Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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DIE 3 ROCKETTAS IN: DER GROSSE DEAL

Nachdem Mutti Rocketta ihre drei Jungs wiederholt beim Masturbieren erwischt hatte, bei geöffnetem Fenster und Sonnenschein, setzte es ein Donnerwetter.

"Wie oft soll ich euch noch sagen, ihr sollt nicht auf die Strasse wichsen!? Wollt ihr wegen Aquaplaning vor den Kadsi?! Macht wenigstens das Fenster zu, ihr verdammten Lauser!"

Ein Stündchen später, beim Abendbrot, war Mutti immer noch auf 180.

"Alle Wichsgriffel will ich oben auf der Tischkante sehen!" drohte sie mit erhobener Fliegenklatsche.

Es gab Tee und leckere Tomatenbrote.

Mitternacht im Kinderzimmer. Kriegsrat.

"Macht das Licht aus", wisperte der lange Rocketta. Er war mit 38 Jahren nicht nur der Älteste, sondern auch der einzige im Trio, der wusste, wo der Hase lang läuft. Ins Gebüsch nämlich, um sich zu verstecken.

Der Mond schien sternenklar ins Zimmer, was den Langen zu einem seiner Höhenflüge animierte: er baldowerte einen neuen fabelhaften Plan aus.

"Endlich mal richtig Zaster abgreifen. Dann können wir hier ausziehen!"

"Jaa! Mit Mutti in ein grosses Haus!" rief der mittlere Rocketta aufgeregt.

Die beiden anderen stöhnten.

"Nicht so laut, du Doof!"

Der lange Rocketta hatte Genie im Schädel, keine Frage.

"Und zwei Jahre Zuchthaus müssen ja auch für was gut sein", zwinkerte er. "Nicht nur zum Schwulwerden!"

Seine Brüder nickten ergriffen.

Mitte der 90er war er böse verpfiffen worden, als er mit Metall verstärkte Ess-Stäbchen als Maschinen-Stricknadeln ausgeben und nach Nord-China verschiffen wollte. Aber der Plan war aufgeflogen. Das war Kacke gewesen. Aber hier war der neue Coup, entwickelt in sternenklarer Kinderzimmernacht.

*Schritt 1: Pepperl Rocketta, ein verschwiegner Cousin, der sich schon im deutsch-niederländischen Grenzverkehr als LSD-Eselchen einen Namen gemacht hatte, klaut auf telefonischen Zuruf hin bei Moot & De Baker in Maastricht exakt 5000 Verpackungseinheiten eines edlen Fleischtomaten-Samens und schickt sie umgehend und per Einschreiben ins Bergische Land. Dort werden die leeren Tütchen bereits erwartet.

"Da stopfen wir billigen Siff rein!" wieherte der lange Rocketta. Er hatte Fieber vor lauter Vergnügen! Fast vierzig!

Also 39.

Mit 38!

*Schritt 2: dafür braucht es minderwertigen Wassertomaten-Samen. Und zwar fünfzig Kilogramm! Wo es das gibt? Na, um die Ecke, bei Samen Hansa, dem Billigheimer.

Der Einbruch fand am Wochenende statt. Da der mittlere Rocketta im Grosshandel Hansa eine Weile als Aushilfe gejobbt hatte (acht Wochen lang musste er dicke Bohnen aussortieren) kannte er sich mit den Örtlichkeiten gut aus. Die drei Rockettas rasselten durchs Deckenlicht ins Samenlager und transportierten die Schore säckeweise ab, mit dem Kleinbus von Tante Irmchen.

"Dafür kassier ich aber 20 Prozent, ihr Luser!"

*Schritt 3: die 5000 Original-Tütchen von Moot & De Baker mit je 10 Gramm billigem Wassertomaten-Samen auffüllen! Zum Verschliessen der Verpackungen musste Mutti Rocketta kurzfristig das Bügeleisen entwendet werden, da ging den drei Brüdern ganz schön die Muffe.

*Schritt 4: die Schore in die Türkei verschieben, wo entlang der Mittelmeerküste Tausende von Bauern kaum erwarten konnten, den holländischen Supersamen zu kaufen, galt er doch als resistent gegen alle Arten von Ungeziefer.

Anfang April, die erste Aussaat war fällig. Mit 5000 Tütchen falschem Tomatensamen in Reservereifen und Sitzpolstern verstaut ging es in Tante Irmchens Kleinbus ("30 Prozent! Ihr Strassenwichser! Das gibt doch Aquaplaning!!") über Wien und Zagreb ins Zielgebiet, eine Route, die alle drei Rocketta-Brüder auf dem falschen Fuss erwischte, waren sie doch fest davon ausgegangen, dass Jugoslawien nicht mehr existierte.

"Verdammt, dann ist mit Abkürzung aber Essig", maulte der mittlere Rocketta enttäuscht, "wenn es das scheiss Land immer noch gibt!"

Endlich angekommen in Konstantinopel, ging der Lange mal eben telefonieren. Unter der Nummer, die er sich in verschwommenen Kanälen unterm Hauptbahnhof Duisburg besorgt hatte, meldete sich niemand. Da sollte sich aber jemand melden, verdammt! Und zwar ein bestochener Beamter der Saatgut-Zentrale Ankara! Alle paar Minuten stiefelte der Lange zur Telefonzelle. Es herrschte eine Bullenhitze. Er wischte Schweiss und er wählte. Endlich hob jemand ab. Der Hehler! Er sprach ohne Pause und auf türkisch. Rocketta warf mehrmals ein "..ööh..!" ein, umsonst. Dann legte der Türke auf, ohne dass es eine Klärung gegeben hätte. Verdammt!

Das Trio fuhr ziellos durch die große Stadt. Es überquerte die Brücke über den Bospurus, und war mit einem Mal in Asien. Anderer Kontinent, andere Sitten. Es klopfte ans Fenster.

Polis.

Der Lange verlor als erster die Nerven. Er riss die Schiebetüre auf und türmte durch den dichten Verkehr, der jüngste Rocketta hinterher, ängstlich nach seiner "Muttih!" brüllend. Als sowohl der Lange als auch der Jüngste ins Stolpern gerieten, waren sofort sechs Militärpolizisten über ihnen. Nur der mittlere Rocketta hatte die Nerven behalten und war in dem Tumult einfach davonspaziert, mit zwei Reservereifen zum Taxistand.

"Hotel Savoy, bitte."

Dort wählte er den Hehler an. Zunächst war wieder besetzt, dann plötzlich eine Frau am Apparart. Sie sprach perfekt deutsch.

"Eure Tante Irmchen ruft hier pausenlos an, ihr Wichser!"

Es wurde ein sofortiger Treffpunkt vereinbart und die Tütchen mit den falschen Tomatensamen wechselten den Besitzer, für lumpige 10.000 Euro - umgerechnet. Das war exakt die Summe, die der türkische Richter als Kaution festgelegt hatte, für die beiden inhaftierten Brüder. Die sassen in U-Haft, wo es nichts anderes zu essen gab als anatolisches Tomatenbrot, was vorallem den Langen dermaßen erboste, dass er nachts zu einem Mithäftling ins Bett kletterte und ihm den Samen raubte, einen ganzen Mund voll.

"Hoffentlich merkt Mutti nichts davon!" sorgte sich Junior im Dunkeln.
2.3.06 11:51


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