Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Das tut weh, das tut gut, so ist das

Kaum kriegen wir kurzfristig vermehrt Besuch, schon träumt sie davon, das Haus niederzubrennen und inkognito weiter zu leben.

Wir sind Autisten, wir wollen so viel wie möglich von der Welt mitkriegen, ohne groß von ihr behelligt zu werden. Je schneller die Leute von einem Reiz zum nächsten springen, desto weniger mögen wir mitmischen.

"Am besten, wir schleichen uns in eine betreute Aussenwohngruppe ein, damit wir den Kopf frei haben für die wirklich wichtigen Dinge", meinte die Gräfin schon in den bösartigen 90ern.

"Dann sind wir Königin!"


*
"Haben Sie noch mehr? Andere Sachen?" fragte die Frau.
Sie arbeitete als Lektorin bei einem großen Verlagshaus und hatte die Stories gelesen, die ich ihr geschickt hatte, und sie hatte meinen Blog abonniert. Wir saßen draußen vorm Cafe. Wind kam auf.

"Noch mehr? Was meinen Sie?"
"Nun ja, was anderes halt.. Andere Themen."
Andere Themen? Meinte sie Hobbies, über die ich schreiben könnte? Ausser mit dem Hund rausgehen?

"Fußball", sagte ich schließlich, "hat mich früher interessiert."
"Fußball? Ja, da ist eine Geschichte von Ihrem Trainer, die ist gut, aber mehr hab ich zu dem Thema nicht gefunden."
"Moment, da ist aber noch eine", protestierte ich. "RSV, heißt die. Da gehts auch um Fußball. Da kommt mein Trainer auch vor. Und andere Trainer."
"Ach ja, richtig. RSV. Stimmt. Gut. Sonst nichts?"
"Was meinen Sie, sonst nichts.. von Fußball?"

Der Wind kroch durch ihr dunkles Haar, wie ein Volvo in der Tempo 20-Zone. Leute stiegen aus und guckten sich um. Wo sie gelandet waren. Auf welchem Stern. Wo waren die langbeinigen Frauen? Da stand ja nur ein Schreibtisch. "Los, weg hier!" rief der Fahrer.

"Ja, zum Beispiel Fußball..", sagte die Frau vom Verlag, und schüttelte sich. "Ach, ich weiß nicht. Das müssen Sie wissen, Sie sind der Autor. Ob da Themen sind, die Sie noch gar nicht angesprochen haben."

Verdammt. Ich hatte keine Hobbies. Ich war mein eigener Parteichef. Ich saß auf der Stube, die Uhr blickte von der Wand hinab, und schlug.

Ich weiss auch nicht, dachte ich.

"Popmusik", sagte ich, "interessiert mich.. nicht mehr."
Natürlich konnte man darüber schreiben, wie lächerlich all die 40, 50, 60jährigen aussahen, die immer noch "yeah!" und "uuuhuuh!" machten und auf dem Finger pfiffen, wenn vorm Konzert von Sting das Licht ausging. Aber das gab ja auch nur einen Absatz. Nein, ich hatte nur mich zu bieten. Einen Mann ohne Hobbys, Schuhgröße 43. Je nachdem, wie der Schuh ausfiel.
13.5.11 10:24


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