4. Januar '87
Elf Uhr, Bahnhofsgaststätte. Ich sitz allein am Tresen. Der Wirt, Hosenträger, Bleistift hinterm Ohr, streitet mit seiner Frau.
Es geht irgendwie um die Versicherungspolice.
"Die ist doch schon bezahlt für dieses Jahr!"
"Nein!" stemmt sich die Wirtin ihm entgegen. "Für dieses Jahr eben nicht!"
"Na, und ob! Das weiß ich hundertprozentig! Guck mal in den Unterlagen nach."
"Ich?? Woher soll ICH wissen, wo DEINE Unterlagen sind!?"
"MEINE Unterlagen?? DU schließt die doch immer weg!"
"ICH..!??"
Ich frag mich, ob ich wirklich nach Düsseldorf fahren soll, in den Puff. Aber ich weiss zum Verrecken nicht, was ich mit meiner Zeit sonst anstellen soll. Ich komme an nichts mehr richtig ran. Ich entferne mich zu Tode. Ich muss was anfassen. Für Geld.
Ich zahl den Kaffee und geh durch den Tunnel zum Bahnsteig Richtung Düsseldorf. Es ist kalt, und zugig. Mann, was zieht das hier. Ich bewege mich an den Wartenden vorbei. Ein kleiner Junge wird von seiner Mutter ermahnt, nicht so laut so sein. Da ist der Nächste, der aufwächst in der deutschen Angst-Gesellschaft, immer nur pass auf! pass auf! Tu dies nicht, tu das nicht!
Die Schnellbahn rollt ein. Sie ist orangefarben und vollbesetzt, hat kein Raucherabteil. Ich krieg nichts mit und ich will nichts mitkriegen. Die meisten lesen. Keiner redet, nirgendwo ein Walkman. Krieg ich also doch was mit.
Dass nichts mitzukriegen ist.
Düsseldorf Hauptbahnhof. Die Türen der Schnellbahn spreizen sich automatisch und ich falle auf den Bahnsteig. Unschlüssig, ob ich gleich hintern Bahndamm soll. Fühle mich eher nach.. na, was? Bewegung? Aber wo ich schon mal hier bin, geh ich erst mal zur Nordstraße, in einen der vielen Sex-Shops.
Düsseldorf ist Paris geteilt durch vierzig. Ich steige über schmutzige kleine Schneehaufen, mit Rollsplitt verbacken und hastig zusammengeschoben. Wie über schwarzes kühles Püree. In den Laden. Bonbonluft. Einsame Ständer, vor Schaukästen mit Spezialwerkzeug, so unbeholfen wie Jungs vor der Fleischtheke.
“Ich hätt gern.. ähm.. von dem.. da..”
“Von dem hier, kleiner Mann?”
“Genau, ja! Von dem.. da!”
“Das ist Gehacktes, mein Junge. Rindergehacktes.”
“Gehacktes? Ja.. ein.. Pfund..”
“Ein Pfund, wird gemacht. Für die Mutti, hm? Sonst noch ein Wunsch?”
“N- nein. Auf Wiedersehen!”
Hinten durch die Videokabinen. Eine ist frei. Ich geh rein und schließe ab. Es riecht nach Dixie-Klo, trotz cws air control. Rolle Kleenex. ENG. Der Video-Bildschirm hat 64 Programme, per Knopfdruck abrufbar und zwar “zur richtigen Zeit”, wie ein Aufkleber suggeriert: Spürt der Wichser, dass es ihm gleich kommt, muss er den Knopf nur so lange drücken, bis er in einem der 64 Programme auf eine Szene stößt, in der es dem Akteur ebenfalls kommt, zur dekorativen Ejukalala.
Ich hab eine Knast-Szene drin. Wärter rammelt Inhaftierte, zweiter Wärter stößt hinzu, selbst rammelnd, wortlos. Ich höre nur das Stöhnen aus der Nachbarskabine.
“..endlich kümmert ihr euch um mein Fötzchen.. hab ich auch was davon.. blas ihn mir wieder hoch.. und jetzt.. zwei Schwänze.. ooh Mann.. das hat es ja nicht mal.. in Paris gegeben..!“
(Dabei war es in Paris genauso.)
“..super.. jaaa.. spritz alles raus.. gleich.. jaa.. jeeetzt.. hast du es geschafft.. He! Ich bin auch noch da..!“
Ich auch. Ich will aber gar nicht spritzen. Will nur meine Konstitution prüfen. Pimmel-TÜV. Er ist so dreiviertel. Schlechtes Zeichen. Zuviel gesoffen gestern. Kommt es mir im Puff gleich zu schnell. Kann ich mir auch gleich einen runterholen lassen. Einen kloppen! Kommt billiger. Fragt sich bloß, wo der überhaupt ist, der Puff.
