Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Es regnet. Wir kraulen durch den Vormittag.

"Man ist ahnungslos erfüllt von Vorahnungen..“, hatte die Gräfin als Fazit gezogen von diesem bemerkenswerten Sonntag Ende Juli 2005, einige Tage bevor Hurricane Katrina halb New Orleans zerstörte.

An diesem Sonntag kam es uns vor, als gingen wir im Auge des Großen-Ferien-Hurrikans spazieren, so still war es in den Straßen der Stadt, und die Hitze bedeckte die Hausdächer wie eine schwere Tagesdecke.

Außer uns dreien schien jedermann in Urlaub zu sein. Wir begannen, „Louisiana“ zu singen, die Hymne von Randy Newman, die sich um New Orleans dreht während der großen Flut im Jahre 1927.

Kurz bevor wir zwei Stunden später unser Stammesgebiet Kannenhof erreichten, setzte ein warmer Sommerregen ein, den wir mit himmelwärts gestreckten Gesichtern genossen, und wieder war dieser Song da, „Louisiana 1927“.

„They were trying to wash us away...“

Da wir aber nur Fragmente des Textes kannten, wühlte ich mich zu Hause durch die Plattensammlung, bis ich endlich das Album von Randy Newman gefunden hatte. Andächtig lauschten wir der brütenden Ballade, und ein paar Tage später wussten wir auch, warum.

*

Es regnet. Wir kraulen durch den späten Sommer. Der Dauerregen verhagelt die Brombeer-Ernte, die Früchte sind nur spärlich auszumachen, klein und hart und blässlich, dafür wuchert die Vegetation im Ganzen. Und der amerikanische Amberbaum im Park wirft bereits seine glutroten Blätter ab. Es geht auf den Herbst zu.

"So. Die letztes Sonnenstrahlen dieses Sommers gehen an... MICH!" scherzt sie und lässt sich auf der Gartenliege nieder.

*

Der Deutsche an sich ist braver, als es das Ordnungsamt vorsieht. Die Gräfin meint, wir bräuchten endlich ein Auflockerungsamt. Ein Samba-Amt.

"Ach, ist doch gar nicht mehr so schlimm", sag ich.

"Das denkst aber auch nur du."


*

Zorniger Dauerregen, wie Diarrhoe. Es riecht nach Muscheln und nackten Füßen. Fast wie an der Nordsee. Donnergrollen Es ist, als würden Tausende von Marionettenspielern auf der Himmelstribüne ausharren und die Regenpuppen tanzen lassen.

*

Das ist nichts gegen dem Tropensturm in Texas. Houston säuft ab, höre ich in den Nachrichten. Das graue Regenwasser steht meterhoch in den Straßen, die Menschen fahren in Panikbooten herum und wissen nicht wohin. Dann Kuba und Florida. Katastrophen machen Insekten aus uns. Miami krault.

*

Der große majestätische Fischreiher hat den Coppel-Park für sich allein. Er pirscht in aller Ruhe über die leeren Fußwege, den langen Hals in Richtung Teich gereckt. Bin immer wieder verblüfft, wieviel Ruhe und Muße der Reiher ausströmt, wenn er am Park-Teich ausharrt, am liebsten inmitten des hohen Schilfs am Ufer.

Die Situation ist seit fünfzehn handgestoppten Minuten unverändert.

Der Fischreiher steht mucksmäuschenstill am Teich, exakt da, wo die Enten abends gründeln.

Ich bin die Stille in der zweiten Reihe.

*

Äußerlich mag ich nüchtern wirken, innendrin bin ich ein Spinner, und einmal Spinner, immer Spinner. Das lässt sich nicht so einfach ausknipsen wie das Licht im Backofen, der innere Spinner, zumal unser Backofen defekt ist, das Licht lässt sich nicht mehr ausknipsen, es bleibt an. Noch tief in der Nacht leuchtet es einem vergessenen Hähnchenbollen heimwärts ins Reich des weißen Superfleisches.

“Du Spinner”, murmelt die Gräfin.

Na, das murmelt die Richtige.

*

Sie spricht davon, dass die ersten Kriegs-Tomaten auf dem Markt seien.

"Von dem feuchten Sommer sind die alle so faul und zerdötscht, da kann man die Hälfte gleich wieder wegwerfen. Das sind Tomaten für den Kriegsfall. Wo man alles kauft, was man in die Finger kriegt, nur damit man was zwischen den Zähne hat."

Es gibt Sätze aus ihrem Mund, da blühe ich nicht gerade auf, wenn ich sie höre.

*

"UNZUCHT MIT WÜRMERN KOST' EXTRA!" rief die Wirtin des Stundenhotels für okaye Dinge aufgebracht. "UND JETZT RAUS HIER!"

"Wohin?"

"Zimmer 15."

"Danke."

"Bitte sehr."
12.9.17 00:13
 



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