Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Rodeo

Es war an meinem achtundzwanzigsten Geburtstag, als es morgens Sturm klingelte. Ich lag mit einem fiesen Bierschädel im Bett, was damals Usus war, jedenfalls um diese Uhrzeit, und drehte mich fluchend um, doch wer auch immer da draußen stand und rein wollte, er ließ nicht locker. Er stand auf der Schelle. Eine Provokation, ein monströses Klingelmännchen. Ich formulierte innerlich schon die Fäuste, da tauchte schemenhaft das Datum auf, durch meinen Bier- und Nikotin-Schleier, der fünfzehnte September… Junge, du hast Geburtstag! Da draußen ist jemand, der möchte dir gratulieren, den kannst du nicht einfach stehen lassen da draußen im Schnürregen, verdammt.

“JAA SCHON GUT!! MOMENT...!!”

In Unterhose und T-Shirt stieg ich aus dem Bett, drückte per Summer die Haustür auf. Ich hörte Stimmen, Gelächter, ein Poltern irgendwelcher Gerätschaften, und warf einen Blick durch den Spion: drei Leute. Schnaat vorneweg mit blitzenden roten Bäckchen, dahinter Karlos und der Bruder vom dicken Hansen, alle debil am Grinsen!

Schnaat bollerte gegen die Tür.

“AUFMACHEN, SACKFRESSE!”

“Ich darf niemanden reinlassen”, wimmerte ich geistesgegenwärtig, “hat Mutti verboten.”

“Wir sind nur drei fremde Onkel aus dem Abendland, das geht schon in Ordnung. Fremden Onkeln dürfen kleine Jungs die Tür aufmachen...”

“Das müssen kleine Buben sogar”, wies der Bruder vom dicken Hansen auf die geltende Rechtslage hin, so wie er sie sah.

“Wir haben auch lecker Schokolade dabei!” rief Karlos. “Dicke Tafeln!”

Getuschel.

“Mit Nuss!”

Noch mehr Getuschel.

„Mit ganzen Nüssen!“

Die Sau. Ich mochte Schokolade mit Nüssen. Das wusste der Sauhund ganz genau. Schnaat trat gegen die Türe. Er hatte die spitzesten Schuhe, mit Stahlkappen vorn.

“SACKFRESSE! AUFMACHEN!”

Als ich öffnete, schoben die Kameraden mich beiseite wie eine lästige Laus, jeder einen Staubsauger vor sich her karrend. Die Dinger hatte ich durch den Spion glatt übersehen. Logisch, die waren ja auch unten auf dem Boden. Die konnte ich gar nicht gesehen haben. So ein Spion ist ja nicht in Knöchelhöhe in die Tür geschnitzt.

“Steckdosen!” krähte Schnaat. „Wir brauchen Strom!“

Er trug seinen schweren dunkelblauen Admiralsmantel und spitze Lackschuhe.

“Wo sind die gottverdammten Steckdosen?”

Jeder der drei hatte von Zuhause seinen Sauger mitgebracht, jetzt wurde die kleine Flotte in die Küche getrieben, wo die Wände auf Stromquellen inspiziert wurden und man ungeduldig auf die Start-Flagge wartete: das Einstöpseln.

Betriebsbereitschaft.

„AUF GEHTS!”

Die Bodenbretter erzitterten unter dem Gegröle der Vakuum-Cleaner und grasenden Pferdchen, übertönt nur von gelegentlichen “YEE-HAA!”-Anfeuerungsrufen von Schnaat, auf dessen Mist die bekloppte Aktion gewachsen war, garantiert. Er war geradezu besessen von Saugern, fast so besessen wie von selbstgemachtem Likör und alten Mott the Hoople-Singles.

Na gut. Die Jungs wollten es nicht anders. Ich holte die Ziege aus ihrem Tiefschlaf und reaktivierte sie. Einen original Omega-Sauger aus der DDR, der in meinen Besitz gelangt war und dessen Motor wie eine halbverrostete Ziege meckerte. Zu viert dauerte die putzige Stäubchen-Parade keine vier Minuten, dann waren die 60 Quadratmeter abgefressen und die Bande verschwand genauso schnell wie sie eingefallen war, ohne Tschau oder Wiedersehen, ohne irgendwelchen Glückwunschmüll. Ich ging in mein Zimmer zurück und stellte mich ans Fenster, linste durch die Jalousie.

“Wo ward ihr gestern eigentlich, habt ihr in den Geburtstag reingesoffen?” hörte ich Schnaat Karlos fragen, als er den Kofferraum seines Wagens öffnete, um die Staubsauger einzuladen. Der Bruder vom dicken Hansen kicherte bekifft im Hintergrund. Ich legte mich nochmal hin, mit Staubsauger-Nachhall im Schädel und schlief bis in den Nachmittag.
8.9.17 11:06
 



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