Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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DEINE ANGST IST NICHT CHEF

"Bildhübsche Mischlingswelpen abzugeben" stand in der Zeitung.
Als wir die angegebene Adresse anfuhren, wurden wir von einem übermütigen Geschwader empfangen. Alles stürmte und wuselte durcheinander, fiepende kleine Fellknäuel, das ganze Haus war in Bewegung.
"Wie ein kleiner Dattelhain!"
Ja, süß.
Bis auf Käptn Enno und Frau Moll. Die waren anders.

Frau Moll, noch ohne Namen, natürlich, war schüchtern. Verkroch sich im untersten Fach eines Standregals, wo die Gräfin sie nur zufällig entdeckte, als sie einen anderen kleinen Pisser verfolgte.
"Och, guck mal, der hier!" kam sie quietschend auf dem Parkett zum Stehen.
"Das ist eine Sie", wurde die Gräfin prompt berichtigt, von dem Pärchen, das den Wurf zum Kauf anbot.

Die noch namenlose Frau Moll hatte ein weißes Kreuz auf der Brust, was ihr eine gewisse Religiösität verlieh, und eine drollige schwarze Gardine am Hintern.
"Je nun.. sie hat eben Durchfall gehabt", stellte das Pärchen die Herkunft klar.

Ich persönlich setzte sowieso mehr auf Käptn Enno, der schon seinen Namen weg hatte. Eine hässliche Krücke, der das Fell in tausend Richtungen wegstand, als hätte sie gerade einen Stromkreis belutscht.
Ich hob ihn vorsichtig hoch. Ich hörte das kleine Herz nuscheln, in meiner Hand. Jemand machte Pipi. Ich liess ihn los.
Käptn Enno fiel kopfüber hinter die Couch.

Der Anzeigentext hatte nicht gelogen: Bis auf Käptn Enno war der Promenadenwurf bildhübsch. Vater unbekannt, Mutter Bearded Collie. Die Wahl fiel nicht leicht. Frau oder Käptn. Schön oder Krücke. Wobei Frau Moll den Vorteil hatte, kein Kerl zu sein. Weibchen sind besser. Weibchen geiern nicht jeder Pussy hinterher. Die markieren nicht den grossen Mann. Die..
"..nehmen wir!"
So wurde Frau Moll No. 3 in unserer kleinen Komödie.

Auf der Heimfahrt, sie stand mit den Pfoten auf meinen Eiern, pinkelte sie mir zitternd in den Schoß.
"Fahr nicht so in die Kurven!" wies ich die Gräfin zurecht.
"Ich fahr doch nur zwanzig!"
"Dann fahr zehn!"
"Dann kann ich auch gleich stehen bleiben!"
"Dann bleib stehen!"
Wir benötigten zwei Stunden und zehntausend Nervenklumpen für die fünf Kilometer Rückfahrt.

Zwei Tage später rief ich bei der Zeitung an und gab eine Annonce auf.
"Welpe abzugeben."
Ich hatte die Nase voll von diesem struppigen, scheissenden Etwas. Übers Wochenende hatte uns Frau Moll einen Haufen nach dem anderen in die Stube gesetzt, mit einem niedlichen Lächeln.
Okay, damit muss man am Anfang leben. Aber dass der Hund partout nicht raus wollte, nicht einmal in den ungefährlichsten Garten der Welt, ja, dass er überhaupt nur einen einzigen Chef zu akzeptieren schien, das setzte uns arg zu:
"DEINE ANGST IST NICHT CHEF!" zürnte ich.

Nachdem die Anzeige am nächsten Tag erschienen war, stand das Telefon nicht still, aber wir liessen es klingeln. 24 Stunden hatten gereicht, um alles wieder komplett umzustossen.
Ich weiss gar nicht, was letztlich den Ausschlag gab, aber es war Dienstagmorgen, die Sonne kniepäugelte um die Ecke und die Gräfin und ich verliebten uns ein zweites Mal in ein Hündchen, das büschelweise Fell abwirft und miekend unter den Tisch flüchtet, wenn es sich erschreckt.
2.10.06 09:41


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