Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Zeit für einen kleinen trägen Eintrag im Pop-Album

Der Althippie in unserer Nachbarschaft, der uns seit Jahren mit Oldies versorgt, ist in diesem Sommer ganz besonders aktiv. Sein CD-Spieler läuft so rund, dass die Gräfin schon genervt mit den Augen rollt, wenn sie von der Küche aus in den Garten guckt, wo der Althippie sein Blockhäuschen hat, hinter der halbhohen Hecke, und Cat Stevens hört.

Ich wusste lange Zeit nicht, wie er überhaupt aussieht, weil er immer nur im Gartenhäuschen hockt, bis spät in die Nacht, hinter der Hecke, und Musik hört. Jetzt weiß ich, wie er aussieht. Er ist mir über den Weg gelaufen. Das hätte er besser nicht getan.

Ich hab ihn mir mit langem verwuschelten Haar vorgestellt, ein bißchen übrig geblieben, ein Donovan. Ein Cat Stevens, der morgens neben seiner toten Geliebten erwacht, Lady d'Arbanville. ("She looks so cold tonight.")

Stattdessen sieht er aus wie ein Metallfacharbeiter Ende vierzig, das Gesicht auf Rechteck gestanzt, mit Vollbart.
Ich hätte ihn besser nicht gesehen.

"Mh? Isn das fürn Fertigen?" fragte ich die Gräfin, als wir morgens den Kannenhof hoch schlappten und sie von jemandem begrüßt wurde.
"Na, unser Hippie", sagte sie leichthin.
"Unser Althippie??"
"Ja."
"Du Scheiße."

Dabei nervt mich seine Musik gar nicht. Im Gegenteil. Erstens spielt er sie nicht besonders laut, und zweitens ist es genau die Musik, mit der ich aufgewachsen bin: Glitter Rock. Paranoid. The Slade.
Suzie Quatro.
Groovin' with Mr. Bloe.

Manchmal bin ich richtig gespannt, welche Nummern heute laufen, und ab und zu überrascht er mich mit einem Titel, den ich Jahre nicht mehr gehört hab.
Ach was, Jahrzehnte.

"SCHORSCH! MACH MA LAUTER!" ruft der andere Nachbar, der mit den unzähligen blonden Blagen und den beiden schwarzen Pudeln, kleinen Fotzenleckern, die immer in unseren Garten würsteln. "WAT IS DAT NOCH MAL, HÖMMA!?"

Kann ich dir sagen, was das ist, das ist eine dösige Instrumentalnummer aus den 70ern, die mich auch an irgendwas erinnert, aber ich weiß nicht an was.
Schorsch hat auch keinen Plan.
"WEISS NICH, HÖMMA! MUSS ICH GUCKEN!"

Es ist Anfang September, 27 Grad am Nachmittag. Die Nachbarskinder kicken den Fußball hoch in die Bäume ("SCHIESS MA' FESTER, JAN-CHRISTOPHER!"), wo sie ihn nicht mehr runter kriegen, weil die Äste zu dicht sind. Sind ja nicht alle Bäume wie unser Essigbaum, der im Spätsommer da steht wie eine spärliche Grafik.

Und dann läuft ein weiteres Instrumental, so Soundtrack-Musik der 70er.
Ich tippe auf Lalo Schifrin. Black Widow. Oder so.

"MACH DIE HOSE WIEDER ZU, JAN-CHRISTOPHER! ABER GANZ SCHNELL!"

Manchmal setz ich mich spätabends auf eine letzte Zigarette in den Garten, im Dunkeln, wenn die Grillen zirpen, als wären sie zu Besuch: Aus Nizza, und lausche dem Metallfacharbeiter, wie er leise seine Lieblings-Songs mitpfeift.

Letztens lief Steve Harley, live. Wo im Publikum alle mitsingen, in England 1976.
Da kamen mir ein bißchen die Tränen.

"HALLO!" ruft der kleine blonde Nachbarsjunge zu mir rüber, und winkt.
"Hallo", sag ich.

Das scheint ne reine Instrumental-CD zu sein.
"SIND NUR SERIEN DRAUF!" ruft der morsche Fachhippie durch den Garten. "IST ALLES DRAUF: DALLAS, FURY, CLARENCE, DER SCHIELENDE LÖWE! UND HIER, BONANZA!"

Die Cartwrights reiten ein! Der dicke Hoss und seine Brüder! Nichts wie weg hier!

(Einmal lief sogar "Long cool woman in a black dress" von den Hollies. Einer meiner absoluten Lieblingsrocksongs mit 14, und bestimmt zwanzig Jahre nicht mehr gehört.)

Die Hollies waren eine komische Band. Haben ne Menge übler Schnulzen versemmelt, und dann wieder so Kracher rausgehauen wie "The Day that Curly Billy shot down Crazy Sam McGhee" und natürlich: "He ain't heavy, he's my brother", die Hymne aller kleinen Brüder dieser Erde, die ihre großen Brüder verehren. Wie es sich gehört.

Ich hatte die Single. So. Ich geh mal rein.
2.9.08 09:14


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