Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Prämens

 

Sie hat ein bisschen zugenommen und verdächtigt mich prompt, ich würde ihr nachts heimlich Cremetörtchen in die Hüften spritzen. Aber schön, sie ist prämens, von prämenstruell: kurz vor der Periode, dieser katholischen Frechheit.

Ich meine, das Wort prämens gibt es offiziell gar nicht. Nicht im Fremdwörterbuch, nicht in der Slangkladde, nicht mal bei Google International. Ich persönlich kenne das Wort prämens nur vom privaten Umgang mit der Gräfin und ihrer allerbesten Freundin, mit der sie viele Jahre einmal die Woche reiten gegangen ist. Nach dem Reiten kehrten sie am Abend heim, glücklich und erschöpft, und sie dufteten nach Heu und Gelächter.

"Pferde haben so tröstliche Körper", erklärte die Gräfin. "Weißt du, was der Traum jedes halbwüchsigen Mädchen ist? Sich in der fliegenden Mähne eines Schimmels festzukrallen, während man eine weite Ebene abreitet. Da kannst du jeden Brad Pitt in die Ecke stellen."

An den Tagen, wo die beiden Freundinnen reiten gingen, gab es am Abend Spiegelei mit Püree und Sauerkraut. Es waren schöne Tage, wenn die beiden Freundinnen vom Reiten kamen. Diese Tage sind vorbei. Was nicht vorbei ist: Sie ist immer noch sehr empfindlich, wenn sie prämens ist, die Gräfin. Eine Mischung aus Haudrauf und Zerbrechlichkeit.

Eine Prinzessin auf der Erbse.

"Eine Prinzessin auf der DNS einer Erbse“, berichtigt sie mich.

Alles nervt sie, wenn sie prämens ist. Ich soll nicht so laut schmatzen, wenn wir beim Essen zusammensitzen. "Du machst einen Krach wie ne Rotte Wildschweine.“ Aber auch an sich selbst verteilt sie an solchen Tagen gern etwas Gratisgespött. Wie hier, vorm Badezimmerspiegel: „Mann, bin ich eine käsebleiche Natter heute! Ich seh aus wie der letzte Heinz!“

„Ach wo.. Du siehst doch hübsch aus“, sag ich.

(Vergiss es. Da kann man auch gleich laut furzen. Ist vom Resultat her das gleiche wie ein versuchtes Kompliment.)

An Prämens-Tagen entdeckt sie gern ihr erstes graues Haar. Nicht etwa auf ihrem Schopf, damit könnten alle leben in unserem Alter, nein, es ist die erste graue Wimper. Sie erspäht es beim ganz normalen Geradeausgucken in den Badezimmerspiegel.

"Plötzlich seh ich da was graues..! So am oberen Bildrand!"

Ich meine, klar. Eine graue Wimper. Das schockt. Da denkt man gleich, das wars. Das Ding ist durch. Ich bin alt. Ich bin eine alte graue Schachtel. Wenn ich jetzt zum Frisör gehe, sagt die Frisörin voller Abscheu und Weltekel: "Sagen Sie, Sie haben da was graues über dem Auge..! Ist das etwa.. eine graue Wimper!!?"

"Spotte du nur.. Ich weiß überhaupt nicht, ob ich mit jemanden reden soll, der um zehn Uhr morgens noch Abdrücke vom Kopfkissen im Gesicht hat. Du alter Penner."

Hm. Zehn Uhr schon? Der Hund muss raus. Es wird Zeit. Die Gräfin kommt zu meiner Überraschung mit vor die Tür. Kaum sind wir ein paar Meter unterwegs, Richtung Wald, bleibt sie stehen und jammert. Ich muss ihr den Nacken massieren. Sie hat neuerdings ständig diesen kühlen Nacken, „wahrscheinlich damit mein Gehirn nicht überhitzt. Die Synapsen.“

Eine Minute später, eine neue Theorie.

"Ich glaub, meine Nackenschmerzen kommen vom strengen Verhalten in meinem Gesicht."

Dabei ist ihr Gesichtsausdruck gar nicht streng. Nicht langfristig jedenfalls. A girl in trouble is a temporary thing. Es dauert in der Regel maximal 'ne Viertelstunde, schon betritt ein Lächeln ihr Gesicht. Da, wo es diesen freundlichen Mund gibt, mit der kakaofarbenen Perle oberhalb der Lippe..

„Perle? Das ist keine Perle, das ist eine plumpe Warze. Ich seh' aus wie eine alte Hexe. Reich mir einen Besen, und ich reite zum Blocksberg.“

Als ich mein Notizbuch heraushole und stehenbleibe, um irgendwas zu notieren, ist ihr das auch nicht recht.

„He, wir haben Sonntag, du alte Schreibschraube! Kannst du nicht wenigstens sonntags mal dein Schwitzbuch zulassen!“

Wenn sie schnell spricht, klingt Notizbuch aus ihrem Mund wie Schwitzbuch. Ich liebe es.

Am Abend, beim Zappen durchs TV-Programm, erwischt sie zufällig Heidi Klum, ihr Lieblings-Hass-Objekt. Da komm ich mal zum Luftholen, da bin ich mal außen vor.

"Ich weiß nicht, warum, aber die Klum macht mich aggressiv. Die möchte ich töten. Ach wo, nicht töten, die Tante soll nicht sterben.. die soll mit 'ner zerschnittenen Fresse durch die Gegend laufen."

Ich liebe es, wenn sie bösartig wird.

16.3.16 12:42





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