Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Ich möchte Hilfe schreien, doch ich sag hallo

1
Bisschen merkwürdig ist das schon, wenn dir jemand über den Weg läuft, den du das letzte Mal vor zehn Jahren gesehen hast. Erst ist man entsetzt, wie sehr das Alter dieses Gesicht schon zerschlagen hat, aber dann dauert es nicht mal eine halbe Minute und die Schlacke lichtet sich, das Gesicht, das man von früher kennt, schält sich Stück für Stück heraus und wird wieder jung.

Ich begegne der blonden Vera mit der Kleopatra-Nase, so spitz wie im Asterixheft. Hat mir mächtig imponiert früher. War edel und arrogant, immer ein wenig unfreundlich. Wie eine Künstlerin, eben. Schwarze Klamotten, kalte Schulter. Aber sie war keine Künstlerin. Einfach ein Mädel mit einer sehr spitzen Nase und dem festen Willen, sich im Leben zu holen, von dem sie glaubte, dass es ihr zustand.

Jetzt treffe ich sie vorm Kühlregal wieder.
"Siehst gut aus", sagt sie, eine Spur zu überrascht.
"Du auch", lüge ich.
Ihre Nase ist nicht mehr spitz. Sie hat an Spitze verloren. Sie ist total entspitzt.

Ich möchte Hilfe schreien, doch ich sag hallo.


2
Andi Meier, zehn Jahre alt, hatte Pfoten groß wie Pfahlbauten, er war ein Irischer Wolfshund, Schulterhöhe ein Meter zehn. Mit seinem Besitzer, einem dicklichen kleinen Versicherungsagenten, der nie viel Worte machte, sah man Andi Meier täglich seine Runden durch die Parkanlage drehen. Ein schräges Gespann, dieser kleine Mann und sein riesiger, würdevoll einherschreitender Hund, der sich nicht die Bohne um andere Hunde scherte. Die wiederum taten so, als hätten sie es mit einem Buddha zu tun und nicht mit einem Artgenossen. Andi Meier, der einzige Hund, der je einen Nachnamen führte.


3
Menschen begegnen einem, die sind nicht von dieser Welt. Die wirken wie reingeplumpst ins Bild. Als hätte der liebe Gott sein Füllhorn ausgeschüttet, doch am Boden klebte noch etwas Satz von der letzten Ausschüttung.

Nun aber schleunigst raus damit.

Ich inspiziere mit Frau Moll gerade die Korkenzieherbahn, diese hochmodern gefederte Stadttrasse, da sehe ich in einiger Entfernung diesen Typ. Steht da mitten auf dem Weg, Ausgang Eckstrasse, nahe den Bänken, auf denen die Penner sonst auf ihren käsigen Hornbrillen liegend ihren Rausch ausschlafen. Er steht da auf der Trasse und trägt feines Tuch. Ein schwarzes Reise-Sakko. Knitterarm. Das um so edler wirkt, je näher ich komme.

Er spricht in sein Handy, hält in der anderen Hand eine glitzernde Pulle Wodka, Wodka Gorbatschow. Ich erkenne es am Etikett, als ich ihn überhole, ich muss Eckstrasse raus. In kleinen organisierten Schlücken nippt er an der Flasche und trötet so plump und schwerfällig ins Mobiltelefon, als arbeiteten seine Stimmbänder noch mit alten Lochkarten. Mein Schritt verlangsamt sich bis zum Stillstand, so sehr verwirrt mich das Bild.

Es ist nicht mal neun Uhr am Morgen, der Himmel ist grau wie das Fell eines Esels, und da steht dieser exzellent ausrasierte Hunderttausendeuro-Penner im Sakko, so bügelfrei, als hätte er gleich DEN Business-Termin seines Lebens, während ich plötzlich sehr dringend mal groß muss.


4
Ich schaffe es nicht nach Hause. Ich scheisse in den Wald. Ist mir lange nicht passiert, aber wer so früh aus dem Haus geht, mit zwei Riesenbechern Espresso im Hals, der darf sich nicht wundern - ich wundere mich nicht, ich wundere mich viel zu oft. Ich wähle im Wald einen Abhang, damit der Scheißhaufen nach unten wegkullert und mir nicht womöglich noch am Hintern kitzelt. Ich kacke den Abhang runter, und Frau Moll läuft kläffend dem Bällchen nach. Es dampft beim Runterpurzeln.
4.1.12 17:45


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