Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Es muß diesen Weg gehen

I.
Der Nachmittag wird allgemein unterschätzt, als bloßes Transportmittel zwischen dem Mittag, wo als Tagesmenü eine schöne Linsensuppe gereicht wird, in der man stöbern kann wie in einem kleinen See, und dem Abend, wo es los geht, sexy zu werden, dabei geschehen die wichtigen Dinge grundsätzlich dazwischen.

Das ist Gesetz.
Da wäre etwa die Geburt der Gräfin.
Damals.

"Wann bist du..?"
"Halb fünf."
"Und was war das für..?"
"Mittwoch."
"Wetter?"
"Nieselregen."


II.
Ich mag so lapidare kurze Auskünfte.
Je selbstbewußter jemand ist, desto weniger redet er. Und wenn er mal was sagt, dann garantiert was anderes.

Doch Moment. Es gibt Quasselköppe, die holen ohne Ende Perlen aus ihrer inneren Quassel-See nach oben, ohne es zu merken.
Dass es Perlen sind.
So ist es mir am allerliebsten.

Man muss natürlich auf der Hut sein. Nicht jeder, der viel quasselt, züchtet Perlen, ohne dass er davon weiß, und nicht jedes stille Wasser wartet nur darauf, was garantiert Wichtiges zu sagen.
Ehrlich gesagt, die meisten stillen Wasser sitzen einfach nur still, sonst nichts, in der Ecke.

Ihr seht, das Leben ist mir ein Rätsel.

Das Leben ist für mich wie unser Hund, der einen wuscheligen 70er-Jahre-Familienhund-Körper hat, den jeder mal krabbeln und anfassen möchte, doch er selbst verbittet sich jede Berührung mit weit aufgerissener Schnauze und zwei Fangzähnen.

Schön, Hunde und Frauen, die am Nachmittag geboren wurden, sind ein anderer Menschenschlag.
Meine Beobachtung: je älter diese Frauen werden, desto zielstrebiger kriechen sie täglich gegen 15 Uhr wie eine Verdurstende dem Nachmittags-Schläfchen entgegen.

"So ein Schläfchen am Nachmittag, das ist wie ein kurzer Schritt ins Jenseits, als verließe man die Welt und kehre nach einem Stündchen wieder zur Erde zurück. Als würde einem ein zweiter Morgen geschenkt. Na ja, ein kleiner zweiter Morgen. Die kleine Tante vom Morgen."

Ja, die Gräfin.
Für solch eine Einsicht kauft man als junger Mensch noch LSD in mittleren Dosen.


III.
Dass ich mich auf Geheiß der Gräfin bis auf weiteres nicht mehr waschen darf, hat sich an meinem Arbeitsplatz im Institut bereits rumgerochen.

Im Rahmen ihrer Ständigen Feldforschung am Mann, Stäfelama, will sie den Beweis erbringen, dass es möglich ist, die körperliche und seelische Verfassung eines Mannes alleine an seinen Gerüchen abzulesen.
Da würde eine Dusche nur stören, das Ergebnis verfälschen.
Zähneputzen hat sie knirschend gestattet.
Danke.

"Ich freu mich schon auf heute Nachmittag", reibt sie sich die Hände.
Sie betreibt ihre Ständige Forschung stets gegen 16 Uhr, wenn ihr zweiter Morgen beginnt, die kleine Tante vorfährt.
Ich muss ganz still sitzen, wenn sie an meinem Ohr schnüffelt.
Viertelstunde, zwanzig Minuten.

Ohren scheinen besonders tiefe Ergebnisse zu liefern.
Für mich klingt es, als schnaufe ein Igel hinterm Zelt.
"Mmmoff... Moooomf..."

Ich hab keinen Schimmer, was da ungewaschen aus Körperausgang A heraussprudelt, wie mein linkes Ohr in ihrem Formular heisst, doch ihre Interpretation ist verblüffend exakt.

