Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Der Abend streicht um die Häuser wie ein Päckchen gute Butter


Paar Kinder sind noch draussen, die 10 bis 12jährigen. Ihre Alten sitzen daheim vorm Fernseher, was sich nur noch ertragen lässt, wenn man dabei ununterbrochen Glutamat in sich reinschaufelt, Geschmacksverstärker und rosa Lebensmittelfarbe.

Das haben die sich fein ausgedacht, damals, die Herren Grundig und Telefunken, als sie dem Frollein Bahlsen und Herrn Dr. Oetker geschäftliche Avancen machten. "Fernsehen und Fressen", meinte Max Grundig 1952 konspirativ, "sind das nächste große Ding!", worauf Frollein Bahlsen vor Freude nachsalzte.

Was die Alten damals nicht bedachten: dass die Buntkisten immer größer werden, sich aufblähen zu King Size Swimmingpoolgröße, und dass die Snacks da kaum mehr mithalten können: Wer kriegt schon ein Knoppers groß wie ein Schuhkarton ins Maul.

Kinderstimmen vom Spielplatz:

"Kennt ihr den Boomer?"

"Den Boomer? Klar. Den kennen wir. Warum?"

"Ist der cool?"

"Der Boomer? Der und cool? Nee."

"Wie, nee? Ich dachte, der Boomer wär cool. Der fährt doch jeden Samstag runter ins Tal, rammeln. Ne Bitch. Oder nich?"

Wem solche Sätze abends ins Zimmer schwappen, durchs offene Fenster drängeln, ich meine, ist es da nicht logisch, dass man aufsteht und sich das mal anguckt, live, vorn am Fenster, was draussen los ist? Nichts zu sehen. Man hört nur Stimmen. Es geht um Boomer. Ich kannte mal einen Hund, der hiess Boomer, das war ein Streuner, der kam 1975 immer Samstagnachmittags aus Amerika ins ZDF. Ein Hollywoodhund. Boomer, der Streuner. Aber hat der denn eine Bitch im Tal klar gemacht? Frag den Abendwind. Die Stimmen der Kids kommen vom Spielplatz, man hört sie frech in die Buddelkiste rotzen. Ich seh den kleinen rothaarigen Nachbarsungen, der seit Jahren nicht mehr wächst, der immer nur klein bleibt, Richtung Spielplatz laufen.

"He, ihr Penner! Wartet! Hier ist eine, die will euch einen lutschen!"

Er zieht seine größere Schwester hinter sich her, die es lachend geschehen lässt. Das Hinterherziehen. Die Kumpel reagieren nicht. Damit hat er nicht gerechnet. Er lässt die Schwester los und kratzt sich am Hintern, genau wie die Alten daheim vorm Fernseher.

*

Hunde streicheln einen nie zurück. Gibt einem das nicht zu denken? Vielleicht wollen die gar nicht gestreichelt werden.

*

Manchmal, gerade jetzt im Februar, ist es draussen so neblig und diesig, als wäre die Erde ein Stück tiefer in den Weltraum gerutscht, raus aus der alten Milchstrasse, rein ins Nebulon, wo es ruppig zugeht. Bis die Große Dunstabzugshaube eingeschaltet wird, und der Spuk ein Ende findet: freie Sicht auf die wuppernden Berge.

Wupp. Wupp. Wupp.

*

Wenn man alt wird und die Körperfehler kommen.

*

Der Mensch wird erst dann interessant, wenn ihm etwas wegbricht, was ihm lange lieb und heilig war. 

*

Der Abend streicht um die Häuser wie ein Päckchen gute Butter

*

Es ist schwer, jemandem die Wahrheit zu sagen, den man liebt.

22.2.17 18:01


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