Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Mägdelein

In der Bäckerei auf der Wupperstrasse arbeitete eine Verkäuferin, die war so dämlich, ich hatte schon keine Lust mehr, morgens Brötchen zu holen, weil ich genau wusste, gleich steht sie wieder da mit ihren Apfelbäckchen hinter der Kuchentheke und versucht witzig zu sein und kein Mensch lacht, weil es nichts zu lachen gibt.

Als ich sie das erste Mal sah, dachte ich noch: Donnerwetter, die kommt dir bekannt vor, die kennst du doch von früher - bloß, woher genau?

Während sie mit glühenden Bäckchen meine Bestellung kommissionierte, zwei Brötchen, vielleicht auch drei, fiel es mir plötzlich ein. Sie ähnelte verblüffend der Magd aus einem Pornoheft, das in den 80ern lange in meinem Besitz war, bis eines Tages der dicke Hansen zu Besuch kam.
"Ich hau mich ein Stündchen aufs Ohr", sagte er müde. Dabei muss er das Pornoheft entdeckt haben, in der Ritze zwischen Wand und Matratze, denn ich sah es nie wieder.

Wer ein Pornoheft eine gewisse Zeitlang in Arbeit hat, baut eine Beziehung zu den Figuren auf. Man hat schliesslich Sex mit ihnen. Immer denselben. Das verbindet. Die Magd fand ich besonders scharf, keine Ahnung, warum. Da waren jede Menge anderer Frauen, auch jede Menge Schwänze, die will man auch sehen in einem Porno, selbst wenn man anderen Schwänzen sonst nichts abgewinnen kann, ein Porno ohne Schwänze ist kein Porno.

Wie auch immer, die Queen in diesem Heft war und blieb für mich die Magd, bei der es mir zuletzt warm über den Handrücken lief.

Die Story spielte in einem Museum, wo riesige Gemälde mit Szenen aus dem bäuerlichen Mittelalter hingen. Es dauerte nicht lange, als plötzlich (unten auf Seite 1) Mönche, Burschen und Mägde aus den Bilderrahmen stiegen und es miteinander trieben. Bald nagelten nicht nur Museumsbesucher und blonde Putzfrauen munter mit, auch die pingelige Direktorin Frau Dr. Moesenlechner, zunächst empört, kaute sich ab Seite 3 durchs Fleisch.

Da stand ich nun Jahre später in der Bäckerei vor meiner Magd mit den Apfelbäckchen, die nichts zu ahnen schien von ihrer schmierigen Vergangenheit in meiner Phantasie. Hätte ich damals allerdings gewusst, was für einen Scheiss die Magd so sabbelt, wenn sie ihrem Brotberuf nachgeht.

*

Morgens, kurz nach acht, in der Bäckerei.
Sie: "Moin, moin!"
"Morgen." (Ich).
Sie, listig: "Zwei Brötchen?"
Ich: "Vier."
"Na! Oh!" Sie stopft zwei Brötchen in eine Papiertüte. "Meistens nehmen Sie aber zwei!"
"Mh, ja. Heut vier."
Sie grinst und nimmt zwei weitere Brötchen aus der Brötchenkiste.
"Stellen Sie sich vor, ich hätte jetzt nur drei statt vier in die Tüte getan! Ist mir mal passiert! Ein Kunde hat vier Brötchen gesagt, und ich tu nur drei rein!" Sie rollt aufgeregt mit den Augen. "War aber nicht so schlimm. Wir haben ja Gott sei Dank bis vier Uhr auf! Hahaa!"
Spinnt sie jetzt völlig? Ist sie jetzt komplett gaga?
Sie geht zur Kasse.
"Hundert Euro!" ruft sie munter.
Ich lege eine Ein-Euro-Münze auf den Tresen.
"Hey! Sie haben es ja passend! Wie wunderbar!"
Ich nehme die Tüte mit den Brötchen.
"Hier, sehen Sie! Ich kann auch die 50 eindrücken!" sagt sie, als ich schon halb draussen bin auf dem Gehsteig.
Ich dreh mich müde um.
"Fünfzig.. was?"
"Fünfzig Euro!"
"Mh.."
"Oder dreissig Euro! Ganz wie ich will!"
Herrschaftszeiten, die schämt sich auch für gar nichts. Erst als eine Männerstimme aus der Backstube barsch nach ihr verlangt, gibt sie Ruhe und wird um die Bäckchen rot, so, wie ich sie in Erinnerung habe. Zuhause hole ich mir in Seelenruhe einen runter.
1.8.11 12:02


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