Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Wilddiebe

Als wir am ersten Advent früh zum Waldspaziergang aufbrachen, wusste weder der Fuchs, dass er gleich einen Tannenzapfen abbekommen würde, noch wusste die Gräfin, dass sie einen Tannenzapfen werfen würde. Nicht, um einen Fuchs zu treffen, der gerade seine Nase aus seinem Bau streckte, sondern um im von herbstlichen Farn überwucherten Dickicht ein Karnickel aufzuscheuchen, für den Hund.

Was mich betrifft, ich hab von all dem überhaupt nichts mitbekommen. Ich stand ein paar Meter hinter der Gräfin, in der schattigen Tannenschonung, und machte mir gerade eine Notiz. Wir hatten zuvor ein bißchen rumgealbert, dass Frau Moll, wäre sie Schriftstellerin, vermutlich ein schonungsloses Enthüllungsbuch auf den Markt drücken würde, "Was ich gerne aß und wen ich gerne jagte (und dann aß)".

Das waren exakt die Zeilen, die ich im Notizbuch festhielt, als die Gräfin, drei Meter entfernt, rief: "Guck mal. Ein Fuchs." Ganz unspektakulär kam das rüber, nicht so eindringlich wie sonst, wenn etwas Fantastisches geschieht, das ich mal wieder nicht mitkriege, weil ich die Nase im Notizbuch hab.
Es kam sogar so unaufgeregt rüber, dass ich zunächst zu Ende schrieb, das Notizbuch einsteckte und erst dann zu ihr aufschloss.

Und da war alles schon vorbei.

"Ich hab gerade einem Fuchs einen Tannenzapfen auf den Deetz geworfen..", sprach sie verdattert. Frau Moll sprang ums Dickicht herum, ohne genau zu wissen, warum. Sie hatte den Fuchs auch nicht gesehen. Sie hatte grade woanders hingeguckt, als der Fuchs aus seinem Bau getreten war, spürte aber nun am Klang der Stimme ihres Frauchens, dass etwas Unerhörtes geschehen sein musste. Sie hat ja feinere Ohren als ich. Sie hört verärgert die Croissantkrümel in den Staubsaugerbeutel einsickern während ich sauge.

"Ein Fuchs?" sagte ich.
"Ja, ein Fuchs..! Erst hab ich ihn für einen riesigen roten Kater gehalten, aber dann hat er sich geschüttelt, ganz verdutzt, seit wann regnet's Tannenzapfen vom Himmel? Ist doch Sonntag! Aber als er sich dann umdrehte und mich taxierte, erkannte ich ihn. Groß wie ein Hund und eine Farbe wie der Farn um ihn herum. Und dann ist er in seinen Bau verschwunden, in aller Seelenruhe. Ohne jegliche Hast."

Wir entfernten uns von dem Dickicht, den Abhang hoch, und warteten. Lagen geduldig auf der Lauer, wie Naturfilmer, doch der Fuchs, schlau geworden, ließ sich nicht mehr blicken. Dafür preschte Frau Moll mit einem Mal los. Ein Karnickel hatte sich entschieden, den ersten Advent für etwas Lauftraining zu nutzen und fegte über die Lichtung, Frau Moll jaulend hinter her.

Wir hörten das Knacken von Zweigen, das Umnieten von Sträuchern, das sich immer weiter entfernte und von den weiten Wupperbergen zurückhallte, doch plötzlich schien die Karnickeljagd in eine wilde Rehhatz überzuwechseln. Erfahrene Hundehalter erkennen das am Grad der Erregung ihres Hundes, auch aus weiter Entfernung: Das Gejaule erinnert mit einem Mal an einen durchdrehenden Truthahn.

Wir riefen Frau Moll zurück, wir brüllten ihr hinterher, aus entschlossener Lunge, und weil sie gut erzogen ist, brach sie die Jagd tatsächlich ab und kam mit über den Boden schleifender Zunge und das Fell verklebt mit Kletten und Zweigen aus dem Wald getrottet.

"Alter Wilddieb", lobten wir sie dafür, und sie freute sich.

Es war allerhand los in den Wupperbergen. Keine dreihundert Schritte entfernt vom Fuchsbau trafen wir auf einen Mann, der verzweifelt auf der Hundeflöte spielte. Sein Jagdhund hatte ebenfalls die weiße Witterung eines Kaninchens aufgenommen und war nun über alle Berge, und über uns schwang sich ein mächtiger Bussard von Baum zu Baum, souverän lächelnd.

"Ein richtiger Wildbretsonntag", leuchtete die Gräfin. Sie hatte dem einzigen Fuchs weit und breit einen Tannenzapfen auf den Pelz gebrannt.

Pock.
1.12.08 10:10


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