Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Hochseefischen im Stadtpark

Gestern waren wir lecker essen bei den beiden italienischen Brüdern mit den langen Zähnen, und als Ergebnis der Tischunterhaltung weiß ich endlich, woher sie das hat.

Diese Leidenschaft, jegliches Strandgut, das es irgendwie ins Landesinnere geschafft hat, vom Boden aufzusammeln und nach kurzer Inaugenscheinnahme in ihre Jackentasche wandern zu lassen.

Ob durchnässte Liebesbriefchen oder Einkaufszettel, das herausgerissene Bein einer Mad Max-Puppe, eine rostfreie Industrieroboterschraube - es gibt eigentlich nichts, was sie nicht einsteckt.

Schon als Kind musste sie ihre Taschen leeren, wenn sie am Abend heimkehrte, unter den strengen Augen der Mutter. Die bestand darauf, dass die kleine Gräfin selbst alles aus ihrer Tasche holte, nachdem sie, die Mutter, einmal mit spitzen Fingern eine glibbrige tote Kröte aus der Gesäßtasche gefischt hatte, worauf ihre Nerven kurzfristig zusammengebrochen und langfristig beschädigt waren.

Die Gräfin erinnert sich, selig lächelnd.

"Wenn ich vom Teich kam, hatte ich die Jacke voller Froschlaich und Würmern und was sonst noch über den Boden krabbelte. Andererseits waren aber auch tausend Insekten an mir interessiert, das muss man auch sagen. Als Kind ist man so nah dran am Erdboden, das ist ja eine eigene kleine Welt da unten. Schuhe von Erwachsenen, das waren herrliche Quadratlatschen, und die Nylonstrümpfe unserer Oma rochen wie eine schwarze Eisenfabrik."

"Nee, das roch, als würde in der Stadt ein Kino brennen!" wirft die Schwester ein, die einzige am Tisch, die eine Pizza genommen hat und nun glücklich vor sich hinglüht.

"Ihr Großvater war genauso, der Alois", meint der Vater der Gräfin, ein ruhiger Mann mit einem Pulsschlag, der seit fast siebzig Jahren unten im Keller ist. "Der ist mit dem Spazierstock umhergezogen wie mit der Wünschelrute, der Opa Alois. Wenn es gezuckt hat im Stock, ist er stehen geblieben und hat kurzerhand alles aufgespießt, was er für seine Werkstatt brauchen konnte. Sein Mantel war ein einziges großes Zwischenlager."

"Und Opa war ein Entenschlitzer!" ruft die Gräfin dazwischen, einen Grappa in Arbeit. "Das musst du aber auch erzählen, wenn du von Opa Alois erzählst!!"
"Ein Entenschlitzer, hm, richtig, aber nur, wenn es auf Weihnachten zuging. Da wurde Opa Alois rabiat."

Zu spüren bekamen das die Enten im Stadtpark, jedes Jahr eine. Weil Opa Alois unter dem Stadtparkgeflügel von Bad Sassendorf nur als leicht debiler, aber harmloser Zettelchen-Piekser bekannt war, nahm die Schar ihn nicht weiter ernst, wenn er sich ihnen im Dezember näherte, mit dem geschärften Spazierstock.

"Wie eine Harpune warf er den Stock nach den Enten, das war wie Hochseefischen im Stadtpark. Das war Opa Alois' Kampf mit dem Wal, das war sein Moby Dick. Meist benötigte er aber nur einen Versuch, dann war der Wal erlegt."
"Das ist doch nicht wahr", sag ich, "oder?"
"Und ob. Opa Alois war der Entenschlitzer von Bad Sassendorf, das ist Tatsache", meint die Gräfin und kippt den Rest Grappa runter. "Da kannst du jeden fragen, den du willst, in Bad Sassendorf."

An beiden Weihnachtstagen gab es im Hause der Blaublütigen selbstgeschossene Ente mit Rotkraut und Knödel, und die ausgerupften Federn steckten sich die Kinder traditionell als Indianerschmuck ins Haar. Alle waren happy, und Opa Alois schmatzte besonders laut.


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Gott und seine Herde auf Studio Glumm:
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Ich bin nicht so arg anders als der Durchschnitt, mit einer Ausnahme vielleicht: Ich mag keinen Herdentrieb.
Wenn alle Welt losrennt, um mobil zu telefonieren, dann bin ich garantiert der Letzte, der sich ein Handy in die Tasche steckt.
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Wer auch immer das sein mag, ich begrüße den 100. Abonnenten.
11.3.09 14:35
 



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