Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Iwan und Buddy

Früher konnte ich Boxer, ich meine die Rassehunde, nicht leiden. Das hat sich geändert. Zum einen hat man ihnen das boxertypische Sabbern größtenteils weggezüchtet, zum anderen haben wir Regina kennengelernt. Die Frau mit den zwei Boxern Iwan und Buddy, die noch Boxer vom alten Schlag sind mit ordentlich Speichelfluss. Regina nennt sie nur "meine zwei Sprinkleranlagen."

Wir treffen Regina am Nachmittag. Sie hat nur einen der beiden Boxer dabei, Buddy. Der ist ganz verrückt nach Frau Moll, die beiden Hunde machen sich sofort übereinander her und spielen Ich-bin-hier-der-Chef-ich-steig-dir-jetzt-aufs-Dach-halt-du-mal-schön-dein-Maul-du. Regina ist wie immer gesprächig. Sprudelt geradezu über.

"Ich bin noch ganz durcheinander.. Hab eben einen Anruf bekommen. Unser Kassierer hat sich erschossen. Im Wohnzimmer."

Wenn man das so hört, denkt man ja gleich:

"Unterschlagung?" frag ich.

"Nee, keine Unterschlagung. Ist ja nur unser kleiner Boxer-Club, da lohnt keine Unterschlagung. Außerdem hätte der Willi das niemals getan. Der ist.. der war in Ordnung."

"Ja, das denkt man immer", entgegne ich. "Weil Buchhalter harmlos und still in der Ecke hocken und das Geld zählen und dann ist das Geld weg und wer ist auf und davon? Der Buchhalter."

"Ach, der Willi, nee. Eigentlich war er ein lustiger Kerl, ein richtig gemütlicher Kölner, bis man vor einem halben Jahr Darmkrebs bei ihm diagnostiziert hat."

"Ach, der arme Kerl", sagt die Gräfin.

"Ja sicher, aber letzte Woche hat Willi erfahren, dass der Krebs gutartig war. Er hatte also gar keinen Grund mehr sich zu erschießen, er wäre ja wieder gesund geworden. Und dann noch im Wohnzimmer. Das muss doch nun wirklich nicht sein. Oder?"

Regina spricht stets in derselben Tonlage. Niemals aufgeregt. Immer cool. Sie hat eine kleine rote knubbelige Nase, wie ein Clown, der keine Maske aufziehen muss, weil er von Natur aus so aussieht. Eine praktische Frau. Rein von der Veranlagung her.

"Ich mein, da kommt die Rosi von der Arbeit nach Hause und wer liegt da im Sessel und hat sich erschossen? Ihr Mann. Muss das sein? Hätte der nicht in den Wald gehen können? Oder vor ne Mauer fahren? Oder einen Unfall vortäuschen, dann hätte die Rosi wenigstens die Lebensversicherung ausbezahlt gekriegt, aber so. .bei Selbstmord. Es wird in Köln schon schwer genug, einen Pfarrer zu finden, der die Beerdigung macht. Der war ja Katholik, der Willi."

"Vor ne Mauer fahren ist nicht ungefährlich", werfe ich ein. "Womöglich bleibt man querschnittsgelähmt und hat die Kacke richtig am Dampfen."

"Ach was, mit hundert vor die Mauer, da bleibt nicht viel übrig", meint Regina. Sie trägt ein schickes schwarzes Collegejäckchen, das ich noch nie an ihr gesehen hab. "Der Willi fuhr einen alten Ford. Das hätte schon geklappt. Der wär mausetot gewesen, auf der Stelle. Aber gemütlich im Wohnzimmersessel sitzen, die Zeitung lesen und sich erschießen, nur weil der Krebs plötzlich doch nicht bösartig ist, das muss nun wirklich nicht sein. Oder?"
Buddy, die noch Boxer vom alten Schlag sind mit ordentlich Speichelfluss. Regina nennt sie nur "meine zwei Sprinkleranlagen."

Wir treffen Regina am Nachmittag. Sie hat nur einen der beiden Boxer dabei, Buddy. Der ist ganz verrückt nach Frau Moll, die beiden Hunde machen sich sofort übereinander her und spielen Ich-bin-hier-der-Chef-ich-steig-dir-jetzt-aufs-Dach-halt-du-mal-schön-dein-Maul-du. Regina ist wie immer gesprächig. Sprudelt geradezu über.

"Ich bin noch ganz durcheinander.. Hab eben einen Anruf bekommen. Unser Kassierer hat sich erschossen. Im Wohnzimmer."

Wenn man das so hört, denkt man ja gleich:

"Unterschlagung?" frag ich.

"Nee, keine Unterschlagung. Ist ja nur unser kleiner Boxer-Club, da lohnt keine Unterschlagung. Außerdem hätte der Willi das niemals getan. Der ist.. der war in Ordnung."

"Ja, das denkt man immer", entgegne ich. "Weil Buchhalter harmlos und still in der Ecke hocken und das Geld zählen und dann ist das Geld weg und wer ist auf und davon? Der Buchhalter."

"Ach, der Willi, nee. Eigentlich war er ein lustiger Kerl, ein richtig gemütlicher Kölner, bis man vor einem halben Jahr Darmkrebs bei ihm diagnostiziert hat."

"Ach, der arme Kerl", sagt die Gräfin.

"Ja sicher, aber letzte Woche hat Willi erfahren, dass der Krebs gutartig war. Er hatte also gar keinen Grund mehr sich zu erschießen, er wäre ja wieder gesund geworden. Und dann noch im Wohnzimmer. Das muss doch nun wirklich nicht sein. Oder?"

Regina spricht stets in derselben Tonlage. Niemals aufgeregt. Immer cool. Sie hat eine kleine rote knubbelige Nase, wie ein Clown, der keine Maske aufziehen muss, weil er von Natur aus so aussieht. Eine praktische Frau. Rein von der Veranlagung her.

"Ich mein, da kommt die Rosi von der Arbeit nach Hause und wer liegt da im Sessel und hat sich erschossen? Ihr Mann. Muss das sein? Hätte der nicht in den Wald gehen können? Oder vor ne Mauer fahren? Oder einen Unfall vortäuschen, dann hätte die Rosi wenigstens die Lebensversicherung ausbezahlt gekriegt, aber so. .bei Selbstmord. Es wird in Köln schon schwer genug, einen Pfarrer zu finden, der die Beerdigung macht. Der war ja Katholik, der Willi."

"Vor ne Mauer fahren ist nicht ungefährlich", werfe ich ein. "Womöglich bleibt man querschnittsgelähmt und hat die Kacke richtig am Dampfen."

"Ach was, mit hundert vor die Mauer, da bleibt nicht viel übrig", meint Regina. Sie trägt ein schickes schwarzes Collegejäckchen, das ich noch nie an ihr gesehen hab. "Der Willi fuhr einen alten Ford. Das hätte schon geklappt. Der wär mausetot gewesen, auf der Stelle. Aber gemütlich im Wohnzimmersessel sitzen, die Zeitung lesen und sich erschießen, nur weil der Krebs plötzlich doch nicht bösartig ist, das muss nun wirklich nicht sein. Oder?"
25.4.17 17:42


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