Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Höürt ens, Solingen!

Das Hüört Ens war eine Pommesbude aus dunklem Holz am Werwolf, nahe der heutigen Eislaufhalle, und eine Legende. Die Pommes waren so heiß, dass sie einem den Gaumen verbrühten. Sie wurden in spitz zulaufenden, dreieckigen Papiertüten verkauft, wie man es aus Holland und Belgien kannte. Starke, kräftigende Pommes waren das, die in Fett blubberten. Wenn ich eine Tüte Hüört Ens-Pommes auf hatte, fühlte ich mich wie geimpft gegen Masern und Pocken, man war wie aufgepumpt. Das waren echte Popeye-Pommes, ein den Gaumen verbrühendes Maulkonzert, eine kräftigende Angelegenheit.



Außer meinem Freund, dem Stiller Teilhaber, treten erstmals auch seit vielen Jahren S.Y.P.H. in Originalbesetzung in ihrer Heimatstadt Solingen auf.

..

Zweihundert Meter die Schützenstrasse rauf lag der Keller, die Kneipe mit Programmkino, die wir im Spätsommer 83 für einen Abend buchten. Wir nahmen fünf Mark Eintritt. Karlos las ein paar Gedichte von mir, die wir mit Musik und Sounds unterlegten. Ich saß im Hintergrund am Kassettenrecorder, den Finger an der Pausentaste und ständig auf der Hut, dass ich den Einsatz nicht verpasste, wenn das nächste Gedicht, DIE FISCHANGST MEINER HÄNDE, mit einem jazzigen Stereo-Geräusch aus der Frittenbude unterlegt wurde.

Vierzig, fünfzig Leute saßen in den verschossenen Sesseln des Programmkinos, darunter auch Harry Rag alias Peter Braatz, Sänger der Punk-Legende S.Y.P.H., kurz bevor er nach West-Berlin ging und Film studierte. Noch heute, wenn er auf Heimatbesuch ist und mir alle neunzehn Jahre über den Weg läuft, erinnert er sich an diesen Abend.

"Ihr habt doch damals die Doors-Lesung gemacht.."

"Hm, ja", nicke ich dann, obwohl die Musik der Doors kaum eine Rolle spielte. Was Braatz meint war die düstere Atmosphäre, die den Abend ausmachte. Dass ständig die Möglichkeit bestand, auf seinen Mörder zu stoßen. So Doors eben. Nur dass es nicht wie bei Jim Morrison und Ray Manzarek um eine Million Dollar am Strand von Venice ging, sondern um einen Heiermann Eintritt an der Schützenstrasse, und fischige Finger an der Pausentaste.

S.Y.P.H. bekamen in den frühen Achtzigern eine Titelstory in der Musikzeitschrift Sounds. Der Redakteur hatte Peter Braatz zu Hause besucht, Ergebnis war eine Homestory inklusive Fotostrecke in Deutschlands führender Popgazette, und das für einen dicken rothaarigen Flegel von nebenan. Es hat mir so mächtig imponiert, die Ausgabe lag monatelang neben meiner Matratze.

*
Die CD zur Party: Songs aus Solingen, mehr dazu im im Studio Glumm.
2.10.10 12:58


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