Ist schon ein paar Jahre her. Besoffen war ich und die Nutte war noch besoffener und wollte immer nur MEHR GELD, doch ich hatte kein MEHR GELD, da hat sie sich meine weiße Kapitänsmütze gekrallt, als Trophäe, mir war's egal.
Kann mich ansonsten nur daran erinnern, dass der Kasten Hinterm Bahndamm hieß, also lauf ich durchs Bahnhofsviertel, Hände in den Hosentaschen, mies drauf wegen Lena, alleine, auf der Suche nach dem Puff, nach einer Hure, Schwachsinn alles, doch es treibt mich voran unter dichten fleckigen Wolken.
Eine Stunde irre ich im Kreis herum, ohne Mumm, jemanden nach dem Weg zu fragen.
Einmal begegnen mir zwei Asis mit einem Kasten Bier in der Mitte, sie sind unrasiert und erzählen sich einen Witz, die hätte ich fragen können, doch dann sind sie schon weg.
Wie ich so rumlaufe, kommt es mir vor, als wäre ich hier in der Gegend schon mal gewesen, vor ein paar Jahren, mit dem dicken Hansen, Haschisch kaufen.. Na klar. Der Dealer wohnte in einer Sozialwohnung und Parterre war ein Kiosk, das weiß ich noch, die verkauften nämlich Kölschbier in Düsseldorf.
Nachdem der Dealer, ein hektischer langer Kerl, endlich geöffnet hatte, auf Klingelzeichen, verrammelte er die Etagentür gleich wieder, mit einer schweren Kette und diversen Sicherheitsschlössern. Und das bei meiner Bullen-Paranoia.
Die Wohnung war ein Loch, das Licht gelb und spärlich, aus mannshohen Boxen wummerte Rodigan’s Rockers, die wöchentliche Reggae-Show auf BFBS, dem englischen Soldatensender.
Ein Reggae nach dem anderen, knüppellaut. Wir sitzen am Tisch. Der Dealer meint, er habe kiloweise Material im Haus, das aber noch gepresst werden müsse.
"Is noch Pulver."
Er bietet uns Rauchproben an. Er hat zwei verschiedene Sorten da, Türke und Libanese. Ich würde am liebsten wieder abhauen, auf der Stelle, doch das Geld ist Hansens Geld und der hat ein dickes Fell.
Er zieht einen Bong und reicht ihn zu mir rüber. Als das Bong-Wasser blubbert, steht der Dealer plötzlich auf und tigert hin und her, bleibt stehen, späht nervös aus dem Fenster, als erwarte er jeden Moment ein Sondereinsatzkommando, da implodiert es in mir, das Haschisch.
Ich krieg Platzangst.
Der Typ hat doch nicht umsonst so eine Action gemacht mit seiner Wohnungstür! Dieses Gefühl, dass etwas reißt in mir, irreparabel, ich auf ewig schief bleibe, während der dicke Hansen ("ich hab einseitige Bulimie. Ich kann nur fressen, nicht kotzen") mit seinem Autoschlüssel spielt, unbeeindruckt, und der Dealer den nächsten Bong stopft, durchsticht dieser gottverfluchte Reggae meinen Bauch, das Herz kracht auseinander, komm, Glumm, komm runter, sag was, sag irgendwas, irgendwas belangloses, befrei dich,
jetzt scheint der Dealer was zu merken, er guckt so komisch, “kennste auch Soul Train..?” frag ich endlich, er versteht nicht, ich werd lauter mit ausrutschender Stimme, “..Soul Train.. auf BFBS.. immer mittwochs..”, da stiert er in seinen Bong und meint desinteressiert, “Soul? Nee, Soul find ich nicht gut. Ich kann nicht immer alles gut finden.”
Ich kann nicht immer alles gut finden.
Ich kann jetzt auch nicht gut finden, dass ich hier so blöd durchs Bahnhofsviertel stiefle, aber ich stiefle blöd rum, also frag ich endlich einen Typ in meinem Alter, wo der Puff ist.
“Da vorn durch den Tunnel, dann rechts und immer geradeaus.”
Hinterm Bahndamm. Da ist es. Ich erkenn es wieder.
Vorm Eingang zum Kontakthof steht eine Gruppe türkischer Männer, unterdrückt lamentierend, rauchend.
Im Hof. Zwei Nutten lehnen an der Backsteinmauer.
“Kommste mit?”
Ich grinse.
“Da grinst der nur.”
