Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Impressum
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Glumm auf Wordpress
   Susanne Eggerts Citronenbusen
   Blogroll
   Twitter 500beine
   Ihr Schreiber

kostenloser Counter



http://myblog.de/500beine

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Knochen, Kniescheiben

Letztens, auf dem Weg zum Porschehändler, in Gedanken muss ich schon bei der Probefahrt gewesen sein, anders kann ich es mir nicht anders erklären, beim besten Willen nicht,

da laufe ich ohne auf die Rechtsabbieger zu achten über den Fußgängerüberweg,

kommt ein Cabrio daher und hält voll drauf und erwischt mich am Bein und ich falle um und das Bein ist ab und der Fahrer springt aus seiner Karre und schreit

ALTE FÜSSGÄNGERSAU, KEINE AUGEN IM KOPP, WA?!

rast um seinen Wagen herum und tätschelt den Lack, Tränen steigen in ihm auf, Tränen des Zorns und des Schocks, ich bekomme einige strenge Stiefeleinheiten verpasst,

die Gedärme scheppern,

"Lass gut sein, Meister", keuche ich und reiche mein Kärtchen hoch, "die Versicherung ist kulant bei Lackschäden",

doch der Arme hat kein Ohr für mich und schiebt heulend ab, aufgelöst in seiner Verzweiflung, nur noch ein Schatten seiner selbst, während ich mitten auf der Kreuzung liege und die Nockenwellen über mich hinwegnocken und wellen,

was bin ich auch für ein Esel, dass ich so leichtsinnig den Zebrastreifen überquere,

im tosenden Verkehr versuche ich Richtung Bordstein zu robben, doch ein Turbo-Artist mit 100 Watt Alice Cooper auf den Subwoofern und einem Stetson auf dem Schädel ist fixer als ich, er zeigt die Zähne und erlöst mich

HEY STOOPID

von meinem anderen Bein, na schön,

ich weiß auch nicht, so allmählich wird die Sache brenzlig, oder wie sagt man? ungemütlich, richtig, ich mein, da fragt man sich schon, wie man demnächst die Kupplung treten soll, ganz ohne Bein und ohne jeden Fuß, das ist doch Käse,

das ist Mist,

da werde ich mir wohl eine Spezialausführung bestellen müssen, ob die Japaner das noch hinkriegen, oder die Chinesen, oder die aus Bangladesch, die werden auch immer besser, so hört man, nun ja, dann ist ja alles klar,

TATÜ TATA -
TATÜ TA
TA
!

mit quietschenden Eisen hält eine Funkstreife neben mir,

die Besatzung kurbelt das Fenster runter und belehrt mich unfreundlich,

ALTER MANN, WISSEN SIE DENN NICHT, DASS ES VERBOTEN IST AUF DER STRASSE HERUMZULUNGERN? UND DANN AUCH NOCH AM HELLICHTEN TAG! WIE KOMMEN SIE ÜBERHAUPT DAZU?!

"Herr Wachtmeister, ich weiß doch auch nicht", setze ich reumütig an, doch das Auge des Gesetzes füllt schon das Strafmandat aus, die haben echt Pfeffer im Getriebe, so wie die sich anhören,

NUN SEHEN SIE ZU, DASS SIE VON DER FAHRBAHN RUNTERKOMMEN, UND NEHMEN SIE GEFÄLLIGST DIE BEINE MIT, DIE STÖREN DEN VERKEHRSFLUSS!

"In Ordnung, Chef", sage ich und sammle unauffällig meine Knochen und Kniescheiben ein, so ein Ärgernis, bin ich schon wieder mit dem Gesetz in Konflikt, keine fünf Jahre her, da knabberte ich Pistazien während einer nächtlichen Spritztour und am nächsten Tag stand es dick und fett in der Lokalpresse:

HALBES DUTZEND PISTAZIENSCHALEN AUF PARKENDEN PKW GEFUNDEN! TÄTER ENTKAM UNERKANNT!

Was habe ich mich geschämt damals, kann man sich ja vorstellen, wochenlang wurde nach mir gefahndet, nirgends konnte ich mich noch blicken lassen, nicht mal auf den Straßen der Stadt,

woraufhin man mir auf die Schliche kam und ich in einem Musterprozess zu 100.000 Moppen Schmerzensgeld verurteilt wurde,

immerhin, das Geld kam armen Automobilen zugute, die von ihren Haltern ausgesetzt werden, am Waldesrand, herzlos, wie es nur in Deutschland geschehen kann,

jetzt aber flott die Bordsteinkante hoch und ab ins Autohaus, den neuen Porsche ausprobieren, wäre da nicht dieser Brummi, ein Long Vehicle, ein echter Truck, dessen Fahrer seine Chance erkennt und mit dem Anhänger über meine Arme donnert, dass es nur so knurpselt und knackt - so ein Mist!

Zu gern würde ich dem Blödmann jetzt den Mittelfinger präsentieren, doch der Ofen ist aus, diese Spezialausführung fertigen nicht mal die Chinamänner an,
was werden bloß meine Freunde dazu sagen, und was mache ich von nun an Samstagabends, wenn alle Welt ihr Auto ins Autokino ausführt?

dann werde ich wohl ohne Beine und Arme durch meine leere Garage kugeln, das ist öde, das ist zu viel für mich, ich verliere das Bewusstsein,

und am nächsten Morgen, ich erwache in der Klinik, beugt sich der diensthabende Oberarzt über mich: TJA, AUTOFAHREN KÖNNEN SIE KÜNFTIG ABHEFTEN, JUNGER MANN, meint er nicht ohne Mitgefühl, und ich schaue an meinem Rumpf hinunter und bin ganz deprimiert,

NA, NUN LASSEN SIE MAL DEN KOPF NICHT HÄNGEN. ICH VERPASSE IHNEN JETZT EINE SPRITZE, DANACH WERDEN WIR SIE EINSTANZEN, UND WER WEISS, VIELLEICHT FINDET SICH JA NOCH EINE VERWENDUNG FÜR SIE, ALS ERSTE-HILFE-KISSEN IN MEINEM MERCEDES VIELLEICHT, MUSS MAN SEHEN.

Gut, so richtig toll fand ich den Vorschlag erst nicht, doch was will man machen, was blieb mir anderes übrig, und so liege ich schon seit einer Woche bei ihm im Heckfenster und guck mir den Verkehr von hinten an.
10.5.17 15:38
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung