Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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DER NAGEL

"Kleine Männer stinken beim Ficken!!"
Das war der blöde Spruch, mit dem ich den kleinen Rocketta immerzu aufziehen wollte, wenn wir nebeneinander am Tresen standen, aber Rocketta hat nur laut gelacht.
"Hau ab, du Lutscher!" schrie er, wenn ich nach dem zwanzigsten Kölsch rüberkam mit dem Spruch.

Der kleine Rocketta hatte einen Beruf, er war Dachdecker. Einmal hat er Pech gehabt, während der Arbeit. Ist in einen rostigen Nagel getreten, in seinen billigen Dachdeckerschuhen, die nichts aushielten. Der Nagel ging glatt durch, sieben Zentimeter in den Fuss rein, und guckte oben wieder raus, aus dem Spann.
"Zuerst hab ich kaum was gemerkt davon. War ein Gefühl, als hätte ich auf eine tote Katze getreten, die nicht wegläuft."

Im städtischen Krankenhaus haben sie dann ambulanten Murks gemacht. Keine Röntgen-Aufnahmen, dumme Blicke, nach Hause geschickt.
Nach ein paar Tagen wurden die Schmerzen unerträglich, trotz der Pillen für Krebskranke, die Rocketta sich auf der Platte besorgt hatte, beim dicken Methadonhändler.
Er also zurück ins Krankenhaus.
Die Wunde rund um das Loch hatte sich entzündet. Vorschlag des Chefarztes: Amputation des Fußes, damit die Entzündung nicht noch mehr Unheil anrichtet und womöglich das ganze Bein ab muss.
Am selben Abend erreichte Rocketta auf dem Zimmertelefon der Anruf eines Bekannten, der zwei Etagen tiefer als Pfleger jobbte.
"Such dir eine andere Klinik, Mann. Die schneiden hier zu schnell. Die sind total messerbekloppt! Mann, wir sind hier in Solingen!"

Am nächsten Vormittag, Chefvisite. Der kleine Rocketta teilte den versammelten Metzgern mit, dass er verlegt werden möchte, um eine zweite Meinung einzuholen, in eine andere Stadt.
"Eine halbe Stunde später wurde ich rausgeschmissen!"
"Rausgeschmissen?!"
"Na gut, ausgeflogen, mit dem Blaulicht-Hubschrauber nach Bocholt, in eine Spezialklinik."

Der Fuß ist tatsächlich gerettet worden. Doch bevor man das Loch, mittlerweile gross wie eine 50-Cent-Münze, mit chirurgischem Plastik auffüllen konnte, musste die Wunde zwei Tage lang offen bleiben. Dazu wurde das Bein auf einem Spezialkissen höher gelegt. Nach einigen Versuchen fand Rocketta eine bestimmte Liegeposition, in der er durch das Loch genau auf den Bildschirm des Münzfernsehers gucken konnte.
Sehr bequem, fein austariert.
Die Schwestern auf der Station konnten es nicht fassen.
"Was um Himmels Willen machen Sie denn da?!"
"Ich guck Sportschau."
3.6.06 21:00


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