Ich streife die unterste Fensterreihe ab. Die meisten Vorhänge sind zugezogen. Auf den Scheiben Zimmernummern, manchmal ein Name. Gabi.
In der Hofmitte, an den Münzgeldautomaten, scharen sich die Freier, die den ganzen Tag hier herumlungern, sich einen runterglotzen.
Dann steht sie neben mir.
“Magst du dich verwöhnen lassen..?”
Lederstiefel, dunkles Haar, freundliche Augen.
“Weiß nicht”, krieg ich raus.
“Komm.”
Sie hakt sich bei mir unter.
Mit dem Lift ruckeln wir drei Etagen hoch, ihr Zimmer hat Nummer 59.
“Das erste Mal hier?” fragt sie, als ich in dem engen Kabuff stehe, die Hände in den Hosentaschen.
“Was.. nein.”
“Wieso guckst du dich dann so um?”
Ein Bett mit brauner Decke, zwei Stühle, eine Schale mit Präservativen und Bonbons.
“Und? Schön bumsen und blasen?”
Ich bin zu nervös zum bumsen.
“Nur runterholen.”
“Och”, sagt sie enttäuscht und zieht sich nicht weiter aus.
“Vierzig Mark. Warum nicht schön bumsen und blasen?”
Ich lege zwei Zwannis auf den Tisch, die sie sich gleich grabscht und in eine Dose steckt.
Ich setz mich auf den Bettrand.
“Schwanz waschen?” fragt sie noch.
“Nein..”
Ich lass die Jeans runter, sie setzt sich dazu, ihren Pullover bis knapp über die Brüste hoch geschoben.
“Wirklich nur wichsen.. hallelujah? Nicht schön bumsen und blasen?!”
“Ha, ha.. Nur wichsen.. hallelujah.”
“Dann mach es dir mal bequem.”
Ich leg mich zurück, mit aufgestützten Ellbogen, und sie nimmt ein Kleene und breitet es in Spritzrichtung über meinem Bauch aus.
“Magst du geile Bilder sehen?”
Ich mag nicht. Dann macht sie es. Ich guck zu. Sie guckt zu. Ihre Finger glänzen. Sie macht es gut. Gekonnt.
“Spritz in die Luft”, ruft sie, als ich komme.
Sie lächelt und tupft das Teil ab.
“Ging schnell..”, sag ich, halb fragend.
“Naja. Bei manchen muss man das Ding nur berühren, schon explodieren sie.”
Sie geht zum Waschbecken.
“Komm, Schwanz waschen.”
“Nee”, sag ich.
“Na, okay. Jetzt hast du schön leer gespritzt und du weißt, dass ich gut bin. Kommst du später noch mal wieder, schön bumsen und blasen.”
“Mh”, sag ich und nehme die Treppe.
Im Kontakthof schnitze ich mir was markantes um den Mund rum, wer weiß, ob nicht einer von den Pennern hier mitgekriegt hat, wie ich mit der Kleinen im Puff verschwunden bin und jetzt, keine zehn Minuten später, bin ich schon wieder draußen. “Schnellspritzer!” höre ich sie mich verhöhnen, “Dreimal hoch, dreimal runter, hahaha!”, also schnitz ich mir was markantes, will sagen: Ich hab mit der kleinen Nutte nur ein Geschäft abgewickelt oder sie erdrosselt oder was weiß ich.
So lüge ich mich bis zum Ausgang, wo die Türken stehen und lamentieren, lebhafter mittlerweile und Pistazienschalen spuckend, und natürlich hat niemand etwas mitgekriegt von meiner Schnitzarbeit, geschweige denn mich ausgelacht, Männer im Puff interessieren sich für alles mögliche, nur nicht für andere Männer.
Will jetzt auch nur noch raus aus dem Bahnhofsviertel.
Mit der Straßenbahn Richtung Altstadt.
Morgen ist Heiligabend, die Menschen haben es eilig. Schieben sich in Kolonnen durch die Fußgängerzone, vorm Horten ein dicker ruhiger Junge mit Brille und Sheriffstern, zu seinen Füßen eine Zigarrenkiste mit Münzen, er trällert ein Adventslied, fünf Minuten vorm Stimmbruch.
Ich stoppe an einer Bratwurststube.
"Drei Reibekuchen", sag ich.
Das einzig wahre nach einem nietigen Bordellbesuch.
"Mit Apfelmus?"
"Ja."
Der Chef, er trägt eine weiße Kochmütze, schiebt mir den Pappteller über den Tresen und erkundigt sich bei dem Mann neben mir, "May I help you?"
"Yes, Sir. Wurst. We want wurst."
