Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Kleine Anatomie des Schriftstellers

 

Gelbes Pferd - Malerin Eggert

 

Es hat Generationen gedauert, bis sich der heutige Typus des Schriftstellers herausgebildet hat. In früheren Zeiten gab es Geschöpfe mit bis zu achtzehn Fingern, die noch in der Nacht, während des Schlafes, am Tisch saßen und komplexe Essays verfassten, doch diese frühen Schreiber starben oftmals an Erschöpfung und Dehydrierung, sie setzten sich nicht durch.

Wie andere vielzellige Lebewesen auch, etwa die Pampahasenforscherin oder der Suffragettendarsteller, befindet sich der Schriftsteller heutiger Prägung nicht am Ende seiner Entwicklung. Einige anatomische Besonderheiten jedoch lassen sich festhalten.

Beginnen wir bei den Zähnen. Die Zähne eines Schriftstellers sind seine Sätze, sie sind sein Strahlen. Ein Schriftsteller, der einen während eines vertraulichen Hintergrundgesprächs nicht mindestens einmal volles Rohr anstrahlt, hat Dreck zwischen den Stecken. Ein guter Schriftsteller sorgt für seine Zähne. Putzt sie regelmässig, zeigt sie dem Lektor, lässt sie reparieren. Ist ein Schriftsteller, der seine Zähne nicht pflegt, demnach ein schlechter, ein verkommener Schriftsteller? Nicht notwendigerweise, nein. Aber man könnte es vermuten.

Kommen wir zu den Buchstaben. Ja, die Buchstaben, die ollen Lettern, sie sind die Blutgefäße jedes Schriftstellers. Sie bilden den Blutkreislauf. Das ist auch der Grund, warum ein erfolgreicher Schriftsteller niemals Blut spendet. Er würde sich nur ins eigene Alphabet schneiden - das wäre ja noch schöner. Das wäre ungefähr so, als würde der Fisch den ganzen See leersaufen und sich dann beklagen, dass kein Sprit mehr da ist, um mit seinen Kumpanen eine Runde Schwimmen zu gehen.

Der Plot einer Story ist in den Eingeweiden des Schriftstellers beheimatet und über den Körper verteilt. Hat der Schriftsteller für ein Projekt erst einmal den Plot gefunden, wird gewöhnlich ein Schlachtfest gefeiert. 

Das Lektorat sitzt in den Nieren und entgiftet den Text, bis die Pisse (die Story im ganzen) am Ende gut riecht und in Druck gehen kann.

Als Knochen des Schriftstellers bezeichnet man einzelne Kapitel seines Werks. Mal sind sie knackig-kurz, mal lang, mal gebrochen und schief und fehlgestellt, mal zusammengewachsen und gerade – immer ist es ein Sammelsurium voller Knorpel und Mark.

Gedichte, sie sind das Fingerspitzengefühl des Schriftstellers. Ein Schriftsteller, der nicht wenigstens hin und wieder in die Scheiße fasst, ist kein guter Schriftsteller. Schriftsteller ohne Scheiße an den Fingerspitzen verfassen gern regionale Sachbuch-Flops wie

Vom Tausendsassa zum Pflegefall

in nur 1 Woche

 

Kommen wir zur Blase. Die Blase ist dafür bekannt, noch jede Schreibhemmung zu beseitigen, seit sie sich den Ruf als Fluter jeder noch so stabilen Pisshemmung erarbeitet hat, wenn man sie zuvor nur ordentlich zur Tränke geführt hat. Dass das ganze nur logisch ist, ist eine Erfahrung, die viele Schriftsteller machen, die ihr halbes Schriftstellerleben auf dem Pisspott verbringen - ohne jemals zu müssen, zu können oder überhaupt zu wollenmüssenkönnen.

Das Herz eines Schriftstellers sind seine Worte, das Herz pumpt die unzähligen Buchstaben-Kombinationen durchs Geläuf. Doch Obacht. Das Infarktrisiko wächst mit Alter und zunehmendem Wortschatz. Besonders beim Gebrauch pseudo-männlicher Substantive wie Klappspaten und Personalrat macht es gern kurz piff (auch paff): Wortinfarkt. Dann heisst es behutsam den Wortschatz erneuern, auch mal weiche Begriffe einstreuen, keine Angst vor Feminismus, Sweetheart. Und ausserdem: Nichts klingt abgehalfterter als der Jargon deiner Jugend. Geht doch um nix!? Tja. Mag sein. Trotzdem, weg damit.

Im Unterbauch des Schriftstellers, nahe der Seele, ruht das Buch. Auch im digitalen Zeitalter ist das Buch das A und O jedes Schriftstellers. Warum? Das Internet gehört allen, es gehört der ganzen  Welt, ein Buch jedoch nur dir - dem Leser. Wer wollte das je toppen?

Die Lunge ist das Fenster zum Hof jeder Schriftstellerwohnung. Man sollte gelegentlich stoßlüften, aber nicht zu oft, da ein gewisser Mief unerlässlich ist für jedes gelungene Milieu.

Hab ich was vergessen?

Schamhaare!

Sind Gedankenstriche.

5.1.16 20:08


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