Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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THE TODESTAG

Heute j?hrt sich zum 34. Male der Todestag von Jim Morrison.
Nun hab ich mich ja weitgehend von der Popmusik verabschiedet, ich mag den ganzen Bimbam nicht mehr h?ren, ich bin popsatt, quasi.
Quisi.

Zwei Musiker aber begleiten mich bis heute.
Da ist zum einen Jonathan Richman, der am Rand vom Sandkasten sitzt und seine Kindergitarre sucht und dabei unerm?dlich Platten voller Sehnsucht herausbringt, und da ist
Jim Morrison.

Meine Begeisterung f?r die Doors begann im Sommer 1971.
Ich war elf Jahre alt, hatte O-Beine vom Fussballspielen und kaufte mir die neu erschienene Doors-Single "Riders on the storm" bei Radio Palenschadt am Neumarkt. Die hatten damals schalldichte Einzelkabinen, in denen ein Plattenspieler stand,
f?rs Probeh?ren.

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte: der S?nger
der Doors, Jim Morrison, war bereits ein paar Tage tot. Er war
am 3. Juli in Paris in einer Badewanne ertrunken.
Es ist letzlich nie gekl?rt worden, woran er wirklich gestorben ist. Der herbeigerufene Arzt hatte auf dem Totenschein lediglich "Herzversagen" als Todesursache attestiert, na sowas.

Es gibt jedoch eine Reihe Fotos, die ein paar Tage vor dem Ungl?ck aufgenommen wurden und die Morrison auf der
Terrasse eines Pariser Cafes zeigen, aufgedunsen bis zur Unkenntlichkeit. Wer diese Bilder gesehen hat, der ahnt: Jim Morrison hat sich totgesoffen, und ob da nun, wie vielfach vermutet, der d?stere Monsieur Morphium noch mit in der
Wanne gesessen hat oder nicht, spielt letzlich keine Rolle.

Zehn Jahre sp?ter, am 3. Juli 1981, wollte ich mit Karlos und TB, beide ebenfalls grosse Morrison-Verehrer, zum Friedhof Pere Lachaise in Paris, wo er begraben liegt. Eine Menge Prominenz hatte sich zum zehnten Todestag angesagt, da wollten wir nicht fehlen.
Da TB bis zum 2. Juli abends arbeiten musste, nahm er am 3. Juli vormittags den Intercity von K?ln nach Paris, w?hrend Karlos
und ich bereits am 1. Juli losgetrampt waren, von der Autobahn- Rastst?tte Solingen-Ohligs aus.

Zwei Jungs in zwei Tagen bis Paris, mein Gott, wir hatten schon l?ngere Strecken schneller hingekriegt, und das zu dritt mit dicken Rucks?cken und Totenkopf-Flagge.
Kein Problem also.
Wir verabredeten uns mit TB auf dem Friedhof, und zwar dort,
wo gesungen wird, um drei Uhr nachmittags, am 3. Juli.
Nat?rlich kam es anders.

TB war p?nktlich am Grab, tausende von Fans waren p?nktlich
am Grab, alle waren so verdammt p?nktlich an diesem 3. Juli und stimmten a cappella "My wild love" an. Sogar die drei verbliebenen Doors waren eigens mit einem Filmteam angereist: Ray Manzarek, Robbie Krieger, John Densmore. (Ger?chteweise hatte selbst Danny Sugarman die Reise von Los Angeles nach Europa angetreten, der alte Angeber.)
Wer nicht da war, klare Sache: Karlos und ich.

Zu diesem Zeitpunkt bauten wir im str?menden Regen auf einer belgischen Kuhwiese ein Zweimannzelt auf und hatten m?chtig Wut. Warum? Wir hatten Tramper-Pech auf der ganzen Linie.
Kaum ein Wagen hatte angehalten, und wenn sich doch mal ein Fahrer erbarmte und uns mitnahm, dann vielleicht zwanzig Kilometer weit bis zur n?chsten Autobahn-Abfahrt.
"Und jetzt raus hier. Allez!"
So vergingen die Tage und wir n?herten uns Paris mit der Geschwindigkeit von zwei Raupen.

Wir waren so ver?rgert und genervt, dass sich die Stimmung erst ?nderte als klar war, dass wir es gar nicht mehr schaffen konnten bis Paris. Von da an entwickelte sich der Abend des 3. Juli noch zu einem der sch?nsten 3. Julis in meinem ganzen Leben: Karlos und ich auf dieser Weide abseits irgendeiner belgischen Autobahn, unter Dauerregen im Zelt, von furchteinfl?ssend muskul?sen weissen K?hen umgeben.

Diese Monster nicht aus den Augen lassend, erhitzten wir auf unserem kleinen Campingkocher zwei Flaschen roten Landwein, bisschen Zucker dazu und einen Joint gerollt vom letzten Dope: wir haben gelacht bis wir einschliefen, und als ich in der Nacht wach wurde mit zerfranster Kehle war ich immer noch am lachen, w?hrend Karlos draussen mit den K?hen diskutierte:
"Zum Mitnehmen, ja selbstverst?ndlich! K?nnen Sie ruhig alles in eine Tasse packen! Ist nicht zu schwer, nein, die Dame! Ich bedanke mich! Ein sch?nes Weihnachtsfest!"

Zum Fr?hst?ck gab es f?r jeden einen N?sel Kuhmilch und als wir am Abend dann tats?chlich Pere Lachaise erreichten, war ausser uns nat?rlich niemand anwesend, welcher Penner besucht schon Jim Morrison an einem 4. Juli.
3.7.05 00:34


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