Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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So einfach ist die Geschichte

"Wie gehts?"
"Gut", antwortete ich. "Glaub ich."
"Was denn jetzt? Glaubst du nur, dass es dir gut geht, oder geht es dir wirklich gut?"
Mann, der wollte es aber auch ganz genau wissen.
"Ja, mir gehts gut", sagte ich. "Weiss nicht."

Mittlerweile war ich fünfzig geworden und musste zunehmend feststellen, dass es mir am besten ging, wenn ich am Schreibtisch saß und meine Ruhe hatte. Es gab nur wenige Dinge, die mir auch nur annähernd so viel Befriedigung brachten, meistens hatte es dann mit der Gräfin zu tun. Seltsamerweise zählten auch die Besuche bei meinem alten Vater dazu. Seit meine Mutter gestorben war und er allein wohnte, schnappte ich mir mindestens zwei Mal die Woche den Hund und spazierte zur Schillerstrasse, wo wir bei schönem Wetter auf dem Balkon saßen und heißen Kakao aus großen Bechern tranken.

Das war mal anders gewesen, das war mal ganz und gar anders gewesen, und so lange war das noch gar nicht her, dass ich mit meinem Vater nicht viel anfangen konnte, weil wir uns in gewisser Hinsicht einfach zu ähnlich waren und nichts zu sagen hatten.

Doch nun saßen wir auf dem Balkon, der Hund lag im Schatten und schlief, und ich lauschte den Kindheitserinnerungen meines Vaters und konnte nicht genug davon kriegen. Alleine die Vorstellung, dass er eines Tages Mutter ins Grab folgen würde, machte mich traurig. Ich trauerte alten Zeiten hinteher, die noch gar nicht da waren. Hatte ich den Gipfel der Sentimentalität erklommen?

Jedenfalls, die Aussicht, das stand mal fest, war perfekt, vom Balkon aus, die Stadt zu Füßen.

Was sich ebenfalls geändert hatte, und das schon in den fünf Jahren, bevor ich fünfzig geworden war: dass ich einen Schreibtisch, davor ein Mann auf einem Drehstuhl, plötzlich nicht mehr sterbenslangweilig fand.

Natürlich, als wir jung waren, ich meine richtig jung, da gab es sowieso nichts größeres als sich auf das Wochenende zu freuen, auf die ganze Abfeierei, ein Live-Konzert in Dortmund, einen Acidtrip oder einfach aufs gemeinsame Herumlungern unter Kumpels, darüber ging lange Zeit nichts, gar nichts. Nicht mal die Freundin konnte da mithalten, der beste Sex musste warten bis die Kumpels nach Hause gegangen waren, obwohl es ja, wenn man unter Jungs war, meist nur darum ging, eine Alte klarzumachen. Da hätte man eigentlich auch gleich mit der eigenen Freundin was unternehmen können, mit nem Piccolöchen und ner Waldgitarre, aber so einfach war die Geschichte nicht.

Zur Geschichte gehört immer auch der ganze Irrsinn in den Backen mit ner Pulle Wodka und einem Gramm dünner Türkenplättchen, der sich beim Bröseln wie ein Federkleid aufplustert und großes Zauberhaschisch wird, mit einer Yellow Sunshine, einer Nase Koks und Rauschen im Kopp bis endlich alle nach Hause wanken und den Kühlschrank plündern.

Das war soweit auch in Ordnung gewesen, doch die Jahre zwischen 30 und 40, die hatte ich verkackt. Hemmungslos und transusig in den Sand gesetzt.
3.6.11 10:54


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