Letzte Nacht, ich lieg im Bett, es ist stockdunkel und schwül, ich lass die Beine raushängen, schwirrt diese Mücke um meinen Kopf rum, die schon gestern zugebissen hat, in die Füße, Ferse, Schenkel, jetzt schlag ich zurück, impulsiv mit der flachen Hand: rofffiitzz! treff ich ausser der Mücke auch mein rechtes Ohr, in dem es augenblicklich anfängt zu röhren, wie ein Sportauspuff, der nur langsam, sehr langsam wieder verschwindet, in die Weite der Nacht.
Mann, bin ich blöde.
Kommt alles von dieser verfluchten Hitze. Temperaturen sind das, wie Fieber. Drinnen 38 Grad, draussen 38 Grad. Double fever feature. Im Fernsehen zeigen die Nachmittagsmagazine Wiederbelebungsversuche, am Ufer des Badesees. "Ich kann mich nicht mehr bewegen", stöhnt der junge Mann, der kopfüber gesprungen ist. Er ahnt noch nicht einmal, was los ist, für den Rest seiner Tage.
Das ist sein querschnittsgelähmter Nachmittag.
Beine stecken unterm Schreibtisch in einem Eimer Wasser, den ich stündlich mit frischen Eiswürfeln auffülle. Der würde glatt überlaufen, der Eimer, wäre da nicht Frau Moll, die seit Anbruch der Hundstage im Badezimmer logiert, wo es angenehm kühl ist. Hört Frau Moll Eiswürfel in den Eimer rutschen, kommt sie an und schlabbert Wasser in sich hinein, bis ich "Ist gut" lobe, "fein."
Als die Sonne endlich untergeht, zeigt sich auch die Gräfin, die als Verfechterin von nachhaltigem Amüsement den Nachmittag mit der Marseille-Trilogie von Izzo verbracht hat, und drei Nickerchen unterm Sonnenschirm. "Ich hab geträumt von riesigen, behaarten Spinnen, die mich ausschlürfen."
Es gibt selbst ausgedachtes Abendessen. "Essen ist fertig!" "Was gibts denn?" "Nudeln." "Aufgetaut?" "Weizen." Das mögen alle am liebsten, unter dem Essigbaum im Garten. Ich trinke ein Wasser nach dem anderen, wahrscheinlich besteh ich schon zu zwei Dritteln aus Sprudel. Punkt 22 Uhr, es naht die Stunde der Flugameisen, die widerlich über die Teller trudeln und ins Essen tropfen. Andererseits: "In Afrika hamse dauernd neunzig Fliegen in der Fresse." Auch wieder wahr.
Die Hippiefamilie, die den dritten Sommer hintereinander dieselbe Sixties-Cassette abspielt, (im Moment läuft Itchycoo Park von den Small Faces, mit dem "It's all too beautiful"-Refrain), hat zum Grillen eingeladen. Auch Großvater ist gekommen. Ein ruhiger alter Mann, der im Campingstuhl versinkt und gemächlich eine Pampelmuse auslöffelt. So gemächlich, dass man beim Zugucken sich selbst vergisst.
Wenn man mal davon absieht, dass ich eines Tages mein Lebens vergeudet hab, nein, davon kann ich nicht absehen. Nicht mehr. Wir haben genug von diesem albernen Leben. Wir haben genug gelacht. Es ist zu heiss geworden.