Die Kochmütze nickt in Richtung Schwenkgrill, auf dem Thüringer Bratwürstchen kokeln.
"A long one?"
Der amerikanische Tourist schaut sich unsicher um, sucht seine Frau, die in einiger Entfernung das Gepäck hütet.
"Mh, from Heidelberg, this wurst?"
"Heidelberg?" Der Koch nickt. "Yes. Heidelberg."
Apfelmusbekleckert reihe ich mich wieder ein in den Strom der Passanten, verhätschelte Gesichter, andere wie aus der Asservatenkammer.
Von der Helligkeit eines Schaufensters eingefangen bleib ich vor einem Frisörsalon stehen. Guck mir die Portraits an, den steilen neuen Look, die Dreadlocks.
Könnte mir eigentlich auch noch mal die Haare schneiden lassen. Immer nur Locken, dicke unordentliche Locken, wie ein wildgewordener Handfeger. Komm mir überhaupt so siffig vor. Keine Alte guckt mich mehr mit dem Arsch an.
Ich geh rein.
“Womit kann ich dienen?”
Na, Haare schneiden.
Ob ich einen Termin habe?
Nein. Ich habe nicht oft Termine.
Der Geschäftsführer, schmaler roter Lederschlips, mustert mich geringschätzig und überfliegt eine offen liegende Kladde.
“Siebzehn Uhr hätte ich etwas frei.”
“Jetzt gleich geht’s nicht?!”
“Nein, leider. Sie sehen ja, alles besetzt. Tut mir leid.”
Mir nicht. Ich finde, er stinkt, und probiere es in zwei, drei anderen Salons, bei Gina schließlich habe ich Glück.
Kleiner Palast. Gina hilft mir aus der Jacke und bietet mir einen Platz an, an einem Bistro-Tischchen.
“Möchtest du Kaffee?”
“Warum nicht.”
Sie serviert ihn postwendend und lauwarm, ich schnapp mir ein Stadtmagazin, Zeitgeseier von Leuten, die für eine Szene schreiben, die längst verreckt ist, an ihren eigenen Leuten.
Was red ich hier überhaupt?
Gina hilft mir da raus.
“Kommst du mit?”
Vor einer Galerie von zwanzig Spiegeln versink ich in einem ledernen Drehstuhl, gepolstert wie ein Pilotensitz.
Gina greift mir ins Haar.
“Schau mal. Steht dir doch viel besser, kommen deine Augen mehr zur Geltung.”
Augen? Die ist gut. Trübe Glubscher seh ich. Rotunterlaufenes Material. Ich bin unrasiert und blass. Junge, bin ich lädiert. Bin ich froh, wenn der Mist runter ist.
“Stehst du mal auf?”
Sie bindet mir einen Kittel um.
“Noch einen Kaffee?”
Bloß nicht. Ich setz mich und guck mir ein bisschen die Stylisten an, wie sie um die Kundschaft herumwieseln und dabei gesellig plaudern, mit flatternden Augenlidern.
“Kommst du mal mit?”
Ich bin hier nur am Mitkommen. Diesmal nicht mit Gina, sondern mit einer dezent Rothaarigen.
Es geht eine Etage höher, zum Haare waschen.
“Such dir ein Waschbecken aus.”
Ich nehme das erstbeste.
Behutsam drückt sie meinen Kopf in die Nackenschale, Wasser braust durch mein Haar.
“Temperatur angenehm?”
"Hm.. ja."
Es gluckert leise im Abfluss.
Sie legt Shampoo auf und massiert meine Kopfhaut. Ich schließe die Augen und entspanne, zum ersten Male heute, fast scheint es, als mache sie es zärtlicher als nötig, vermutlich ist es nur der Hygiene wegen, egal, ich bin für alles am löhnen, erst für die Hure, dass sie mir einen runterholt, jetzt für die Frisöse und ihre Finger.
“So”, sagt die Rote und rubbelt mein Haar trocken, “fertig.”
Ich wendle die Treppe runter, zurück auf meinen Pilotensitz.
“Magst du noch einen Kaffee?” kommt Gina an.
Will die mich verscheißern? Sie reicht mir das Stadtmagazin, das ich wortlos ablege, und dann fängt sie an. Sie redet und schneidet und redet und schneidet, dass ich mich genötigt sehe, auch mal was zu sagen, bloß - was?
Ihr französisches Aussehen verleitet mich zu der originellen Frage, ob sie Französin sei.
Sie lacht.
“Nein. Italienerin.”
Gott sei Dank.
“Aber meine Mutter stammt aus Frankreich.”
Scheiße.
