Kühle Tage. Stille Tage. Ne ganze Menge Tage. Ich sitz in der Frühe auf einem Kinderspielplatz im Hinterhof der Innenstadt und warte, dass der Italiener aufmacht, um 8 Uhr 30. Der Hund macht Platz und zuckt mit sehnsuchtsvoller Schnauze in Richtung Sandkasten, mit diesem Buddelblick.
Zwei Damen nee zwei Puten passieren den Spielplatz und ziehen ihre angeleinten Köter hinter sich her. "Nu komm!" Vielleicht halten sie mich für einen Drogensüchtigen mit Hund, dabei bin ich nur ein Süchtiger mit Hund, der Zeitung liest, eine Zigarette raucht und wartet.
Als ich eine Viertelstunde später aus der Parmesandrogerie schreite, um einen Dreihundertgrammbeutel schwerer, tigert vorm Spielplatz tatsächlich ein Junkie nervös auf und ab. Ich kenn ihn vom Sehen. Er trägt einen blonden Zopf und wohnt noch immer bei seiner Grossmutter, die ihn vor der Hauptsparkasse gelegentlich abkanzelt:
"Immer nur Geld, Geld, Geld! Hast du noch ein anderes Wort drauf??!"
Nun ja, mit dem Wort kommt man an sich ganz gut durch kühle Tage.
Stille Tage.
Ne ganze Menge Tage.