Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Kinder, es wird Herbst in der Stadt

Immer, wenn es kühl wird und der Herbst hält Einzug, kommen sie einmarschiert. Es ist keine Invasion, es sind nur einzelne Exemplare, aber sie sind groß und fies und ich hasse sie: Kellerspinnen.

Ich meine, können die nicht draußen bleiben und ab und zu durchs Fenster reinkucken wie andere Wesen auch? So ein Mäusebussard zwängt sich ja auch nicht im Sturzflug durch unseren Abfluss, um hier zu überwintern.

Ich weiß bis heute nicht genau, wie die Viecher es in unsere Wohnung schaffen. Ob es irgendwo versteckte Tunnelsysteme gibt, die direkt aus dem Keller in mein Zimmer führen, ob sie in Rififi-Manier durch den Ablauf der Badewanne einsteigen oder ob sie das struppige Fell von Frau Moll als trojanisches Pferd nutzen.

Vermutlich kommt die eine da her, die andere dort raus, und wieder eine andere ganz anders rein.

Eben bin in der Wohnküche, in der ein altmodischer Berber-Teppich liegt, mit Karos und Sternchen gemustert, und wundere mich zunächst, warum dieses kleine Karo von einem Ort zum anderen wandert, bis es plötzlich die Küche verlässt und über den Holzboden flitzt, der durch die Diele in mein Zimmer führt!
Verdammt!
Was ein Vieh! Wäre es ein Rassehund, es hieße Hasso von Pock und hätte eine Stimme wie Pavarotti, nur fieser! Mit Haaren drauf!
Ein durchgeknallter General!

Ich die Zeitung zur Waffe gerollt und hinterher, Frau Moll im Schlepptau. Sie hat zwar nicht mitgekriegt, worum es geht, weil sie mal wieder wie eine ägyptische Wächterkatze vor dem Elektro-Herd liegt, der ja offensichtlich das Zentrum unserer Mahlzeiten darstellt und Tag und Nacht bewacht werden muss, doch angestachelt vom plötzlichen Towubawohu läuft sie mit der Schnauze den Boden entlang und bläst zum Halali!
Es wird Herbst, sie kennt das Spiel.
"KRIEG DAS VIEH!" schreie ich.

Nein, ich schäme mich nicht: Was fette Kellerspinnen angeht, bin ich ein volleres Weib als die Gräfin. Die mag die Viecher zwar auch nicht, besteht aber darauf, sie vorsichtig in einer Schachtel einzufangen und vor der Haustür auszusetzen.
"Die sind doch ruckzucki wieder in der Bude!" sag ich jedes Mal, aber das gilt nicht.
"Was soll so eine kleine Spinne dir schon großartig antun?"
Kleine Spinne. Ja genau!
Ha!

Aber die Gräfin hat ja auch gut reden: Sie steht unter der Dusche. Sie hat Glück. Ich nicht. Ich steh in meinem Zimmer und hab die Kellerspinne aus den Augen verloren.
"SCHEISSDRECK! WO IST DIE SAU?!"

Die sind flott, die Burschen. Ende August kann es ihnen nicht schnell genug gehen, dass sie ein warmes Plätzchen ergattern hinter meinem Bett, wo sie in der Nacht, wenn die Luft rein ist, aus ihrem Versteck krabbeln und ein bißchen Gassi gehen über mein Gesicht.

Da ist die Sau! Flitzt frech über den Boden, wie von einem Flitzebogen abgeschossen. Als ich punktgenau zuschlage, mit dem eingerollten SPIEGEL, macht es PAZAKKOO!!! und die tote Spinne reckt ihre dünnen Beine in die Höh' wie eine beim Hotel-Sex überraschte Spitzenpolitikerin. Welch ein widerwärtiges Exemplar! Da würde selbst die Gräfin getrost zusammenbrechen unter ihrer vierzig Grad heißen Brause!

"Glummi!" ruft sie. "Cremst du mich mal eben ein?"
"ÄHH..! MOMENT!"
"Was ist los?"
"ÄHH.. NIX!"
"Warum brüllst du dann so?"
"NUR SO!"

Schnell weg damit, in den Müll. So. Alles klar. Und jetzt schnell der Blaublütigen den Rücken eingeseift, als sei nichts geschehen. Jedenfalls kein Lebewesen geplättet.

"Hast du sie erwischt?"
"Hm? Wieso..? Was meinst du? Wen erwischt?"

Frau Moll steht hinter mir, die Schnauze auf den Wannenrand abgelegt, am hecheln. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine das Wort Blödmann in ihrem Köpfchen zu lesen, wo doch eigentlich nur Platz für drei Worte ist: Fressen, Rausgehen, Leckerchen. Na schön. Und Blödmann.

Blödmann auch.
27.8.08 15:53


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