Neulich, auf dem Weg zum Autohaus, in Gedanken muss ich wohl schon bei der Probefahrt gewesen sein, laufe ich ohne auf die Rechtsabbieger zu achten über den Zebrastreifen und schon kommt ein Mazda daher und hält voll drauf und erwischt mich am Bein und ich fall um und das Bein ist ab und der Fahrer springt raus und schreit was von ALTE FÜSSGÄNGERSAU, KEINE AUGEN IM KOPF? Er rast um den Wagen herum und tätschelt den Lack und als Tränen des Zorns in ihm aufsteigen bekomme ich ein paar knackige Stiefeleinheiten verpasst, Gedärme scheppern.
"Lass gut sein, Chef!" keuche ich und reiche ihm mein Versicherungskärtchen, "Die Allianz ist kulant bei Lackschäden", doch er hat kein Ohr für mich und schiebt heulend ab, während ich mitten auf der Kreuzung liege und Nockenwellen über mich hinweg nocken und wellen, was bin ich auch für ein Esel, dass ich so leichtsinnig den Zebrastreifen überquere, ohrfeigen könnt ich mich und versuche in Richtung Rinnstein zu robben, doch ein Turbo-Artist mit 160 Watt Alice Cooper ist fixer und zeigt die Zähne und trennt mich HEY STOOPID! von meinem anderen Bein,
allmählich wird die Angelegenheit kritisch, ich frage mich ernsthaft wie ich demnächst die Kupplung treten soll, so ganz ohne Füße, das ist doch Scheisse, werde ich mir wohl eine Spezialausführung bestellen müssen, nun, dann ist ja alles klar TATÜ TATA, TATÜ TATA, mit quietschenden Eisen hält die Funkstreife neben mir und der Polizist kurbelt das Fenster herunter und belehrt mich unfreundlich JA WISSEN SIE DENN NICHT DASS ES VERBOTEN IST AUF DER STRASSE HERUMZULUNGERN AM HELLICHTEN TAG WIE KOMMEN SIE ÜBERHAUPT DAZU?! "Herr Wachtmeister, ich weiß doch auch nicht", setz ich reumütig an, doch er füllt schon das Strafmandat aus. NUN SEHEN SIE ZU, DASS SIE VON DER FAHRBAHN RUNTERKOMMEN, UND NEHMEN SIE GEFÄLLIGST IHRE BEINE MIT, DIE STÖREN DEN VERKEHRSFLUSS "Ist in Ordnung", sage ich und sammle meine Knochen und Kniescheiben ein, welch ein Ärgernis, dass ich schon wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten bin.
Keine fünf Jahre her, da habe ich während einer nächtlichen Spritztour türkisch geknabbert und am nächsten Tag stand es dick und fett in der Lokalpresse: VIERZEHN PISTAZIENSCHALEN AUF PARKENDEN BMW GESCHLEUDERT/ TÄTER ENTKAM UNERKANNT
Was habe ich mich geschämt damals, wochenlang wurde nach mir gefahndet, ich konnte mich nirgends mehr blicken lassen, schon gar nicht auf der Strasse! woraufhin man mir natürlich auf die Schliche gekommen ist und ich in einem Musterprozess zu vielen tausend Euro Schmerzensgeld verurteilt wurde, immerhin, das Geld kam armen Automobilen zugute, Automobilen, die von ihren Haltern ausgesetzt werden, am Waldesrand, herzlos, wie es nur in Deutschland geschehen kann.
Jetzt aber die Bordsteinkante hoch und ab zu meinem Autohändler, der Termin, der steht nun mal, leider naht ein Brummi und der Fahrer erkennt seine Chance und donnert mir mit dem Anhänger über die Arme, so ein Mist, wie gerne würde ich dem Blödmann jetzt den Mittelfinger zeigen, der Ofen ist aus, diese Spezialausführung fertigen nicht einmal die Japaner an. Was werden bloß meine Freunde dazu sagen? Und was mache ich von nun an Samstagabends, wenn alle Welt ihr Auto ins Kino ausführt? Werde ich dann ohne Beine und ohne Arme durch die Garage kugeln? Das ist öde, das ist zuviel, ich verliere das Bewusstsein.
Und am nächsten Morgen, ich erwache in der Klinik, beugt sich der diensthabende Oberarzt über mich TJA, DEN FÜHRERSCHEIN, DEN KÖNNEN SIE WOHL ABHEFTEN meint er nicht ohne Mitgefühl und ich schaue an meinem Rumpf hinunter und bin ganz deprimiert. ABER NUN LASSEN SIE DEN KOPF NICHT HÄNGEN, JUNGER MANN, ICH VERPASSE IHNEN JETZT DIE TODESSPRITZE UND DANN WERDEN WIR SIE EINSTANZEN UND WER WEISS, VIELLEICHT FINDET SICH JA NOCH EINE VERWENDUNG FÜR SIE, ETWA ALS ERSTE-HILFE-KISSEN IN MEINEM MERCEDES, WIR MÜSSEN MAL SEHEN. Gut, so toll fand ich den Vorschlag erst nicht, aber was sollte ich machen, mir blieb ja gar nichts anderes mehr übrig, und so liege ich schon seit einigen Tagen bei ihm im Heckfenster und gucke mir den Verkehr von hinten an.