Sie trägt ein schwarzes Leibchen, das viel Bauch herzeigt, und während sie mit scharfem Schnitt in meine Locken fährt, versuch ich ein Stück von ihren Titten zu erhaschen, aber die sind gut und fest verpackt.
Schließlich ist der Struwwel entpetert, Gina rasiert meinen Nacken aus. Bin hart an der Grenze zum Hautkopf. Wie ein schwuler Berliner. Doch, sehr diszipliniert.
Gina föhnt, Gina gelt.
“Pass nur auf”, sagt sie. “Gleich auf der Straße guckt sich jedes Mädel nach dir um.”
“Ich nehme dich beim Wort”, sag ich, und zahle vierzig Mark.
"Hier", Gina reicht mir ihre Visitenkarte, “falls du mich weiterempfehlen möchtest.”
Draußen beißt es mir im Nacken, sehr ungewohnt, der freie Zugang zur Kälte, ich taxiere die schönen Frauen, he, alle herschauen, der Glumm war beim Frisör, doch die Resonanz ist dürftig. Was möglicherweise an meinem Outfit liegt. Der zu weiten Cordhose, mit Apfelmus bekleckert.
Also - keine halbe Sachen! Eine neue muss her! Hose!
Warenhaus. Hier gibt's die neuen ganzen. Sachen. Hosen. Herrenmieder. Stangenware.
Aus Jux probiere ich eine Nadelstreifenhose an, die passt sogar, ist mir aber doch zu dösig.
Was mir gefällt sind schwarze verwaschene Jeans in Karottenform. Ich nehm ein paar mit in die Umkleidekabine, die riecht nach grober Leberwurst. Oder sind das meine Schweißfüsse? Eine Hose ist mir zu weit, schlabbert an der Taille, die nächste ist zu kurz, eine weitere zu eng.
Ich komm einfach nicht zurecht mit den amerikanischen Größen.
Geb entnervt auf.
Stolpere durch die einbrechende Dunkelheit, die vorweihnachtliche Asservatenkammer. Kein Schwein nimmt Notiz von mir. Leere Blicke überall. (Der wirkliche Killer-Blick ist der leere Blick. Der macht Angst.)
Ich versuch es im Kaufhof.
Gehe zielstrebig auf den Verkäufer zu, ein Asiate.
“Meine Bundweite”, sage ich, "brauch ich."
Er versteht nicht, ich wiederhole, er versteht und holt ein Zentimeterband.
“Was suchen Sie denn?”
“Schwarze Jeans in Karottenform”, erkläre ich bündig, er nickt und verschwindet und schleppt wenig später einen Haufen Hosen an, nur die nicht, die ich meine.
Ein deutscher Oberverkäufer stößt hinzu.
“Kann ICH Ihnen weiterhelfen..?”
Er bedeutet dem Chinamann, dass er sich vom Acker machen soll, und ist oberfreundlich. So Typen kenn ich. Tun energisch, aber wenn man ihnen die Hand drückt, greift man in einen Pudding.
“Mein Kollege ist ganz neu hier”, sagt er entschuldigend, und ich trage dem Oberarsch auf, mir eine Karotte zu besorgen, er bringt drei Stück in verschiedenen Größen, ich mache Leberwurst aus der Kabine, die Jeans passen alle drei, mehr oder weniger, ich entscheide mich für die engere und behalte sie gleich an.
Mittlerweile ist es dunkel geworden, trotzdem versuch ich das weibliche Düsseldorf zu provozieren, mit flackerndem Blick, an der Straßenbahnhaltestelle Richtung Hauptbahnhof gelingt tatsächlich ein Flirt mit einer hinreißenden Dunkelhaarigen, bis sie einsteigt und abrauscht, ohne sich noch mal umzudrehen, die blöde Kuh.
Schnellbahn zurück nach Solingen. Ich starre nur noch aus dem Fenster. Dingsda e pericoloso. Bitte nicht hinauslehnen. Ja genau.
Mein Gegenüber, ein Türke, macht mich per Handzeichen auf das Kärtchen aufmerksam, das mir aus der Jackentasche gerutscht ist.
Ich heb es auf.
Endstation. Noch vom Bahnsteig aus rufe ich die Nummer an und frage, was sie mir denn da versprochen habe, so leichthin.
“Wie..? Wer.. spricht denn da?”
“Der Typ, dem du eben die Locken vom Kopf geholt hast.”
“Ah.. ja. Und was hab ich dir versprochen?”
“Na, dass sich jedes Mädel nach mir umdreht. Das haut nicht hin. Lüge!”
Gina gackert.
“Du darfst nicht aufgeben.”
“Ja”, sag ich, und leg auf.
*
Andere lustige Sachen, die das Leben spielt mit einem.