-Markt: Milch, ein Netz Orangen, Chips. Bevor ich hier wegratze.

Als ich zum Bezahlen anstehe, seh ich draußen vorm Laden die 2-Euro-Frau in schwarzen Pluderhosen auf und abschreiten, wallendes Haar, die Finger voll Klunkern und ein Schoss raus. Eine noble Irre. Sie fragt jeden Passanten nach zwei Euro. Sie nimmt auch nur 2-Euro-Stücke entgegen. "Dabei hat die genug Geld", meint die Kassiererin mürrisch. "Stand mal in der Zeitung. Die fährt BMW."

Zu Hause kratze ich mir weiche, weiße Vogelkacke vom Hosenboden.


*
"Apokalypse?? Hm.. Das zieht sich aber ganz schön hin."
(Die Gräfin)


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Als Pulp Fiction 1994 in die Kinos kam, liehen wir uns einen klapprigen alten VW Variant und fuhren zur Mitternachtsvorstellung ins Bambi nach Düsseldorf. Ich war total scharf auf John Travolta als Gangster. Der Film hielt, was die Ausschnitte im TV versprochen hatten. Bis Travolta nach nicht mal der Hälfte der 145 Minuten Laufzeit von Kugeln durchsiebt zusammensackte.
Da war ich schwer verstimmt.
"So ein Scheiß! Travolta ist tot!"
"Ja", sagte sie. "Ich sehs."


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Schräge Vollmondepisoden im Schlaf. Sie träumt, man hätte ihr eine neuartige Biene vorgestellt, die kann man küssen, ohne dass sie einen sticht.
"Ich konnte gar nicht genug kriegen, mit ihr zu spielen."


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Anfang des Monats hat man oben auf der Wupperstrasse in der Lottobude der beiden Tanten Zeit, sich umzugucken. Es hat Geld gegeben, die Leute wollen Lotto spielen und Sofortgewinne rubbeln. Es herrscht ein Riesengedränge und Reißen in dem kleinen Laden. Ich hol mir das neue Micky Maus-Heft aus dem Ständer und schau mir den neuesten Gimmick an: Ein Elektrischer Klirr-Hammer! Mit original Einbrecher-Sound! Ist ja genug Zeit.


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Selbst der Herrgott braucht Unterhaltung, wenn er einen schlechten Tag hat. Oder warum sonst hat er die Luft-und die Speiseröhre so eng nebeneinander bauen lassen, dass einem dauernd was in die falsche Tröte gerät und man fast erstickt?


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Sie freut sich über Zeitlupe im TV, am besten Superzeitlupe. Das ist Honig für ihr Nervenkostüm. Da kommen ihr vor Freude schon mal die Balsamtränen. Dass es so was noch gibt in der Welt, so was langsam vor sich hin Dräuendes.


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Na klar. Man meint manchmal, es wäre nicht viel los im Alltag, aber das stimmt nicht. Es gibt eine ganze Menge Details, die ein Leben erst rund machen. Achte mal drauf.


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Pepe hatte das Haus mit seinem großem Bruder und dessen Freundin Maria gemietet, einem launischen Flittchen, das immerzu im Haus herumwuselte und Muttizeugs plärrte, “Kifft nicht soviel! Hebt euren Hintern hoch!” etc. Das kam besonders bei Pepe schlecht an, der gerade von zu Hause ausgezogen war.

(aus Karpaten! schrie Karlos bei John Sugar)

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I AM AIREN MAN, Airens neuer Roman
7.5.10 18:31
 



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