"Du hattest einen sehr, sehr entspannten Tag."
Ich kuck sie zweifelnd an.
"Na, nicht in deinem Kopf, du Hirni!" sagt sie, "ich meine, dein Körper war heute sehr relaxed."
Na schön.
Jedenfalls, das ganze ist für Männer, die mal 10 Tage ohne Lotion und Shampoo auskommen können, perfekt.


IV.
Am späten Nachmittag laufe ich zu großer Form auf.
Samstag-Nachmittags sind wir auf eine Lesben-Party eingeladen. Ich mag die beiden Lesben, die uns eingeladen haben, aber nicht diese 20köpfige Hardcore-Fraktion, die am Tisch sitzt wie eine einzige kurz geschorene Militär-Lesbe mit bösem Blick.
Für die hab ich einen schönen Ochsenziemer eingepackt, den ich um 17.30 präsentieren will.

Doch als wir endlich ankommen, ist es schon Abend, und es geht hoch her.
Bockbier läuft, und Daliah Lavi's "Oh, wann kommst du", und ich steig gutgelaunt ein, den Ochsenziemer im Wagen vergessen.


V.
Nachmittags, das Telefon.
Die meisten guten Nachrichten kommen um diese Zeit, die anderen auch.

"Da sind eindeutig zu viele Fäkaltexte drin", stöhnt die Lektorin vom großen Verlag, der ich zum zweiten Mal hundert Seiten geschickt hab.

Die ersten hundert Seiten waren okay, die zweiten waren es nicht. Keine Ahnung, warum ich die überhaupt verschickt hab. Vielleicht hoffte ich unbewußt, dass im Fahrwasser der ersten Sendung die zweite untergeht.

Gut, hat nicht hingehauen. Die Lektorin ist ein alter Hase, dem man keine zwei vor ner hundert machen kann. Das merkt der. Der Hase hat erfahrene Löffel, der hört im Papier rascheln, was Geld bringt und was nicht, auch wenn das gar nicht mehr auf Papier rüberkommt, sondern elektronisch, per Email.

"Nein, da sind zu viel Fäkaltexte drin. Das kann man einem größeren Publikum nicht zumuten."
Scheiße.
Ich will ne Mark machen, ich will ein großes Publikum. Und wenn die Lektorin meint, ich müsse den Leser, wenn ich eine Art Roman schreibe, mehr an der Hand nehmen, dann leuchtet das ein.

Und wenn sie meint, dem Text fehle es an einer Art Klammer, die alles zusammenhält, dann hat sie damit Recht.
Doch wenn sie mir an die Sprache will, an die Fäkalsprache..
Was kann ich dafür, dass ich deutsch bin und analfixiert.
Ich liebe diesen Zustand, wenn es aus dem Leib herausflutscht, und man weiß:
Es muß diesen Weg gehen.

Ich hab im Schnitt nur alle zwei, drei Tage Stuhlgang, meist am Nachmittag, jawohl, das ist wahr.
Das ist ein Relikt aus meiner Kindheit, als ich meine Haufen partout nicht hergeben wollte. Ich hab sie oft extra lang im Darm behalten und wieder zurückgeschoben und wieder kommen lassen bis kurz vorm Ausgang und dort gehalten, so lange es ging, ich fand das ungeheuer sexy.
Da kribbelte die Rosette.


VI.
Einmal hab ich es nicht mehr halten können. Das war in jenen Tagen, als ich noch mit meiner großen Schwester zusammen in die Wanne stieg, freitagnachmittags.

Ich schätze, da war ich fünf und sie 11. Oder schon 12.
Und plötzlich schwimmt da an der Wasseroberfläche dieser Brezel.
"Iiih! Du Sau! Ich glaub, es hackt!"

Hättet ihr meine Schwester mal hochspringen sehen sollen, nackig, wie der Herrgott, der Schuft, sie schuf, (auch am Nachmittag).
Sie hat nie mehr mit mir gebadet. Nicht mal nachts.
2.10.07 08:54


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