Glumm Vom räudigen Leben, der Wucht & dem Nimbus
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Madam, Sie müffeln, und das nicht zu knapp!


 

In einem seiner autobiografischen Romane hilft der italienischstämmige US-Autor John Fante alias Arturo Bandini seinem alten Vater beim Bau eines Hauses. Wie immer geht eine Menge schief, tragende Wände stürzen ein, Knochen brechen. Und da ist der alte Familienhund, der als Running Gag den ganzen Tag in der Ecke liegt und vor sich hin furzt, mit Flatulenzen im Endstadium.

Als ich das Buch Anfang der Neunzigerjahre in einem Zug weggeschlürft habe, amüsierte mich die bestialisch müffelnde alte Töle in der Ecke, ohne zu ahnen, dass uns zwei Jahrzehnte später ein ähnliches Schicksal ereilen sollte: Eine Hündin, die hässliche kleine heiße Schleicher absondert, während wir friedlich zu Tisch sitzen. Ein bösartiger Gestank, der einem keine andere Wahl lässt als angewidert aufzustöhnen, verdammt, was hat der blöde Hund draußen wieder gefressen! Ist ja nicht zum Aushalten! Hau ab!

Frau Moll trollt sich beleidigt, todunglücklich aus dem Hintern stinkend. Was sie eine Stunde später nicht davon abhält, draussen ein Stück weggeworfene Fleischwurst, noch in der Pelle, aufzunehmen und in einer Hast zu verschlingen, die keinen Eingriff meinerseits erlaubt - so schnell ist das Aas, wenn es was zu fressen findet.    

Wenn ich sie dann ausschimpfe, macht sie erstmal auf schön Wetter. Sie ist unterwürfig wie Goebbels.

"Aber ich hab doch einen Hinkefuß! Ich kann doch nicht anders!"

"Ich bin nun mal ein Schwein, wenn ich Fleischwurst rieche!"

"Ich bin ein Fleischwurstjunkie!"

"Eine Billigschauspielerin!"

"Ich hab nun mal immer Hunger! Ich bin unschuldig! Ich befinde mich Tag und Nacht im Hagel meiner Lüste!"

An selbstbewussteren Tagen sieht die Sache anders aus. Kaum kommen wir auf ihre Blähungen zu sprechen, aus Gründen, die auf der Hand liegen, dreht sich Frau Moll auf ihrer Schmusedecke um die eigene Achse und furzt in die andere Richtung. Als wäre das so einfach. Als würden sich Darmgase auf diese Art nicht im Raum verbreiten. Manche Hunde neigen zur groben Simplifizierung von Problemen. 

Überhaupt sehen Hunde manche Dinge anders als der Mensch. So ist es zwar Mollis größter Traum, einmal die Hosen anzuhaben, und zwar an allen vier Beinen gleichzeitig, doch die Beziehung zum eigenen Körper ist eine andere. So ist es für einen Hund längst keine ausgemachte Sache, wem so ein Hintern gehört, nur weil weiter vorn der eigene Kopf draufsteckt. Mit dem Hinterteil an sich hat der Hund nichts zu schaffen. Das Bewusstsein für sein Ich endet mit der Schnauze. Alles, was danach kommt, obliegt einer fremden Macht. Es passiert immer wieder, dass Frau Moll vor den eigenen Darmgeräuschen davonläuft. Sie kapiert nicht, dass es ihr eigenes Geknatter ist, bei dem man instinktiv sofort die Waffe ziehen möchte. Geruch und Klangfarbe empören sie derart, dass sie den ganzen Abend auf der Flucht vor sich selbst ist.

Arme Frau Kimble.

31.8.16 11:06


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