Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Die wahren Helden wohnen um die Ecke

Wenn Eileen, die Frau mit dem dicken Bauch, lachte, sah es aus,
als lachten viele Frauen
und ein Buddha.



Ill.: Sanne Eggert

*

Die wahren Helden wohnen um die Ecke. Aber was tun, wenn sie plötzlich fortziehen? Nehmen sie ihr Heldentum dann mit? Bleibt eine Leerstelle, wo zuvor der Held lebte?

Der kleine dicke Mann, der so lange in der Nachbarschaft gewohnt hat, dass ein Leben ohne ihn kaum vorstellbar war, ist fortgezogen. Die Wohnung war ihm zu teuer geworden. Außerdem hat er es in den Beinen, er kann nicht mehr gut gehen, er und seine Frau haben eine Erdgeschoßwohnung gesucht, in einer anderen Siedlung.

Wie oft habe ich mit dem kleinen dicken Mann vorm Haus zusammengestanden und seinen Geschichten gelauscht, in diesem warmen Solinger Singsang, der mich an meine Eltern erinnerte. An meine Onkel und Tanten, an Opa, meine Oma, an die ganze Sippe, die Solinger Platt sprach, den Slang meiner Kindheit.

Manchmal ertappte ich mich dabei, dass ich einfach die Augen schloss und mich in den Worten des kleinen dicken Mannes hin- und herwog, ohne groß auf den Sinn zu achten. Es war, als badete ich, und der kleine dicke Mann war mein Badesee.

Der kleine dicke Mann erzählte gern von Fußball. Sein Enkel spielt bei der Fortuna, er ist sein ganzer Stolz, ehrlich gesagt, mir war lieber, er erzählte aus den alten Zeiten. So erfuhr ich, dass diese hybridartigen Fußballplätze wie in Kohlfurth, wo ich beim RSV alle Jugendmannschaften durchgespielt habe, von der E- bis zur A-Jugend, früher gang und gäbe waren im Stadtgebiet, Zwitterplätze zwischen Asche und Rasen. Das Gras säte sich sozusagen von selbst aus und wuchs mit der Zeit von den Rändern zur Mitte hin, es geschah von ganz allein, ohne Zutun der Vereine.

Als der Ascheplatz in Kohlfurth mehr und mehr von Rasen überwuchert wurde, stellte RASSPE einen Mähtraktor zur Verfügung und mähte die Wiese ab und zu. Das bot sich an. RASSPE war nicht nur Namensgeber des 1909 gegründeten Arbeitervereins Rasspe Sport Verein (RSV) Kohlfurth, RASSPE war einer der führenden Landwirtschaftsmaschinen-Hersteller seiner Zeit, die Fabrikhallen lagen um die Ecke. RASSPE zahlte schlecht, das war in der ganzen stolzen Stadt bekannt: "Willst du schlechte Löhne, geh zu Rasspe und Söhne!"

Der kleine dicke Mann erzählte, dass es 1950, zum 40jährigen Bestehen des RSV ein einwöchiges Fest-Turnier in Kohlfurth gab. Im Endspiel standen sich der SV Sudberg und der SSC 95/98 gegenüber. Es war Sonntagnachmittag, Bratwurststände und Trinkbuden waren aufgebaut, Hunderte von Zuschauern säumten den mit Blumengirlanden geschmückten Platz. Und dann gab es eine mordsmäßige Klopperei unter den Spielern, in deren Verlauf eine betagte Sudberger Anhängerin ("Minimum um die sechzig!") den Platz stürmte und mit ihrer Handtasche zuschlug, wobei einem Spieler des SSC das halbe Ohr abrasiert wurde. Sofort wurde das Endspiel abgebrochen, Polizei fuhr vor (im Peterwagen), es wurden Platzverweise ausgesprochen. Nicht vom Schiedsrichter, der hätte weiterspielen lassen, aber von der Polizei.

"Das waren noch richtige Kerle früher auffem Platz, die hatten noch Schitte inne Füße!"

Wieso ist der kleine dicke Mann bloß weggezogen. Wer erzählt mir jetzt noch solche Schoten, die bei Licht betrachtet vielleicht nichts besonderes darstellen, aber wenn man das Licht ein wenig dimmt und zur Seite schaut...
1.11.17 17:04


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