Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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BEINE IM VERLAUF

Der Geschäftsführer ist ein bisschen übervorsichtig. Er kommt runter in die Bibliothek und drückt mir zwanzig Euro in die Hand, und ein Döschen Kaffeesahne. Da heute Mittag Instituts-Sitzung ist, bittet er mich zwei Gebäckmischungen zu holen, "und hier so Kaffeesahne, sagen wir.. dreissig Stück."

Schön, dass er einen Prototyp mitgebracht hat. Ich hätte sonst nicht gewusst, was das sein soll, Kaffeesahne. Vermutlich hat er eine unruhige Nacht hinter sich: ob ich den Glumm wohl Einkaufen schicken kann? Was macht der überhaupt hier? Wo treibt der sich immer rum?
Und was sind das für lauter 500beine im Internetverlauf?

Beim Gebäck soll ich aufpassen, sagt er. Wegen dem Geld. (Das sagt er nicht.)
Er sagt:
"Holen Sie ganz normales Gebäck, nicht so.. Bahlsen. Obwohl, Bahlsen ist ja ähm normal. Na ja, Sie wissen schon. Nicht so High End."

Der Supermarkt am Grünewald ist wie ein Mammut. So ein Riesenteil, wie es das in Frankreich seit Jahrtausenden gibt: Einkaufspfade wie Chausseen, und in den Regalen lauern die Sonderangebote wie Stoßzähne. ("Mama, schlitzen die einen auf, wenn man nichts kauft?" "Still, Kind..!")

Jetzt am Vormittag ist es ruhig.
Als ich zur Kasse gehe, steht da der Manfred.
"Hallo!" sag ich überrascht. "Lange nicht gesehen."
"Guten Tag", grüßt Manfred zurück.
Ein braver, kleiner Mann, der Toupet trägt.

Ich kenne ihn seit 1986, als ich mit Karlos am Kannenhof einzog. Da hatten wir noch Ofenheizung, und durch den Schornstein konnte man die Sterne sehen.
Nicht ganz so weit oben, in der Wohnung über uns, lebte Frau Fischer mit ihren roten Apfelkornbäckchen.
Eine schwere Asthmatikerin.

Schon am ersten Tag stellte sie uns Manfred vor.
"Das ist Manfred", sagte sie. "Mein Gärtner."
Ein schöner Gärtner war das. Nie im Garten zu sehen, aber jede Nacht in ihrem Bettchen, und montagmittags sahen wir ihn die leeren Apfelkornpullen zur Mülltonne bringen.
Er hatte ganz schön zu stopfen.
Manfred, der Liebhaber. Der Apfelkorngärtner.
Kein Gartengärtner.

Frau Fischer mochte uns nicht besonders, mich und Karlos. Erst glaubte sie wohl, wir wären zwei Homos, die dem tadellosen Apfelkornruf des Hauses schaden könnten, doch als die ersten Frauen bei uns ein-und ausgingen, änderte sie ihre Meinung und rief uns Hottentotten, weil wir im Sommer die nackten schmutzigen Füße zum Fenster raus baumeln liessen.
"WIE DIE HOTTENTOTTEN!" brüllte sie.

Ihre Stimme war Adrenalin auf die asthmatische Art, vor allem wenn sie nach dem Gärtner rief:
"MAMMMMMM FREEEED!!" hallte es durchs Haus.
Dann hörte man eiliges Getrappel.

Der kleine Mann guckt zu Boden. Er traut sich nicht mich anzugucken. Weil ich Teile seines Früher kenne? Ist doch egal, Mamfred.
Ich mustere sein Toupet. Es sitzt gut. Im Gegensatz zu früher, wenn er aus der Kneipe heimkehrte und den Schlüssel nicht in die Haustür kriegte.
Dabei bumste er gegen die Haustüre, bis die Gräfin, die mittlerweile an Karlos Stelle eingezogen war, es nicht mehr mitanhören konte.
"Jetzt geh doch mal nachsehen", sagte sie genervt. "Das schafft der nicht allein. Der ist viel zu blau."

Wenn ich dann rausging, um zu helfen, saß Manfred zusammengesunken auf dem Treppchen, zyanidblau angelaufen, das Toupet verrutscht, es hing ihm halb im Hemdkragen.
Er ähnelte einem beschädigten kleinen Rhinozeros.

"Tschühüss", flötet Manfred, als ich jetzt tschö sage, im Supermarkt.
Bis zum nächsten Mal.
Ich bringe die Gebäckmischungen ins Institut, und drei mal zehn Döschen Kaffeesahne.
1.2.07 06:10


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